Coiba – Wir tauchen bei der berüchtigten Gefängnisinsel in Panama

Santa Catalina ist ein winzig kleines Dorf an der Pazifikküste Panamas. So viel unberührte, einfache Schlichtheit überrascht mich, nach dem Manhatten-Hochhaus-Eindruck von Panama City. Doch hier unten geht es noch ruhig und beschaulich zu. Noch, wie gesagt. Denn den geschätzten 700, oder vielleicht auch eher 70 Seelen, die hier wohnen, machen eine zunehmende Anzahl von Touristen ihre Aufwartung. Entweder sind sie hier auf der Suche nach dem ultimativen Surfspot oder sie wollen, wie wir, im marinen Naturschutzpark der Insel Coiba tauchen. Wahrscheinlich wird sich der Tourismus hier sehr bald und sehr schnell weiterentwickeln. Angeblich ist bereits ein großes Resort geplant, denn bisher gibt es nur eine Handvoll kleine Hostels, einen minikleinen Supermarkt mit dem Allernötigsten und ein paar kleine Bars und Restaurants. Noch wird die „Hauptstraße“ vorwiegend von streunenden Hunden und Hähnen bevölkert.

Santa Catalin PanamaHauptstraße Santa Catalina

Santa Catalina Weg zum coiba NationalparkStrand Santa Catalina 

Tauchen im Coiba Nationalpark:

Morgens um halb acht geht unser Tauchtag los. Peter, unser Dive-Guide, lebt schon seit zwei Jahren hier. David, ein sehr netter Tauchlehrer aus Barcelona ist heute auch mit von der Partie. Außer Peter, Michi und mir sind nur noch drei weitere Taucher mit auf dem Boot: Oscar, der gerade seinen Advanced Tauchschein macht, Karine aus Frankreich, die auch im Tauchcenter arbeitet, und David. Ich freue mich tierisch auf den Tauchgang, bin aber auch ein wenig aufgeregt. Es ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal getaucht bin. Im ganzen vergangenen Jahr gerade ein einziges Mal, zu Hause an der Costa Brava. Ich hoffe, ich habe alle wichtigen Zeichen noch im Kopf! Wir werden sehen. Bis zu unserem ersten Tauchspot ist noch Zeit. Eine ganze Stunde fahren wir mit dem kleinen Boot, bis wir an der Isla Cativo vor Anker gehen. Dann kommt der Moment für das erste Briefing. Peter frischt noch einmal kurz unsere Zeichen auf – in Panama misst man nämlich den Druck nicht in Bar, sondern in PSI. Während wir normalerweise also bei 50 Bar das Zeichen geben, dass unsere Luft zu Ende geht, müssen wir uns hier an die Tausenderzeichen erinnern, und erst bei 1000 PSI signalisieren, dass unsere Flasche bald leer sein wird. Peter erklärt kurz, wo wir runter gehen werden und zeigt uns die Strecke. Es kann hier schon manchmal stärkere Strömung geben, schließlich sind wir im Pazifik. Die Sicht ist gut, aber etwas tiefer gibt es auch Plankton. Das verschlechtert zwar die Sicht, aber erhöht die Chancen, planktonfressende Fische wie Mantas oder gar Walhaie zu sehen. Ich bin so gespannt.

Nur noch schnell den Wetsuit anziehen, Flossen, Jacket … Ich komme nicht in den verfluchten Anzug rein. Der ist irgendwie eine Nummer zu klein. Ich ziehe und zerre wie doof, bis ich mir die Finger aufgeschürft habe. Nix zu machen. Ich bin zu dick für das Ding. Dabei ist es Größe M. Kann doch gar nicht sein. Ich quetsche mich gefühlte zehn Minuten lang, bis ich endlich drin bin, wie die Wurst in der Pelle. Viel Bewegen ist nicht, sonst platze ich.

Alle anderen sind natürlich längst fertig. Ab ins Wasser. Jetzt bin ich richtig aufgeregt. Peter gibt das Zeichen zum Abtauchen! Und dann passiert’s. Ich hab das Gefühl, ich kriege keine Luft. Oh nein. Keine Panik Nicole! Du kennst das doch. Ich versuche mich zu beruhigen. Die anderen verschwinden schon langsam unter mir. Ich klebe noch an der Oberfläche, Regler raus und frische Luft schnappen. Ich schlucke Wasser. Peter guckt schon, wo ich bleibe. Wie peinlich. Warum bin ich denn so aufgeregt? Ich stresse mich gerade selbst. Ganz allein. Kann ich gut. Mist. Ich hab heute den Joker gezogen und bin die Dramaqueen. Mist. Aber schon ist Peter bei mir und beruhigt mich. Ich soll an der Oberfläche mit Regler im Mund ein paar Züge schwimmen. Das hilft und sofort geht alles wieder gut. Jetzt bin ich endlich so weit. Wir können abtauchen.

