Sehenswürdigkeiten auf Guadeloupe entdecken

Guide steht auf dem Schild an seiner Brust. Handgeschrieben, mit Bleistift. Früher stand da noch etwas anderes, aber das ist offenbar überholt. Mit seinen knallblauen Augen blickt uns ein kleiner, nicht mehr ganz junger Mann erwartungsvoll an. Er hat sich angeboten, uns gegen einen kleinen Obolus die Geschichte der „Marches des Esclaves“ zu erzählen. Frisches Obst aus seinem Garten und noch ein paar andere Informationen über die Fauna ringsum gäbe es auch, erweitert er sein Angebot.

Der Schatz und ich sind auf dem Weg in den Norden der Schmetterlingsinsel. Bei dem kleinen Ort Petit Canal sind wir Richtung Hafen abgebogen und stehen dort nun vor der alten Steintreppe. Ob das wohl die Marches des Esclaves, die Stufen der Sklaven, sind, die wir suchen?  Da wir mittlerweile richtig informationshungrig sind, weil wir es schwierig finden, etwas mehr über die Menschen und ihre Geschichte hier zu erfahren, nehmen wir sein Angebot dankbar an.

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Etwas überrascht von seinem offenbar unerwarteten Erfolg, begleitet uns der selbsternannte Guide zu einem kleinen Stand mit Obst aus seinem Garten. Dort ist seine Frau geschäftig zu Gange und übernimmt die neu akquirierten Kunden, also uns. Nina ist nicht nur wesentlich kräftiger als ihr Man, sondern auch sehr viel geschäftstüchtiger. Sofort schaltet sie in den „Guide“-Modus und verscheucht ein paar andere Touristen die sich vor ihrem selbstgebastelten Schild mit ein paar Fotos und Erklärungen eingefunden haben. Wenn sie Ninas Geschichte auch hören wollen, müssen sie gefälligst zahlen. Da ist Madame ganz Profi.

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sehenswuerdigkeiten auf guadeloupe ruine petit canal Ruinen der alten Kirche

Wir erfahren also, dass diese alte Steintreppe in Petit Canal von den schwarzen Sklaven gebaut wurde, nachdem ein Erdbeben die Hafenpromenade, auf der wir jetzt stehen, komplett zerstört hatte. Petit Canal war früher ein Umschlagplatz für den Sklavenhandel. Hier unten am Hafen stand eine kleine Kirche und auf dem Marktplatz wurden Sklaven an die Besitzer der Zuckerrohrplantagen in der Umgebung verkauft. Doch nachdem das Erdbeben alles zunichte gemacht hatte, beschlossen die Kolonialherren eine neue Kirche weiter oben zu bauen. Die Plantagenbesitzer „spendeten“ Sklaven zum Bau einer Treppe, die vom Hafen auf den Hügel hinauf führt. Jeweils fünf Stufen wurden von einer “Habitation“ errichtet. Die letzten fünf Stufen hat dann der Gemeinderat bezahlt.

Die Inschriften an der Seite der Treppe erinnern noch heute daran, dass die Menschen, die hier verkauft wurden, von weit her, von einem anderen Kontinent, jenseits des Atlantiks stammten. Rücksichtslos hatte man sie gefangengenommen, verschleppt und wie Vieh verkauft: Yorbuas, Ibos, Ouolofs, Peuls, Bamilékés.

Nina erzählt, dass die Sklaverei auf Guadeloupe eigentlich schon 1794 abgeschafft wurde. Während der französischen Revolution erliess Robespierre nämlich ein Gesetz zur Sklavenbefreiung. Ein gewisser Victor Hugues, Verwalter der französischen Kolonie, sorgte Mithilfe einer Guillotine, die er extra aus Frankreich mitgebracht hatte dafür, dass die neuen Dekrete auch durchgesetzt werden. Nachdem er schnell noch die Briten, die zu der Zeit die Insel besetzten, vertrieben hatte, teilte der die Ländereien der Habitations unter den Einwohnern auf und liess die verbliebenen königstreuen Großgrundbesitzer kurzerhand hinrichten.

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Doch die Abschaffung der Sklaverei auf Guadeloupe währte nicht lange. Schon 1802 setzten sich die Kolonialherren gegen Männer wie den Freiheitskämpfer Louis Delgrès durch und führten die Sklaverei wieder ein. Es dauerte dann doch noch eine Weile, bis Victor Schoelcher 1848 den französischen Antillen endgültig das Ende der Sklaverei brachte.

