Vélez-Málaga – von Cervantes bis Maria Zambrano

Viele Jahrhunderte lang regierten die Mauren den Süden des heutigen Spaniens, so auch Vélez-Málaga. Auf dem sanften Hügel vor der Kapelle der Virgen de los Remedios stehend, kann ich die ganze Stadt überblicken. Um uns herum grünt und blüht es fast wie im Frühling. Ich lasse meinen Blick über die Stadt und den blauen Himmel schweifen. Auf einem anderen kleinen Hügel erhebt sich die alte Burg der Mauren, beziehungsweise, das was davon heute noch übrig geblieben ist.

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Schon lange vor den Mauren siedelten hier einst die Phönizier. Die alten Römer trieben fleißig Handel und verschifften vor allem das hier produzierte Garum in andere Städte ihres Weltreichs. Diese fischige Würzsoße, die sie wie Maggi oder Ketchup zu allem aßen, war damals ein echter Exportschlager der Gegend.

Die erste richtige, große Siedlung auf dem Boden der heutigen Stadt Vélez-Málaga entstand aber erst mit der Ankunft der Mauren. Noch heute erinnern die Namen einiger Viertel an den arabischen Ursprung. Vélez-Málaga gehörte zwischen dem achten und dem fünfzehnten Jahrhundert zum Emirat von Granada und war eine der bedeutendsten Städte unter der Herrschaft der Nasriden. Der Handel mit Weintrauben, Oliven, Rosinen und Mandeln blühte.

Doch nach über sieben Jahrhunderten des Wohlstands zerfiel das ehemals so große und mächtige Kalifat von Granada langsam aber sicher in viele kleine Teile. Den christlichen Eroberern war es ein Leichtes, eine Stadt nach der anderen einzunehmen. Stück für Stück nahmen die Katholischen Könige Isabella I und Ferdinand II. weite Teile Andalusiens ein und entrissen den südlichen Teil der Iberischen Halbinsel den untereinander zerstrittenen maurischen Herrschern.

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Als König Ferdinand II mit einem Heer von 50 000 Mann seine Zelte vor Vélez-Málaga aufschlug, schwante den Bewohnern dort Schlimmes. Heimlich gelang es einem Angreifer bis ins Zelt des christlichen Königs vorzudringen. Entschlossen warf er eine Lanze auf den Herrscher, der kurz davor stand, seine Stadt zu erobern. Ein Attentat. Doch ein aufmerksamer Diener Ferdinands reagierte blitzschnell und warf sich in die Flugbahn der Lanze. Der Diener starb, aber er hatte das Leben des Königs gerettet. Aufgebracht vor Wut über diese Tat stürzte Ferdinand sogleich los und eroberte Vélez-Málaga, erbost wie er war, gnadenlos im Handumdrehen. Das alles passierte 1427.

Danach mussten die Mauren zwar die Stadt verlassen, aber da ihre Techniken zur landwirtschaftlichen Bearbeitung sehr ausgeklügelt und fortschrittlich waren, erlaubte man ihnen, sich vor den Toren der Stadt niederzulassen. Den christlichen Erobern waren die maurischen Techniken zwar weitgehend unbekannt, aber Ferdinand erkannte die Bedeutung der maurischen Errungenschaften und wollte sich ihren Fortschritt zunutze machen. Während also innerhalb der alten Stadtmauern Moscheen in Kirchen umgewandelt wurden, entstanden unterhalb der Burg neue Viertel, in denen die ehemaligen maurischen Einwohner weiterhin ihrer Arbeit nachgingen.

Später, als ich mit José meinem Guide, längst wieder unten in der Stadt bin, zeigt er mir einen original erhaltenen maurischen Bogen in einem einfachen Wohnhaus, den man nur durch Zufall „entdeckt“ hatte. Die Leute hatten vor vielen Jahren ihr Haus einfach um den Bogen herum gebaut, und diesen architektonischen Schatz schlicht und einfach als Wandschrank benutzt. Es dauerte ein paar Jahrhunderte, bis irgendjemand auf die Idee kam, dass dieses Relikt aus der Zeit der Mauren etwas Besonderes und Schützenswertes sein könnte. Kurzerhand kauften die Stadtväter das ganze Haus und richteten den Bogen so gut es geht wieder her.

