Verschneite Ostern in Prag

Nun hat es mich doch noch erwischt. Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel. In Prag ist noch Winter. Dabei ist die ganze Stadt so niedlich österlich geschmückt. Überall hängen bunte Ostereier und kleine Hasen lugen aus bunten Blümchen hervor. Aber es gibt hier noch etwas, dass ich schon in Brno gesehen habe: Peitschen. Mit hübschen Schleifchen in bunten Farben an einem Ende sind es doch Peitschen, die da an den Osterständen verkauft werden. Die jungen tschechischen Frauen werden zu Ostern von den Männern mit diesen Peitschen sanft auf den Popo gehauen. Das soll für die Fruchtbarkeit gut sein. Ein merkwürdiger Brauch. Wie gut, dass ich schon zwei Kinder habe.

Osterei Prag

Die Prager Burg

wachwechsel Prager burg

Kurvige Straßen führen nach oben, auf den Hradschin, den Berg auf dem die Prager Burg steht. Eiskalter Wind weht uns um die Nase. Zum Glück hat wenigstens der Schnee aufgehört. Dick eingehüllt in unsere Jacken und Mäntel, die Kapuzen über die Ohren gezogen, laufen wir über den Platz vor der Burganlage. Gerade als wir ankommen, findet ein Wachwechsel statt. In Athen habe ich auch so einen aufwendigen Wechsel der Soldaten gesehen. In Griechenland war es aber noch viel spektakulärer :-). Wir gehen über eine Art Vorhof und stehen plötzlich direkt vor der Kathedrale. Von außen konnte man sie kaum sehen, dabei ist sie riesig groß. Mächtig beeindruckend wirkt der Veitsdom, diese gotische Kirche, die wohl die größte im ganzen Land ist.

Prager Burg Veitsdom Kathedrale

Kathedrale Prag Burg

Um zum Goldenen Gässchen zu gelangen, müssen wir einmal quer über das gesamte Geländer der Burg laufen. Dabei kommen wir auch am königlichen Palast, der heute der Sitz des Präsidenten ist, vorbei. Eines dieser vielen, vielen Fenster ist eng mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges verbunden. Damals warfen protestantische Böhmen ihre katholischen Landesherren kurzerhand aus dem Fenster. Der “Prager Fenstersturz” war der Beginn des drei Jahrzehnte andauernden Krieges, der ganz Europa verwüstete. Welches der Fenster das aber nun gewesen sein mag, kann ich nicht erkennen. Vielleicht eines auf der anderen Seite des Palastes, wo es tiefer den Abhang runter geht. Obwohl, damals haben die das ja alle überlebt. Was ich jedenfalls bisher nicht gewusst habe, ist, dass Defenestration schon im Mittelalter ziemlich häufig vorkam. Allein in Prag gab es zwei “berühmte” Fensterstürze, den von 1618 und einen anderen, schon zweihundert Jahre früher, nämlich 1419.

Goldenes Gässchen Prag Kafka

Die kleine Goldene Gasse (Zlatá ulička) kostet Eintritt. Nur durch ein Drehkreuz können wir den schmalen Weg mit den bunten Häusern betreten. In der Hausnummer 22 hat Franz Kafka ein Arbeitszimmer gehabt. Ursprünglich sollen in den winzig kleinen Häuschen die Burgwachen gelebt haben, später zogen dann Goldschmiede hier ein. Zu der Zeit als Kafka ein Arbeitszimmer in der kleinen Gasse (Nummer 22) hatte, war es jedoch keine “gute” Adresse mehr. Die Gegend galt als ärmlich und herunterkommen. In einem der Häuslein muss früher einmal eine Wahrsagerin gelebt haben. Die drei Zimmer, aus denen das Haus besteht, kann man sogar betreten. Die meisten der winzigen Räume in der Goldenen Gasse werden heute von Souvenirverkäufern und ihren Kunden bevölkert. Richtige Bewohner gibt es hier gar nicht mehr.

Franz Kafka goldenes Gässchen Prag

goldenes gässchen Prag

Uns ist es heute definitiv zu kalt auf dem Prager Burgberg. In einem kleinen Café schlürfen wir noch einen warmen Kakao und genehmigen uns ein Stück Kuchen – trotz der Preise. Bevor wir die Burg wieder verlassen, zeigt Stanislav uns noch eine Ecke, von der aus man die Karlsbrücke in ihrer ganzen Länge bewundern kann. Da gehen wir jetzt runter.

