Nordisch Walken auf dem Cami de Ronda

Narcis hat die Stöcke schon parat. Wir stehen am Strand von Lloret de Mar und ich werde gleich nordisch Walken. Jedenfalls, wenn ich nicht über meine eigenen Füße falle. Die Stöcke muss ich nämlich immer diagonal versetzt zu meinen Beinen bewegen und dabei die Arme gegengleich, gerade ausgestreckt, von vorn nach hinten fallen lassen. Oder so ähnlich. Drei Schritte kriege ich hin, dann stehen Fuß und Stock plötzlich doch wieder parallel. Also üben wir das ein bisschen auf dem Paseo vor dem Rathaus. Wie gut, dass mich hier niemand kennt.

Nordic Walking Lloret Cami de Ron

Nach fünf Minuten habe ich den Dreh endlich raus. Wir marschieren los. Narcis in zügigem Tempo vorneweg, ich etwas langsamer, den Blick konzentriert auf die Füße gerichtet, hinterher. Heute werde ich nämlich das erste Stück des Camí de Ronda zurücklegen. Ein Spazierweg, der sich an der Küste der Costa Brava entlang schlängelt, von Bucht zu Bucht, wie ein heimlicher Schmugglerpfad. Vielleicht war er das auch. An einigen Stellen sogar sehr wahrscheinlich. Ganz sicher ist, dass die Bewohner der einzelnen Buchten, den Camí de Ronda früher als Verkehrs- und Transportweg nutzen. Es war wohl einfach schneller, direkt am Meer entlang, als über diverse, kleine Hügel hinweg, außen um die Dörfer herumzugehen.

Jedenfalls wollte ich diesen Weg schon immer mal erwandern. Eigentlich hatte ich vor, mir ein paar Tage freizunehmen und von der französischen Grenze bis runter nach Lloret zu „pilgern“, so lang ist der Weg nämlich. Ungefähr 100 Kilometer, die man theoretisch bequem in ein paar Tagen laufen kann. Der GR 92, so heißt der Wanderweg ganz offiziell, geht meistens an wunderschönen Buchten vorbei, hat keine großen Steigungen und man kann fast immer das Meer sehen. Statt den ganzen Camí de Ronda auf einmal zu machen, fange ich heute mit einem Probestück an.

Cami de Rondes Lloret Wanderweg

Noch bin ich mir nicht ganz so sicher, ob die Walking Stöcke mir helfen, oder mich eher hindern. Vielleicht braucht man da doch mehr Training. Narcis hüpft ab und zu von rechts nach links, mit den Stöcken selbstverständlich. Wie er das macht, ist mir schleierhaft. Ich bin immer noch konzentriert dabei, auf meine Füße und die richtigen Armbewegungen zu achten. Sobald ein paar Stufen auftauchen, komme ich wieder durcheinander. Noch mal sortieren. Weiter geht’s.

Als ich endlich ein paar hundert Meter problemlos zurückgelegt habe, hebe ich den Blick. Und muss gleich wieder stehen bleiben. Boh ist das schön! Wir haben Lloret schon hinter uns gelassen und stehen in einer Bucht mit kleinen Felsen und Tümpeln. Die Costa Brava ist eben eine sehr raue Küste, da gibt es überall schroffe Steine, zerklüftete Klippen und viel Wasser. Narcis meint schelmisch grinsend, da vorn von dem Felsen würden die jungen Männer im Sommer oft und gern ins Wasser springen, um die jungen Damen, die dann entspannt am Strand liegen, mit gutem Blick auf den Felsen, zu beeindrucken. Und Narcis muss es ja wissen, schließlich ist er in Lloret aufgewachsen.

Seefahrerfrau Aussichtspunkt lloret de Mar

Auf einem der Felsen ist eine Figur zu erkennen, eine Frauenstatue. Wir walken mit unseren Stöcken hoch. Was für ein romantisches Plätzchen. Lloret im Hintergrund, vorne klatschen die Wellen des Mittelmeeres an die Klippen, und hier oben steht diese Frau, den Blick suchend in die Ferne gerichtet. Es ist eine Seemannsfrau, die Dona Marinera, die Ausschau nach ihrem Liebsten hält. Sie wartet auf seine glückliche Heimkehr und darauf, ihn bald wieder heil und gesund in den Armen zu halten.

