Tauchen macht glücklich

Tauchen in Thailand- Tauchboot

Taucher stehen total früh auf. Leider. Manchmal geht es schon um 5.30 oder 6.30 Uhr los! Schlaftrunken schleppt man sich irgendwie zum Pier, bevor das Boot ablegt. Kaffee trinken ist ungünstig, jedenfalls bei mir, weil ich ja nicht beim Tauchen auf Klo gehen kann. Je nachdem, ob man mit einem kleinen oder großen Tauchboot unterwegs ist, gibt es meist auch kein WC an Bord. Also werde ich fast immer erst wach, wenn ich ins Wasser springe. Dafür dann aber richtig. Wie ein Blitz ist mein Hirn dann plötzlich ganz klar und ich gucke und atme, gucke und atme… Langsam lasse ich mich einfach mit der Strömung treiben und höre nur noch das regelmäßige Atemgeräusch, das es mir überhaupt erlaubt, hier unten zu sein, in dieser friedlichen, stillen Welt.

Je weniger ich mich bewege, umso weniger scheinen sich auch die Unterwasserbewohner an meinem Erscheinen zu stören. Sie schwimmen einfach ihrer Wege, als ob ich gar nicht da wäre. Oder als ob ich einfach nur ein großer, hässlicher – aber ungefährlicher – Fisch sei. Ich bin jedes Mal wieder fasziniert. Alles was mir „über Wasser“ ständig durch den Kopf geht, ist wie weggewischt. Gedanken wie „hab ich das Bügeleisen ausgemacht?“ , „was koche ich morgen?“, „ich muss noch XY anrufen“ und all diese komplett unwichtigen Dinge, die sonst permanent und ungewollt hin und her rasen, ohne dass ich es anhalten könnte, sind wie weggeblasen.  Ich bin einfach nur da. Das reicht.

Bei keinem Spaziergang habe ich Natur so erleben können, wie unter Wasser. Ich könnte alle Fische umarmen, hinter ihnen her schwimmen und stundenlang einfach nur dahintreiben. Aber das geht leider nicht. Ein Kontrollblick auf den Computer sagt mir, dass ich noch genügend Luft habe. Plötzlich taucht mein Buddy direkt über mir mit gezückter Kamera auf. Übermütig drehe ich ein paar Pirouetten und werfe mich in Pose.  Schwerelose schwebe ich elfengleich tanzend vor seiner Nase herum und muss vor lauter Lachen in meinen Regler pusten. Wir grinsen uns freudestrahlend an, glücklich bis über beide Ohren. Auch ohne Worte weiß ich, dass es meinem Schatz genauso geht wie mir. Seine Augen strahlen und die Mundwinkel erreichen fast die Ohren.

Tauchen in Thailand- Scuba Diving

Tauchen in Thailand- Scuba Diving Fisch

Tauchen in Thailand- Scuba Diving

Plötzlich ist großer Alarm. Mit einem hell klingenden „ding ding“ klopft Pan, unser thailändischer Dive-Master, an seine Sauerstofflasche und zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein riesiger Mantarochen zeichnet sich noch verschwommen, in ca. 20 m Entfernung vor uns ab. Er kommt direkt auf uns zu. Auch andere Taucher, ganz in der Nähe, haben den Manta gesehen.  Niemand schwimmt mehr, alle stehen schwebend senkrecht im Wasser. Wenn wir könnten, würden wir garantiert alle die Luft anhalten vor Spannung, aber das geht ja nicht (Weiteratmen! Allererste Regeln beim Tauchen : Nicht aufhören zu atmen!). Fotoapparate, Tablets, Kameras, Handys oder was weiß ich, was die Leute alles mithaben, werden gezückt. Und der Manta kommt immer näher. Er schwimmt direkt auf mich zu. Schluck. Wie war das noch? Zu welcher Gattung gehört der doch gleich? Sind die nicht mit Haien verwandt? Wenn ich mich doch nur erinnern könnte, ob er ein Fleisch- oder Pflanzenfresser ist… ahh! Wäre ich nur nicht so vergesslich! Ich schwöre, ich kaufe mir zuhause ein Fischbuch zum Klassfizieren der Dinger!  Da alle anderen total ruhig bleiben, mache ich dasselbe. Ich bewege mich einfach nicht mehr und gucke ganz friedfertig. Je näher der Manta kommt, umso größer wird er.  Schließlich schwebt er dicht unter mir vorbei und verschwindet wieder in den endlosen Weiten des Ozeans.