Karlsbrücke Prag

Richtung Karlsbrücke

Über eine Straße namens Nerudova machen wir uns auf den Weg zur Karlsbrücke. Die alten Häuser sind echt schön. Relativ diskret verteilen sich die Läden, die handgeschnitzte Puppen, Marionetten, den kleinen Maulwurf Krteček oder böhmisches Glas verkaufen, auf die historischen Gebäude. Falls ich Andenken kaufen wollen würde, würde ich das wohl hier tun. Will ich aber nicht.

Puppen Tschechien Prag

nerudova prag strasse

Stanislav zeigt mit dem Finger auf drei sich kreuzende Violinen, die direkt über der Tür einer Hauswand die Fassade verschönern. “Hier muss früher ein Geigenbauer oder ein Geiger gelebt haben”, behauptet er. “Bevor die Hausnummern eingeführt wurden, eine Erfindung Napoleons übrigens, kennzeichnete man die Häuser meist durch kleine Bilder oder Tafeln, die auf die Berufe der Bewohner hinwiesen.” Das kenne ich aus Katalonien! Bei uns im Dorf gibt es ein paar alte Häuser, die eine Schere in die Fassade geritzt haben oder bunte Kacheln, auf denen verschiedene Handwerke dargestellt sind.

Geigen statt hausnummern Prag

Plötzlich entdeckt meine Nase etwas zu essen: Trdelnik. Es riecht himmlisch nach Zimt! Magisch angezogen muss ich mir sofort so ein duftendes Ding kaufen. Es ist warm, es ist rund und es ist köstlich. Der Kuchen mit dem unaussprechlichen Namen wird auf drehenden Grillspießen gebacken. Es sieht wie eine Mischung aus Stockbrot und Hähnchen am Spieß aus. Aber hier ist es eben ein Kuchen, tausendmal leckerer und süß. Noch während ich esse, weiß ich, dass ich dieses baumkuchenartige Gebäck vermissen werde. Als ich Stanislav ganz begeistert und kulinarisch beglückt frage, ob ich so ein Trdelnik auch in Brno finde, damit ich es dann vielleicht mit nach Hause nehmen kann, schüttelt er den Kopf. “Nee, die gibt es in Brno nicht. Eigentlich sind Trdelnik nämlich slowakisch. In Mähren habe ich sie jedenfalls noch nicht gesehen.” Oh, Mist!

Trdelnik essen in Prag

Moldau Karlsbrücke prag

Dann sind wir auf der berühmten Karlsbrücke. Ziemlich breit erstreckt sich die Moldau hier zwischen der Burg und Staré Město, der Altstadt Prags.Von einem Ufer zum anderen erheben sich die Heiligenstatuen in den jetzt blauen Himmel, Straßenkünstler musizieren, Andenken werden verkauft und wir laufen mit vielen anderen staunenden Menschen fotografierend über die bestimmt einen halben Kilometer lange Brücke.

Der Heilige Nepomuk ist die älteste und wohl auch die berühmteste Figur auf der Brücke. Ihn anzufassen soll Glück bringen. Aber Nepomuk ist nicht der Einzige, der von den vielen Berührungen schon ganz glänzende Stellen hat. Mir fällt eine Figurengruppe auf, die irgendwie exotisch wirkt, zwischen den ganzen Heiligen, Geistlichen und Marias. Die Männer, die einen Prediger weiter oben stützen, sind afrikanischen oder asiatischen Ursprungs. Ein Blick in den Reiseführer klärt mich auf. Es ist der Heilige Franziskus Xaverius, ein spanischer Priester und einer der ersten “fortschrittlichen” Missionare in Asien. Ihm war es wichtig neue, fremde Kulturen zu verstehen, bevor er ihnen das Christentum brachte. Immerhin.

