Wale in Sicht!

Aufgeregt stürzen alle an die Reling nach Backbord. „Da!“, ruft jemand immer wieder und zeigt mit dem Finger aufs Meer. Dort in den Wellen hat er die Wale gesichtet. Wir hatten gehofft eine Mutter mit Kalb zu entdecken, die ein anderes Schiff gestern schon in der Gegend gesehen hatte. Nach nur dreißig Minuten Fahrt scheinen wir sie bereits entdeckt zu haben.

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Buckelwale

Im Whale Watching Zentrum von Praia do Forte hat uns Adilson vor der Abfahrt noch ein paar ausführliche Erklärungen zu den Walen gegeben. Adilson ist ein junger, blonder Biologiestudent, der das Verhalten der Buckelwale hier vor der Küste erforscht. Mit seiner Lockenmähne sieht er aus wie ein amerikanischer Tourist, der zum Surfen hergekommen ist. Doch er ist waschechter Brasilianer. Er erzählt, dass die Population der Buckelwale sehr geschrumpft ist und man hart daran arbeitet, dass sich der Bestand wieder erholt. Doch leider gibt es viele Faktoren, die die Wale bedrohen.

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Die schlimmste Bedrohung der Wale sind gar nicht die Walfänger, wie es sie in Norwegen oder Japan leider noch immer gibt. Die Menschen bedrohen den Bestand der wunderschönen sanften Riesen auf vielfältige Art. Da sind zum Beispiel große Schiffe, die ohne Radar unterwegs sind und manchmal einfach in die Wale hineinfahren. Die Lärmverschmutzung der Meere stört die Kommunikation der Tiere und verwirrt sie. Manchmal verheddern sich die Wale auch in den großen Fischernetzen. Wenn ein Tier in so einem Netz hängen bleibt, kann es nicht mehr zum Atmen auftauchen und muss qualvoll ersticken. Ein grausamer Tod. Auch die Verschmutzung der Meere und der Klimawandel zählen zu den Faktoren, die für die Reduzierung der Walpopulation verantwortlich sind. Durch die Erwärmung der Meere gibt es am Südpol bereits weniger Krill, die Hauptnahrung der Buckelwale.

Pro Tag müssen die Buckelwale in der kalten Antarktisregion rund eine Tonne Krill fressen. Sie kreisen den Krill mit Luftblasen ein und schlucken dann einfach Wasser und Krill, alles zusammen. Durch die Barten filtern die Buckelwale das Wasser gleich wieder nach draußen und der Krill landet im Bauch. Im kalten Wasser der Antarktis schützt eine dicke Fettschicht, der Blubber, die bis zu fünfzehn Tonnen schweren und bis zu sechzehn Meter langen Tiere vor Kälte und dient als Energiereserve. Denn während der Wanderung müssen sie manchmal monatelang ohne Fressen auskommen.

Aus den eisigen Gewässern der Antarktis kommen die Wale jedes Jahr bis an die Küste Brasiliens. Ihre Route führt von Saint George Island bis nach Praia do Forte. Auf der nördlichen Halbkugel der Erde unternehmen andere Walpopulationen aus den kalten Regionen im Norden ganz ähnliche Wanderungen. Doch die Wale aus dem Norden und die aus dem Süden treffen sich nie. Der Äquator ist für sie eine unüberwindbare Grenze.

Whale Watching

An Bord wird es plötzlich hektisch. Nachdem einer der Biologen, die ganz vorn im Boot Platz genommen haben, die Wale gesichtet hat, starren alle wie gebannt aufs Meer. Auch ich gucke neugierig gespannt in die angegebene Richtung. Aber noch sollen wir sitzen bleiben und nicht gleich losstürzen. Die See ist rau heute und wir können mit dem Boot noch ein bisschen näher an die großen Tiere heranfahren, sodass wir und die Forscher sie besser sehen können. Nicht zu nah natürlich, denn hier wird streng darauf geachtet, die Tiere nicht zu bedrängen und sie so wenig wie möglich zu stören. Dann macht der Kapitän den Motor aus und wir schaukeln leise auf den Wellen. Schnell suchen wir uns alle an der Reling einen guten Platz. Die Kameras werden gezückt.

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Obwohl wir eigentlich schon am Ende der Saison sind, haben wir wirklich Glück, denn dieses Jahr sind noch recht viele Wale hier. Normalerweise sind die meisten von ihnen Anfang Oktober bereits auf dem Rückweg.

Bevor wir heute Morgen aufgebrochen sind, hat Eric, unser aus Französisch Guyana stammende Guide, der uns beim Beobachten der Wale begleitet, Pillen gegen Seekrankheit verteilt. Ein junges Mädchen im weißen Minirock ist dennoch schon ziemlich lila und grün im Gesicht. Tapfer kämpft sie mit den Wellen. Die Arme. Die See ist heute zwar wirklich recht rau, aber ich habe da auf einigen Fähren schon Schlimmeres erlebt. Bisher hatte ich immer Glück, mir ist auf einem Boot noch nie schlecht geworden.

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Um uns die Suche nach den Walen so kurzweilig wie möglich zu gestalten, hat die nette Besatzung während der Fahrt bereits eine runde Kekse ausgegeben. Dann gab es Bananen, Wasser, noch mehr Obst und wieder Kekse.

