Unterwegs zwischen Vulkanen: Castellfollit und die Gorgs

Ganz oben auf einem steilen Abhang erhebt sich das kleine Dorf Castellfollit de la Roca. Die alte Kirche steht genau an der Spitze des in die Landschaft ragenden Felsbrockens. Inmitten der grün bewaldeten Vulkane des Garrotxa, im Hinterland der Costa Brava, wirkt diese graue Felswand wie aus der Zeit gerutscht. Die Farben des Gesteins und der oben bis an die Kante gebauten Häuser bilden einen Kontrast zum satten Grün der Umgebung.

castellfollit altstadt

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Ein paar Kurven weiter führt die Straße nach oben ins Dorf, direkt ins Zentrum von Castellfollit. Auf der lang gestreckten Felszunge schmiegen sich die alten Häuser dicht an dicht. Vor einem der Häuser steht ein Tisch voller kleiner Plastiktütchen. In den Tüten sind getrocknete, weiße Bohnen. Eine ältere Dame sitzt dahinter auf einem alten Sofa und bietet die Mongetes de Santa Pau zum Verkauf an.

Santa Pau liegt nur zehn Minuten mit dem Auto von hier entfernt, mitten zwischen fünf Vulkanen. Weiße Bohnen aus Santa Pau sind eine geschützte Herkunftsbezeichnung und gelten als regionale Delikatesse. Durch die vielen Vulkane ist die Beschaffenheit des Bodens hier anders und das macht sich im Geschmack der Bohnen bemerkbar. Ich überlege kurz, ob ich eine Tüte Bohnen kaufen soll, entscheide mich dann aber doch dagegen. Schließlich wollen wir heute noch wandern gehen.

castellfollit altstadt

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Bald stehen wir vor der alten Kirche, die längst keine Kirche mehr ist. Drinnen befindet sich eine Ausstellung. Wenn man einen Euro zahlt, darf man auch auf den Kirchturm steigen. Lina und ich steigen also die engen Treppen nach oben. Die Aussicht ist der Hammer. Weit streckt sich die grüne Landschaft vor uns aus und ich kann tief hinunter in den Abgrund sehen. Von hier aus wird erst klar, wie steil die Hauswände direkt am Felsabgrund errichtet wurden. Wenn da auch nur ein paar Zentimeter des Felsens abrutschen sollten, dann würden aber gleich mehrere Häuser für immer verschwinden.

castellfollit altstadt

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Die Altstadt von Castellfollit de la Roca ist nur fünfzig Meter breit und hat weniger als einen Quadratkilometer Fläche. Der aus zwei übereinander gelagerten Lavaschichten bestehende Felsen, auf dem das Dorf gebaut ist, entstand durch Erosion. Die Flüsse Fluviá und Toronell fraßen sich über Jahrtausende hinweg ihren Weg durch die Vulkanlandschaft und ließen dabei diese Basalt-Felszunge entstehen.

Merkwürdigerweise soll das Dorf eines der ersten im ganzen Land gewesen sein, das über einen funktionierenden Telefonanschluss verfügte. Schon 1907 sollen hier die ersten Telefonapparate angeschlossen worden sein.

Wir fahren weiter durch die hügelige Landschaft rund um Olot, vorbei an unzähligen erloschenen und heute grün bewachsenen Vulkanen, bis wir in das kleine Dörfchen Les Planes d’Hostoles kommen. Vor dem Ort lassen wir das Auto auf einem Parkplatz stehen, denn im Wald dürfen wir nicht mehr parken. Zu Fuß machen wir uns also auf zum Gorg del Moli dels Murris, zum „Wasserloch der alten Mühle von Murris“.

olot garrotxaVulkane im Garrotxa

gorg del moli

Zunächst geht der Weg auf einer Landstraße entlang, doch nach circa fünfzehn Minuten sind wir endlich im Wald. Von hier aus kann man weiter am Flusslauf entlangwandern, klettern, oder einfach schon mal ins Wasser springen.

gorg del moli

Während sich im Hochsommer die Touristen an den Stränden der Costa Brava tummeln, kommen die Einheimischen zu Plätzen, wie diesem Gorg. Die Gegend ist voll davon und meist wissen kennen wirklich nur die Locals diese wunderschönen Plätze. Doch heute ist Sonntag und wir sind nicht allein auf die Idee gekommen, im Wald Erfrischung zu suchen. Andere Leute haben sich schon mit Kind und Hund lange vor uns auf den Weg gemacht. Mit Picknickkorb und Kühltasche, gut vorbereitetet, haben sie sich ein Plätzchen zum Picknicken am Ufer gesucht. An einer Stelle weiter oben am Flusslauf, hat ein Pärchen sogar eine Hängematte aufgehängt, wohl in der Hoffnung an diesem lauschigen Plätzchen allein zu sein. Denen haben wir offenbar gerade einen Strich durch die romantische Rechnung gemacht.

gorg del moli

gorg del moli

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Wir stören nicht und klettern weiter am Ufer entlang. Gutes Schuhwerk braucht man übrigens schon, denn es geht teilweise wirklich durchs Gestrüpp und kann auch mal rutschig werden. Schließlich können wir dann nicht mehr widerstehen. An einem Miniwasserfall lassen wir unsere Taschen auf einem Stein am Ufer zurück und baden im eiskalten Wasser. Das tut so gut!

gorg del moli

gorg del moli garrotxa

gorg del moli
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gorg del moli
gorg del moli    gorg del moli

Infos zu Castellfollit und den Gorgs

Castellfollit liegt in den Vorpyrenäen, zwischen Besalú und Olot, und gehört zur Region Garrotxa, was auf Deutsch so etwas wie „unwegsames Gelände“ heißt. Die gesamte Gegend ist voll von beeindruckenden Schluchten, Höhlen und mit Wäldern überwachsenen Vulkanen. Der Name ist also durchaus nachvollziehbar 🙂

GPS Koordinaten: 42.218390, 2.554146

Die kurze Route zum Gorg del Moli ist einfach zu laufen. Der Parkplatz am Straßenrand, von dem aus es in den Wald geht, ist leider sehr klein und die Polizei ist sehr streng mit Falschparkern. Alle am Wegesrand abgestellten Autos außerhalb des Parkplatzes hatten schon ein Knöllchen gekriegt und mussten 100 Euro zahlen! Unser Tipp: Lieber weiter unten am Friedhof oder im Ort parken und ein Stück an der Landstraße entlang laufen. Die 100 Euro kannst Du besser für etwas anderes ausgeben!

Die Route findest Du hier: wikiloc.com

In der Nähe gibt es aber noch viele andere Gorgs, zu denen man wandern kann. Ein paar davon, will ich mir demnächst auch noch unbedingt ansehen. Dann erfährst Du hier bald mehr über diese schönen „Wasserlöcher“.

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