Wir Tauchen mit dem Physikprofessor – Verregnete Karibik

Michel Lavoie ist Kanadier und Physikprofessor. Genau so sieht er auch aus, finde ich. Wie eine Mischung aus Jacques-Yves Cousteau und Albert Einstein. Und total nett ist er auch. Zum Tauchen auf Bastimentos haben wir uns das kleine Dive Center ausgesucht, das Michel zusammen mit Ginette betreibt. Schließlich wollen wir nach dem Pazifik nun auch die Karibik unter Wasser entdecken.

Wir Tauchen auf Bastimentos

Gleich nach unserer Ankunft auf der Insel suchen wir das Tauchcenter, um zu sehen ob und wann wir hier tauchen gehen können. Scuba6 EcoDiving ist schnell gefunden. Die kleine Tauchschule gehört zu Tio Tom’s Guesthouse, das direkt neben dem Hauptanleger von Bastimentos liegt. Ginette zeigt uns alles und wir verabredeten den Tauchgang für den nächsten Tag. Optimistisch probieren wir gleich die Ausrüstung für morgen an.

Pünktlich um acht Uhr morgens erscheinen wir zum Briefing. Wie wir uns schon gedacht haben, wird der Tauchgang abgesagt. Das Wetter ist viel zu stürmisch und regnerisch heute. Sicher, man braucht keinen Sonnenschein zum Tauchen, aber die Sicht ist durch das aufgewühlte Meer so schlecht, dass es sich einfach nicht lohnt raus zufahren. Wir warten also auf den nächsten Tag.

Tauchen auf Bastimentos Tio tom Guesthouse

Wieder Sturm und Regen. Dennoch stehen wir gleich nach dem Frühstück pünktlich vor dem kleinen Divecenter. Aber auch heute wird es nichts mit dem Tauchen. Die Aussichten sind trüb. „Vielleicht heute Nachmittag“, versucht uns Glen, einer der Dive Instructors, zu trösten. Am nächsten Tag soll unser Flug zurück nach Panama gehen. Wir rechnen kurz. Passt das noch? Achtzehn Stunden nach dem letzten Tauchgang darf man nämlich nicht fliegen, damit der Stickstoff ausreichend Zeit hat, aus dem Körper zu entweichen. Sonst kann es echte Probleme geben und in einer Druckkammer wollen wir beide ja nicht enden. Aber kein Problem, die vorgeschriebene Zeit können wir locker einhalten, auch wenn wir am Nachmittag tauchen gehen sollten. Das wäre dann aber auch die allerletzte Chance.

Gegen Mittag klart der Himmel plötzlich etwas auf und die Sonne kommt raus. Wir beginnen zu hoffen, dass unser Tauchgang doch noch stattfinden kann. Aber die Freude währt nur kurz. Noch während ich selig frohlocke, stürzt von einer Sekunde zur anderen schon wieder ein Regenguss vom Himmel. Nicht ein paar Tröpfchen, die ein Schauer ankündigen, sondern gleich die ganze Ladung Wasser auf einmal. Als ob jemand einen Eimer über mir ausschüttet. Von null auf Hundert. Schon wieder ist der Himmel grau und die Wellen brausen hoch. Angeblich sollen ja ein paar Stunden ausreichen, um das Wasser zu beruhigen, sodass man ausreichend sehen kann. Ich hoffe das Beste.

Gegen ein Uhr versuchen wir es ein letztes Mal. Wieder gehen wir zu Tio Tom’s und werfen einen vorsichtigen Blick ins Büro des Tauchcenters. Unsere Ausrüstung ist schon montiert: Wir tauchen! Michi und ich überprüfen kurz alles – super! Schnell wird der wetsuit angelegt. Ginette hält uns noch einen Vortrag über die Entstehung des Isthmus von Panama und darüber, wie diese Landbrücke, die sich da vor dreizehn Millionen Jahren aus dem Meer geschoben hat, die Entwicklung der Flora und Fauna in der Karibik und im Pazifik beeinflusste. Superspannend! Genau das Richtige für meinen Schatz, den Geophysiker. Michi sitzt mit angespitzten Ohren und lauscht ganz genau hin.

