Auf die Kuh gekommen – Granja Mas Bes

Mit einem lautstarken „Muuuuuh“ werde ich begrüßt, als ich auf dem Parkplatz der Granja Mas Bes aus dem Auto steige. Auf dem Hof läuft gerade eine Horde Rindviecher von einem Stall in den anderen. Die Arbeiter versuchen, den Kühen den richtigen Weg zu zeigen. Sie haben alle Hände voll zu tun, denn offenbar wissen nicht alle schwarz-weißen Damen, wo es lang geht.

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Mit vier Kühen haben ihre Großeltern damals angefangen, erzählt Maria, als wir vor dem kleinen Hofladen der Granja stehen. Unter dem trencadís, einem Bild aus dem typischen Mosaikmuster, das die Wand ziert, sind Familienfotos aller Generationen, die auf diesem Hof gelebt haben, angebracht. Während die Ururgroßeltern nur ein paar Hühner und eine Kuh zum Eigengebrauch hatten, begann Marias Oma in den sechziger Jahren, die Milch der Kühe zu verkaufen. Aus den vier Kühen wurden bald vierzehn.

Die weiblichen Nachkommen behielt man und so stammt jedes einzelne der 1200 Rindviecher, die heute hier leben, von einer der vier ersten Kühe ab! Noch nie haben sie auch nur eine Kuh dazu gekauft, versichert mir Maria. „Allerdings werden die Damen mittlerweile künstlich besamt. Mit ausgesuchtem Sperma der besten Stiere, selbstverständlich, um gute, gesunde Kälbchen heranzuziehen“, verrät sie dann noch und klärt mich über die Fortpflanzung der Rinder auf. Für das Sperma gibt es sogar einen Katalog mit Fotos der muskulösen Kerle. Kein Witz! Diese Herren, deren wichtigste Lebensaufgabe es ist, Nachkommen zu zeugen, posieren auf den Bildern in echter Stiermanier, mit hoch erhobenem Kopf und coolem Nasenpiercing. Was es nicht alles gibt.

Aber zurück zu den Kühen. Von den über tausend Rindern geben nur rund fünfhundert Milch. Die anderen sind entweder Kälbchen, junge Kühe, die noch nicht schwanger waren, oder sie sind männlich. Maria zeigt auf einem benachbarten, angemieteten Hof, ein paar Hundert Meter Luftlinie entfernt. „Dort werden die Männer, getrennt von den Kühen großgezogen. Die Stiere geben ja keine Milch und sind daher zum Schlachten bestimmt.“

Maria führt uns über den ganzen Hof. Die komplette Anlage ist so aufgebaut, dass alle Prozesse nicht nur umweltverträglich, sondern auch optimal auf das Wohlbefinden der Tiere abgestimmt. Für diese „Welfare Quality ®“ Versorgung gab es auch das AENOR-Zertifikat.

Während unseres Rundgangs entdecke ich prompt eine Kuh, die gerade Wellness betreibt. An einer Massagebürste schrubbt und rubbelt sie sich ausgiebig. Sie genießt sie die rauen Borsten sichtlich! In einem der anderen Ställe gönnt sich eine andere Kuhdame eine Popomassage. Auch Ventilatoren und eine Art Dusche gibt es. Den Kühen geht es definitiv gut hier. Und wenn es den Kühen gut geht, schmeckt die Milch auch besser.

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Auch das Futter bauen sie auf der Granja Mas Bes selbst an. Der Kuhmist wird in Biogas umgewandelt und ins Stromnetz eingespeist. Sie produzieren fünfmal mehr Strom, als sie die Anlage am Tag verbraucht. Leider dürfen sie von Gesetzes wegen nur einen kleinen Teil dieser Energie selbst nutzen. Der Rest muss eingespeist werden. 1500 Familien im Umkreis verdanken ihr Licht also dem Kuhmist. Was nach dem Biogasprozess dann noch übrig bleibt, wird zu trockenem Dünger verarbeitet. Der hat den großen Vorteil, dass er nicht mehr stinkt, wenn er auf den Feldern liegt.

In einem getrennten Bereich sind die Kälbchen untergebracht. Einige von ihnen sind nur wenige Tage alt. Sie tragen große Ohrringe, als Personalausweis sozusagen, damit man weiß, wo sie herkommen und wann sie geboren sind. „50 % der Kälber sind weiblich 50 % sind männlich“, erklärt Maria, während ich die süßen Minikühe bestaune. „Das überlassen wir komplett der Natur und das ist eben Hälfte Hälfte.“

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Aber nur die Mädchen behalten sie, die sollen später Milch geben. Das Schicksal der männlichen Kälber ist leider ein anderes. Aber vielleicht ist der eine oder andere ja mit so guten Genen ausgestattet, das aus ihm ein toller Zuchtstier wird. Maria erklärt mir noch, warum nicht jede Kuh sofort Milch gibt. Darüber habe ich bisher nie nachgedacht, aber es ist natürlich total logisch, dass auch Kühe erst dann Milch geben, wenn sie das erste Kälbchen gekriegt haben.