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Nina führt uns noch zu den Ruinen der alten Kirche und erklärt ein paar der umstehenden Bäume. Eigentlich will sie uns auch noch die Überreste des alten Gefängnis zeigen, aber wir wollen weiter und verabschieden uns. Irgendwie ist Nina eine bemerkwenswerte Frau. Sie wirkt irgendwie persönlich erbost angesichts dessen, was hier vor rund zweihundert Jahren geschehen ist. Es ist dieser tiefe Stolz, ein starkes Bewusstsein für die Geschichte der Insel, das Nina wie einen Schutzschild vor sich herträgt. Weißen Touristen gegenüber tritt Nina zunächst eher abweisend, fast schon trotzig auf. Sie ist mit dieser Art nicht allein. Auf Guadeloupe sind wir oft auf Menschen getroffen, die Fremden wie uns gegenüber sofort diese trotzige Haltung einnahmen.

Vielleicht liegt es daran, dass bestimmt 90% der Besucher Guadeloupes aus der Metropole stammen. Es ist ein Aufeinandertreffen zweier französischer Parallelwelten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bewohner der Karibikinsel den wohlhabenden Festlandfranzosen gegenüber in einem besonderen Verhältnis stehen. Die Kolonialzeit ist noch nicht allzulange her und jeder hier kann sich vermutlich noch an die Geschichten der Großmutter oder Urgroßmutter erinnern, die einem als Kind die Haare zu Berge standen liessen.

Vermutlich ist diese sehr reservierte Art der Höflichkeit eine Art Selbstschutz. Wenn ich versuche, mich in eine hart arbeitende Gemüsefrau auf dem Markt hineinzuversetzen und sehe, wie arrogant und selbstherrlich manche der wohlhabenden, älteren Reisenden manchmal doch leider wirken, dann finde ich diese Distanz schon nachvollziehbar. Da fehlt es teilweise einfach an Taktgefühl. Doch zum Glück ist das nicht immer so. Wir haben auch sehr viele offene und herzliche Menschen getroffen. Nur viel geredet haben sie irgendwie alle nicht.

Zum Beispiel als wir uns auf dem Weg zur Destillerie so verfahren haben. Da wir uns nur einen Mietwagen mit der billigsten Ausstattung leisten konnten und weder Michis noch mein Handy irgendwelche Signale zu empfangen schien, mussten wir nach Karte fahren. Ganz altmodisch. Eigentlich mache ich das ja sogar ganz gern, nur auf Guadeloupe war es teilweise etwas schwierig mit der Beschilderung. Da nämlich meist gar keine Schilder zu finden waren, konnte ich mir nie sicher sein, ob die drei kleinen Häuschen am Straßenrand bereits die nächste Ortschaft darstellten oder noch zum letzten Dorf zählten. Ob der Trampelpfad mit den gefährlich aussehenden Schlaglöchern ein Feldweg nur für Traktoren und Landmaschinen oder die auf der Karte eingezeichnete größere Straße sein soll.

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Jedenfalls wußten wir irgendwann nicht mehr, ob wir überhaupt noch in die richtige Richtung fahren. Als ich dann am Straßenrand zwei Arbeiter im Blaumann an einem Elektrokasten entdeckte, war das die perfekte Chance wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Während ich mich also freundlich entschuldigend und hilflos fragend den beiden nähere, arbeiten die erst einmal weiter. Unverzagt trage ich mein Anliegen vor, nämlich dass ich nicht weiß auf welcher Straße wir uns hier befinden und ob sie mir nicht sagen können in welcher Richtung Le Moule liege. Schließlich hat einer der beiden Erbarmen und blickt von seinen Schaltkreise auf. Er sieht mich mitleidig an und sagt nur „Wo wollen Sie denn hin?“ Umständlich erkläre ich, dass wir eigentlich zur Destillerie wollen, doch er unterbricht mich gleich und zeigt nur auf die Straße, in Fahrtrichtung „Da lang“.

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Ich bedanke mich, setze mich ins Auto und wir fahren ungelogen keine zwanzig Meter weit. Direkt hinter der Kurve liegt die Destillerie. Allerdings sieht sie ziemlich verlassen aus. Wir stellen den Wagen zwischen ein paar anderen geparkten Autos ab und steigen aus. Kein Schalter oder Empfang zum Eintrittzahlen ist in Sicht. Da entdecke ich ein paar sehr nach Touristen aussehende Menschen weiter hinten zwischen den Gebäuden. Auf meine Frage, wo es denn hier so etwas wie eine Führung gäbe, erklärt mit eine ältere Französin, so etwas gäbe es hier nicht. Hier läuft man selbst rum und guckt sich alles an.

