Vom nördlichsten Olivenöl Spaniens, Urederra und Eguzkilore

Olivenöl aus Navarra: 

Ganz oben im Norden Spaniens, kurz vor den Pyrenäen, bauen Vater Paco und Sohn Pepe Oliven an. Ein kleiner Familienbetrieb mit ein paar Angestellten. Rosmarin und Lavendel duften um die Wette, während wir uns auf den Weg zum Olivenhain machen.

olivenhain navarra

Seit fünf Generationen baut Pacos Familie hier Oliven an, um daraus Öl zu machen. Leider hat in den sechziger Jahren ein heftiger Frost die meisten Bäume von damals zerstört und man musste wieder ganz von vorn anfangen. Heute wachsen hier neben den in Spanien beliebten Sorte Arbequina und der aus dem Norden stammenden Arroniz, auch Cornicabra, Picual, Panisello, die französische Changelot Real und die griechische Koroneiki.

olive am baum navarra

vater und sohn oliven aceite artajo navarra

Stolz erklärt Paco, dass seine Felder die nördlichsten Olivenplantagen in Spanien sind. Weiter oben wachsen keine Oliven mehr. Aber hier in Navarra scheint das Klima perfekt zu sein. Die extremen Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter bekommen den kleinen Früchten offenbar bestens. Sie schmecken sehr viel kräftiger, als ihre Verwandtschaft im Süden.

Selbstverständlich wird hier nur hochwertiges Olivenöl Extra Verge, kaltgeschleudert und aus der ersten Pressung, abgefüllt. Damit die hohe Qualität ihrer Öle auch immer gewährleistet ist, bauen sie alle Oliven selbst an, und zwar ökologisch. Darum kann es hier auch durchaus vorkommen, dass einem in den Olivenhainen eine Heuschrecke oder eine Spinne über den Weg läuft. Diese Tierchen sorgen schließlich auf ganz natürliche Weise dafür, dass keine Schädlinge die Bäume befallen.

olivenbaeume oliven aceite artajo navarra

Mit ausreichend Abstand, damit alle Früchte am Baum gleich viel Licht und Luft erhalten, wachsen die Oliven in der Sonne. Im Herbst, wenn die Zeit der Ernte naht, muss alles schnell gehen. Die Oliven werden nachts gepflückt und sofort verarbeitet. Vom Baum in die Presse darf es nicht länger als drei Stunden dauern, denn sonst verlieren die kleinen Früchte sofort an Aromen. Es ist also eine sehr stressige Zeit für die Familie. In den Erntemonaten Oktober bis November arbeiten sie praktisch durchgehend vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Und das alles, für die hohe Qualität des Olivenöls.

Wußtest Du eigentlich, dass es bei den Oliven nicht ist wie beim Wein, je älter, umso besser? Bestimmte Jahrgänge guter Weine werden mit der Zeit richtig wertvoll. Beim Olivenöl ist es genau andersherum. Hier gilt, je frischer, umso besser.

Und weil das frische Olivenöl aus Artajo so gut und so lecker ist, gehören zu den Kunden auch einige berühmte spanische Chefköche, wie zum Beispiel Pedro Subijana aus San Sebastían oder ein Michelinsterne Restaurant in der Nähe von Valencia.

Natürlich dürfen wir das Öl auch probieren. Wir verkosten ein Manzanilla-Öl. Sobald ich meine Nase über das Glas mit dem goldenen Saft halte, rieche ich Tomatenstrauch, Kiwi und grüne Bananen. Ich mag diesen Duft total. Ganz vorsichtig nehme ich einen kleinen Schluck aus dem Glas. Jetzt auf der Zunge schmeckt es samtig und pfeffrig. Aber ich muss nicht husten. Das Öl ist wirklich sehr, sehr lecker!

olivenoel verkostung aceite artajo

Wir verkosten es aber nicht nur im Glas, wie die Profis. Charro, die Köchin, hat uns ein paar kleine Leckereien zubereitet. Es gibt Salat, Artischocken, grüne Stangen, die aussehen wie eine Kreuzung aus Spargel und Brokkoli, und natürlich Lamm. Alles mit frischem Olivenöl. Zum Nachtisch serviert sie uns Apfelsinenscheiben mit Schokoraspeln und Olivenöl – eine ungewöhnliche, aber überraschenderweise sehr köstliche Kombination.

verkostung navarra

Von der Olivenölproduktion in Fontellas, bis zum Naturpark Urbasa y Andia, in dem die Quelle des Urederra entspringt, fahren wir etwa eineinhalb Stunden quer durch Navarra.

Wandern am Urederra und baskische Disteln:

In Navarra gibt es viel Natur und schöne Landschaften, die man am liebsten sofort durchwandern will. In dem kleinen Dorf Baquedano, nahe dem Nationalpark Urbasa y Andia machen wir Halt. Von hier aus führt ein Wanderweg zu einer blauen Quelle. Vermutlich werden wir nicht die ganze Strecke laufen können, da wir nicht den ganzen Tag Zeit haben, aber wir können uns immerhin einen Eindruck vom Weg machen.

