Um uns herum zwitschern und tirilieren die Vögel, während ich mit Miquel auf der Terrasse seiner kleinen Cafeteria neben dem Hofladen sitze und wir über ökologische Landwirtschaft sprechen. Eigentlich war ich gekommen, um ihn über die Erbsen aus dem Maresme, die Pèsols de Llavaneres, auszufragen. Denn die kleinen, grünen Perlen, die an der Küste Barcelonas wachsen, gelten als besonders zart und süß.

Erbsen

Hort Pla de Munt Palafolls Maresme

Außer verschiedenen Kohlsorten gedeihen in den Wintermonaten die Pèsols (so heißen Erbsen auf Katalanisch) im milden Klima des Maresme prächtig. Weiter nördlich wäre es ihnen viel zu kalt. Aufgrund der idealen Anbaubedingungen werden die Erbsen in Palafolls zwischen Dezember und April geerntet, zu einer Zeit also, in der die meisten Gemüse und Früchte erst zu blühen beginnen. Im Grunde genommen hat die Natur es ganz schön klug eingerichtet, dass wir Menschen zu jeder Jahreszeit etwas anbauen und uns gesund ernähren können.

Erbsen

Ökologische Landwirtschaft

Miquel, der zusammen mit seiner Frau Silvia den Hof in der dritten Generation bewirtschaftet, sagt, es gehe um viel mehr. Die Erbse sei zwar ein romantisches Bild, doch in Wirklichkeit gehe es um grundlegende Fragen. Wir reden lange und ausführlich über das nachhaltige Konzept und darüber, was man – nicht nur in der Landwirtschaft – alles noch besser machen könnte oder sollte.

Bei der ökologischen Landwirtschaft geht es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Es geht darum, mit ökologischen Praktiken so umweltschonend wie möglich und zugleich so ökonomisch wie möglich zu arbeiten. Statt mit Pestiziden und Chemie versucht man, mit mechanischen Mitteln die Produktion zu verbessern.

„Wie wollen wir uns ernähren, das ist doch die Frage“, sagt Miquel. Essen, das in der Nachbarschaft gewachsen ist und nicht um den halben Globus reist, zu Preisen, die für jedermann erschwinglich sind, das wäre gut für die Bauern und für die Konsumenten. Wie viele Menschen kann man heute mit lokalen Produkten aus ökologischer Landwirtschaft ernähren? Ist die Globalisierung bei Nahrungsmitteln vielleicht gar nicht angebracht? Als Beispiel erinnert Miquel an große Schweinemastbetriebe, die so große Mengen an nitrathaltigem Mist produzieren, dass Menschen und Umwelt dadurch belastet werden, während das Endprodukt exportiert wird.

Zuckerschoten Erbsen aus dem Maresme

Inzwischen blickt Miquel auf fast 20 Jahre ökologischen Landbau zurück. 2007 stellte er den Hof, den er von seinem Vater übernahm, auf einen rein ökologischen Betrieb um. Während der Großvater den Schwerpunkt noch auf Viehwirtschaft legte, betrieb sein Vater bereits mehr Ackerbau und Miquel spezialisierte sich schließlich ganz auf den Gemüseanbau. Natürlich musste er zunächst Erfahrungen sammeln, vieles ausprobieren und aus Fehlern lernen, um herauszufinden, welche Methoden am besten geeignet sind, um einerseits ökologisch und andererseits ökonomisch rentabel zu arbeiten. Derzeit liegt der Preis für die Pèsols bei 8–14 Euro pro Kilo. Die zarten Erbsen sind also relativ teuer und eher eine Delikatesse. Doch Miquel will, dass sich jeder seine gesunden Produkte leisten kann.

Gemeinsam mit gleichgesinnten Ökobauern arbeitet er an verschiedenen Konzepten. Engagiert versuchen sie, eine eigene Distributionskette aufzubauen, um die Preise zu senken und den Weg der Produkte kontrollierbarer zu machen. Ziel ist, dass sich jederzeit nachverfolgen lässt, woher ein Produkt kommt und wo es am Ende landet. Eine weitere Idee ist es, neben dem Direktverkauf und der Belieferung kleiner Läden und Restaurants der Umgebung auch Schulkantinen mit frischem Gemüse zu versorgen.

Schulen sind nicht nur ein Absatzmarkt, der die Existenz der Ökobauern stärken könnte, sondern auch eine Möglichkeit, alle Kinder, auch die, deren Eltern vielleicht nicht so wohlhabend sind, wenigstens einmal am Tag mit einer gesunden Mahlzeit zu versorgen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Erziehungsfaktor, wenn schon die Kleinsten lernen, gesundes Essen und Gemüse wertzuschätzen. Denn durch schlechtes Essen werden Menschen nachweislich krank. Wir konsumieren zu viel Zucker, zu viele Fertigprodukte, ganz zu schweigen, von dem vielen Verpackungsmüll, der dabei anfällt.

Rundgang über den Hof

Schließlich darf ich mir noch den kleinen Laden und die Anlage ansehen, in der all das frische Gemüse wächst. Miquel zeigt mir die Beete, in denen Ringelblumen nicht nur schön aussehen, sondern dafür sorgen, dass hier ständig etwas wächst. Denn vor allem sind diese Blumen ein natürliches Mittel, um Bienen anzulocken. Wie zum Beweis zeigen sich im benachbarten Beet bereits die ersten Blüten der Tomatenpflanzen. Auf diesem Hof müssen keine extra gezüchteten Bienen aus Belgien eingeflogen werden, um die Pflanzen zu bestäuben, wie das offenbar manchmal der Fall ist. Hier passiert das ganz natürlich, durch einheimische Bienen der Umgebung, die sich einfach gern zwischen den Rigenlblumen herumtreiben.

