Die alten Pfeffersäcke

Ich bin mal wieder in Hamburg. Und mal wieder regnet es. Eigentlich wollte ich schöne Fotos der Speicherstadt machen, aber im Regen sieht alles düster aus. Auch ein Spaziergang macht bei Sonnenschein mehr Spaß. Zum Glück gibt es aber zwei niedliche, kleine Museen in der Speicherstadt. Da kann ich ganz in Ruhe, im Trockenen, in die Geschichte der Speicher im Hamburger Hafen eintauchen.

Hamburg Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt

Nicht umsonst werden die Hamburger noch heute Pfeffersäcke genannt. Der Handel mit Gewürzen (egal ob Kumin, Safran, Nelken, Zimt oder Ingwer, alles wurde früher der Einfachheit halber Pfeffer genannt) war eine der wichtigsten Einkommensquellen der Stadt. Heute befinden sich in den alten Lagerhallen vorwiegend türkische und persische Teppichhändler. Die Gebäude, direkt am Wasser gebaut, wie in Little Venedig, konnten von den Booten aus be- und entladen werden. Der riesige auf Eichenpfählen gebaute Komplex der Lagerhäuser wurde erst im 19. Jahrhundert errichtet. Dazu mussten über 10.000 Hafenbewohner aus der Altstadt umgesiedelt werden.

Meine Schwiegermama hat mir die Aufzeichnungen ihrer Großtante Amanda zum Lesen überlassen. Amanda, oder auch Tante Manni, beschreibt darin, wie sie als Kind im Alten Wandrahm aufwuchs und wie 1887 die gesamte Häuserzeile abgerissen wurde.

[…] So ist es mir nun auch wohl zugefallen, daß ich für die Familie meine Erinnerungen schreiben soll. Da sich meine Erinnerungen zum größten Teil im Alten Wandrahm No.38 abspielten, muß ich Euch wohl zunaechst mit den Raeumlichkeiten bekannt machen […]

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Sie erinnert sich an viele, kleine Höhepunkte des Alltags, wie den Honigbauer oder die Zitronenjette, die ihre Waren auf der Straße verkauften oder die Ankunft der Fleetenkieker, die bei Ebbe im Matsch der Fleete nach Verwertbarem suchten. Hochwasser war immer mit Sturm verbunden. Bei aller Angst war es aber auch „grausig schön“, schreibt sie, „wenn der Wind über das Wasser pfiff und die Kanonen vom Stintfang ihr Pulver verschossen und wir uns im Bett die Decke über die Ohren zogen und uns recht einmummelten. „Lot susen, lot weihen“ , wir fühlten uns dann im Bett geborgen.“

Wer kennt noch den Alten Wandrahm,
wie er früher ausgesehn,
mit seinen alten schiefen Haeusern,
die jetzt schon lange nicht mehr stehen.
Wer kennt noch das trübe Wasser,
das den Wandrahm rings umgab,
wer sah noch die Schuten schwimmen
in den Fleeten auf und ab?
Hör ich nur den Namen Wandrahm,
wird das Herz mir weit, so weit,
O wie bist du mir entschwunden,
liebe alte, gute Zeit.
von 1872-1897

Aus den Aufzeichnungen von Tannte Manni

Speicherstadt Erinnerungen

Das alte Haus, in dem Tante Manni gelebt hat, bevor die Speicherstadt errichtet wurde, steht nicht  mehr. Aber da steh ich nun, im Regen, über 150 Jahre später. Zum Glück ist kein Hochwasser. Ich bin völlig fasziniert von den alten Geschichten und versuche mir vorzustellen, wie die kleine Manni  hier gespielt haben mag.

Hamburg Speicherstadt

Als Erstes führt mich mein Weg ins Spicy’s, das Gewürzmuseum. An der Kasse erhalte ich eine Tüte Pfeffer. Das ist meine Eintrittskarte. Niedlich. Alte Maschinen, Dosen, Schachteln und Schilder erzählen davon, wie es hier vor so vielen Jahren ausgesehen hat. Mit der Ladung kamen oft auch merkwürdige Dinge aus fremden Ländern in Hamburg an: Schilder in asiatischen Sprachen, Puppen, Figuren, etc.

Hamburg Speicherstadt Pfeffersack

Hamburg Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt Museum

Hamburg Speicherstadt

Weiter geht’s ins Speicherstadt Museum, das nur ein paar Hauseingänge weiter liegt. Hier gibt es vor allem einen Einblick in die Entstehung der Speicherstadt und den Kaffeehandel. Bis vor ein paar Jahren existierte der Hamburger Freihafen noch. Ein zollfreies Gebiet, zur „Lagerung, Weiterverarbeitung und Veredelung der importierten Waren“, in das man nur mit Ausweis reinkam. Die Speicherstadt lag natürlich mittendrin. Seit 2013 ist der Freihafen aber offiziell abgeschafft worden und heute kann man sich im ganzen Hafengebiet frei bewegen.

Hamburg Speicherstadt Museum

Hamburg Speicherstadt Museum

Früher schmuggelten die Hafenarbeiter manchmal kleine Proben der wertvollen Kaffeebohnen oder Gewürze nach draussen. Eigentlich war das strengstens verboten, aber selbst kleine Mengen beschädigter oder aus der Verpackung gepurzelter Gewürze oder Südfrüche waren so kostbar, dass  manche Arbeiter auch schon mal beim Purzeln nachhalfen.

Für die wertvollen Kaffeeproben gab es sogar drei eigene Briefkästen im Freihafen. Kaffeeproben durften nämlich portofrei verschickt werden. Vorsichtshalber hatten diese blauen Briefkästen einen Mechanismus, der verhinderte, dass man die eingesteckten Proben von außen wieder rausholen konnte.

 Hamburg Speicherstadt Museum

 

Hamburg Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt Museum

Hamburg Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt St. Ansgar, der Mönch und Erbauer der ersten Hamburger Burg

Nützliche Informationen:

Richtig viele interessante Infos zur Geschichte der Speicherstadt gibt es auf Hamburg Tourism: Speicherstadt oder auf der Website des Museums. Sowohl das Gewürzmuseum als auch das Speicherstadtmuseum veranstalten auch Führungen und verschiedene Events. Bei meinem nächsten Hamburg Besuch werde ich definitv rechtzeitig auf die Termine der kommenden Veranstaltungen gucken!

Speicherstadtmuseum
Am Sandtorkai 36
20457 Hamburg
E-mail: info@speicherstadtmuseum.de
Website: www.speicherstadtmuseum.de

Spicy’s Gewürzmuseum GmbH
Am Sandtorkai 34
20457 Hamburg
E-mail: mail@spicys.de
Website: www.spicys.de

Hinweis: Vielen Dank an das Tourismusbüro Hamburg für den Eintritt ins Gewürzmuseum und die Hamburg-Card!

1 Comment

  • Die Bilder, wo die Hausmauer von dem Wasser frei stehen,sind für mich irgendwie brutal. Da seiht man bei dem einem Haus die große Steine und man denkt, dazwischen läuft doch daß Wasser locker rein. Ich kann mir es sehr schwierig vorstellen, daß diese Häuser nicht dauerhaft Wasserschaden/Problem haben würden. LG

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