Ein Hotel mit Geschichte in der Cité von Carcassonne

Von meinem gemütlichen Ledersessel aus sehe ich dem Barkeeper dabei zu, wie er seine Spezialität mixt, einen Spritz Rigolo. Den soll ich unbedingt probieren. Geschickt hantiert Gaétan mit den Flaschen und Eiswürfeln, mit Organgenschalen, Rosmarin und Zimtstangen. Die Bar des Hotels de la Cité ist auf eine irgendwie britische Art sehr gemütlich. Schwere alte Bücher stehen in den Regalen, der Boden ist mit Teppich bedeckt.

hotel de la cite carcassonne

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Am Nachmittag hatte mich Adélaïde bereits durch das altehrwürdige Familienhotel geführt. Ein Hotel, das schon nach dem Prinzip des Slow Travel funktioniert hat, bevor das Wort überhaupt erfunden wurde. Die ersten Gäste, die zu Anfang des letzten Jahrhunderts in der edlen Herberge auf der Cité einkehrten, waren nämlich sehr wohlhabende Reisende. Urlaub war damals ein Luxus und wer in andere Länder reiste, der blieb dann auch zwei oder drei Monate vor Ort.

Das Hotel de la Cité hat bis heute etwas Exklusives. Es ist ein stiller, diskreter Luxus, der in die Natur der rauen Landschaft eingebunden ist, und komplett auf Glitzer- und Glamour verzichtet.

hotel de la cité carcassonne

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Die gesamte untere Etage des Hotels ist denkmalgeschützt. An den Wänden befinden sich nämlich alte Gemälde, die die Veränderungen der Cité in den verschiedenen Jahrhunderte zeigen und auf dem Boden des Lesesaals ein Mosaik.

Aber Adélaïdes größter Schatz sind ein paar alte Bücher. Ganz behutsam zeigt sie mir die schweren alten Wälzer, die sie normalerweise an einem geheimen Ort aufbewahrt. Ausnahmsweise darf ich einen Blick in die uralten Gästebücher des Hotels werfen. Dort haben sich so illustre Gäste wie Winston Churchill, Walt Disney oder die Fürstin Gracia Patricia von Monaco eingetragen! Und dann ist da noch ein uraltes Kochbuch, eine bedeutende Rezeptsammlung, eine Art Bibel der französischen Küche. Geschrieben wurde es von Prosper Montagné, einem berühmten Chefkoch der zum Wechsel des letzten Jahrhunderts lebte, und dem die Gastronomen aus aller Welt den „Larousse Gastronomique“ verdanken.

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Als wir durch den Garten spazieren, treffen wir dort zufällig die Frau Mama. Die ist gerade damit beschäftigt, eine Ausstellung zu organisieren. Verschiedene Künstler haben Nachbildungen alter Wasserspeier ganz neu interpretiert. Diese schrillen Skulpturen sollen später zugunsten kultureller Projekte in der Cité versteigert werden.

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Restaurant Barbacane

Am Abend darf ich im Restaurant des Hotels essen. Jérôme Ryon, der Chefkoch des Barbacane, nimmt sich einen Moment für mich Zeit, obwohl er gerade das Fernsehen in der Küche hat, wie er mir erzählt. Dann nehme ich in dem großen alten Speisesaal Platz, in dem schon Churchill und Grace Kelly gegessen haben, wie ich vermute. Der freundliche Kellner bringt frisch gebackenes Brot, Butter und Öl.

Noch während ich mich umsehe, kommt bereits der erste Gang. Die Vorspeise besteht aus geräuchertem Lachs mit Confit de Canard und einer Art dunkelrotem Himbeergelee. Eine sehr originelle Kombination, die aber überraschend gut schmeckt.

hotel de la cite carcassonne

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Als zweiten Gang gibt es Languste mit courgette, fleur de carrotte, l‘ail rose, und noch ein paar mehr Zutaten. Also Zucchini, Karottenblüte und rosa Knoblauch. Doch als der Kellner „Karottenblüte“ aufzählt, bin ich kurz etwas überrascht. Erst als ich probiere, erkenne ich den Geschmack wieder. Bei einem Kräuterspaziergang an der Costa Brava habe ich schon einmal wilde Karotte gekostet. Diese Blüten schmecken sehr fein und leicht nach Anis. Angeblich, so hat Adélaïde mir vorhin erzählt, kommen alle Kräuter aus dem eigenen Garten. Sehr hübsch sind die ausgestanzten Zucchini und gelbe Paprika, die wie Konfetti auf dem Teller verteilt sind. Nur den weißen Schaum mit winzigen roten Kügelchen kann ich nicht einordnen. Aber er schmeckt köstlich.

