Von Penelles bis Lleida – kleine Dörfer am Wegesrand

Auf einsamen Straßen fahren wir durch die Landschaft. Zwischen den Bergen der Pyrenäen und der flachen Ebene von Lleida liegen jede Menge kleiner Dörfer, die es zu entdecken gilt. Grüne Wälder und bunte Felder ziehen an uns vorbei. Alte Burgen erheben sich auf den höchsten Punkten der Hügel ringsum und thronen dort wie eine Kirsche auf der Torte. Und in Penelles haben sie gar Urban Art aufs Land gebracht.

Montfalcó Murallat

Ein kalter Wind weht uns ins Gesicht, als Carmen und ich das kleine Dorf oben auf dem Berg erreichen. Durch einen mittelalterlichen Bogen betreten wir Montfalcó Murallat. Hinter der steinernen Mauer gelangen wir auf einen kleinen Platz. Von hier aus führt ein enger Weg, die einzige Straße, in einem Bogen einmal durch die kleine Siedlung.

Montfalco murallat

Irgendwo höre ich eine Tür knarren. An einigen Gebäuden hängen die Fensterläden aus den Angeln. Es sieht ziemlich verlassen aus in diesem kleinen Dorf, das eigentlich eher eine Festung gewesen sein muss. Doch Montfalcó Murallat ist durchaus noch bewohnt, In einigen Fenstern entdecke ich frische Blumen und alles wirkt sehr gepflegt. Eine Katze huscht über den Weg. Sie ist auf dem Weg zu einem gefüllten Napf, der vor einem der Häuser auf sie wartet. Neben den Ferienwohnungen, die wohl vorwiegend an den Wochenenden vermietet werden, leben drei Familien das ganze Jahr über hier auf dem Hügel.

Schnell haben wir das äußerste Ende des Dorfes erreicht und gehen nun in die andere Richtung. Dort erhebt sich die kleine Kirche Sant Pere. Von deren romanischem Ursprung ist leider nicht viel erhalten geblieben. Einmal im Monat wird hier noch heute die Messe gelesen. An den anderen Sonntagen müssen die Bewohner in die Kirchen der Nachbardörfer zum Gottesdienst gehen.

Montfalco murallat

Eine Legende erzählt, dass die Festung im Mittelalter einmal belagert wurde. Um die Einwohner moralisch zu zermürben und sie zur Aufgabe zu bewegen, schossen die Angreifer angeblich demoralisierende Nachrichten und Brote über die Mauern. Doch die Überraschung war groß, als die Bewohner mit frischem Fisch zurückschossen. Kurz darauf zogen die Angreifer von dannen. Offenbar gibt (oder gab) es in Montfalcó murallat einen „geheimen“ Zugang zum nahe gelegenen Fluss …

Celler Analec

Von Montfalcó aus fahren wir weiter zu einem Winzer. Analec ist ein kleiner Familienbetrieb. Hier werden Wein und Sekt produziert. Salvador erwartet uns bereits. Er führt uns nicht nur durch die kleine Anlage, sondern er zeigt uns auch, wie man die Hefe nach der Gärung wieder aus dem Sekt kriegt, der hier nach der traditionellen Champagnermethode hergestellt wird. Degorgieren nennt man diesen Prozess, den normalerweise eine Maschine erledigt, indem sie den Flaschenkopf kurz einfriert und die gefrorene Hefe dann einfach herausploppt. Aber es gibt auch eine händische Methode, den feinen Schaumwein von dem Heferest zu befreien. Beim Zusehen wird allerdings schnell klar, das man dafür schon relativ geschickt sein muss und reichlich Übung braucht, will man nicht den Inhalte der Flasche auf dem Boden verschütten.

analec

Wie ein erfahrener Entkorker neigt Salvador vor unseren Augen den Cava in einem ganz bestimmten Winkel. Blitzschnell öffnet er dann den Kronkorken und Hefepfropfen springt sauber aus dem Flaschenhals heraus. Ob ich es nicht auch einmal probieren will, bietet Salvador er mir an. Doch ich lehne dankend ab. Statt ihn zu verschütten, will ich seinen guten Cava lieber verkosten. Sehr lecker übrigens. Noch besser als der Sekt schmeckt mir allerdings der Romiguera, ein Crianza. Wie ein kleines Schild an der Wand verrät, ist dieser Rotwein sogar in Mainz als „exzellent“ ausgezeichnet worden. Sehr verdient, wie ich finde.

analec romiguera

analec
Rocallaura Café

Durch ein malerisches Tal fahren wir in Richtung Rocallaura. Vermutlich gibt es eine schnellere Straße in das kleine Dorf, aber das GPS hat uns auf diese zauberhafte Landstraße geführt und Carme und ich sind begeistert von der Landschaft um uns herum.

rocallaura

rocallaura

rocallaura
In Rocallaura selbst geht es ruhig zu. Bald stehen wir vor dem scheinbar einzigen Restaurant des Dorfes. Mariela und Ennio haben hier eine gemütliche Mischung aus Tante Emma Laden und Restaurant eingerichtet. Nachdem wir an einem Tisch in der Ecke Platz genommen haben, lausche ich der Geschichte des Pärchens, das eigentlich aus Uruguay stammt. Vor vielen Jahren sind Mariela und ihr Mann hier gelandet und arbeiten seitdem sehr eng mit der Nachbarschaft zusammen.

