Wo der Tabak wächst …

Der Blick reicht weit hinaus über die grünen Hügel und Täler. Dicke Wolken ziehen sich am Himmel zusammen. Es sieht nach Regen aus. Ich klopfe noch die Erde fest und gieße das kleine Bäumchen, das ich gerade gepflanzt habe. Ein Leitero oder Pau de Leite, ein Milchbaum, soll das zarte Ding einmal werden, wenn er groß ist.

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Später zu Hause werde ich dann als Patentante über die Entwicklung meines Bäumchens auf dem Laufenden gehalten und regelmäßig Fotos geschickt kriegen. So lange, bis dieses Stück Land sich selbst überlassen und wieder zu Urwald werden wird. Mit dem Aufforstungsprojekt der Patenschaften für Bäume will die Tabakfabrik Dannemann wenigstens einen kleinen Teil dessen, was sie von der Natur empfängt, zurückgeben.

Cachoeira:

Als Gerald Dannemann 1872 nach Brasilien kam, hatte er eigentlich ganz andere Pläne. Doch der 21 Jahre alte junge Mann fand, die Gegend um Cachoeira im Hinterland Salvadors, sei perfekt für den Anbau von Tabak geeignet. Bereits ein Jahr später gründete er eine Zigarrenfabrik.

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Cachoeira heißt eigentlich Wasserfall, aber hier in Bahia ist es auch der Name des Ortes. Als Anfang des sechzehnten Jahrhunderts die ersten Entdecker im Namen des portugiesischen Königs in der Bucht von Bahia eintrafen, wanderten sie zunächst rund vierzig Kilometer am Rio Paraguaçu entlang. Als sie auf einen Wasserfall, den cachoeira stießen, trafen sie zum ersten Mal auf die Bewohner der Gegend, die Tupinambá.

Die Einheimischen bauten damals bereits Zuckerrohr an. Die Portugiesen witterten ein gutes Geschäft, denn in Europa war Zucker teuer. So begannen die Eroberer, die Wälder abzuholzen und die Indios als billige Arbeitskräfte zu versklaven. Das war der Beginn der traurigen Geschichte. Es folgten der Beginn des Sklavenhandels mit kräftigen Afrikanern, der Goldrausch und der Kautschukboom.

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Heute ist Cachoeira ein verschlafenes aber sehr sympathisches Nest. Gerade findet hier ein Literaturfest statt und die Menschen strömen geradezu in den kleinen Ort. Überall finden öffentliche Lesungen statt. Eine ältere Dame liest Kindergeschichten vor, eine Frau zitiert aus ihrem neuen Buch und ein junger Mann trägt Poesie in Liedern vor.

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Auch die Candomblé Traditionen sind hier sehr lebendig. Am Straßenrand verkauft eine Bahianerin traditionelle Acarajés. Natürlich probiere ich so ein frittiertes Bällchen. Es schmeckt wirklich sehr lecker, ist aber auch echt sättigend. Noch Stunden später liegt es mir wie ein Stein im Magen.

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Über eine alte Eisenbahnbrücke ist das Dorf mit São Felix am anderen Ufer verbunden. Dort erhebt sich das Gebäude der Tabakfabrik Dannemann. Heute herrscht Stau. So viel Verkehr ist Cachoeira nicht gewöhnt. Wir lassen das Auto stehen und überqueren die schöne alte Brücke zu Fuß.

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Dannemann und der Tabak:

Ich bin sehr überrascht, wie klein diese Manufaktur ist. Nur zwölf Arbeiterinnen sitzen in ihren einfachen, aber sehr hübschen Kleidern an alten Holztischen und rollen Zigarren. Tag für Tag stellen sie mit geschickten Handgriffen brasilianische Zigarren her. Maria macht das schon seit sechsundzwanzig Jahren. Je nach Rezeptur, denn es gibt tatsächlich verschiedene Rezepte, werden bestimmte Blätter in einer festgelegten Reihenfolge gerollt.