Die Mutter mit Kalb, die unser Guide Eric gestern schon gesichtet hatte, wird heute noch von einem anderen Wal begleitet. Vermutlich ein Männchen. Adilson, der junge Forscher, klappt einen orangefarbenen Koffer mit Messinstrumenten auf. Von da, wo ich stehe, kann ich nicht genau sehen, was er macht. Ich weiß nur, dass er sich für die unterschiedlichen Muster der Schwanzflossen der Wale interessiert.

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Nun geht es los. Alle stehen an der Reling und starren aufs Wasser. Ich sehe erst einmal gar nichts, nur Wellen und davon ziemlich viele und hohe. Bis zum Horizont ist alles blau, tiefblau.

Dann ist plötzlich ein Blas zu sehen. Einer der Wale ist zum Ausatmen an die Wasseroberfläche gekommen und spritzt seine Atemluft in einer kleinen Fontäne gen Himmel. Dann sehe ich auch schon seine Rückenflosse, die kurz zwischen den Wellen auftaucht und wieder verschwindet. Das Ganze passiert mehrmals mit kleinen Pausen dazwischen. Jede Walsichtung wird mit großen Ahs und Ohs auf dem Boot begleitet. Einmal erhasche ich sogar einen Blick auf die Fluke.

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Nach rund zehn Minuten herrscht eine merkwürdige Stille. Nichts bewegt sich mehr. Da ist nur das stille Blau. Unser Schiff schaukelt in den Wellen auf und ab. Das junge Mädchen im weißen Minirock hat sich längst in eine Ecke verzogen und starrt an einem Punkt am Horizont. Die Wale sind verschwunden. Es ist irgendwie geheimnisvoll. So als ob sie noch da wären und mit uns Versteck spielten. Ich stelle mir vor, dass sie jeden Moment plötzlich dicht vor uns wieder auftauchen. Auch alle anderen sind wie gebannt und halten weiterhin Ausschau. Niemand will glauben, dass das Spektakel schon zu Ende ist und die Wale uns einfach stehen lassen haben.

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Dann plötzlich zeigt jemand aufgeregt in die Wellen auf der anderen Seite des Boots. Die Wale haben sich unter uns hindurch in Richtung Küste bewegt und dort geht nun das Spektakel erst richtig los. Das mutmaßliche Männchen gibt jetzt alles, um die Mutter mit ihrem Kälbchen zu beeindrucken. Aus der Tiefe schießt er seinen massigen Körper in die Höhe, schraubt sich mehrere Meter aus dem Wasser heraus in die Luft und landet schließlich mit einem fetten Klatscher wieder im Wasser. „Breach“ nennen die Forscher diesen tollkühnen Sprung.

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Es ist ein wahnsinnig schönes Schauspiel, das wir da zu sehen kriegen. Wie im Liebeswahn wiederholt der tollkühne Hecht seine akrobatischen Kunststücke immer und immer wieder. Jedes Mal zücke ich aufgewühlt und überwältigt von dem Geschehen vor mir die Kamera. Gefühlt schieße ich rund tausend Fotos von blauen Wellen. Ob er das Weibchen rumkriegt, weiß ich nicht, aber auf dem Schiff sind alle in heller Aufregung. Völlig begeistert sind nicht nur die Besucher, auch die professionellen Guides und Forscher des Whale Watching Teams sind ganz aus dem Häuschen und beteuern immer wieder, dies sei einer der besten Tage der ganzen Saison! Fünfzehn Sprünge hat Adilson schon gezählt. Das Männchen scheint gar kein Ende zu finden. Ein echter Kraftprotz, den wir da getroffen haben.

Irgendwann antwortet die Mutter Wal und winkt mit ihrer seitlichen Flosse aus dem Wasser heraus. Eric deutet das als eine Art Zustimmung oder zumindest so etwas wie eine anerkennende Geste. Das Weibchen applaudiert den halsbrecherischen Sprüngen ihres Verehrers. Vielleicht wird aus den beiden ja noch ein Paar, bevor sie in wenigen Tagen wieder Richtung Süden ziehen, zurück in die kalte Antarktis.

Infos – Wale beobachten in Praia do Forte:

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Observaçao de Baleias Jubarte
Whale watching Center Praia do Forte
Avenida do Farol 2907
Mata de São João – CEP 48.287-000 Bahia
Website: www.baleiajubarte.org.br

Portomar
Rua da Aurora 1
Praia do Forte – Bahia
Website: www.portomar.com.br

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Vielen Dank an TAP Airlines für den Flug nach Salvador. Meine Meinung ist davon nicht beeinflusst und die hier dargestellten Ansichten beruhen einzig und allein auf meiner persönlichen Erfahrung.   

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3 Comments

  • Also ich hätte da schon angst, wenn ich auf dem Boot auf so einen Riesen begegne :). VG aus dem Hotel Moena

    • Absolut! Es war mega beeindruckend. Das ist so ein Moment, wo Du einfach total gebannt auf die Tiere starrst, Du kannst an nichts anderes denken und die Zeit vergeht wie im Flug. Echt Wahnsinn! 🙂
      ganz liebe Grüße!!

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