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Auch wenn ich etwas erstaunt und verunsichert bin, scheint das so zu sein. Michi hat sich schon in eines der Gebäude begeben und unterhält sich bereits mit Henri, einem Arbeiter, der ihm gerade zeigt, welchen Rum sie hier herstellen. Da das Zuckerrohr noch nicht reif ist, findet zur Zeit keine Produktion statt. Aber die Verpackungsanlage läuft und wir können zusehen, wie die Flaschen etikettiert und versandbereit gemacht werden. Henri ist ein sehr netter Kerl. Er zeigt uns sogar die verschiedenen Sorten des Rums der hier produziert wird. Und er gibt uns eine Tipp. Wir sollen den Rum unbedingt mit einem Schuss Zitrone probieren, darauf schwört er. Als wir uns verabschieden, um ihn nicht länger von der Arbeit abzuhalten, sind schon die nächsten Touristen im Anmarsch.

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Tipps für Sehenswürdigkeiten auf Guadeloupe :

Zum Thema Strand und Küste schreibe ich noch einen extra Artikel. In vielen Orten werden Ausflüge zu den verschiedenen Inseln oder durch die Mangroven angeboten. Wir haben eine Tour durch die Mangroven und eine Fahrt zur Marie Galante gemacht.

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf Guadeloupe ist sicherlich der Vulkan la Soufrière. Im Nationalpark um den noch aktiven Vulkan gibt es viele Wanderwege. Da es leider sehr viel und stark geregnet hat, waren die Wege leider ziemlich aufgeweicht und nur mit guter Ausrüstung zu bezwingen. Für uns kam eine Wanderung  deswegen leider nicht infrage (darum), aber eigentlich gehört La Soufrière zu den Highlights der Insel.

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Sattgrüne Täler ziehen sich zwischen unendlich vielen, kleinen Hügel dahin. Die Landschaft ist ein auf und ab verschiedener Grünschattierungen. Teilweise sehen die meterhohen Bäume wie geköpft aus. Maria, der Hurrikan, der im letzten Herbst die Karibik in Angst und Schrecken versetzte, hat auch auf Guadeloupe gewütet. Doch schnell rankende Pflanzen sind schon dabei, die entstandenen Löcher wieder zu füllen und die leeren Stellen im grünen Pflanzenteppich zu schließen.

Distillerie Damoiseau
Bellevue, Le Moule 97160,
Grand Terre – Guadeloupe
Website: www.damoiseau.fr

Destillerien gibt es hier ziemlich viele. Die Distillerie Damoiseau ist eine der größten und gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten auf Guadeloupe. Natürlich finden dort auch Führungen statt. Die ältere Dame, die ich dort gefragt hatte, hat sich wohl einfach genauso verlaufen wie wir. Die Produktion findet jedoch nur in den Monaten statt, in denen auch Zuckerrohr geerntet wird.

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Sucrerie – Usine Gardel
Le Moule, (Grand Terre) Guadeloupe
Da wir im Januar auf Guadeloupe waren, war leider das Zuckerrohr noch nicht erntereif und wir konnten die Sucrerie nicht besichtigen.

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Cimetière de Morne-à-l’eau
Morne-à-l’Eau (Grand Terre), Guadeloupe
Direkt an einem Kreisverkehr liegt dieser große Friedhof. Die Gräber sind alle komplett schwarz-weiß gekachelt. Da es sich ja um einen Friedhof handelt, bin ich nicht direkt auf das Gelände gegangen, sondern habe nur in respektvollem Abstand aus dem Auto ein Foto gemacht. Warum die Gräber diese Farben haben, weiß ich leider nicht.

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La Chapelle de la Baie Olive
Saint-Francois (Grand Terre) Guadeloupe
Ganz am Ende eines abseits gelegenen Weges kommt man zu einer kleinen Kapelle. Von hier aus soll ein Weg mit weißen Kreuzen zu der kleinen Kirche unten am Ufer der Olivenbucht führen.

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Écomusee
Sainte Rose (Basse Terre), Guadeloupe
Ein Reinfall! Die zehn Euro, beziehungsweise zwanzig, da wir ja zu zweit waren, hätten wir uns sparen können. Das Ecomusée gehört definitv zu den Sehenswürdigekeiten auf Guadeloupe, die Du getrost weglassen kannst. Ein schmuddeliges Stück Garten mit ein paar Schaufenstern, die weder schön sind, noch interessante Informationen vermitteln. Gib Dein Geld lieber für andere Dinge aus.

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Jardin botanique de Deshaies
villers 97126, Deshaies (Basse Terre), Guadeloupe
Website: www.jardin-botanique.com
Mit fünfzehn Euro Eintritt pro Kopf ein ziemlich teueres Vergnügen, aber der Garten ist hübsch angelegt und zeigt mit seinen Bäumen und Blumen ein schönes Bild der Fauna Guadeloupes.

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