Kontrollblick auf den Computer: Zeit zum Auftauchen. Nach einem kurzen Check mit den anderen beiden Tauchern sammeln wir uns und verabschieden uns gemeinsam von der Unterwasserwelt. Für dieses Mal.  An der ganz stillen und ruhigen Wasseroberfläche angekommen, geht noch die Morgensonne auf  und strahlt mir in orangerotem Licht ins Gesicht. Auf dem Rücken liegend lasse ich mich zurück zum Boot treiben.

Tauchen in Thailand- Scuba Diving Anemone

Tauchen in Thailand- Scuba Diving

Tauchen in Thailand- Scuba Diving

 

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12 Comments

  • Jaaa! Da kann ich nur zustimmen! Tauchen macht absolut happy! Ich versuche derzeit mich mindestens alle 1-2 Wochen in einem See zu versenken. Das Glücksgefühl hält an. 🙂

    • Alle 1-2 Wochen ist ja genial! Das habe ich nur in meinem ersten Jahr geschafft. Da war ich fast schon süchtig 🙂 Mittlerweile ist es leider etwas weniger geworden. Aber so oft sich eine Gelgenheit bietet, tauche ich wieder ab!

  • Sehr schön geschrieben! Die Ruhe die einem beim Tauchen erfasst, kann man eigentlich gar nicht richtig beschreiben, und schon gar nicht nachvollziehen, wenn man es selber noch nie erlebt hat.

    Für mich ist es immer, als würde ich in eine Welt voll Frieden und Stille eintauchen und alle Gedanken sind wie weggeblasen. Obwohl, als dann plötzlich Haie vor mich aufgetaucht sind, war ich dann nicht mehr ganz so ruhig… 😉

    Liebe Grüsse
    Sarah

    • Haie? Das Vergnügen hatte ich bisher leider noch nicht. Bei einem Tauchgang hat der Divemaster zwar Mal „Hai-Alarm“ gegeben, aber niemand außer ihm hat einen Hai gesehen… Wir haben schon gewitzelt, dass er sich den wohl nur ausgedacht hat 😉 Naja, knapp verpasst halt! Wahrscheinlich würd ich mich sowieso „nass“ machen

  • Hach… es ist so friedlich, da unten bei den Fischen 🙂
    Mantas sind reine Planktonfresser 😉 Aber das kann man vorher 10x gehört haben, wenn so ein riesiges offenes Maul auf dich zuhält, zweifelst du dennoch, auch wenn da kein einziger Zahn im Rachen zu sehen ist 😀
    Spannende Geschichte und ich beneide dich um jeden Tauchgang!
    War zuletzt vor 4 Jahren oder so :/
    LG und frohes Gluck-gluck Claudi

    • hihi – ja genau! aber ganz schön große Planktonfresser! Am Morgen hatten andere Taucher genau dort einen Walhai espäht, denn wollte ich auch unbedingt sehen – aber ich weiß gar nicht ob ich das überleben würde, so herzmäßig 😉 *g*

  • Das kann ich alles so nachvollziehen. Sowohl das mit dem Kaffee als auch das mit dem Manta als auch das mit der Stille unter Wasser (obwohl es eigentlich unter Wasser alles andere als still ist) und dem damit verbundenen Abschalten von Gedanken.

    • naja relative Stille- das Atemengeräusch ist so regelmäßig, das höre ich immer nach ein – zwei Minuten gar nicht mehr. Nur die blöden Boote an der Oberfläche nerven manchmal

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