Dann kommt Michels Kommando: Wir fahren los!

Tauchen auf Bastimentos:

Kaum hat unser Boot abgelegt, regnet es schon wieder. Dicke, harte Tropfen treffen uns während der Fahrt zum ersten Tauchspot. Aber es ist warm und nass werden wir ja gleich sowieso. Wir tauchen nur wenige Meter tief. Und schon sehen wir nichts mehr. Gerade so kann ich noch Michels Flossen direkt vor mir erkennen. Das Wasser ist jedoch überraschend ruhig. Auch Strömung spüre ich kaum. Ganz gemütlich treiben wir durch das trübe Wasser, ganz nah am Boden entlang. Ein wunderbar entspannter Tauchgang, so wie ich es mag. Wenn doch nur die Sicht etwas besser wäre.

Ein Hummer versteckt sich vor uns unter einem Felsen. Aber seine langen Fühler sind trotzdem gut zu sehen. Wir schwimmen an lustigen Seegurken und vielen bunten Pflanzen vorüber. Dann stoßen wir auf ein dickes Kabel am Meeresgrund. Es ist das Stromkabel, das Bastimentos und die anderen Inseln mit Elektrizität versorgt! Wir orientieren uns an dem Kabel und folgen ihm eine Weile. Erst als ich schon fast mit der Nase dagegen stoße, kann ich erkennen, dass wir an einem Wrack angekommen sind. Ein alter Katamaran liegt hier unter Wasser. Ob er versenkt wurde oder einfach abgesoffen ist, weiß ich nicht, ein dicker Zackenbarsch schwimmt durch ein kaputtes Fenster des Wracks. Es sieht wunderschön aus. Die Natur holt sich eben alles wieder zurück.

Tauchen auf Bastimentos Bocas del toro
Tauchen auf Bastimentos Sicht schlecht

Seeigel beim Tauchen auf Bastimentos

Doch dann passiert es. Michi fotografiert gerade einen hübschen Fisch, was bei der schlechten Sicht noch schwieriger ist als sonst, und ich warte natürlich auf ihn. Er ist ja mein Tauch-Buddy. Nur wenige Sekunden dauert das Ganze. Als ich mich wieder nach Michel umsehe, ist er nirgends mehr zu sehen. Ich habe ihn aus den Augen verloren! Unser Guide ist weg. Michi hat noch gar nichts gemerkt, und so versuche ich ihm mit Zeichen zu erklären, dass ich nicht weiß, in welche Richtung unser Guide verschwunden ist. Ein kleiner Schreck, doch wir sind beide erstaunlich ruhig. Mehr als drei oder vier Meter kann Michel schließlich nicht von uns entfernt sein. Wir warten also brav einen kurzen Moment und verharren an Ort und Stelle, da erscheint Michel auch schon, wie aus dem Nichts, wieder direkt vor uns. Als hätte er nur gerade eine Tarnkappe abgelegt, und wäre gar nicht weg gewesen. Naja wirklich „weg“ war er ja auch nicht. Wir haben ihn halt nur nicht gesehen.

fischis Tauchen auf Bastimentos

Bilder Tauchen auf bastimentos

Tauchen auf bastimentos unterwasser

Wir finden noch einige andere, bunte Dinge und folgen eine Weile einer dicken Ankerkette am Grund. Aber nach 45 Minuten tauchen wir auf. Es war ein ruhiger und schöner Tauchgang, nur eben mit verflucht schlechter Sicht von ein bis zwei Metern. Aber immerhin: Ich war doch noch tauchen auf Bastimentos. Den ursprünglich geplanten, zweiten Tauchgang lassen wir jedoch ausfallen. Die Flaschen haben wir zwar dabei, aber als Glen an unserem zweiten Tauchspot kurz ins Wasser springt, um ein Seil zu befestigen, verkündet er, dass die Sicht hier eindeutig noch schlimmer sei, als am ersten Tauchspot. Wir brechen ab. Schade, aber es hat einfach wirklich keinen Sinn. Glen ist mit zwei Tauchschülern unterwegs und für die ist es echt hart, bei diesem Wetter die ersten Tauchübungen zu machen.  Also kehren wir nach Bastimentos zurück und ich bin happy, dass wir es doch noch geschafft haben, wenigstens ein bisschen zu tauchen.

