The Scottish Parliament – Pàrlamaid na h-Alba

Weißt Du eigentlich was mein Lieblingsmarkt, der Mercat Santa Caterina in Barcelona mit dem Schottischen Parlament zu tun hat? Sie stammen beide aus derselben Feder: Enric Miralles, ein vielversprechender,  katalanischer Architekt, der leider viel zu früh verstorben ist, entwarf sowohl den Markt mit seinen bunten Wellendächern, als auch das Scottish Parliament.

Edinburgh Miralles Scottish Parliament B

Vor ein paar Tagen bin ich zum ersten Mal selbst durch das Schottische Parlament spaziert, auf Gälisch Pàrlamaid na h-Alba.  Allein der Name Alba („Schottland“ auf Gaelic) hört sich für mich schon nach sagenumwobenen Legenden an.

Kurz nach meiner Rückkehr aus dem hohen Norden, hörte ich in den Nachrichten die Meldung der überraschend hohen Anzahl an YES Stimmen, die bei der anstehenden Wahl zur Unabhängigkeit Schottlands erwartet wird – ein spannendes Thema, das besonders in Katalonien sehr aufmerksam verfolgt wird.

Edinburgh Scottish Parliament

Nachdem sie mehrere Jahrhunderte von London aus verwaltet worden waren, erstritten die Schotten per Volksentscheid 1997 das Recht auf ein eigenes Parlament. Das erste Schottische Parlament wurde bei der Union mit England am 17. April 1707 aufgelöst.

Kurz  nach der Abstimmung, 1999, konnte erstmals wieder eine gewählte Volksversammlung in Edinburgh zusammentreten. Nur fehlte noch ein passendes Gebäude. Den Zuschlag zum Bau erhielt der Katalane Enric Miralles (EMBT: Enric Miralles und Tagliabue), der die Fertigstellung selbst gar nicht mehr miterlebte und mit nur 45 Jahren an einem Tumor starb.

Bis zur Einweihung des Neubaus tagte das neu gewählte Parlament vorübergehend in der Versammlungshalle der St Giles‘ Cathedral. 2004 konnten die schottischen Volksvertreter sich dann erstmals in dem neuen Gebäude versammeln.

Parlament Schottland Edinburgh

Das Scottish Parliament liegt ganz am Ende der Royal Mile, auf einem merkwürdig eckigen Grundstück. Miralles hat die Form des Grundstücks genutzt und das Parlament in seine Umgebung eingepasst „The building design should be like the land, built out of the land and carved into the land.“ (Zitat EMBT)

Es entstand ein modernes, fast schon futuristisch wirkendes Gebäude, so ganz im Gegensatz zu dem gegenüberliegenden Holyrood Park stehend – dem Wohnsitz der Queen, wenn sie in Schottland verweilt. Der Entwurf war zunächst umstritten. Die ungewöhnlichen Formen und Materialien, der teilweise bizarr wirkenden Konstruktion fanden nicht nur Zuspruch. Das neue Parlament durchbricht die geordnete Aneinanderreihung geradliniger Steinhäuser der historischen Bauten Edinburghs und orientiert sich eher an der umliegenden Landschaft.

Trotz des gewagten Baustils, passt es irgendwie hierher. Direkt vor dem Arthur’s Seat, der grünen Lunge Edinburghs am Rande der Stadt, sind Wiesen, Wälder und Natur zum Greifen nah. Auch wenn es auf den ersten Blick extravagant und vielleicht sogar wirr erscheinen mag, ist es mit seinen krummen Wänden und absurd wirkenden Formen dennoch wunderschön und leicht.

Parlament Schottland Edinburgh

Bei unserem Besuch im Parlament fand gerade die Ausstellung eines historischen Wandteppichs im Forum statt. Um dort hineinzugelangen, mussten wir erst diverse Sicherheitsschleusen passieren, wie am Flughafen. Im Forum angelangt, begrüßte uns ein älterer Herr sehr herzlich und freundlich. Er erklärte uns, was es mit dem historischen Teppich auf sich hat. Ich weiß nicht, wie viele Leute an dem endlos langen Werk gestickt und genäht haben, aber sie müssen Jahre dafür gebraucht haben! Die gesamte Geschichte Schottlands ist in einzelnen Bildern, hübsch nebeneinander gehängt, auf diesem wohl längsten Wandteppich, den ich je gesehen habe, dargestellt.

Da Lina zufällig einen Häkel-Wollpullover ( gekauft 😉 ) trug, meinte der nette Herr dann noch, dass wir ja wohl Handarbeiten mögen würden. Wir sollten unbedingt irgendwo in Saal 2, hinter einer Ecke, zu einem Sicherheitsbeamten gehen. Der würde uns durchlassen zu zwei Damen, die derzeit noch an einem letzten Stück des Teppichs arbeiten. Dann könnten wir uns selbst mit ein paar Nadelstichen in der schottischen Geschichte verewigen. Das Angebot fand ich so lieb und verlockend, dass wir uns natürlich nach der entsprechenden Bewunderung der Ausstellung auf die Suche machten. Irgendwie haben wir die Damen dann aber leider nicht mehr gefunden. Vielleicht hatten sie ja auch einfach schon Feierabend gemacht.

Übrigens ist das Parlamentsgebäude einer der wenigen Orte in Edinburgh, in denen die Beschilderung komplett zweisprachig ist: Englisch und Gaelic. Überall sonst in der Stadt ist es eher selten, auf gälische Übersetzungen zu stoßen. Ganz im Gegensatz zu Katalonien, wo die Sprache ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität, und ein entscheidendes Argument für den Kampf um die Unabhängigkeit ist, scheinen die Schotten ihren Anspruch auf Eigenständigkeit nicht über die Sprache zu definieren. Sehr spannend.

Scottish Parliament - Parlament Edinburgh

Interessant: Wußtest Du eigentlich, dass das schottische Parlament im 15. Jahrhundert ein Verbot des Golf- und Fußballspielens erlassen hat? 1471 erachtete man es als wichtiger, dass die jungen Männer im kampffähigen Alter ihre Fähigkeiten im Bogenschiessen trainierten, statt hinter irgendwelchen Bällen herzulaufen.

Scottish Parliament - Parlament Edinburgh

Scottish Parliament Building Miralles Edinburgh

Scottish Parliament Building Miralles Edinburgh

Scottish Parliament - Parlament Edinburgh

Nützliche Infos, für alle die mehr wissen wollen, gibt es hier:

Schottisches Parlament – Pàrlamaid na h-Alba
Holyrood Park
Edinburgh
Website: www.scottish.parliament.uk

EMBT (Enric Miralles und Benedetta Tagliabue)
Website  www.mirallestagliabue.com

2 Comments

  • Ich mag das Parlamentsgebäude sehr! Auch die Innenarchitektur, der ganz wunderbare Umgang mit den Materialien, vor allem dem Holz. Für mich ein echtes Must-see in Edinburgh! Schöne Fotos! Grüße, Jutta

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