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Während ich auf meinem Teller auf einer kulinarischen Entdeckungsreise bin, amüsieren sich die beiden Herren am Nebentisch offenbar bestens. Die ältere Dame, die an dem Tisch am Fenster gemeinsam mit ihrem Gatten speist, ist hingegen nicht so wirklich entspannt. Sie telefoniert und wirkt eher genervt. Da scheint am anderen Ende der Leitung wohl etwas nicht so zu klappen, wie geplant. Schade, dass sie das gute Essen gar nicht richtig genießen kann. Aber dafür haben die beiden Herren neben mir wirklich Spaß und erfreuen sich gerade an den Köstlichkeiten, die der nette Kellner ihnen bringt.

Eigentlich bin ich schon satt, aber der Hauptgang kommt erst noch. Es ist Fisch, turbot (Steinbutt), mit provenzalischem Gemüse und Fenchel. Dazu eine Vinaigrette mit Honig. Himmlisch!

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Natürlich kann ich nun bei der Krönung des Abends auch nicht nein sagen und lasse mich vom Dessert überraschen. Ein zarter Ring aus Mürbeteig, gefüllt mit kleinen Obststückchen. Ich liebe Rhabarber! Dazu gibt es einen Löffel cremiges Eis und gefrorenes Granulat aus Wassermelone.

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Nach diesem üppigen Essen freue ich mich geradezu auf einen kleinen Verdauungsspaziergang durch das abendliche Carcassonne. Wenigstens vom Restaurant bis zu meinem Hotel. Das ist nicht weit und ein paar Schritte Bewegung tun mir jetzt gut. Mittlerweile ist es fast zehn Uhr und noch immer begegne ich Menschen aus aller Welt in den alten Gassen der Cité. Amerikaner, Engländer, Deutsche und ein paar Koreaner kommen wohl wie ich gerade vom Essen und sind auf dem Weg in ihre Unterkunft. Aus den Fenstern der Restaurants und kleinen Läden leuchtet ein warmes Licht und erhellt die alten Straßen. Es fühlt sich schon ein wenig herbstlich an, jetzt im September. Wie schön muss es hier im Winter erst sein. Ich frage mich, ob es hier oben auf der Burg auch manchmal schneit?

Tipps zur Cité von Carcassonne:

Rundgang Cité:
Statt wie die meisten Besucher direkt durch das Haupteingangstor in die Festung zu gehen, gehe ich einmal außen an der Mauer des Burggrabens entlang. Hier ist es wesentlich ruhiger. Durch einen alten Seiteneingang nähere ich mich der inneren Festung, dem eigentlichen Schloss von Carcassonne.

 cité carcassonne

bruecke cité carcassonne  bruecke cité carcassonne

Kathedrale:
Eine alte Gasse führt zur Kathedrale. Dort singt gerade ein russischer Chor. Die Kirche ist für eine Taufe über und über mit Blumen geschmückt.

hotel de la cite carcassonne

kathedrale cité carcassonne

kerze cité carcassonne

Restaurant Barbacane
im Hôtel de la Cité Carcassonne*****
Place Auguste Pierre Pont
11000 Carcassonne
Website des Fünfsternehotels: Hotel-de-la-Cite

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Ausflüge:
Im Hotel werden auch ganz individuelle Ausflüge in die Umgebung organisiert, um die Landschaft Okzitaniens kennenzulernen, wie zum Beispiel mit dem Boot auf dem Canal de Midi zu fahren oder die Grotte Gouffre de Caprespine zu besuchen

cabrespine beeren dorf

Gouffre Cabrespine

Nur eine halbe Autostunde von Carcassonne entfernt liegt die Höhle Cabrespine. Sobald man die Höhle betritt, wird klar, warum sie so besonders ist. 250 Meter von ganz unten bis zum höchsten Punkt soll dieser unterirdische Saal hoch sein!

Neben den Stalagmiten und Stalaktiten gibt es dort diese kleinen Auswürfe, die ich schon mal im Baskenland in einer Höhle gesehen habe. Sie sehen aus, wie die Wurzeln einer Kartoffelknolle oder wie Korallen am Meeresgrund.

Unser Guide ist total begeistert bei der Sache, sie ist ein echter Höhlenfan und erklärt uns ausführlich, wie und wo sich die Gänge über mehrere Kilometer weiter verzweigen. Wem so eine normale Besichtigung, die schon sehr beeindruckend ist, nicht ausreicht, der kann hier sogar eine unterirdische Safari machen. Wahnsinn. Aber mir reicht es schon, in der riesigen Höhle auf dem Glasbodenbalkon hinunter in die Tiefe hinab zu blicken.

Website Infos: Gouffre de Cabrespine

Dieser Artikel entstand im Rahmen des #FrenchCultureAward 2017 auf Einladung von Atout France und Carcassonne Tourisme. Meine Meinung ist davon unberührt. 

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