Weihnachten liegt in der Luft. In Estepa duften die Straßen nach Zimt und Anis, denn in dem kleinen Ort ist ein traditionelles Weihnachtsgebäck, die Mantecados und Polvorones, zu Hause. In der Avenida de la Canela, in der Calle Almendra, der Avenida Mantecado und der Calle Anisados wird rund ums Jahr gebacken, denn ohne das Gebäck ist ein spanisches Weihnachtsfest gar nicht denkbar.

Wie der ebenfalls klassische Turrón ist das zarte Gebäck ein fester Bestandteil der Feiertage. Ob die ersten Mantecados in Estepa oder in Antequera erfunden wurden, darüber streiten sich die beiden Städte noch. Fest steht, dass die schmalzhaltigen Mantecados in Andalusien bereits im 16. Jahrhundert gebacken wurde.  Estepa ist heute das Epizentrum des weihnachtlichen Backens: Ganze 22 Unternehmen produzieren dort ihre Variationen des althergebrachten Rezepts.

Hübsch eingewickelt und in bunten Kisten verpackt, wandert das traditionelle Gebäck von Estepa aus auf die festlich geschmückten Tische in ganz Spanien. Der einzige Unterschied zwischen Mantecados und Polvorones ist, das die Letzeren ganz ohne Schmalz auskommen. Mit Olivenöl und Mandeln zubereitet, zergehen die kleinen Küchlein auf der Zunge oft sogar schon bevor sie den Mund erreichen. Polvorones sind so fein, dass sie süßem Staub zerfallen, wenn man sie nicht ganz behutsam auswickelt.

polvoron

Das Schokoladenmuseum

Eine der Firmen, die sich der Produktion süßer Leckereien widmet, ist die Despensa del Palacio. Doch neben Mantecados und Polvornes gibt es hier noch etwas Besonderes: Antonio Rivera hat seiner großen Leidenschaft ein Museum gewidmet: Chocomundo, die Welt der Schokolade.

Schokoladenmuseum Estepa

estepa polvorones schokolade

Bis ins 18. Jahrhundert reichen die Wurzeln seines Unternehmens zurück, in dessen wunderbar altmodisch daherkommendem Laden man bunte, historisch anmutende Schachteln, vollgefüllt mir süßen Leckerein kaufen kann. Und das nicht nur zu Weihnachten. Durch eine geöffnete Tür im Verkaufsraum kann ich einen Blick auf die fleißig im Hinterraum arbeitenden Damen werfen. Hier wird wirklich noch alles per Hand eingewickelt und verpackt.

estepa polvorones schokolade

estepa polvorones schokolade

Mit viel Liebe zum Detail haben Antonio und seine Familie nicht nur Schokoladenförmchen, Werkzeuge und Maschinen zur Verarbeitung und historische Schokoladen-Verpackungen zusammengetragen. In dem kleinen Schokoladenmuseum gibt es einfach alles zu sehen, was irgendwie mit Schokolade zu tun hat. Ausführlich zeigen kleine Figuren und Häuser in einer Modelllandschaft, wie und wo die Kakaobohnen angebaut und getrocknet werden. Antonio erzählt mir, wie und warum aus den Bohnen zunächst ein bitteres Getränk zubereitet wurde und die süße Schokolade, wie wir sie heute kennen, erst viel später entstand.

Estepa Schokoladenmuseum

Estepa Schokoladenmuseum

In zahlreichen Vitrinen lassen die bunten Sammelobjekte eine „Schokoladen-Nostalgie“ aufkommen. Wertvolles Porzellan, Kinderspielzeug, farbige Postkarten und niedliche Sammelbildchen erinnern an die ersten Marketingstrategien, mit denen die Schokoladenhersteller vor über hundert Jahren versuchten, die Menschen zum Kaufen ihrer Produkte zu bewegen.

Estepa Schokoladenmuseum

Estepa Schokoladenmuseum

So viel Leidenschaft und jahrzehntelange Recherche stecken in diesem kleinen Museum, dass der Funke schnell überspringt und man von der großen Liebe angesteckt wird. Besonders beeindruckend ist ein Saal, in dem riesige Figuren berühmter Persönlichkeiten wichtige Momente in der Geschichte der Schokolade darstellen.

Estepa Schokoladenmuseum

Natürlich gehört auch ein Schokobrunnen zum Museum. Für kleine Besucher gibt es sogar Workshops, in denen sie ihre eigenen Schokoladenfiguren herstellen dürfen. Klein müsste man sein 🙂  Der Rundgang durch die Welt der Schokolade, besonders wenn der strahlende Antonio höchstpersönlich durch seine heiligen Hallen führt, zaubert einfach jedem ein Lächeln ins Gesicht.

Informationen:

La Despensa del Palacio
Calle del Alfajor 10
41560 Estepa
Website ladespensadepalacio.com

Museum:  chocomundo.com

 

Hinweis:  Bereist im Winter 2023