Kühles Wasser aus den Pyrenäen plätschert in dem kleinen Bach, in dem ich knietief stehe. Mein Kleid an den Seiten hochgerafft, tue ich es zwei älteren Damen gleich, die ich gestern an dieser Stelle beobachtet habe. Was für ein wunderbares Gefühl! Die Vögel zwitschern und ich wate total entspannt ein paar Schritte hin und her. Glücklich beobachte ich, wie sich der Untergrund verändert, wie er von kleinen Steinen zu einem eher sandigen Boden wechselt. Dort, wo der Sand ist, wird es zum Ufer hin ein wenig flacher. Immer wieder sind kleine Fische zu sehen, die sich im Bach tummeln. Plötzlich ertappe ich mich dabei, wie ich ganz unbewusst Schuberts Forelle summe und muss über mich selbst lachen.

Michi liegt in einem Liegestuhl auf der Wiese und schläft während ich mich auf der gegenüberliegenden Uferseite (es ist nur ein kleiner, vielleicht 5 m breiter Bach) auf Entdeckungstour begebe. Weiter hinten soll es noch ein paar Gorgs geben, natürliche Becken im Flusslauf, in denen man baden kann. Meine Badesachen habe ich vorsichtshalber schon unterzogen. Barfuß spaziere ich also auf einem ausgetretenen Pfad weiter am Ufer entlang. Es geht durch dichtes Gebüsch, dann über ein paar Felsen und dann stehe ich auch schon am ersten “Wasserloch”, das geradezu zu einem Sprung ins kühle Nass einlädt. Ich gehe noch ein paar Schritte weiter, zu einer Stelle, an der sich das Wasser des Baches seinen Weg über mehrere große Steinbrocken bahnt, fast wie ein kleiner Wasserfall.
Ganz allein hier im Wald ziehe ich rasch mein Kleid aus, werfe es auf einen großen Stein und lege mich flach in das eiskalte Wasser. Tut das gut! Während mir das kalte Wasser fröhlich entgegenspringt, über mich rüber und an mir vorbeiläuft, muss ich an die Geschichten der Wasserfrauen denken. Die “dones d’aigua” sind katalanische Sagengestalten, Wasserwesen, die sich in Menschen verwandeln können. Wie das Wasser so gurgelt und sprudelt, durchströmen mich schon fast vergessene Glückshormone vor Freude. Es ist schon eine Weile her, dass die sich zum letzten Mal gemeldet haben. Aber gut zu wissen, dass sie noch da sind. 🙂

Wenn das Thermometer im Sommer Temperaturen an die 40 Grad anzeigt, habe ich nicht übel Lust ins Meer zu springen. Nur leider ist es an den Stränden genau dann natürlich brechend voll. Außerdem gibt es dort nur wenig bis gar keinen Schatten und das Mittelmeer ist inzwischen so aufgeheizt, dass von einer Erfrischung kaum noch die Rede sein kann. Meer ist im Juli-August für mich also keine Option. In den Pyrenäen ist es allerdings inzwischen ähnlich voll wie an den Küsten. Man muss schon eine Weile suchen, um noch ein Plätzchen zu finden, einen stillen Schatz, an dem man Wasser, Ruhe und Natur genießen kann.

Hotel am See – Stausee Darnius Boadella
Der 1969 errichtete Stausee Boadella Darnius, lieferte jahrzehntelang den Strom für das ungefähr 20 KM entfernt gelegene Figueres. Heute kann man hier Angeln, Kajak fahren und andere Wassersportarten betreiben, auch das Baden ist erlaubt.



1977 wurde die Wasserkraftanlage La Central am hinteren Ende des Stausees stillgelegt und wenige Jahre später in ein Hotel umgebaut.


Mit dem Namen „La Central“ erinnert es auch heute noch an die Geschichte des Gebäudes. Wo früher die Turbinen das Wasser antrieben, befindet sich heute der Speisesaal des Restaurants. Sehr lecker haben wir dort gleich zweimal zu Abend gegessen. Oberhalb des Restaurants in der ersten und zweiten Etage liegen die 21 Zimmer, die man über eine original aus der Zeit des Wasserwerks erhalten gebliebene Metalltreppe erreicht. Auch der Wellness-Bereich des Hotels ist klasse, das Schwimmbad ist zwar klein, dafür mit großer Sauna. Zum Teil ist der Anbau direkt in den Felsen gebaut. Die Reservierungen sind so geplant, dass man das SPA quasi für sich allein hat.


