Die Klosterfrauen von Vallbona de les Monges

Es ist still und leer, als wir im Kloster Vallbona ankommen. Ich stelle mir vor, wie die Stimmen der Nonnen erklängen, wenn sie jetzt in der jahrhundertealten Kirche singen würden. Der Geruch von kaltem Stein erfüllt die Räume des Klosters. Warmes Licht flutet jetzt am Nachmittag durch die runden Öffnungen im Kreuzgang und taucht die alten Mauern in eine wunderschöne Atmosphäre. Irgendwie wirkt das alte Kloster in der Frühlingssonne sehr heimelig und behütet, fast schon gemütlich.

kreuzgang Kloster Vallbona de les Monjes Monestir

Kloster Vallbona de les Monjes Monestir kreuzgang

Die Zisterzienserkirche ist überraschend schlicht. Hier gibt es keine goldüberladenen Wandmalereien. Keine Engel und Heiligen, die auf reich geschmückten Altären thronen. Kaum eine Verzierung lenkt die Gläubigen hier von ihren Gebeten ab. Die Einfachheit und Zweckdienlichkeit der Architektur entspricht den Glaubensprinzipien des Ordens. Wie die Benediktiner hatten sich auch die Zisterzienser dem Verzicht auf materielle Güter verschrieben. Trotz der Schlichtheit  ist es hier sehr freundlich und hell, denn durch die hohen Fenster der Kirche fällt erstaunlich viel Licht in den Raum.

Kloster Vallbona de les Monjes Monestir kirche

kirche Kloster Vallbona de les Monjes Monestir Zisterzienser

Schwester Josepa, mit der wir eigentlich verabredet waren, ist heute leider nicht da. Sie ist eine der insgesamt acht Nonnen, die im Monestir de Vallbona zu Hause sind. Die meist älteren bis sehr alten Damen sorgen auch mit achtzig Jahren noch selbst für ihren Lebensunterhalt. Dadurch, dass sie die Klosterpforten für Besucher geöffnet haben, verdienen sie sich etwas Geld. Mit der Aufnahme von Übernachtungsgästen und dem Verkauf von selbst gemachten Andenken an Tagesbesucher bestreiten sie heute den Haushalt des Klosters.

Claustro Kloster Vallbona de les Monjes Monestir

Früher, als hier noch bis zu hundertfünfzig Nonnen lebten, unterhielten die frommen Frauen einen Kräutergarten. Sie bauten Küchenkräuter und Heilpflanzen an, die sie dann zu Salben, Tinkturen und anderen Medikamenten verarbeiteten. Die Klosterfrauen unterhielten eine Art Apotheke und pflegten die Kranken.

virtuelle Apotheke Kloster Vallbona de les Monjes Monestirsuperschön gemachte Projektion der Nonnen in ihrer Apotheke 

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Während ich den virtuellen Nonnen vor mir beim Mixen und Rühren zusehe, erklärt eine Stimme aus dem Off, wie das Leben im klösterlichen Orden ablief. Der Raum, in dem ich mich gerade befinde, war der Schlafsaal der Nonnen. Erstaunlicherweise gab es verschiedene, voneinander getrennte Schlafbereiche, denn im Kloster herrschte eine Zweiklassengesellschaft.

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Da waren einerseits die wohlhabenden Töchter aus gutem Hause. Die vornehmen Damen brachten eine üppige Mitgift mit ins Kloster und waren meist gebildet. Sie erledigten die Schreibarbeiten und kümmerten sich um die Verwaltung. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Frauen das Klosterleben im Mittelalter durchaus dem Leben „draußen“ vorzogen. Die wenigsten Ehen wurden damals aus Liebe geschlossen und leider viel zu oft starben Frauen infolge von Komplikationen bei der Geburt eines Kindes. Hinter den Mauern des Klosters bestimmten die Nonnen jedoch weitgehend selbst ihren Alltag, durften lesen und schreiben. Für einige sicher die durchaus bessere Wahl, als einem Ehemann zu dienen, Kinder zu gebären und jedwede persönliche Freiheit zu verlieren.

inschrift Kloster Vallbona de les Monjes Monestir

Neben den Nonnen aus reichen Adelsfamilien gab es dann noch die Nonnen, die aus einfachen Verhältnissen stammten. Sie arbeiteten auf dem Feld und waren für die körperlich anstrengenden Dienste verantwortlich. Aufgrund der notwendigen Arbeiten, die zur Haushaltsführung des Klosters gehörten, war es ihnen gestattet, das Kloster zu verlassen und Kontakte mit den Dorfbewohnern zu pflegen.

