Ein kalter Wind weht auf dem einsam gelegenen Hügel nahe dem Dörfchen Garray. Hier, wenige Kilometer vor Soria, lag vor über zweitausend Jahren die legendäre Stadt Numancia. Ihre Einwohner trotzten jahrzehntelang dem römischen Imperium und hielten riesige Heere in Atem. Am Ende nahmen sie sich lieber selbst das Leben, als sich Rom zu ergeben.

Ruinen und Nachbau Ausgrabungsstätte Numancia

Ganz Hispania ist von den Römern besetzt… Ganz Hispania? Nein! Ein von unbeugsamen Numantiern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem römischen Eindringling Widerstand zu leisten.

Nachdem die Karthager am Ende des ersten Punischen Krieges die zentral gelegene Insel Sardinien an die Römer verloren hatten, begann die Auseinandersetzung um die Vormachtstellung im westlichen Mittelmeerraum. Schon die Phönizier hatten mit den Völkern der Iberischen Halbinsel Handel getrieben. Ganz im Südwesten lebten Tartesser, keltische Stämme im Westen und die Iberer in den östlichen Küstengebieten. In den dünn besiedelten Landschaften gediehen Getreide, Öle, Wein und Obst prächtig. In den Minen unter der Erde wurden wertvolle Metalle, wie Kupfer, Zinn, Silber und Gold abgebaut. Sobald Karthago begann, sein Einflussgebiet im Westen auszubauen, rückte die Iberische Halbinsel ins Zentrum des zwischen Rom und Karthago entbrannten Machtkampfes. Doch auch die Römer waren entschlossen, die Kontrolle über diese strategisch wichtige Region zu erringen um ihre Vormachtstellung im gesamten Mittelmeerraum zu behaupten.

Nach drei Kriegen wurden das einst mächtige Reich der Punier schließlich von Rom besiegt. Doch im Herzen der Iberischen Halbinsel, wo die Stämme der Kelten und Iberer zu den Keltiberern verschmolzen, gab es nach wie vor noch einige unabhängige Gebiete.

Numancia

Wo sich heute nur noch Ruinen auf einem kahlen Hügel erstrecken, lag einst das mächtige Numancia. Von einer dicken Verteidigungsmauer umgeben, waren die Numantier vor feindlichen Angriffen gut geschützt. Bei einer ersten großen Schlacht 153 v. Chr. lockten die Numantier die römischen Soldaten in einen Hinterhalt. Sie kannten sich in den Wäldern deutlich besser aus und bescherten den Römern unter Konsul Quintus Fulvius Nobilio eine üble Niederlage. Die Eroberer verloren eine komplette Legion und hatten viele Tote zu beklagen.

museo numantino Soria keltiberisches Numancia

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In den folgenden Jahren folgten weitere Versuche, die Stadt einzunehmen. Der nächste römische General, der einen Angriff auf die Stadt wagte, versuchte es mit Elefanten. Den Numantiern gelang es jedoch, die Elefanten so nervös zu machen, dass sie das eigene Heer niedertrampelten und die Römer nicht nur schwere Verluste erlitten, sondern wiederum sieglos vom Schlachtfeld ziehen mussten. Mehrere Jahre traute sich kein General mehr, die Stadt anzugreifen. Die Einnahme dieser unbeugsam scheinenden kleinen Stadt entwickelte sich in Rom langsam zu einem Imageproblem.

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Der römische Senat entsandte schließlich ein Heer von 40.000 Mann, das die rund 4.000 Numantier leichthin besiegen sollte. Doch wieder gelang es den tapferen Numantiern den römischen Heerführer in die Enge zu treiben. Dieses Mal zwangen sie ihn, einen Vertrag zu unterzeichnen, demzufolge die Römer die Unabhängigkeit Numantias anerkannten. In Rom weigerte man sich jedoch dieses Dokument anzuerkennen. Der mit Schande beladene General wurde zurück nach Hispania geschickt und nackt und gefesselt vor den Tore der Stadt des Feindes ausgesetzt. So gedemütigt ließen ihn die Römer in einer eisigen Winternacht zurück, so erzählt man es sich. Die Numantier brachten ihm Wasser und Kleidung, taten ihm aber nichts.