fische coiba tauchen
Als wir unten ankommen, gibt so viel zu sehen, dass mein Kopf wieder total leer ist. Kein Platz mehr für Gedanken. Nur Fische. In der Ferne schlägt ein kleiner Manta Purzelbäume. Hinterher erklärt uns David, dass diese kleinen Mantas so essen! Durch das Drehen holen sie sich das Plankton in den Mund. Peter zeigt nach unten. Ein Stingray liegt da im Sand, ein ziemlich großer sogar. Ein paar Meter weiter klopft er an seine Flasche: Eine dicke Muräne schlängelt sich um einen Felsen unter uns. Dann entdecke ich sogar einen Gefleckten Adlerrochen, einen „spotted eagle ray“. Von den Rochen wimmelt es hier geradezu. Sie sind zwar nicht so groß, wie die Mantarochen bei den Similan Islands, aber dafür gibt es hier unzählige verschiedene Arten.

StingRay Coiba

Nach einer Dreiviertelstunde ist der erste Tauchgang schon wieder vorbei. Wir tauchen auf. Während der Bootsfahrt zum zweiten Tauchspot futtern wir Melone als kleine Stärkung. Irgendwie gibt es fast immer und überall Melone auf den Tauchbooten. Nur einmal hatte ich bisher einen Apfel. :-)

Beim zweiten Dive kriege ich netterweise Peters Shorty, Größe L. Der passt super und ich habe jede Menge Platz. Viel besser. Michi lässt die Kamera auf dem Boot, denn während des Tauchens zu filmen kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Also jetzt einfach mal einen entspannten Tauchgang, nur zum Gucken. Und prompt stoßen wir schon nach wenigen Metern auf den ersten Hai. Der dreht zwei Meter vor uns, zwischen anderen dicken Fischen, seine Runden. Gemeinsam jagen sie kleinere Fische in den Felsspalten. Wir halten uns an einem Felsen fest, denn die Strömung ist ziemlich heftig. Mit den Fingerspitzen an die schroffen Steine geklammert, beobachten wir total fasziniert die kleine Jagdszene. Mein erster Hai. Auch wenn es nur ein Weißspitzenhai ist. Als er einmal kurz in meine Richtung kommt, sieht er aus, als würde er mich direkt ansehen. Darf man da zurückgucken? Oder werden Haie dann aggressiv? Nicht, dass ich den friedlichen Fischfresser irgendwie noch aus Versehen verärgere. Ich versuche mich ganz still zu verhalten und trotz der Strömung nicht zu wackeln. Michi tauscht netterweise mit mir den Platz. In der Mitte der anderen Taucher strömt es nicht ganz so sehr. Wir sehen bestimmt fünf Minuten einfach nur den im Kreis schwimmenden Fischen und dem Hai zu. Wie ärgerlich, dass wir ausgerechnet jetzt die Kamera nicht dabei haben. Irgendwann reißen wir uns dann doch los und schwimmen weiter. Es gibt ja noch so viel zu sehen.

Plötzlich habe ich ein schmerzhaftes Stechen im Ohr. Es tut richtig weh. Das hatte ich noch nie. Mist. Ich mache Peter ein Zeichen und wir gehen ein wenig höher. Das Stechen hört sofort auf und wir schwimmen weiter. Bis zum Ende des Tauchgangs kommt es zum Glück auch nicht wieder.

anlage huetten coiba panamaCoiba Island

Vor dem dritten Tauchgang machen wir eine längere Pause auf der Hauptinsel Coiba. Circa 40 Kilometer, ungefähr eine Stunde Fahrt mit dem Boot, liegt die Insel, die heute ein Naturschutzgebiet ist. Bis 2004 war Coiba nämlich noch ein Open Air Gefängnis für Mörder und andere Schwerverbrecher. Unter ihnen waren auch politische Gefangene, die während der Diktatur auf der „falschen“ Seite standen. Durch dieses abschreckende Bild der Insel als Hölle auf Erden oder Teufelsinsel blieb aber der Urwald auf Coiba ziemlich wild und natürlich erhalten. Es gibt Krokodile und jede Menge Haie. Das sollte wohl ein ausreichender Schutz vor einem möglichen Ausbruch der Gefangenen sein. „Angeblich“, so erzählt David „mussten sich die Wärter nachts einschließen, um nicht im Schlaf von den Gefangenen überrascht zu werden.“ David weiß noch mehr Spannendes zu berichten: „Einer der Gefangenen, ein Schwerverbrecher namens Mali, ist nach seiner Entlassung, nachdem das Gefängnis aufgelöst worden war, Parkwächter geworden.“ Der Aufenthalt auf Coiba habe sein Leben geändert. Er habe Gott getroffen und sei jetzt ein komplett anderer Mensch. Noch heute lebt er nach wie vor irgendwo im Park. Eine der Inseln ist sogar nach ihm benannt worden. Und David meint, er sei total nett. Ich habe ihn leider nicht getroffen, aber dieser Mali kennt die Insel sicher wie kein anderer!