Ringelblumen Hort Pla de Munt Palafolls Maresme

Tomanteblüte Hort Pla de Munt Palafolls Maresme

Etwas weiter wachsen Erbsen und Zuckerschoten in einem verführerisch grünen Dschungel. Am liebsten würde ich mir eine Schote abbrechen und naschen, wie früher im Garten meiner Großeltern, doch ich halte mich zurück. Wir kommen an Beeten mit Kohl und Brokkoli vorbei, der wie eine kleine Blume in seinem großen Strauch sitzt. Auch Artischocken, relativ großen Pflanzen, die nur zwei oder drei kleine Früchte tragen, und köstlicher Fenchel mit seinem strubbeligen Grün warten darauf, geernet zu werden.

Erbsen aus dem Maresme

Erbsen aus dem Maresme

An den Hühnern vorbei führt der Weg zum Verpackungslager. Die Leichtholzkisten sind erstaunlicherweise nur scheinbar umweltfreundlich, denn sie dürfen nur einmal benutzt werden und müssen dann entsorgt werden, während die stabilen Plastikkisten mit den Namen der Kunden (Restaurants und Läden der Umgebung, die direkt beliefert werden) versehen, über lange Zeit im Einsatz sind. Als ich nachfrage, warum man nicht einfach kompaktere, haltbare Holzkisten benutzt, erklärt Miquel, dass es erstes keine Hersteller solcher kisten mehr gäbe udn zweitens aus hygienischen Gründen längst verboten ist, solche Holzkisten mehrfach zu verwenden. Die Plastikkisten können nach jedem Gebrauch gewaschen werden, Holzkisten nicht.

Radieschenkiste Hort Pla de Munt Palafolls Maresme

Statt Chemie einzusetzen, wird in ökologischen Betrieben versucht, mit mechanischen Mitteln Kosten zu sparen und die Preise erschwinglich zu halten. Im Technikraum treffen wir die vierte Generation, einen von Silvias und Miquels Söhnen, der auf dem Hof arbeitet. Ein Nachwuchsproblem, unter dem viele landwirtschaftliche Betriebe leiden, gibt es hier zum Glück nicht.

Fenchel

Als ich mich schließlich verabschiede, sind mehrere Tische in dem kleinen Café besetzt. Miquel begrüßt alle, als ob er sie persönlich kennt. Neben dem Gehege mit dem Pony sitzt eine junge Mutter mit einem Baby auf dem Schoß im Gras bei den Spielgeräten und beobachtet ihre etwas größere Tochter beim Klettern. Vermutlich kommt nicht nur diese Familie öfter hierher, um unter Vogelgezwitscher im Grünen zu sitzen, nachdem man ökologisch angebautes Essen eingekauft hat.

Pony Palafolls Hort Pla de Munt

Informationen zum Hof

Gleich südlich von Blanes, am Fluss Tordera entlang, erstreckt sich das kleine Dorf Palafolls. Der Tordera trennt das zur Küste Barcelonas zählende Maresme von der Costa Brava, die jenseits des Flusses, bei Blanes beginnt.

In der kleinen Agrobotiga kann man frischestes Obst und Gemüse einkaufen, nämlich dort, wo es auch produziert wird:

Horta Ecològica Pla de Munt
Camí Pla de la Ginesta / Can Pla de Munt,
08389 Palafolls (Barcelona)
Website hortaplademunt.cat
Tel: 600 50 72 81

Agrobotiga Hort Pla de Munt Palafolls ökologische Landwirtschaft

Pèsols del Maresme Hort Pla de Munt Palafolls

Informationen zu den Erbsen aus dem Maresme

Die sogenannte pèsols garrofals oder pèsols de Llavaneres sind ein typisches Produkt des Maresme, besonders der kleinen Ortschaft Sant Andreu de Llavaneres, nach der die Erbsen benannt sind. Die Aussaat erfolgt ab Oktober im Freien, die Ernte im Februar. Beliebt ist diese Erbse in der katalanischen Küche vor allem, weil sie zarter und süßer ist als die meisten Erbsensorten. Jedes Jahr im Frühjahr bieten die Restaurants des Maresme im Rahmen der „Erbsenwochen“ spezielle Gerichte an, in denen die feinen Erbsen die Hauptrolle spielen. Ein traditionelles Rezept ist zum Beispiel „Pèsols ofegats“.

Ausführliche Informationen zu den gastronomischen Erbsenwochen mit Adressen der Restaurants veröffentlicht jedes Jahr turismemaresme.cat

Pèsols ofegats – Geschmorte Erbsen nach katalanischer Art:

500 g frische Erbsen

1 kleine Zwiebel, feingehackt

etwas Schinkenspeck / Cansalada

Salz, Pfeffer, Olivenöl

Man schmort zunächst die Zwiebeln in Olivenöl an, fügt den kleingewürfelten Speck (Cansalada) hinzu und gibt anschließend die Erbsen dazu. Mit etwas Wasser / Brühe oder Wein  lässt man das Gemüse dann abgedeckt ca. 10 -15 Min auf kleiner Flamme vorsichtig köcheln. Wer mag, kann auch Knoblauch oder botifarra, die katalanische Bratwurst, mit anbraten.

Guten Appetit oder bon profit wie man auf Katalanisch sagt.

Erbsen