Fliegenfischen in den Pyrenäen

Lluís zeigt mir heute, wie er angelt. Ich lerne nämlich das Fliegenfischen. Zusammen nehmen wir die Angelrute, Lluís führt meine Hand, sodass sich die Schnur hoch über unseren Köpfen hin und her bewegt. „Hier festhalten und dann schwingen lassen! Du musst versuchen, die Bewegung einer Fliege nachzuahmen!“ Ich versuche mich zu erinnern, wie eine Fliege sich denn bewegt. Geschickt hilft Lluís mir, die Rute fünfmal kreisen zu lassen, wie ein Lasso. Dann werfen wir sie aus.

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Natürlich hält sich mein Geschick bei den Trockenübungen in Grenzen. Aber wir haben echt viel Spaß! Lluís ist hier im Vall de Boí geboren und aufgewachsen. Schon als er noch ein kleiner Junge war, ist er mit seinem Vater und seinem Bruder zum Fischen gegangen. „Außer Fahrradfahren oder im Fluss spielen gab es nicht so viel Abwechslung“, erzählt er lachend. Früher hat er die gefangenen Forellen dann mit nach Hause genommen. Das war sein stolzer Beitrag zum Abendessen. Doch schon vor vielen Jahren ist er aufs Fliegenfischen umgestiegen und angelt seitdem „sense mort“, also ohne Tote. Das muss er mir natürlich noch genauer erklären.

Wenn Lluís eine Forelle, außer Forellen gibt es hier keine anderen Fische, fängt, lässt er sie sofort wieder frei. Er legt viel Wert darauf, so schonend wie möglich zu angeln, damit der Fisch auch fröhlich weiter schwimmen kann. „Und was ist mit der Fliege?“, will ich wissen. „Nimmst du wirklich echte Fliegen als Köder?“ „Nein, das sind natürlich keine echten Fliegen!“, erklärt er mir. Fliegen nennt man die kleinen bunten Dinger, kleine Puschel, die aus Federn oder Plastik gemacht sind. Für einen Fisch unter Wasser sollen sie wie ein Insekt aussehen, das sich der Wasseroberfläche nähert. Die werden statt eines Köders an der Angelrute befestigt und sollen die Fische anlocken. Beißt der Fisch zu, fängt der Angler ihn und wirft ihn zurück ins Wasser. Im Gegensatz zu den üblichen Angelhaken sind winzigen Häkchen beim Fliegenfischen so geformt, dass sie dem Fisch keinen Schaden zufügen und er nicht verletzt wird.

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Lluís geht es beim Angeln nicht darum, Beute zu machen, sondern um die Ruhe und die Nähe zur Natur. Stundenlang steht er manchmal im Wasser. Still und fast unbeweglich, um die Fische nicht zu erschrecken. Die spüren nämlich jede Bewegung im Wasser und fliehen, sobald sie einen Menschen entdecken. Auch ihre Augen seien ziemlich gut, meint er. Deswegen nähern sich die Angler den Forellen immer von hinten.

Forellen sind Raubtiere und fressen alle kleineren Tiere im Fluss. Und damit meint er nicht nur Insekten. Die Forellen fressen sogar ihre eigenen Kinder. Lluís lacht, als ich ganz entsetzt dreinblicke. Er meint, die Weibchen legen ja schließlich Eier, da können sie ihren Nachwuchs später doch gar nicht erkennen.

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Nach unseren Trockenübungen am Ufer steigt Lluís schließlich in voller Montur ins Wasser. Die großen Gummistiefel, auf die ich mich irgendwie gefreut hatte, gibt es gar nicht. Der Angler von heute trägt schicke Sporthosen mit Neoprenfüßlingen. Und dann darf ich zusehen, wie ein echter Angler die Rute richtig wirft. Das schon etwas sehr Elegantes. Ich stelle fest, dass die Wurftechnik beim Fliegenfischen ziemlich kompliziert ist. Es gibt sogar verschiedene Wurfstile, eine ganz eigene Kunst quasi.

Wenn Lluís da so im Wasser steht und nach Fischen Ausschau hält, sieht das schon sehr entspannt aus. Aber heute sind keine Forellen in Sicht, denn um diese Jahreszeit ist die Angelsaison auch für Fliegenfischer eigentlich schon fast vorüber. „Die sind alle schon auf dem Weg, sich einen ruhigen Laichplatz zu suchen.“

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Zurück am Ufer erzählt Lluís dann noch von einer anderen Tradition hier in den Bergen. Im Sommer, zu Sant Joan, dem katalanischen Fest der Mittsommernacht, veranstaltet jedes Dorf im Vall de Boí einen Fackellauf, les Falles. An einer ganz bestimmten Stelle am Berg befindet sich eine sogenannte Laterne, an dem die Läufer ihre Fackeln entzünden. Schon die Anfertigung dieser selbst gemachten Fackeln ist eine richtige Zeremonie für die Einwohner. Da macht jeder mit, das gehört einfach dazu. Mit den teilweise echt schweren, brennenden Fackeln auf der Schulter laufen die Männer und Frauen dann den Berg hinunter ins Dorf. „Eine Schlange aus Licht und Feuer bewegt sich dann im Dunkeln bis zum Dorfplatz“, erzählt Lluís, der natürlich selbst jedes Jahr dabei ist.

Das muss echt schön aussehen. Mittlerweile hat die UNESCO diesen traditionellen Fackellauf in den Pyrenäendörfern sogar in ihre Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Ein Grund mehr, im Sommer noch einmal in die Berge zu kommen!

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Infos zum Fliegenfischen:

Ein schöner Artikel zum Thema Fliegenfischen aus der Schweiz: www.sportundkultur.ch

Infos zu den verschiedenen Aktivitäten im Vall de Boí: www.vallboi.cat

Lluís heißt übrigens richtig Josep Lluís und ist der Besitzer des kleinen Angel- und Sportladens an der Hauptstraße in Barruera.

Übernachtung Vall de Boí:

Geschlafen haben wir im Hotel l’Aüt, die bei den „jornades gastronomiques“ im Vall de Boí mitmachen. Deswegen konnten wir, obwohl wir selbst keine Pilze gefunden haben, doch noch leckere Pilzgerichte probieren.

Hotel l’Aüt
Carrer Santa Eulàlia 7
25528 Erill la Vall

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Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Blogtrips, zu dem wir vom Patronat de Turisme de la Vall de Boí und dem Patronat de Turisme de Lleida eingeladen worden sind.  Besonderer Dank an Lluís für seine Geduld bei dem Versuch mir das Fliegenfischen beizubringen!  

 

2 Comments

  • Das klingt richtig toll. Ich würde so gerne mal diesen Fackellauf sehen. Das muss unglaublich schön und beeindruckend aussehen. Und ich bin immer noch beeindruckt, wo man überall fliegenfischen kann. Mein Mann hat mir dieses Jahr von Fliegenfischen Österreich erzählt und auch gleich passend gebucht. Natürlich habe ich mich ungeschickt angestellt, aber mein Mann hatte mit seinem Lehrer viel Spaß. 🙂

    • Ja so ganz einfach ist das bestimmt nicht 🙂 Aber wenn man es kann, bestimmt schön!
      Liebe Grüße

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