Die mächtigen Felsen von Belogradchik

 

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Bizarr und unwirklich ragen die spitzen Felsen aus einem Meer von Grün. Es sieht aus, als hätte eine Riesenhand einfach Steine in die Landschaft geworfen. Wie eine Flut aus Grüntönen erstrecken sich die Wälder vor mir. Das helle Grün der frischen Triebe wechselt sich mit dem tieferen Dunkelgrün der Nadelbäume ab. Das grüne Meer begräbt den Boden und die Erde richtiggehend unter sich, lediglich die Spitzen der Felsen sind noch in dem riesigen Wald zu sehen.

Diese Felsbrocken blieben zurück, als ein mächtiger Ozean vor rund zweihundert Millionen Jahren austrocknete. Die Bewohner von Belogradchik haben den bizarren Steinformationen Spitznamen gegeben: Der Elefant, die Kobra, das Kamel oder Adam und Evas erster Kuss. Mit etwas Fantasie kann ich die Figuren sofort erkennen. Besonders der Felsen der Liebenden, die küssenden Köpfe von Adam und Eva, gefallen mir.

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Wir erklettern die steilen Treppen, die auf die Felsen hinauf führen. Gutes Schuhwerk ist hier vonnöten, denn da es letzte Nacht geregnet hat, sind die Wege und Stufen teilweise rutschig. Vorsichtig setze ich also einen Fuß vor den anderen. Oben angekommen ist der Blick in die weite Ebene echt atemberaubend. Von diesen Steinen geht eine faszinierende Ruhe aus. Mächtige Riesen, die die Jahrtausende überdauern. Die Felsen standen schon genauso hier, als die römischen Legionen oder osmanische Truppen durch diese Wälder zogen. Die Zeit scheint hier unendlich zu sein.

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Im Angesicht der mächtigen Naturkräfte, die hier gewirkt haben, fühle ich mich ganz klein. Irgendwie hat dieser Ort etwas Mystisches. Ich setze mich auf einen der Felsen. Fliederduft erreicht meine Nase. Ein paar Vögel zwitschern fröhlich und freuen sich über die warmen Sonnenstrahlen. Auf einem der spitzen Felsen gegenüber wachsen sogar Tannen. Ein Wunder, dass die hier wachsen können und nicht umgeweht werden.

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Schon die alten Römer nutzten den Blick über die gesamte Umgebung und errichteten hier oben bei den Felsen eine Festung. Später kamen die Osmanen und ließen mithilfe italienischer und französischer Baumeister eine noch größere Burg anlegen. Einerseits wollten sie natürlich ihre Macht konsolidieren, anderseits diente die Befestigungsanlage in dieser außergewöhnlichen Landschaft aber auch dazu, ihre Pracht und Stärke zu demonstrieren.

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Unter der Erde: 

Auch unter der Erde hat die Natur hier ihre Spuren hinterlassen. Die Magura Höhle ist eine der beeindruckendsten Höhlen, die ich bisher gesehen habe. Hier muss ich mich nicht bücken, um mich durch schmale Löcher im Felsen zu zwängen. Die Decke befindet sich irgendwo weit oben, in rund zwanzig Metern über mir! Grigoriy ist einer der Guides, die sich hier unter der Erde bestens auskennen. Er erklärt die genauen Maße der riesigen Halle, in der wir stehen und wie sie vor Millionen Jahren entstanden ist. Ich fühle mich wie in einer Kathedrale. Grigoriy, der mich an den Schlagzeuger einer Rockband erinnert, erzählt gerade, wo die Menschen, die hier bereits dreitausend Jahre v. Chr. Schutz suchten, ihre Feuerstellen errichteten und wo sie gelebt haben.

An einer Weggabelung geht es zu einem anderen Teil der Höhle, den wir aber leider nicht besichtigen können, weil dort Sekt hergestellt wird! Schade, dabei hört sich das doch sehr spannend an! Stattdessen führt Grigoriy uns aber zu steinzeitlichen Felsmalereien. In dem zweiten Teil der Höhle, den wir nach einem kleinen unterirdischen Spaziergang erreichen, ist es plötzlich deutlich wärmer, als im ersten Teil. Das haben auch die Menschen damals gemerkt, denn sie hielten sich wohl hauptsächlich in diesem Bereichen des Höhlensystems auf. Die Felswände sind hier jedenfalls voll mit jahrtausendealten Zeichnungen.

