Ein Tag auf der Insel – N’gor

Dakar Senegal N'Gor Insel

Heute mache ich mich auf den Weg zu einer kleinen Insel vor Dakar, N’gor. Der Taxifahrer lässt mich an einer Straße, an der offenbar gerade gebaut wird, raus und meint ich müsste nur da gerade aus gehen um zum Hafen zu kommen. Ich gehe also an der Baustelle entlang und stehe plötzlich auf einem großen Parkplatz. Strand oder Hafen sind nicht zu sehen. Ich suche mir einen Weg durch ein paar Gassen bis zum Strand.

Gefunden. Neben mir trocknet sich gerade ein älterer Herr nach einem Bad im Meer ab und begrüßt mich freundlich. Man wird immer und überall freundlich begrüßt. Meistens allerdings, weil man etwas kaufen soll. Dieser Herr hier hat definitiv nix zum Verkaufen dabei und wirkt mit seinen grauen Haaren recht distinguiert, obwohl er gerade gebadet hat und noch klitschnass ist. Ob ich Französin sei. Nein, Deutsche – erkläre ich ihm. Er grinst und freut sich. Vor Jahren hat er mal in Leipzig studiert und kann sogar noch ein paar Brocken Deutsch. Ich nutze die Chance und frage ihn, wie ich am besten auf die Insel komme, die ich vom Strand aus schon sehen kann. Theoretisch könnte man auch schwimmen, so nah ist das.  Er zeigt auf ein paar Betonpfeiler weiter hinten, an denen mehrere Leute stehen. Da kauft man die Tickets und dort fahren dann auch die Boote ab.

Dakar Senegal N'Gor Insel

Ich stiefele also durch den Sand in Richtung Ticketschalter. Der Strand lädt nicht wirklich zum Baden ein. Außer ein paar alten Booten liegt hier jede Menge Schrott rum, der einfach im Sand abgeladen wird. Alle zwei Meter tritt man auf Hausmüll, den die Männer und Frauen  eimerweise ins Meer werfen. Spielende Kinder angeln sich deshalb Fischköpfe, halbe Fische oder kaputte Plastikschalen zum Spielen aus der trüben Suppe.

Als ich den Ticketverkäufer endlich ausfindig gemacht habe, kann er meinen Schein allerdings nicht wechseln (umgerechnet 15 Euro). Ohne Ticket komme ich nicht auf die Insel. Ich muss also irgendwie den Schein klein kriegen. Von den Gemüseständen kann ich keine große Hilfe erwarten. Ich suche also etwas, dass wie eine Bar oder ein kleiner Laden aussieht. Davon gibt es mal gerade zwei hier unten. Selbst wenn ich etwas kaufen will, können sie mir das Geld nicht wechseln. Schließlich finde ich ein Hotel, in dem ich für 2000 Franc eine 1,5 L Wasserflasche kaufe und dafür kleine Scheine erhalte. Endlich. Mit der schweren Flasche unter dem Arm renne ich zurück zum Strand, kaufe mein Ticket und springe als Letzte gerade noch auf das schon ablegende Boot. Gut, meine Hose ist bei den paar Schritten durch das Wasser etwas nass geworden, aber die trocknet ja schnell wieder.

Das Boot ist eigentlich voll. Ich bin die einzige Weiße und quetsche mich irgendwo an den Rand, neben den Motor. Die Überfahrt dauert keine 5 Minuten. Beim Aussteigen krempele ich meine Hose vorsichtshalber doch hoch, und wate an den Strand. Währned ich noch auf einem Stein sitzend meine Schuhe wieder anziehe gesellt sich eine füllige Dame zu mir. Erstmal sagt sie gar nix, aber nach ein paar Minuten zeigt sie mir dann doch ihre Ketten, Ohrringe und Armbänder. Eigentlich will ich ja nix kaufen.

Durchsetzungsfähig wie ich nun mal bin, befindet sich jedoch schon bald eine bunte Kette aus Kokusnussirgendwas in meinem Besitz.  Weil ich jetzt ihre Freundin bin, zeigt „Dschaba“ mir den Weg zum zweiten Strand der Insel. Es geht durch kleine Gassen, vorbei an wunderschön blühenden Gärten und sehr gepflegt aussehenden Häusern. Die gehören alle irgendwelchen Weißen, die hier zum Urlaub machen herkommen, erklärt Dschaba mir.  Sie selbst wohne nicht auf der Insel. Sie sei doch mit mir im selben Boot gekommen (huch). Tja, verstecken kann ich mich hier nicht. Manchmal fühle ich mich wie ein bunter Hund, bzw. ein „weißer“ Hund. So wie jetzt gerade.