Damit du dir eine Vorstellung davon machen kannst, wie still es hier ist: Von dem Dörfchen Darnius im Hinterland der Costa Brava aus, fährt man noch ca. 10 Min in der Nähe des Ufers durch den Wald, um das Hotel zu erreichen. Um uns herum ist nichts außer Wasser, Bäume und Vögel.

Auf der Terrasse sorgen zahlreiche Bäume für angenehmen Schatten. Eine Treppe führt zu einer Wiese direkt am Ufer, auf der ein paar Liegen aufgestellt sind. Auch eine Hängematte entdecke ich zwischen den Bäumen. Der perfekte Ort zum chillen und relaxen.
Wanderwege
Rund um den Stausee gibt es zahlreiche Wanderstrecken. Auch der GR-11, der die Pyrenäen von Ost nach West durchquert, führt ein Stück weit hier in der Nähe entlang. Ein schöner Spaziergang ist der Weg zum Clot de l’Infern, der „Höllenschlucht“. Auf einem Rundweg über den Mirador de la Central, von dem aus man das Hotel sehen kann, geht es wieder zum Anfang zurück.

Die Arnera, der kleine Bach, der hier leise vor sich hin plätschert, ist ein Nebenfluss der Muga, eines etwas größeres Fluss, der in den Pyrenäen entspringt und den Stausee speist. Ganz in der Nähe liegt das Dorf Sant Llorenç de la Muga.
Sant Llorenç de la Muga
Sant Llorenç de la Muga ist ein niedliches kleines Dorf, das wir vor ein paar Jahren bei einem Familienausflug entdeckt haben. Wie viele Dörfer in der Gegend sind auch in Sant Llorenç de la Muga viele historische Bauten bis heute erhalten. Die mittelalterliche Stadtmauer und die Eingangstore stammen aus der Zeit zwischen dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Weil es früher ganz in der Nähe des Dorfes eisenhaltige Minen gab, entstanden um das 18. Jahrhundert mehrere Waffenschmieden, in denen Munition hergestellt wurde.
Aufgrund seiner Lage nahe der Grenze zu Frankreich wurde der kleine Ort in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Spanien besonders wegen dieser Waffenschmieden schnell zum Ziel der gegnerischen Truppen. Doch der historische Dorfkern hat glücklicherweise die Schlachten überstanden.



MUME in La Jonquera
Nur ungefähr 20 Autominuten vom Hotel entfernt liegt La Jonquera. Kurz bevor man den kleinen Grenzort erreicht, muss man leider durch eine hässliche Ansammlung an riesigen Einkaufszentren fahren, in denen offenbar Menschen aus Frankreich günstig Alkohl und Tabak kaufen. In dem kleinen Ort selbst geht es eher beschaulich zu. Dort befindet sich ein tolles Museum, das Museu de l’Exili, das vom Ende des Spanischen Bürgerkriegs und der Flucht all derer berichtet, die für die Republik gekämpft hatten. Sehr bewegend!
Besonders eindringlich sind die Videos der Zeitzeugen, derer, die den Exodus als Kind oder Jungedliche erlebt haben und darüber berichten. Denn in Frankreich wurden die Verteidiger der Demokratie nicht gefeiert, sondern unter schlimmsten Bedingungen in Konzentrationslager am Strand gepfercht… Über das MUME habe ich vor Jahren schon einmal geschrieben. Auch spannend: Die Gedenkstätten in Elna, Argeles sur Mer und Rivesaltes, die an diese schlimme Zeit erinnern.

Hotel Spa La Central
Adresse: Paratge Costa Margarida, Antiga carretera de Darnius a, Camí d’Arnera, 17720 Girona
Website: hotelspalacentral.com
Tipp: Unbedingt ab dem Ort Darnius den Schildern folgen, nicht dem GPS oder Google Maps, denn die können dich auf unwegsame Waldwege führen. Die Straße zum Hotel ist durchgehend asphaltiert!
Da wir leider sehr spät spontan gebucht haben, waren die Zimmer mit Aussicht auf den Garten leider schon vergeben. Aber nicht weiter schlimm, da wir uns sowieso die ganze Zeit draußen aufgehalten haben. Uns hat es mega gut gefallen, wir haben die Ruhe, das kühle Wasser und das leckere Essen genossen und werden bestimmt wieder dorthin fahren.
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