Auf der Rückfahrt fängt es schon wieder an, heftig zu regnen. Die Tropfen tun richtig weh, wenn ich sie ins Gesicht kriege. Außer dem Kapitän sitzen wir alle bibbernd mit dem Rücken in Fahrtrichtung, um uns wenigstens ein wenig gegen das hart und kalt vom Himmel fallende Nass zu schützen.

Fahrt Tauchen auf Bastimentos

In Tio Tom’s angekommen, entledigen wir uns ganz schnell der nassen Sachen. Wir duschen kurz und bestellen uns etwas zu essen. Die Tauchschule gehört praktischerweise zum Gästehaus, das heißt, es gibt hier eine kleine Küche. Während wir uns über die Erlebnisse unter und über Wasser unterhalten, gesellen sich Glen und Michel zu uns. Glen ist eigentlich „winemaker“ aus Kalifornien, aber noch eigentlicher ist er Kanadier mit japanischen Wurzeln. Vor Kurzem war er zufällig in Barcelona und wollte wohl auch an der Costa Brava tauchen. In Toronto, wo er früher unterrichtet hat, geht das scheinbar das ganze Jahr über. In Spanien nicht. Da ist es im Winter viel zu kalt, um in die Fluten der Costa Brava zu tauchen. Alle Dive Center, die ich kenne, sind jetzt geschlossen. Es sei denn, man will in einem der Bergseen der Pyrenäen Eistauchen. Das geht.

Nebenbei läuft der Fernseher und wir erfahren aus den Nachrichten, dass irgendein Wissenschaftler irgendwelche Wellen entdeckt hat, die Einstein schon theoretisch vorhergesehen, bzw. berechnet hatte. Sofort sind sowohl Michi als auch Michel Feuer und Flamme. Wie sich schnell herausstellt, ist Michel von Haus aus eigentlich Physikprofessor. Angeregt fachsimpeln die beiden Physiker über die Bedeutung dieser neuen Entdeckung. Ich verstehe nur Bahnhof, aber es ist gerade alles so nett. Mit einem relaxten Grinsen im Gesicht knuspere ich an meiner frischen Pizza (etwas anderes gibt es um diese Zeit leider nicht, aber Hauptsache Essen) und bei ein bis zwei Bierchen vergeht die Zeit wie im Fluge. Gerade noch rechtzeitig, bevor es dunkel wird, brechen wir wieder auf zu unserem Zimmerchen auf der anderen Seite der Insel.

Am letzten Tag, dem Tag unserer Abfahrt, scheint dann endlich die Sonne auf Bastimentos. Zu spät für uns. Denn da sind wir schon wieder in Bocas del Toro, auf dem Weg nach Panama City.

Nützliche Infos zum Tauchen auf Bastimentos:

Das war unser Tauchen auf Bastimentos Bocas del toro

Falls Du auch lieber unter als über Wasser bist oder falls es Dir am Strand zu langweilig werden sollte:

Wir sind mit Michel Lavoie und Ginette Bariteau von Scuba6 Eco Diving getaucht:
Tio Tom’s Guesthouse
Old Banks
Bastimentos
Bocas del Toro/ Panama
Website: scuba6ecodiving.com

Wir hatten zwar mit dem Wetter echt Pech, aber das Material, das wir hier zum Tauchen auf Bastimentos hatten, war das beste, das ich je gesehen hatte! Alles tip-top und vom Feinsten! Großes Lob an das Team!

Abschied von Bastimentos Sonne in Bocas  Bocas del Toro    Nach dem Tauchen auf Bastimentos Sonne in Bocas

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