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Das alles erzählt mir mein Guide hier oben auf dem Hügel, mit Blick auf die Burg der Mauren und die Stadt unter uns. Doch wir machen kehrt und wenden uns jetzt der Ermita de los Remedios zu. Im Vorraum der kleinen Kirche sitzt eine Familie gemütlich beisammen. Offenbar ist es die Familie des Küsters, die bereits seit fünf Generationen hier lebt, denn wir spazieren sozusagen mitten durch ihr Wohnzimmer.

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Prächtige Figuren, die zur Osterprozession durch die Stadt getragen werden, schmücken das kleine Gotteshaus. Die Wandbilder stammen von einem lokalen Künstler und zeigen Szenen des alltäglichen Lebens hier in der Gegend, früher und heute.

Wir verlassen den mit blühenden Blumen begrünten Hügel und spazieren gemütlich bergab ins Zentrum. Mitten auf der Straße entdecke ich einen Text, der in großen Lettern auf die Fahrbahn gepinselt wurde. Niemand anderes als der berühmte Cervantes weilte eine Zeit lang hier in Vélez-Málaga, während er seinen Don Quichote schrieb. Darauf ist die Stadt so stolz, dass ein Zitat aus dem spanischen Meisterwerk die Straße schmückt! José erzählt mir, was es mit Cervantes auf sich hatte.

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Nachdem Cervantes bereits in mehreren Schlachten für den spanischen König gekämpft und in Lepanto dabei sogar einen Arm verloren hatte, arbeitete er als eine Art Steuereintreiber für die Regierung. Angeblich kam er in dieser Funktion dann auch nach Vélez-Málaga, um dort Abgaben einzusammeln, die die Stadt dem Herrscher schuldete. Doch die Kassen waren leer. Soweit schien das kein Drama gewesen zu sein. Cervantes kam einfach ein paar Wochen später wieder. Da die Stadtväter den geschuldeten Betrag jedoch noch immer nicht zusammengekratzt hatten, stellten sie ihm einfach einen Schuldschein aus. Als der große Dichter das Dokument dann in einer Bank vorlegte, behielt der Bänker das Geld jedoch ein. Bis heute weiß man nicht genau, was passiert war. Fest steht nur, dass Cervantes der Unterschlagung beschuldigt wurde. Er war seinen Job los und landete – mal wieder – im Gefängnis.

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Einer ganz anderen Persönlichkeit ist eine Ausstellung im Rathaus, einem hübschen alten Palast, gewidmet: Die in Vélez-Malaga geborene Philosophin und Vordenkerin Maria Zambrano war eng mit vielen spanischen Dichtern und Denkern der Generación 27 befreundet und arbeitete u.a. mit José Ortega y Gasset zusammen. Unter der Herrschaft des Franco-Regimes musste Maria Zambrano ihre Heimat verlassen und ging ins Exil. Viele Jahre lebte sie in den USA, in Kuba und in Italien, von wo aus sie den Kontakt zu Künstlern und Philosphen in der Heimat pflegte. Die kleine Ausstellung in den oberen Räumen des Palasts zeigt die Stationen ihres Lebens. Und sie liebte Katzen, so viel sehe ich auf den ersten Blick. Nach ihrem Tod wollte die große Denkerin hier in Vélez-Málaga begraben werden, unter einem Limonenbaum.

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Info Vélez-Málaga

Ermita de la Virgen de los Remedios
Cerro de San Cristóbal
29700 Vélez-Málaga
Website: www.velezmalaga.es

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Maurische Burg: La Fortaleza o Alcazaba
Anfahrt über die Carretera del Polideportivo Fernando Hierro, Carretera de Arenas

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Der Angriff auf Rey Fernando II wird nicht nur in Bildern dargestellt. Auch das Wappen der Stadt Vélez-Málaga erzählt diese Geschichte:

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Maurischer Bogen: Arco Mihrab
Plaza de la Gloria, 2
29700 Vélez-Málaga

Maria Zambrano
Palacio del Marqués de Beniel
Dirección: Plaza del Palacio
29700 Vélez-Málaga

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Casa Cervantes
C/. San Francisco, nº 20
29700 Vélez-Málaga
Website: www.velezmalaga.es

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Dieser Artikel entstand im Rahmen einer kleinen Rundreise durch die Axarquía, zu der ich von APTA-AxarquíaCostadelsol eingeladen wurde. Mein Guide hieß übringens nicht José, sondern hatte einen langen komplizierten Doppelnamen, den ich mir die Freiheit genommen habe, hier mit José zu ersetzen.  😉 

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