Reisen ist wie Fremdgehen

Ich hab es schon wieder gemacht, Fremdgehen, ein kleiner Seitensprung. Dabei bin ich doch in Barcelona ganz glücklich. Eigentlich. Ich weiß selbst nicht warum, aber von Zeit zu Zeit treibt es mich einfach hinaus in die weite Welt. Das Neue, das Unbekannte lockt mich. Eine Versuchung, der ich allzu oft nicht widerstehen kann. Gerade hatte ich eine kleine Affaire mit Rom. Kurz, aber schön. Ich habe diese Stadt zwei Wochen lang genossen. Nun bin ich froh, wieder zu Hause zu sein. Beschützt und heimelig in den eigenen (gemieteten) vier Wänden, in einem kleinen Dorf bei Barcelona. Da wo ich den Bäcker und die Fleischersfrau kenne, wo ich auf dem Dorfplatz garantiert jemanden treffe, mit dem ich ein kleines Schwätzchen halten werde, wenn ich kurz einkaufen gehe. Und auch da, wo ich mich gern in ein Café setze und mal wieder die Zeitung lese. Zu Hause eben.

reisefieber reisen fremd gehen

Warum zieht es mich immer wieder weg? Nach Rom, Berlin, London oder Paris? Paris … Das war meine erste große Liebe. Eine Liebe, in der man ertrinken kann. Aber ich bin dort ein bisschen erwachsener geworden, glaube ich. Auch wenn wir uns heute nur noch selten sehen, bleibt sie für mich doch etwas ganz Besonderes.

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Manchmal beneide ich meine Freundinnen, die diesen Drang wegzugehen, zu reisen, Neues zu sehen, erst gar nicht haben. Diese innere Ruhe fehlt mir irgendwie komplett. Dabei muss es doch auch schön sein, einen festen Platz in dieser Welt zu haben und einen Ort so gut zu kennen, dass man jeden Stein, jede Mauer, jede Wiese kennt, wie einen guten Freund. Stabilität, Ausgeglichenheit, eine alltägliche Klarheit, einfach zu Wissen, was der nächste Tag bringt.

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Ich dagegen renne immer wieder hinaus ins Unbekannte, verlaufe mich, stürze ab, verliere mich und finde mich am Ende doch immer wieder. Natürlich habe ich manchmal auch Angst. Es ist gar keine konkrete Angst vor irgendetwas Bestimmten, sondern eine eher abstrakte Angst. Was kommt da wieder auf mich zu? Wohin renne ich eigentlich? Habe ich noch die Kraft, die Energie etwas zu entdecken? Kann ich mich noch neu einlassen, mich einer fremdartigen Welt hingeben? Jedenfalls renne ich nicht vor mir selbst weg. Soviel hab ich schon herausgefunden. Meine Unruhe ist eher eine Gier. Eine ungestillte Neugier auf die Welt, an der ich mich immer wieder betrinke. Wie ein Trinker erkenne ich manchmal einfach das rechte Maß nicht. Dann bin ich unterwegs und frage mich  – warum ?

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