Im Durchschnitt wird eine Kuh hier auf dem Hof sechs oder sieben Nachkommen haben. Eine Rekordkuh hat es mal auf vierzehn Babys gebracht. Dementsprechend hat sie so viel Milch gegeben, dass sie einen Preis als beste Milchkuh in ganz Spanien gekriegt hat! Um mir eine ungefähre Vorstellung von den Mengen zu machen, frage ich nach, wie viel Milch so eine Kuh denn überhaupt gibt. „Wir melken dreimal täglich. Der Durchschnitt liegt zwischen dreißig bis vierzig Litern am Tag, aber einige wenige Kühe haben auch schon über sechzig 60 Liter Milch gegeben.“ Unvorstellbar!

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Nach unserem Rundgang bin ich ziemlich beeindruckt. Ich finde, das klingt doch alles perfekt. So ein Engagement ist unterstützenswert! Leicht haben die Milchbauern es aber trotzdem nicht. Politische Entscheidungen sind im wirklichen Leben manchmal nicht so einfach nachzuvollziehen. Der Milchpreis sinkt seit Jahren und die Milchwirtschaft ist längst nicht mehr rentabel. Aber Maria und ihr Mann sind pfiffig. Zusammen mit Marias Eltern und zehn Arbeitern, die sich um den Hof kümmern, entwickeln sie ständig neue Alternativen und Projekte.

So haben sie vor etwa einem Jahr aus einem der alten Ställe ein ganzes neues Ladengeschäft gebaut, in dem neben den eigenen, auch andere Produkte aus der Umgebung verkauft werden. Und sie bieten die Führungen über den Hof an. Dabei schlendert man aber nicht einfach nur an den offenen Stallungen vorbei. Die Granja ist ein kleines Bauernhofparadies für Kinder. Zwischen Strohballen können sie mit Plastiktreckern fahren, die Kühe mit frischem Mais füttern oder im Streichelzoo Kaninchen, Hühner, Fasane, Ferkel und Esel ganz aus der Nähe erleben. Sogar eine Plastikkuh steht zum Melken bereit!

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Für die Erwachsenen gibt es über den Futterstellen der Kühe große Spickzettel mit Infos, auf denen erklärt wird, was die Kühe genau fressen und wie so ein Kuhmagen funktioniert. Dann können Mama und Papa alle Fragen der Kleinen beantworten und stehen vor dem neugierigen Nachwuchs garantiert gut da!

Bevor wir wieder zurück in den kleinen Laden gehen, zeigt Maria mir noch das Museum. In mehreren Hallen haben sie hier altes Werkzeug, Traktoren, und alles, was eben zu einem Leben auf dem Laden früher dazugehörte, gesammelt und liebevoll präsentiert.

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Zum Abschluss des Besuchs auf der Granja hat Maria ein zweites Frühstück für uns vorbereitet. Es gibt selbst gemachten Joghurt, Flan, Mató und Käsekuchen – alles aus der Milch der Kühe, die ich eben besucht habe. Ich liebe Mató, diesen traditionellen Frischkäse, der ein wenig an Hüttenkäse erinnert. Man isst ihn mit Honig und manchmal auch noch mit Walnüssen. Sehr lecker! Auch den Käsekuchen hat Maria mit Mató gebacken.

Aber ihre Spezialität ist etwas anderes, nämlich Eis! Sie zeigt mir die verschiedenen hausgemachten Sorten: Haselnuss, Waldbeeren, Turrón, Ratafía (das ist der spezielle traditionelle Kräuterlikör aus der Gegend) und noch einige mehr. Auch wenn ich eigentlich schon satt bin, nach dem ich all diese gesunden Leckereien bis auf den letzten Löffel aufgegessen habe, kann ich mir das Eis natürlich nicht entgehen lassen. Ich kriege einen Löffel von jeder Sorte – super lecker! Wenn sie mich hier nachher vom Hof rollen müssen, ist das echt nicht meine Schuld!

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Nützliche Infos zur Granja Mas Bes

Adresse:
Granja Mas Bes
17184 Salitja/ Vilobí d’Onyar
Girona
Website: masbesdesalitja
mailto: visites.masbes@gmail.com
Wenn man sich vorher ankündigt, organisieren sie die Führung sogar in verschiedenen Sprachen!
Was eine Granja außer einem Bauernhof auch noch ist, kannst Du hier nachlesen.

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