Navarra Naturpark Nacedero Urederra

Nacedero Urederra navarra quelle wandern
Nacedero Urederra navarra quelle wandern Navarra Naturpark Nacedero Urederra

Während wir so durch die Landschaft marschieren erzählt Fran, mein Guide, mir nebenbei die Geschichte der Könige von Navarra. Ich bin total vertieft in die Ereignisse aus dem Mittelalter, als wir auch schon am Ufer des Urederra angekommen. Unter uns schimmert das Wasser blau vor uns im Wald. Es ist zwar noch nicht die Quelle, der Nacedero Urederra, aber es ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Wir haben gerade noch Zeit für ein paar Fotos, dann müssen wir uns leider schon auf den Rückweg machen.

eguzkilore Navarra

Als wir zurück in dem kleinen Dorf sind, fallen mir die getrockneten Disteln an den Türen auf. Die sind sehr hübsch und sehr typisch für die Dörfer in den Pyrenäen, aber sie sind nicht nur zur Zierde gedacht. Fran erklärt mir, was es mit der Eguzkilore, so heißen diese Disteln nämlich, auf sich hat.

Die Menschen in den Bergen sind abergläubisch und schützen ihre Häuser gegen böse Geister. Dabei findet man nicht nur Heilige Jungfrauen und Kreuze an den Hauseingängen, sondern eben auch diese Disteln, die eigentlich zu einem uralten, paganen Glauben gehören. Aber man kann ja nie wissen. Doppelt hält besser, da sind sie hier lieber vorsichtig.

Baquedano eguzkilore navarra

Nach einer baskischen Legende schuf Amalur, die Mutter Erde, einst den Mond, die Sonne und die Eguzkilore, um die Menschen vor den bösen Geistern der Dunkelheit zu schützen. Denn böse Hexen, Drachen, Stiere aus Feuer, fliegende Pferde und andere Ungeheuer der Unterwelt scheuten das Licht, und waren nur nachts aktiv. Damit die Menschen, die damals noch in Höhlen lebten, sich ohne Gefahr auf der Erde bewegen konnten, schuf Amalur zunächst den Mond. Doch die bösen Geister gewöhnten sich bald an das milde Mondlicht und bedrohten die Menschen wieder. So schuf Amalur ein noch stärkeres Licht, die Sonne. So entstanden Tag und Nacht auf der Erde.

Doch um die Menschen auch des nachts zu schützen, gab Mutter Erde ihren Schützlingen schließlich noch die Eguzkilore. Die Distel soll an die Sonne erinnern und die bösen Geister verwirren, wenn sie in ein Haus eindringen wollen. Noch heute erzählen sich die Menschen, dass die Hexen und Geister ein Haus nicht eher betreten können, bis sie nicht alle Blätter der Eguzkilore gezählt haben. Da sie dazu sehr, sehr lange brauchen, schaffen sie es nie vor Sonnenaufgang und wenn die Nacht vorbei ist, verschwinden die bösen Geister wieder in der Unterwelt.

Navarra Baquedano

Infos und Adressen in Navarra :

Aceite Artajo
Autovía A-68, Km 102,
Finca Los Llanos
31512 Fontellas, Navarra
Website: www.artajo.es

aceite artajo navarra
Neben den Olivenhainen, einem Gemüsegarten und den Produktionsstätten gibt es hier auch einen kleinen Laden. Ich habe mir eine Flasche vom frisch gepressten, noch ungefilterten Öl der Ernte 2017 mitgenommen  – es ist das absolut leckerste Öl, das ich je probiert habe.

Nacedero Urederra Baquedano
Calle la Fuente, 137A
Oficina Atención Visitantes
31272 Baquedano, Navarra
Parkplatz Koordinaten 42.783163, -2.121776
Website: www.nacederourederra.es

Vom Naturpark in Baquedano bis zum Restaurant in Eulate dauert die Fahrt nur rund 15 Minuten.

Alai Taberna
Calle Coparacio Bajo, 0
31271 Eulate, Navarra
Website: www.alaitaberna.com
    navarra essen alai taberna

Das rustikale Restaurant füllt sich an den Wochenenden schnell mit Einheimischen. Familien, nicht nur mit Kindern, sondern mit Oma, Opa, Tante und Großcousin, kommen nach einer kleinen Wanderung oder auch ohne, hierher zum Essen. Der absolute Hit ist das Grillfleisch. Ich darf einen Blick in die Küche werfen, wo der Grillmeister gerade wieder neue mega Steaks schneidet. Genau genommen hackt er diese fetten Brocken mit einem Beil! Neben dem traditionellen grünen Gemüse habe ich mir Fisch bestellt und natürlich einen Pago Wein getrunken. Alles super lecker!

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der ich von Turismo Navarra eingeladen wurde. Die hier dargestellte Meinung ist davon unbeeinflusst und beruht ausschließlich auf meinen ganz persönlichen Ansichten. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.