Als die katholische Kirche nach dem Konzil von Trient viele einsam gelegene Klöster, besonders Frauenklöster, verbot und auflösen wollte, hatten die Nonnen von Vallbona einen klugen Einfall. Sie holten einfach ein ganzes Dorf in das Kloster hinein. Kurzerhand wurden die alten Mauern eingerissen und die Einwohner von Montesquiu zogen bereitwillig in die nun erweiterte Klosteranlage. Die Leute ließen sich nicht lange bitten, bot ihnen doch das Kloster mit seinen dicken Mauern Schutz und Sicherheit.

mauer Kloster Vallbona de les Monjes Monestir

Zwischen dem zwölften und dem vierzehnten Jahrhundert hatte Vallbona de les Monges seine Blütezeit erlangt. Viele Nonnen stammten aus den angesehensten Familien des Landes. Der Ruf des Klosters war so hervorragend, die Nonnen so hoch angesehen, dass sogar eine Königin darum bat, hier zur letzten Ruhe gebettet zu werden. Es ist der Sarg Violant d’Hongrias, der Ehefrau Jaume des Eroberers, des Grafen von Barcelona, vor dem ich stehe.

Mit nur 35 Jahren starb Violant d’Hongria, Yolanda von Ungarn, zweite Ehefrau des katalanischen Herrschers, im Jahre 1251. Ihrem Wunsch gemäß wurde sie hier in der Klosterkirche beigesetzt. Für ihr junges Alter hatte die in Ungarn bis heute sehr geschätzte Königin überraschend viele Kinder geboren. Zehn Söhne und Töchter hinterließ die Königin von Aragón, Mallorca und Valencia, Gräfin von Barcelona und Senyora von Montpellier. Im Sarkophag gegenüber ruht ihre Tochter Sança, die während einer Pilgerfahrt nach Jerusalem gestorben war.

violante Ungarn Kloster Vallbona de les Monjes Monestir

Immer wieder umgebaut, renoviert und repariert, steht das heutige Vallbona de les Monges schon seit über tausend Jahren an dieser Stelle. Im achten Jahrhundert eroberten die Mauren die Iberische Halbinsel. Erklärtes Ziel der christlichen Herrscher Europas war es, die maurischen Truppen noch vor den Pyrenäen aufzuhalten. So entstand Katalonien eigentlich aus der Spanischen Mark Karls des Großen. Die Männer des Kalifen von Córdoba und die Soldaten des Grafen von Barcelona lieferten sich jahrhundertelang erbitterte Schlachten in dieser Gegend.

Um die neu eroberten Gebiete zu halten, setzten die christlichen Herrscher auf eine kluge Besiedlungspolitik. Sie gründeten Klöster und bauten Kirchen, um die herum sich nach und nach Bauern niederließen, um die Felder zu bewirtschaften. So entstanden viele Dörfer, deren Einwohner bereit waren, ihr Heim und ihre Familien gegen mögliche Angriffe der Mauren zu verteidigen. Gleichzeitig festigten sie so auch die Herrschaft des christlichen Regenten.

 Vallbona de les Monjes Monestir Zisterzienser
 Kloster Vallbona de les Monjes Monestir Zisterzienser

Nachdem eine Zeit lang bereits fromme benediktinische Einsiedler hier gelebt hatten, stiftete Ramon Berenguer IV, der Graf von Barcelona, im zwölften Jahrhundert den Bau des Klosters. Zeitgleich zu Vallbona de les Monges ließ er ganz in der Nähe zwei weitere Klöster errichten, nämlich Santes Creus und Santa Maria de Poblet. Diese drei Zisterzienserklöster waren eine Art Symbol des Siegs gegen die Mauren. Daher sind viele Mitglieder des katalanisch-aragonesischen Königshauses in eben diesen drei Klöstern beigesetzt worden.

kapitelsaal Kloster Vallbona de les Monjes Monestir

Auch wenn die Nonnen im Laufe der Jahrhunderte viele kriegerische Auseinandersetzungen überstehen und einige Male sogar ihr Kloster verlassen mussten, so konnten sie letztendlich doch immer wieder hierher zurückkehren. All die Kriege konnten Vallbona de les Monges nichts anhaben. Noch heute kommen die frommen Frauen täglich im Kapitelsaal zusammen. Wie vor Hunderten von Jahren treffen sie sich jeden Morgen und lesen in der Bibel. Hier, wo einige der längst verstorbenen Äbtissinnen begraben liegen, singen und beten die Klosterfrauen auch heute noch gemeinsam.

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Infos zum Kloster Vallbona de les Monges

Monestir Vallbona de les Monges
Carrer Major, s/n
25268 Vallbona de les Monges, Lleida
Website http://www.monestirvallbona.cat/en/

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Route der Zisterzienser:

Das Kloster Vallbona de les Monges ist eines von drei Klöstern der Ruta del Cister. Santes Creus, Vallbona de les Monges und Santa Maria de Poblet liegen in einem Dreieck zwischen Barcelona, Tarragona und Lleida und sind mit einem Wanderweg verbunden.

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Dieser Artikel entstand im Rahmen eines dreitägigen Blogtrips durch Lleida, zu dem wir von der Diputació de Lleida eingeladen wurden. Die hier dargestellten Ansichten sind davon unbeeinflusst. Sie beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und spiegeln ausschließlich meine eigene Meinung wieder.  

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