Wie viele Frauen mögen hier in früheren Jahrhunderten wirklich gestanden haben? So oder so ähnlich, hoffend und bangend auf die Rückkehr warten. Lloret lebte über viele Jahrhunderte ausschließlich von und mit dem Meer: Die Einwohner waren entweder Fischer, Schiffsbauer oder Seeleute.

Rund um die Statue sind Schlösser an die Brüstung gekettet, wie auf zahlreichen Brücken in fast allen Städten der Welt. Verliebte Pärchen haben sich hier mit einem Fahrradschloss verewigt. Komischer Brauch. Früher hat man seine Initialen einfach in Bäume oder Bänke geritzt. Heute geht man in den Haushaltswarenladen und kauft sich ein Schloss.

Lloret Aussichtspunkt Cami de Rondes Dona Marinera Schloesser

Lloret Aussichtspunkt Dona Marinera Schloss Cami de Ronda

Narcis und ich wandern weiter. Mittlerweile habe ich mich an die Stöcke gewöhnt und laufe praktisch auf vier Beinen. Es macht richtig Spaß, weil ich jetzt irgendwie viel schneller bin, als auf zwei Beinen. Ich fliege fast, wenn es nicht gerade bergauf geht.

Wir walken zum Castell de San Joan. Eigentlich ist da gar keine Burg mehr. Es steht nur noch ein Turm, und auch der ist nachgebaut worden, weil der echte Turm längst das Zeitliche gesegnet hat.

Castell San Joan Lloret de Mar Cami de Ronda

Narcis erzählt, dass bei der Schlacht von Trafalgar, als die Engländer ganz unten bei Gibraltar gegen die Spanier kämpften, auch ein paar Schiffe hier oben an der Küste vorbeigekommen sind. Die Ankunft der britischen Flotte, oder zumindest eines Teils davon, wurde natürlich von den neugierigen Einwohnern beobachtet, die sich zahlreich auf dem Turm des Castell San Joan versammelt hatten. Schließlich hatte man von hier aus die beste Sicht auf die ankommenden Schiffe. Die britischen Seeleute dachten jedoch, das müsse eine befestigte Burg voller Soldaten sein und schossen den Turm vorsichtshalber nieder. Tja, das kommt davon, wenn man zu neugierig ist.

Blick auf die Bucht Lloret Wanderweg

Viel zu schnell endet unser Weg in der Bucht der Platja de Fenals. Dabei hatte ich mich gerade daran gewöhnt, nordisch walkend durch die Welt zu gehen. An der kleinen Strandpromenade geht es zurück zum Auto. Auf der betonierten Straße machen die Spitzen meiner Stöcke jetzt merkwürdige Geräusche. Widerwillig gebe ich schließlich meine Stöcke ab. Nun muss ich auf zwei Beinen weiterlaufen. Aber den Camí de Ronda werde ich weiterwandern, in einzelnen Stücken, von Bucht zu Bucht.

Platja de Fenals Lloret Cami de Ronda
Cami de Ronda Lloret

Wenn du mehr über die gesamt Route wissen willst, auf Entre Montañas  wird der „GR 92 – Camino de Ronda“ detalliert beschrieben! Allerdings auf Spanisch.

blick auf Lloret vom Cami de Ronda

Cami de Ronda GR92 Lloret

Costa Brava die wilde Kueste Lloret

Lloret bucht Cami de Ronda

Lloret bucht Strand Cami de Ronda

Und das ist übrigens der nette Narcis, von Nordic Walking Es Trajo, der mir geduldig die so einfach aussehende Technik des Walkens erklärt hat:

Cami de Ronda Narcis Nordic Walking Lloret

(Werbelink:) Was man in Lloret de Mar übrigens sonst noch so machen kann, erfährst du nicht nur hier im Blog. Auch bei Neckermann habe ich ein paar Tipps verraten.

 

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