Am zweiten Strand angekommen, lege ich mich erstmal unter einen der Sonnenschirme, für die man natürlich auch bezahlen muss. Babakar macht mir aber einen guten Preis. Sagt er jedenfalls. Es dauert nicht lange, da kommt schon wieder eine andere Dame, um mir ihre selbstgemachten Ketten zu zeigen. Die Tatsache, dass ich vor nicht mal zehn Minuten eine gekauft habe, schreckt sie aber nicht ab. Ihre Ketten seien ja schließlich ganz anders. Sie setzt sich neben mir in den Sand und packt ihre Sachen aus.

Um es kurz zu machen: Da sie eindeutig mehr Erfahrung im Verhandeln hat als ich, und auch mehr Geduld, werde ich natürlich bald stolze Besitzerin einer zweiten Kette. Dann habe ich aber auch Ruhe. Ich genieße den Blick auf das Meer, die Stadt und die Leute. Ein kleines Mädchen tobt sich sichtlich glücklich mit einem Minisurfbrett ganz nah am Ufer aus. Ein paar Jugendliche schnorcheln. Jedenfalls haben sie eine Taucherbrille, die sie sich abwechselnd aufsetzen.

Dakar Senegal N'Gor Insel

Dakar Senegal N'Gor Insel

Ich drehe noch eine Runde über die Insel, durch die kleinen Gassen und lande schnell wieder am ersten Strand, wo die Boote abfahren. Die Insel ist echt klein, aber sehr niedlich. Während ich in einer Strandbar eine Cola trinke, kaufe ich noch eine hölzerne Statue von einem jungen Mann, der gerade zum ersten Mal Papa geworden ist. Am Samstag sei der große Tag: Dann kommt der Marabou zu ihm nachhause und das Baby erhält dann von diesem Priester einen Namen.

Bevor ich noch mehr kaufe, laufe ich schnell zum Boot, das gerade wieder ablegt, um ein paar Besucher der Insel wieder zurück nach Dakar zu bringen.

Dakar Senegal N'Gor Insel

Dakar Senegal N'Gor Insel

Vom Taxifahrer lasse ich mich in Yoff absetzen. Ein kleiner Sandweg führt von hier zu meinem „provisorischen“ Zuhause.  Am Rand des Weges, der eine offizielle, wenn auch rumpelige Straße ist, werden Möbel geschnitzt, Autoreifen und Surfbretter repariert (jedenfalls stehen die da zusammen in einem Schuppen), ein Friseur preist seine Dienste an und dazwischen gibt es immer wieder Stände mit frischem Obst. An einer Häuserecke steht wieder mal ein ausgemergeltes Pferd, eingespannt in seinen Karren, mitten in der Sonne. Pferdekarren fahren hier überall, auf den Autobahnen genauso wie auf den Rumpelwegen. Mal sind sie mit Säcken beladen und trotten langsam vor sich hin, mal werden sie stehend gefahren, wie in Ben Hur.

Hinter mir rumpelt es. Ein Pferdewagen nähert sich erstaunlich schnell und laut. Vorsichtshalber hüpfe ich einen Schritt zur Seite. Das war knapp. Hat der mich nicht gesehen? Bevor ich richtig geschnallt habe, dass da überhaupt was ankommt, ist der Wagen auch schon wieder in einer Staubwolke vor mir verschwunden.

Fortsetzung folgt

Dakar Senegal N'Gor Insel

Dakar Senegal N'Gor Insel

Nützliche Infos:

Überfahrt von N’Gor auf die Insel: 500 XOF für Hin- und Rückfahrt

Tipp: Betrag passend dabei haben!

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6 Comments

  • Ich liebe diese Verkaufsgespräche muss ich hier mal gestehen. 😀 Da kommt man mit den Menschen ins Gespräch und hat hinterher tolle Geschichten zu erzählen. Ja, und dass man Andenken kauft gehört ja auch irgendwie dazu. Mein Mann mag das aber gar nicht und meint immer so: nächstes Jahr fahren wir zum Fischen nach Österreich, da hab ich meine Ruhe. 😉

    • Haha – stimmt. Irgendwie ist es auch nett, weil die Leute wirklich sehr gern und viel erzählen. Ob die Geschichten immer alle so stimmen ist dabei eigentlich nicht so wichtig. 🙂
      LG
      Nicole

    • ; ( schon alles verschenkt. Eignen sich hervorragend als Mitbringsel!!!

  • Schon ein bisschen was anderes als blütenweiße Strände, nicht wahr? Ich glaube, ich hätte nach diesem Ausflug auch mindesten zwei, drei Souvenirs in der Tasche. Ich bin immer leicht irritiert, wenn mich jemand in Kaufverhandlungen verwickeln will und greife schnell zu, um meine Ruhe zu haben. Oder laufe schnell weg. Aber das geht ja nicht immer : )

    • haha – das tröstet mich ja, dass ich nicht die einzige bin! Irgendwie hab ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich nichts kaufe, auch wenn ich weiß, dass die Lebensgeschichten, die sie mir erzählen mehr dem Zweck des Verkaufens als der Wahrheit dienen… hehe 😉 Aber egal. So spare ich mir die Suche nach Andenken und kann dazu noch was erzählen 🙂

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