So essen die Katalanen: spät, aber gut!

Essen ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Essen hat auch einen wichtigen sozialen Aspekt. Das Kochen einer Mahlzeit und das gemeinsame Einnehmen des Essens mit anderen Menschen verbindet. Man teilt das Essen, neue Erfahrungen, die Erlebnisse des Tages. Man isst, lacht und lebt zusammen.

Essen in Zypern 

Je nachdem wo man sich auf diesem Planeten befindet, sind die Gerichte, die in den einzelnen Ländern und Regionen zubereitet werden, sehr unterschiedlich. Doch nicht nur was, sondern auch wie wir essen, sagt viel über die Kultur und die Werte einer Gesellschaft aus.

essen in marokko vorspeiseEssen in Marokko

Gerade vor ein paar Tagen war ich sehr beeindruckt von einem Aborigine, der in einer Sendung über traditionelle Kochtechniken der Menschheit eine umstrittene Meinung vertrat. Er sagte, dass jeder Mensch, der Fleisch esse, wenigstens einmal im Leben jagen gehen müsse. Denn nur wenn der Mensch selbst ein Tier töte, bringe er dem Leben, das er genommen habe, den nötigen Respekt entgegen. Das sei definitiv etwas anderes, als ein Stück Fleisch im Supermarkt zu kaufen.

Da kommt man schon ins Nachdenken, oder?

Aber zurück zu den Katalanen und ihren Essgewohnheiten. Denn eigentlich wollte ich heute von den Essenszeiten und der Bedeutung der Mahlzeiten in Katalonien berichten.

Mahlzeiten in Katalonien:

In Katalonien hat Essen nach wie vor eine zentrale Bedeutung im Tagesablauf. Es ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Es ist die Ordnung, an der sich der Tagesplan entlang entwickelt und es ist soziales Zusammentreffen, ein Beisammensein mit der Familie, den Freunden. Die Essenszeiten sind heilig. Essen ist ein sozialer Mittelpunkt, eine Tradition, ein Fixpunkt. Alles andere wird um diesen Fixpunkt herum geplant. Junge Leute kommen brav zu den festen Essenszeiten nach Hause und treffen sich mit ihren Freunden nach dem Essen, um gemeinsam wegzugehen. Auch später, als Pärchen oder mit der Familie, geht man am Sonntag zu Mama nach Hause, um gemeinsam mit der Großfamilie zu essen.

Zum Essen nimmt man sich Zeit.

Was isst man in Katalonien zum Frühstück?

Das Frühstück heißt auf Katalanisch esmorzar, auf Spanisch desayuno, und besteht im Grunde genommen aus zwei Teilen. Im Gegensatz zu einem ausgiebigen deutschen Frühstück mit verschiedenen Brot und Brötchensorten, Honig, Marmelade, Wurst, Käse, gekochtem Ei oder Müsli, fällt das Frühstück hier, wenn es denn überhaupt stattfindet, eher karg aus. Die meisten Leute trinken nur schnell einen Kaffee, dazu gibt es zwei Kekse oder eine Magdalena. Erst am späteren Vormittag, meistens so gegen elf Uhr, wenn der Körper schon angefangen hat, etwas zu tun, meldet sich der Magen und dann geht man ein zweites Mal frühstücken.

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Kleine Kaffeekunde 

Ein Butterbrot zum Mitnehmen schmiert sich hier allerdings niemand. Spanier und Katalanen gehen lieber in die nächstgelegene Bar und machen dort eine kleine Pause. Natürlich spielt dabei auch wieder ein gewisser sozialer Aspekt eine Rolle. Egal ob im Büro, in der Bank oder auf dem Bau, auch während der Arbeit geht man in der Regel mit den Kollegen frühstücken. Dann gibt es herzhafte und großzügig belegte Brötchen mit Wurst, Käse, Omelette, zum satt werden. Unter der Woche trinken viele Leute gern einen frisch gepressten Orangensaft dazu, am Wochenende darf es dann auch gern ein Bierchen sein.