boot coiba panama insel

coiba island Panama strand

blick aus ausstellung coiba insel panama

Wir futtern also auf der sagen- und legendenumwobenen, wilden Insel unser mitgebrachtes Sandwich, ruhen uns aus und können sogar auf ein richtiges Klo gehen. Es gibt nämlich ein paar Hütten, in denen man übernachten kann – jedenfalls wenn man es rechtzeitig, mehrere Wochen im Voraus, plant. Unser Dive Center bietet einmal im Monat oder so auch Multidives, mehrere Tauchgänge mit Übernachtung an. Dann geht es gleich morgens von hier zum ersten Tauchspot. Auch cool. Nur leider fällt keiner dieser Termine in die Zeit, die wir in Santa Catalina sind. Aber so ist es auch schön. Nach einer Dreiviertelstunde legen wir wieder ab. Bis wir den dritten und letzten Tauchspot angefahren haben, zeigen unsere Computer an, dass wir abtauchen dürfen.

Der dritte Tauchplatz ist Whaoo. Anziehen, Rolle rückwärts und Abtauchen sind jetzt kein Problem mehr. Es klappt alles wie geschmiert. Aber Peter hat jetzt ein Auge auf mich und bleibt in meiner Nähe. Das habe ich nun davon. Dramaqueen eben. Ich muss einfach echt öfter tauchen gehen und nicht so lange Pausen machen.

Beim dritten Tauchgang schwimmen wir zunächst wieder durch planktonreiches Gewässer, wo wir Mantas und Haie sehen. Danach wird die Sicht klarer und wir sehen viele Schildkröten und mehr bunte Fische. Ganze Schwärme, durch die wir hindurchtauchen.

Dann ist es Zeit, den Rückweg anzutreten. Wieder eine Stunde Fahrt bis ans Land. Im Tauchcenter angekommen, muss ich gleich wieder auf Klo. Meine Blase füllt sich unter Wasser immer automatisch. Ganz gemütlich bei einer Tasse Kaffee tragen wir das Erlebte noch brav in unsere Logbücher ein, während Peter mit der kleinen Daniela, einer niedlichen, frechen Nachbarstocher, spielt, die irgendwie auch schon zur Tauchschule dazugehört.

Panama Dive Center coiba Santa Catalina

Jetzt würde ich gern gleich morgen wieder tauchen. Nun bin ich gar nicht mehr aufgeregt und habe einfach nur Lust, noch mehr Fische und noch mehr Schildkröten und Haie zu gucken. Aber morgen haben wir einen Tag Ruhe eingeplant und übermorgen geht es schon wieder weiter, nach Chiriquí.

Nützliche Infos Coiba :

Es gibt insgesamt drei Tauchcenter in Santa Catalina. Wir tauchten mit:
Panama Dive Center
Main Street
Santa Catalina
Panama

Website: panamadivecenter.com
Danke an Peter, David, Karine, Sabina und Camilo!

Panama Dive Center coiba Dive Panama Dive Center Team

Website Coiba National Park: www.coibanationalpark.com

Die Inselgruppe um Coiba ist übrigens geologisch gesehen nicht Teil des südamerikanischen Kontinents! Coiba entstand bei der Bewegung der Erdteile zusammen mit Galapagos und ein paar anderen Pazifikinseln. Über die Unterwasser liegende Coco Ridge Mountain Chain sind diese Inseln noch immer miteinander verbunden. Der Coiba Nationalpark ist seit 2005, also nach der Schließung des Gefängnisses, Teil des UNESCO Welterbes!

entstehung coiba insel

Anja von Happybackpacker war auch schon dort zum Tauchen. Ihre Erlebnisse kannst Du hier lesen: www.happybackpacker.de

4 Comments

  • Antworten Februar 18, 2016

    flögi

    Schöne Küste und cooles Tauchen.
    Liebe Grüße

    • Februar 18, 2016

      ninotsch

      Danke Dir! Ja vor allem das Tauchen war echt supergut !!! :-)

      Liebe Grüße zurück!

  • Antworten Februar 16, 2016

    Michi

    So schön zu tauchen, so nette Leute, so schönes Land.

    • Februar 16, 2016

      ninotsch

      Ich würde zum Tauchen glatt wieder dahin fahren :-)

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