Ein Tag im Wien des Friedensreich Hundertwasser

Unebener Boden, Holz und Fliesen wechseln sich ab. Nichts ist ebenmäßig. Nichts ist gerade. Friedensreich Hundertwasser war die Linie, die den Besucher ins Museum führt wichtiger, als die Linie, die es im Museum zu sehen gibt. Seine Bilder sind laut und doch zart, schrill und empfindsam. Bunter Kreise und Schnecken, krumme Linien. Irgendwo blinkt ein goldener Faden oder leuchtet ein silberner Farbtupfer.

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Mitten zwischen den Gemälden im Kunst Haus, dem Hundertwasser Museum in Wien, stehe ich plötzlich vor einer „Pflanzenkläranlage“. In einem kleinen Beet wachsen und wuchern grüne Pflanzen. Irgendwo im Hintergrund plätschert Wasser. Wasser in all seinen verschiedenen Erscheinungsformen hatte für Hundertwasser immer schon eine besondere Bedeutung. Das zeigt auch ein Film, eine Art Videoperformance, in einem der oberen Räume des Museums. Der Film beginnt, Hundertwasser auf einer Eisscholle liegend, bekleidet mit einer roten Pudelmütze à la Jacques Cousteau, in Schnee und Eis. Vor ihm plätschert das Wasser, das er zu beobachten scheint. Als Stimme aus dem Off hört man seine Gedanken zum Thema Wasser.

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Als Tränen fällt das Wasser aus den Augen, als Regen fällt es vom Himmel. Wasser in Seen und Flüssen oder Wasser aus dem Meer. Der Film geht weiter. Zeigt Hundertwasser nackt, malend auf einem Felsen sitzen oder wie er an seinem Schiff arbeitet, das er Regentag getauft hat.

Die bunten Bilder Hundertwassers erinnern mich an Schaltpläne, an asiatische Folklore und die Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Verschiedene Modelle zeigen ungewöhnliche Gebäude, die der österreichische Künstler entworfen hat. Die Santa Barbara Kirche in Bärmbach oder das Fernwärmewerk in Spittelau. Sogar eine ganze Landschaft hat er geplant, das Hügelwiesenland. Wie eine moderne Stadt für Hobbits schmiegen sich die mit Gras und Gärten überdachten Behausungen rund und ergonomisch in die Landschaft ein. Seine Idee war, dass die Menschen hier in und mit der Natur, statt in eckigen, geradlinigen Klötzen leben sollten. Diese Hügelwiesenlandschaft war jedoch nicht nur ein romantisches Ideal vom harmonischen Leben mit der Natur, sondern auch ein frühes Umweltprojekt.

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Die gerade Linie ist gottlos, soll Hundertwasser gesagt haben. Ein Satz, der genauso auch von Antoni Gaudí stammen könnte. Auch wenn Hundertwasser natürlich ein Kind der siebziger Jahre ist, erinnern mich seine Werke an den katalanischen Jungendstil-Architekten.

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Ganz in der Nähe des Museums steht auch das Hundertwasserhaus. Ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus aus den achtziger Jahren. Als Abiturientin war ich 1986 schon einmal hier und habe diese bunten Wohnungen und die Bäume auf dem Dach bewundert. Heute erkenne ich den kleinen Platz vor dem Haus kaum wieder. Hunderte Touristen und Reisegruppen tummeln sich hier, wie vor der Sagrada Familia in Barcelona. Dabei besteht das Hundertwasserhaus ja aus privaten Wohnungen, in die man nicht hineingehen kann. Aber man hat sich etwas anderes für die Touristen ausgedacht, ein Hundertwasser Village. Das ist im Grunde genommen ein Souvenirladen im Hundertwasser Stil, mit einem Café und bunten kleinen Andenken, die man kaufen kann.

wien 86Wien 1986 😉

Infos zu Wien und Hundertwasser

Museum Hundertwasser
Kunst Haus
Untere Weißgerberstraße 13
1030 Wien
Website: www.kunsthauswien.com
Eintritt: 11 Euro
Leider darf in den Ausstellungsräumen nicht fotografiert werden. Darum findest Du hier nur Bilder von der Fassade und dem Innenhof.

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Hundertwasserhaus
Kegelgasse 36-38
1030 Wien
Direkt gegenüber liegt das Hundertwasser Village. Kannst Du Dir allerdings sparen. Das Museum fand ich wesentlich spannender und informativer.

Meine Wien Tipps:

Super Ausstellung zu Egon Schiele, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka im Leopold Museum, liegt direkt im Museumsquartier.

Leopold Museum
Museumsquartier
Museumsplatz 1
1070 Wien
Website www.leopoldmuseum.org

 

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Eis Greissler
Mariahilfer Str. 33
1060 Wien

In der langen Fußgängerstraße habe ich eine super Eisdiele entdeckt: Pferdeäppel war leider alle, dafür habe ich Ziegenkäse und Salzbrezel mit Karamell probiert. So gut! Am liebsten hätte ich mir gleich ein Kilo einpacken lassen!

eis Wien
eisdiele bestes eis in Wien

Kaffeehaustradition:

Tiroler Hof
Führichgasse 8
1010 Wien

Und natürlich komme ich auch an einem traditionellen Kaffeehaus nicht vorbei. Statt das berühmte Hotel Sacher zu suchen, stolpere ich einfach in eines dieser altertümlich charmanten Cafés hinein, das mir sozusagen gerade über den Weg läuft, und lande im Tiroler Hof. Hier hat sich in den letzten hundert Jahren scheinbar nichts geändert. Auch der Kellner scheint schon so lange hier zu arbeiten. Jedenfalls bewegt er sich in einem Tempo, das diese Annahme nahe legt.

kaffeehaus Wien

Während ich noch überlege, bestellt derweil ein älterer Herr am Nebentisch: „Bittsäha a Mellahnsch“.  Offenbar ist er Stammgast, ganz sicher jedoch ein Einheimischer. Ich muss jedoch erst mal Vokabeln lernen, denn auf der Karte stehen Getränke wie Brauner, Einspänner oder Fiaker. Ich nehme die Pferdekutsche und kurze Zeit später steht ein Glas Alkohol mit leichtem Kaffeegeschmack und viel Sahne vor mir auf dem Tisch. Damit haben sich vermutlich die Kutscher in kalten Wintern aufgewärmt.

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Hinweis: Mein Besuch in Wien fand im Rahmen einer Donauflusskreuzfahrt statt, zu der ich von A-Rosa eingeladen wurde. Davon, wie es ist, auf der Donau zu schippern, erzähl ich Dir bald ausführlicher.

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