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Ruinen und Nachbau Ausgrabungsstätte Numancia

Angesichts dieser Schmach traute sich lange Zeit niemand mehr, die Stadt anzugreifen. In Rom entwickelte sich ein Sieg über Numantia zu einer Frage des politischen Überlebens. Es war nicht mit dem Ruf eines Imperiums, das ein Weltreich wie Karthago zerstört hatte, vereinbar, nicht mit dieser kleien keltiberischen Stadt fertig zu werden.

Letzendlich beauftragte man Scipio den Jüngeren mit der Mission, Numancia ein für alle Mal von der Landkarte auszulöschen. Der Feldherr zog los in Richtung Hispania. Er begann zunächst damit, die römischen Lager von allen Verweichlichungen und Annehmlichkeiten zu säubern und die Soldaten einem monatelangen Training zu unterziehen. Die hartgesottene Kämpfer schickte er anschließend los, alle umliegenden Städte, die Numantia zur Seite stehen könnten, zu vernichten. Der nächste Schritt bestand darin, einen aus sieben Heerlagern bestehenden Belagerungsring um Numancia herum zu errichten. Diese Lager waren untereinander mit einer Mauer verbunden, die sogar den Duero umfasste. Numancia war vollkommen von der Außenwelt abgeschottet. Niemand konnte mehr aus der Stadt heraus oder in die Stadt hinein.

Nach über 20 Jahren Widerstand mussten die Menschen nun Hunger und Durst leiden. Nach beinah einem Jahr bemerkten die römischen Belagerer, dass etwas anders war. Schwarzer Rauch stieg über der Stadt auf. Als sie vorsichtig die Straßen Numancias betraten, lagen Tote auf den Straßen und die Häuser brannten.

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Die Numantiner, Männer, Frauen und Kinder, hatten sich lieber selbst das Leben genommen, als den Römern als Sklaven zu dienen. Scipio ließ die beinah leere Stadt, nur wenige Menschen überlebten, niederreißen. Doch der Mythos von dem unbesiegbaren Stamm, der tapfer Widerstand gegen die römische Übermacht geleistet hatte, war geboren.

Ruinen und Nachbau Ausgrabungsstätte Numancia

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Andächtig wandle ich durch die Ruinen auf dem Hügel. Viele Geschichten ranken sich um diese Stadt, die noch viele Jahrhunderte später Schriftsteller wie Miguel Cervantes oder Carlos Fuentes inspierierte. Zur besseren Veranschaulichung haben die Archäologen zwei der keltiberischen Hütten nachgebaut. Eine aus der ersten keltiberischen Epoche, die zweite aus der Zeit unter römischer Herrschaft, als Numancia unter Kaiser Augustus wieder aufgebaut worden war. Doch irgendwann geriet die Stadt auf dem Hügel in Vergessenheit. Die Hütten verfielen, Wind und Wetter machten das einst stolze Numancia dem Erdboden gleich – bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der deutsche Archäologe Adolf Schulten die antike Stadt wiederentdeckte und mit den Ausgrabungsarbeiten begann.

Ruinen und Nachbau Ausgrabungsstätte Numancia

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Informationen zu Numancia

Der Einritt kostet 6 Euro, geöffnet ist die Ausgrabungsstelle das ganze Jahr über. Es gibt einen kleinen Shop und einen Raum, in dem ein einführender Film gezeigt wird.
Auf der Website gibt es ein PDF mit Informationen auf Spanisch. Während der Besichtigung kann man sich über einen QR Code einen Audioguide auf dem Handy anhören.

Unbedingt auch besuchen: das archäoglogische Museum in Soria, in dem die Fundstücke der Ausgrabungsstelle zu sehen sind.

Museo Numantino
Paseo el Espolón 8
42001 Soria

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Nützliche Links zu Numancia

turismosoria.es/de/

de.wikipedia.org/wiki/Numantia 

celtiberiahistorica.es/en