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Ganz zum Schluss kommt das Deckblatt, der schönste und wichtigste Teil der Zigarre. Es trägt viel zum charakteristischen Geschmack der Zigarre bei, denn es ist das Blatt, mit dem die Lippen beim Rauchen in Berührung kommen. Diese Deckblätter produziert Dannemann nach wie vor selbst. Den Innentabak kaufen sie mittlerweile von den rund zweihundert Tabakbauern in der Umgebung.

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Ist eine Zigarre fertig gerollt, muss auch noch der Luftdurchzug gemessen werden. Auch das passiert wieder von Hand. Stimmt das Ergebnis nicht mit den geforderten Werten überein, muss die Zigarre neu aufgerollt werden. Theoretisch jedenfalls, denn praktisch haben die Damen so viel Übung, dass das eigentlich nie vorkommt. Verpackt werden die Zigarren dann in hübschen Schachteln aus Zedernholz. Die sind geschmacksneutral und schützen die Zigarren vor dem Austrocknen.

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Wir fahren auf eine dieser Fazendas, auf der nur Deckblätter gezogen werden. Von kleinstem Samen bis zur zwei Meter hohen Pflanze wächst hier der Tabak. Die Samen sind so winzig klein, dass sie zum Aussäen mit Sägespäne vermischt werden müssen. Für die mühselige Arbeit des Selektierens der Pflanzen in den verschiedenen Wachstumsstufen sind fast ausschließlich Frauen verantwortlich. Die Männer sind eher für die körperlich schweren Jobs zuständig.

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Und so wächst der Tabak innerhalb von dreißig Tagen zu stattlichen, bis zu drei Meter hohen, Gewächsen heran. Die Ernte erfolgt an mehreren Tagen, denn es werden immer nur zwei bis fünf Blätter pro Tag gepflückt, und zwar von unten nach oben.

Neben den Feldern mit den Tabakpflanzen reihen sich mehrere kleine Hütten brav nebeneinander. Das sind die Trockenräume für die Blätter. Die sind leider gerade leer, aber dafür dürfen wir einen Blick in die Fermentationskammer werfen. Feuchte Hitze wie in einer Sauna schlägt mir entgegen. Meine Brille ist sofort beschlagen. Doch für den Tabak ist dieses Klima genau richtig. Hier erhalten die getrockneten Blätter ihre elastische Konsistenz.

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Vom Samen zum rauchfertigen Produkt dauert es mindestens zwei Jahre. Während des Prozesses findet ständig eine harte Auswahl statt. Nur die besten Blätter werden letztendlich zu Zigarren verarbeitet. Der Rest ist Ausschuss.

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Mehr Infos zum Thema Tabak:

kollage Tabak

Manufactura Brasileira da Charutos Dannemann
Rua Manoel Passos, 4
São Félix – Bahia
Website: www.dannemann.com

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik zu einem staatlichen Betrieb umfunktioniert. Erst nach dem Krieg erhielt Dannemann das Unternehmen zurück, musste es aber schließlich aus finanziellen Gründen verkaufen. Mittlerweile gehört Dannemann zu einem Schweizer Unternehmen, doch der Name ist bis heute geblieben.

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Adopt a tree:

Mein Baum heißt mit lateinischem Namen Sapium gladulatum und gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse. Bis zu zwanzig Meter soll er hoch werden, wenn er einmal ausgewachsen sein wird. Seine Milch kann zur Produktion von Latex oder Naturkautschuk genutzt werden. Aus dem Holz schnitzen die indigenen Einwohner Tierfiguren.

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Vielen Dank an TAP Airlines für den Flug nach Salvador. Meine Meinung ist davon nicht beeinflusst und die hier dargestellten Ansichten beruhen einzig und allein auf meiner persönlichen Erfahrung.   

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1 Comment

  • Jetzt weiß ich endlich wie Zigarren hergestellt werden :). Sieht aber sehr interessant aus. Ich hoffe, dass die auch hier erhältlich sind. Beste Grüße aus dem Sporthotel in Österreich

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