Die Augen Gottes und eine winzige Kirche im Felsen

Gottes Augen, so werden die Löcher in der Decke der Prohodna Höhle genannt. Dabei ist diese Höhle genau genommen gar keine richtige Höhle. Sie ist vielmehr so etwas wie ein großer, breiter Tunnel. Durch die hohe Decke hat man auch nicht das Gefühl irgendwie beengt zu sein. Im Gegenteil, alles ist weit, offen und schön hell. Insgesamt ist die Prohodna auch nur dreihundert Meter lang und hat an beiden Seiten große Öffnungen. So fällt jederzeit viel Licht in den Gang und man braucht keine Taschenlampe.

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Vladimir meint, die Menschen haben diesen Platz schon in der Steinzeit entdeckt. Früh siedelten hier die ersten Stämme. Die milden Temperaturen in der Höhle und ausreichend Wasser in der Nähe, das waren damals gute Lebensbedingungen. An einer Stelle zeigt er uns einen Opferstein. Für die Menschen der frühen Zivilisationen muss die Prohodna Höhle ein geradezu magischer Platz gewesen sein. „Wenn das Licht durch die Löcher in der Decke fällt, wandert es hier herunter und landet auf genau diesen Steinen.“ Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie das aussieht, wenn bei Mondenschein ein Lichtstrahl durch die Höhle wandert. Das hat schon etwas sehr Geheimnisvolles.

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Statt für religiöse Kulte nutzen die Menschen die Höhle heute aber vor allem zum Klettern. Teilweise erklimmen sie die Wände mit bloßen Händen, weiß Vladimir zu berichten. Angeblich gäbe es auch ein paar Spezialisten, die Bungeesprünge durch die Augen Gottes machen. Während wir in der Höhle sind, springt da zum Glück niemand runter. Aber dafür treffen wir eine Gruppe mit Seilen bepackter Spanier, die gerade nach der besten Stelle suchen, um die dreißig Meter hohe Wand zu erklettern. Außer den spanischen Sportlern und uns ist am frühen Nachmittag niemand hier an der Prohodna Höhle unterwegs. Es ist angenehm ruhig, so fast ganz ohne Touristen.

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Da die gesamte Gegend aus weichem Kalkstein besteht, entstanden die meisten der Höhlen und Löcher hier als sich der mächtige Ozean, der einst diese ganze Landschaft bedeckte, zurückzog. Insgesamt soll es über zweihundert Höhlen in der Gegend geben.

Vladimir will uns noch mehr zeigen, darum fahren wir runter zum Iskar, dem Fluss, der die Schlucht wie eine dicke Schlange durchzieht. Oben am Rand der Felsen stehend haben wir einen schönen Blick über das Tal. Doch Vladimir ist gar nicht zufrieden. Ein Zug fährt unten durch die Schlucht vor uns. Diese viel befahrene Bahntrasse führt bis Moskau und ist wichtig für den Güterverkehr. Alle paar Minuten rauscht ein Zug durch das Tal und durchbricht die friedliche Stille. Auch wenn Vladimir das sehr schade findet, ich finde es gar nicht so schlimm, denn ich mag Züge und ich finde, sie stören die Landschaft nicht. Eine Autobahn oder eine Schnellstraße wären doch wesentlich schlimmer.

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Als ich der Bahn nachblicke, die hinter einer Biegung verschwindet, entdecke ich unten im Tal ein altes Gebäude. Es ist eine kleine Kirche, das letzte Überbleibsel einer großen Klosteranlage, die einst hier stand. Über die Jahrhundert hinweg haben die Osmanen bei ihren Eroberungen mehrmals die Gebäude des Klosters zerstört. Doch die orthodoxen Mönche bauten ihre Kirche immer wieder auf.

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Vor vielen Jahrhunderten kam eine Gruppe streng gläubiger orthodoxer Mönche aus dem heutigen Palästina in das Tal, erzählt Vladimir. Sie waren auf der Flucht und fanden Unterschlupf bei ihren bulgarischen Glaubensbrüdern. Doch die Mönche aus dem Orient wollten nicht im Kloster selbst leben und errichteten sich ihre eigene kleine Kirche im Felsen, auf der anderen Seite des Flusses Iskar. Die Männer verzichteten nicht nur vollkommen auf den Verzehr von Fleisch und Alkohol, sie zogen sich zur Fastenzeit in die Löcher der Felswand zurück und lebten dort wochenlang nur von Brot und Wasser. Es ist fast ein Wunder, dass diese kleine, unzugängliche Kirche sich bis heute erhalten hat. Die orthodoxen Mönche wurden während der Zeit des Sozialismus in Bulgarien vertrieben, doch die winzige, bunt bemalte Kapelle leuchtet nach wie vor im Licht der langsam untergehenden Sonne.

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Infos zur Prohodna Höhle und Lukovit:

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Lukovit ist der Hauptort der Gegend. Die Prohodna Höhle liegt in der Nähe des Dorfes Karlukowo. Für die Besichtigung muss man keinen Eintritt zahlen. Der Name Prohodna bedeutet auf Deutsch übrigens so etwas wie Eingang. Auf einer Kletter-Website habe ich einen guten Bericht über die Höhle gefunden, leider auf Spanisch aber mit schönen Fotos: la cueva de los ojos de dios senderismo

prohodna bulgarien lukovit hoehle freibeuter reisenUm eine Idee von der Höhe der Prohodna Höhle zu kriegen: Kannst Du ganz klein in der Mitte unseren Guide erkennen? 

Die kleine alte Kirche Uspenie Bogorodichno stammt vermutlich aus dem siebzehnten Jahrhundert und befindet sich heute auf dem Gelände einer psychatrischen Klinik. Bei Ivanovo, weiter im Osten des Landes, soll es noch eine schöne Felsenkirche geben – vielleicht statte ich der dann bei meiner nächsten Reise nach Bulgarien einen Besuch ab!

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Restaurantipp Lukovit:

In Lukovit gibt es ein super schönes Restaurant mit köstlichen, traditionellen Gerichten und sehr nettem Service. Mehr darüber erzähle ich ganz bald in einem Bericht über die bulgarische Küche.

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Restaurant Rodina
ul.Vyzrajdane 2A / ул.ВЪЗРАЖДАНЕ 2A
5770 Lukovit

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise zu der ich von Bulgarien Eden eingeladen wurde. Die hier dargestellten Ansichten beruhen ausschließlich auf meinen persönlichen Erlebnissen und drücken meine private Meinung aus.

 

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2 Comments

    • Zu der kleinen Kirche kann man auch hinwandern. Ich stand allerdings auf der falschen Seite des Flusses, aber oben vom Felsen runter gibt es einen Weg dorthin. Ob die Kirche auf ist udn man sie auch von Innen ansehen kann weiß ich allerdings nicht
      LG

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