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Wie gestern gemalt, so gut erhalten und deutlich zu erkennen sind die kleinen Männchen und Tiere an der Felswand vor mir. Es verschlägt mir echt die Sprache. Grigoriy erläutert die einzelnen Figuren der steinzeitlichen Malereien. Ich erkenne einen Mann mit einem Pfeil und verschiedene Tiere. Das muss eine Jagdszene sein.

An einer anderen Stelle der Magura Höhle prangt ein übergroßer Pilz umgeben von tanzenden Frauengestalten an den Wänden. „Das ist ein Satans-Röhrling. Der ist giftig aber nicht tödlich“, weiß Grigoriy. „Die halluzinogene Wirkung des Pilzes wurde von den steinzeitlichen Bewohnern der Höhle wahrscheinlich für rituelle Zwecke benutzt“, sagt unser Guide. Dann deutet er auf die Frauenfiguren „Hier ist vermutlich ein Fruchtbarkeitstanz dargestellt.“ Auf jeden Fall belegen diese Zeichnungen den Beginn einer Art Religiosität. Zu der Zeit, als die Menschen mit einer Tinktur aus Fledermauskot ihre Symbole auf die steinernen Wände malten, begannen sie zum ersten Mal so etwas wie Gottheiten zu verehren.

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Ich bewundere die futuristisch anmutenden Wände der Höhle. Irgendwie erinnert mich das hier an das Innere eines Raumschiffs. Runde Ausbuchtungen, keine einzige gerade Linie gibt es hier. Antoni Gaudí hätte diese Höhle geliebt! Dann stehen wir vor einer weiteren Felszeichnung. Die sieht jedoch ganz anders aus als die Strichmännchen vorher. Eine große und eine kleine Sonne erkenne ich auf Anhieb, dazwischen sind eher abstrakte Abbildungen zu sehen, jedenfalls keine Menschen oder Tiere. Zu der Zeit, als dieses Werk einst entstanden ist, lebten die Menschen das ganze Jahr über in der Höhle. Sie waren sesshaft, hatten Tiere bei sich, und haben offenbar so etwas wie einen Kalender der Jahreszeiten an der Felswand festgehalten.

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Auf dem Weg zum hinteren Eingang der Höhle, beziehungsweise von uns aus gesehen zum Ausgang, kommen wir noch an einigen Felsformationen vorbei: Stalaktiten, Stalagmiten, ein Stein, der sich Orgel nennt, und der auch so klingt, als Grigoriy daran klopft, und ein Stalagnat von zwei Metern Durchmesser.

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Schließlich sind wir nach rund einer Stunde am Ende unseres unterirdischen Spaziergangs. Im hellen Sonnenlicht erstreckt sich ein blauer, weiter See vor uns. Doch ich bin in Gedanken noch immer bei den Höhlenmenschen, die hier vor Tausenden von Jahren gelebt haben.

Nützliche Infos zu Belogradchik

Die Gegend um Belogradchik ist ein Paradies für Wanderer und Kletterer. Es gibt fünf ausgewiesene Wanderstrecken, die zwischen vier und acht Stunden durch die Wälder und Felsen führen. Die berühmten Felsen der Kaleto Festung brauchst Du nicht zu erklettern. Hier kannst Du praktischerweise einfach Treppen steigen. Die Festung ist zwischen 9 Uhr morgens und 17 Uhr (Winter) bzw. 18 Uhr (Sommer) abends geöffnet.

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Magura Höhle: Trotz der unglaublichen Naturschönheiten ist die Gegend von touristischen Strömen weitgehend verschont geblieben. Straßennamen und Hinweisschilder sind oft nur in kyrillischer Schrift zu finden. Falls Du also wie ich kein Bulgarisch sprichst (und auch nicht lesen kannst), lohnt es sich, vor der Besichtigung der Magura Höhle im Fremdenverkehrsbüro in Belogradchik nach einem Englischsprachigen Guide zu fragen.

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Dieser Artikel über Belogradchik entstand im Rahmen einer Pressereise zu der ich von Bulgarien Eden eingeladen wurde. Die hier dargestellten Ansichten beruhen ausschließlich auf meinen persönlichen Erlebnissen und drücken meine private Meinung aus.

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