Wer einen Café bestellt, kann dazu etwas Süßes frühstücken, also ein Croissant oder ein Stück Gebäck bestellen. Zum belegten Brot gibt es fast immer Bier oder zumindest ein kaltes Getränk. Café con leche und bocadillo de jamón passen für Spanier einfach nicht zusammen.

Die aus den USA nach Europa herübergeschwappte Unsitte seinen Kaffee im Gehen oder gar im Laufen zu trinken, setzt sich bisher zum Glück noch nicht durch. Es gibt durchaus Läden in Barcelona, die Coffee to go anbieten, aber der ist eher für Touristen oder Ausländer, die sich eine Zeit lang hier niedergelassen haben. Katalanen und Spanier setzen sich hin oder stellen sich an die Bar, um einen Café zu trinken. Warum die Hektik? Und überhaupt ist der spanische Café solo so klein, dafür braucht man wirklich keine so riesengroßen Pappbecher. Was diese Coffee to go auch für einen Müll produzieren, daran mag ich gar nicht denken!

Vermut – ein Häppchen vor dem Mittagessen:

Vermut ist eigentlich ein Getränk, nämlich Wermut. Außer dem Getränk bezeichnet man mit diesem Wort aber auch den Aperitif als Treffpunkt vor dem Essen. Wer sich zum Vermut verabredet, muss also nicht unbedingt einen Martini trinken. Es geht eher darum, am späten Vormittag auf einem Platz zu sitzen, mit Freunden zu reden und zu trinken, bevor dann jeder zum Mittagessen zu sich nach Hause geht.

Warum essen die Leute hier immer so spät?

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Mittagessen als Höhepunkt des Tages:

Das Mittagessen heißt hier el dinar (Katalanisch) oder la comida (auf Spanisch). An den Wochenenden oder an Feiertagen kann diese wichtige Mahlzeit schon mal mehrere Stunden dauern. Aber auch unter der Woche halten viele Katalanen und Spanier nach wie vor eine zweistündige Mittagspause. Mittlerweile behaupten einige Leute, die Tradition dieser langen Mittagspause und die dazugehörige Siesta seien eine Erfindung aus der Francozeit. Doch das halte ich für ein Gerücht.

Wer schon mal einen richtig heißen Sommer mit Arbeiten verbracht hat, der weiß, dass man bei der großen Hitze und erst recht nach einem gemütlichen Essen, einfach nichts Großartiges mehr leisten kann. Es ist also eigentlich nur schlau, solange zu warten, bis die große Hitze vorbei ist und erst in den frühen Abendstunden die Arbeit wiederaufnimmt, wenn die Temperaturen erträglich geworden sind.

Doch noch wird das Essen zelebriert. Das ist nach wie vor so. Und es wäre auch sehr schade, wenn diese schöne und gesunde Essenskultur verloren gehen würde.

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Traditionellerweise beginnt das Mittagessen nicht vor 14 Uhr. In manchen Haushalten isst man zwar etwas früher, doch die Restaurants öffnen in der Regel erst um diese Zeit.

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Ein Mittagsmenü im Restaurant besteht aus mindestens zwei, meistens drei Gängen. Darauf folgt dann noch ein Kaffee. In Barcelona, wo der internationale Einfluss vor allem in den Büros, immer größer wird, setzt sich manchmal auch schon ein schnelles Brot auf die Hand durch. In kleineren Orten oder auf dem Land hat man sich nach wie vor die Ruhe zum Essen bewahrt. Auf dem Dorf denkt zum Glück noch niemand daran, mit einer Tupperdose auf dem Schreibtisch seine Mittagspause zu verbringen.