Sie legen großen Wert auf Nachhaltigkeit und verkaufen viele Produkte aus der Region. In der Nähe von Rocallaura werden viele gute Sachen produziert: Honig, Essig, Wein, Bier, Orujo, Kräutertee. Auch Obst und Gemüse werden hier natürlich angebaut. Die Zutaten in der Küche des Rocallaura Cafés stammen fast ausschließlich von den benachbarten Höfen der Umgebung.

rocallaura cafe

Ennio und Mariela kochen mit Liebe und sind mit ganzem Herzen bei der Sache. Sie kennen jedes einzelne Produkt, wissen genau, wer den Honig oder den Wein gemacht hat und können eine Geschichte dazu erzählen. Die hochwertige Qualität und die Leidenschaft schmeckt man einfach. Ich finde, die beiden haben sich einen goldenen Kochlöffel verdient!

Carmen und ich langen ordentlich zu – alles ist so lecker! Als wir uns dann doch irgendwann mit vollen Bäuchen verabschieden müssen, haben wir längst das Gefühl, ein Teil der Familie zu sein. Wir versprechen, dass wir bald wieder kommen werden. Nicht nur, um gut zu essen, allein schon um diese beiden besonderen Menschen zu besuchen, lohnt der Weg nach Rocallaura.

rocallaura cafe reis

rocallaura cafe

Streetart in Penelles

Fast scheint es, als gäbe es in dem winzigen Dorf Penelles mehr Graffitis als Einwohner. Bei einem Bummel durch die wenigen Straßen des kleinen Ortes entdecken wir bestimmt an die Hundert Gemälde: Auf Schweineställen, Schulmauern und Häuserwänden haben sich hier verschiedene Künstler aus der ganzen Welt verewigt. Penelles hat sich zu einem Open Air Museum für Fans der Graffiti Kunst gemausert.

penelles sebastien waknine

Urban Art auf dem Lande

penelles sabotaje al montaje graffiti
Um das Dorf für Besucher attraktiver zu machen, haben die Einwohner vor ein paar Jahren ein Streetart Festival ins Leben gerufen. Seither werden beim alljährlichen #Gargar neue Wände mit bunten Bildern geschmückt. Einzige Bedingung für die teilnehmenden Künstler ist, dass das Werk ein im weitesten Sinne „ländliches“ Thema behandeln sollte. Ob nun Schweine, Schafe oder Hühner, ob Blumen, Pilze oder Szenen aus dem alltäglichen Leben der Menschen auf dem Land dargestellt werden, ist völlig freigestellt.

Penelles bkfoxx zesoner
penelles fatal fake
penelles lilly brick
penelles miquel wert
penelles zone

Infos zum Nachreisen – Dörfer rund um Lleida:

Celler Analec
Carretera a Nalec s/n
25341 Nalec, Lleida
Auf dem kleinen Weingut werden Rotwein, Weißwein und Cava produziert. Analec gehört zur Denominación de Origen D.O. Costers del Segre.

Rocallauracafe
Plaça de la Vila
25269 Rocallaura, Lleida
Website: rocallauracafe.business.site

penelles Rescate

Penelles:
Mehr Infos über das #Gargar Streetart Festival in Penelles findest Du auf www.gargarfestival.com. Die Graffitis kannst Du natürlich jederzeit besichtigen. Direkt neben dem Rathaus gibt es ein Infobüro. Etnweder kannst Du hier nach einer Führung oder nach einer Straßenkarte fragen, in der die einzelnen Werke und Künslter aufge

Übernachtung in Lleida:
Parador del Roser de Lleida
Carrer Cavallers, 15
25002 Lleida
Website www.parador.es

parador lleida

Das nagelneue Hotel Parador de Lleida befindet sich in einem ehemaligen Kloster. Aufwendig umgebaut und renoviert ist besonders der Innenhof des Gebäudes ein echter Hingucker. Hohe Decken, elegantes Mobiliar und eine Kirche als Speisesaal. Gerade bei unserem Besuch war der Parador mit einer Weinpräsentation und einer Buchvorstellung sehr voll und das Parken im Zentrum von Lleida schwierig. Für 15 Euro haben wir schließlich in dem nahegelegenen Miniparkhaus einen Platz für unser Auto ergattert.

parador lleida

Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Blogtrips durch Lleida, zu dem wir von der Diputació de Lleida eingeladen wurden. Die hier dargestellten Ansichten sind davon unbeeinflusst. Sie beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und spiegeln ausschließlich meine eigene Meinung wieder. 

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