Berenar ist nicht gleich Kaffeetrinken:

Das typisch deutsche Kaffeetrinken kennt man hier nicht. Es ist typisch deutsch, sich nachmittags hinzusetzen und ein Stück Kuchen zu essen, und typisch englisch, um fünf Uhr eine Tasse Tee zu trinken. Statt Kaffeetrinken oder Tea time, ist die kleine Zwischenmahlzeit hier vor allem für die Kinder gedacht. Wenn die lieben Kleinen am Nachmittag hungrig aus der Schule kommen, werden sie von Mama oder Oma meist mit dem berenar (Katalanisch) oder der merienda (Spanisch) erwartet. Die wird dann auch gleich auf dem Spielplatz verputzt. Im Idealfall besteht diese kleine Mahlzeit aus einem belegten Brötchen, meist aber aus Donuts und Keksen.

Zeitlich entspricht das Berenar zwar dem deutschen Kaffeetrinken, aber inhaltlich ist diese Zwischenmahlzeit komplett anders. Sie kann sowohl süß als auch salzig sein, man muss nicht förmlich am Tisch sitzen, sondern kann sie sowohl zu Hause als auch unterwegs oder auf dem Spielplatz einnehmen.

Und was ist mit Sahnetorte? 

Grundsätzlich isst man nachmittags keinen Kuchen zum Berenar. Wenn überhaupt Kuchen gegessen wird, dann bestellt man ihn als Dessert nach dem Mittagessen. Kuchen oder gar Torten spielen hier eine ganz andere Rolle als bei uns. Die Vielfalt unterschiedlicher Kuchen und Gebäcke ist längst nicht so groß wie in Deutschland und es wird auch nicht zuhause gebacken, sondern man kauft solche Dinge grundsätzlich beim Konditor.

Dort zahlt man dann auch locker dreißig bis vierzig Euro für einen winzig kleinen Kuchen. In der Pastisseria werden keine einzelnen Stücke angeboten, sondern nur ganze Torten. Die Torten sehen zwar alle ziemlich edel aus, sind aber alle sehr gleich und schmecken auch fast identisch – nämlich nach süßer Cremefüllung aus einer Backmischung. Nur die Deko ist meist ausgesprochen hübsch und aufwendig.

Spanien Deutschland Unterschiede Kuchen

So etwas Schlichtes wie Omas Apfelkuchen kennt man hier nicht mehr. Niemand stellt sich zu Hause in die Küche und backt. Ich kenne nur sehr wenige Leute, die überhaupt schon mal in ihrem Leben einen Kuchen gebacken haben. Aber das ist dann auch ein echtes Ereignis, selbst wenn sie einen einfachen, trockenen Rührteig stolz präsentieren.

Eine katalanische Freundin hat mir mal erklärt, woher diese Tendenz lieber etwas teuer Aussehendes für viel Geld zu kaufen, kommt. Früher war es einfach ganz schlecht angesehen, mit einem selbst gebackenen Kuchen zu einem Kindergeburtstag oder einem Fest zu erscheinen. Es galt als ein Zeichen dafür, dass man sich nichts Besseres leisten konnte. Kuchen als Status Quo sozusagen.

Abendessen – lieber etwas Leichtes:

Das Abendessen heißt hier el sopar (auf Katalanisch) oder la cena (auf Spanisch) und findet für europäische Verhältnisse eher spät, nämlich gegen 21 Uhr statt. Dabei beginnt man in Katalonien traditionellerweise wesentlich früher mit dem Essen als beispielsweise in Andalusien, wo es nicht vor 22 Uhr losgeht. Das liegt einfach daran, das es hier oben nicht so unerträglich heiß ist wie im Süden der Halbinsel.

Da ein gewöhnlicher Wochentag sehr viel später „ausklingt“ als in Deutschland, isst man eben auch sehr viel später. In Katalonien ist es ganz normal gegen acht Uhr abends oder noch später von der Arbeit nach Hause zu kommen. Oft geht es dann noch schnell zum Sport und schon ist es neun oder zehn Uhr.

Ein normales Abendessen ist, gerade weil es so spät stattfindet, meist ein sehr leichtes Essen. Niemand würde zum Beispiel eine Paella zum Abendessen bestellen. In der Regel gibt es einen Salat, eine Suppe, ein Omelette oder einfach etwas leicht Verdauliches – oder Tapas.

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