Nepomuk Karlsbrücke Prag

statuen Karlsbrücke Prag Franziskus Xaver

Altstadt Prag

Von der Burg aus kommend endet die Karlsbrücke in einem Gewirr aus kleinen Gassen und wunderschönen, alten Häusern in der Altstadt Staré Město. Von dem großen Platz, dem Altstädter Ring (Staroměstské náměstí), ist wegen des Ostermarktes nicht viel zu sehen. Jeder freie Meter wird von kleinen Holzbuden, die Andenken, Ostereier oder warmes Essen verkaufen, bedeckt. Die berühmte Astronomische Uhr können wir aber noch sehen. Sie hängt erstaunlich niedrig, nicht auf einem Turm, sondern fast in Augenhöhe am Rathaus.

astronomische uhr prag

Der Himmel zieht sich schon wieder bedenklich zu. Wir wagen uns dennoch weiter, zumindest ins nahegelegene Viertel Josefov wollen wir noch. In diesem Teil der Altstadt befand sich zwischen dem dreizehnten und neunzehnten Jahrhundert das jüdische Ghetto Prags. Heute stehen in der Josefstadt die schönsten und besterhaltenen Jugendstilbauten. Das kommt daher, dass die Häuser, die früher hier standen, so verfallen waren, dass sie Ende des neunzehnten Jahrhunderts fast komplett abgerissen, und das ganze Viertel praktisch neu gebaut wurde. Eigentlich würde ich gern noch in ein Museum gehen, zum Beispiel das von Franz Kafka oder das, des tschechischen Jugenstilkünstlers Mucha. Jede Menge Mucha-Postkarten mit Motiven der Belle Epoque habe ich schon gesehen, aber für ein Museum bleibt mal wieder keine Zeit. Weder für Kafka noch für Mucha.

eingang jüdischer Friedhof Josefstadt Prag

Eingang Jüdischer Friedhof

synagoge jüdisches Viertel Prag

Zum Glück finden wir die Synagoge ziemlich schnell. In Prag sind die Entfernungen nicht so groß und die meisten Sehenswürdigkeiten sind locker zu Fuß zu schaffen. Jedenfalls hier im Zentrum. In einer Seitenstraße liegt auch der jüdische Friedhof. Leider ist der Eintritt ziemlich teuer und die Warteschlangen sind richtig lang. Schade. Von draußen versuchen wir einen kleinen Blick zu erhaschen. Michi meint “Die Armen! Die Toten müssen hier ja senkrecht begraben worden sein, so eng wie die Grabplatten aneinander stehen.” Stimmt. Jetzt wo er es sagt, fällt mir das auch auf. Meine Güte, es muss ziemlich voll sein, da unter der Erde.

jüdischer Friedhof Prag

Kurz bevor wir an unserem Prager Zuhause ankommen, und endlich die Füße ein wenig hochlegen können, will Stanislav mir noch etwas zeigen. Unsere Wohnung ist nur wenige Schritte von einem Kino entfernt. Lucerna sei das älteste Kino der Welt, meint er. Oder vielleicht Tschechiens? Wie dem auch sei, hier laufen seit 1907 bis heute bewegte Bildchen über die Leinwand. Beeindruckend. Das “Lucerna” ist aber auch eine Art Galerie, wenn auch eine, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Ganz hinten hängt Wenzel als Reiterstatue unter der Decke. Aber etwas ist verkehrt: Das Pferd ist falsch herum! Dieses Kunstwerk ist eine Parodie der imposanten Reiterstatue des Heiligen Wenzel, die nur ein paar Hundert Meter weiter, auf dem Wenzelsplatz steht. Der tschechische Künstler David Černý hat noch mehr witzige, schräge und provozierende Werke hier in Prag aufgestellt (“Die verrückte Kunst des David Cerny in Prag” auf dem Reiseblog Rooksack). Bei meinem nächsten Besuch werde ich mich garantiert auf die Suche danach machen!

david cerny Prag Wenzel Reiter Pferd falsch herum

Nützliche Infos:

Prager Burg/ Pražský hrad :
Wir haben por Kopf 250 Kronen (umgerechnet 9 Euro) Eintritt von gezahlt. Es gibt aber verschiedene Tarife, je nachdem was man alles sehen will. Wenn man weder in die Kathedrale, noch ins Goldene Gässchen will, also nur über den Burgberg schlendern, kostet das gar nichts.
Website:  www.hrad.cz

Mivos Prague Apartments : 
Unserer Unterkunft in Prag kann ich nur empfehlen. Vom Bahnhof aus haben wir nur 15 Minuten gebraucht, um hierher zu laufen. Das Apartment ist der Hammer. Eine richtig schöne Altbauwohnung, frisch renoviert, hell, mit Holzfußboden, Küche, Bad (Duschzeug, Handtücher, Fön vorhanden), Wohnzimmer mit Fernseher, WIFI, etc. Und das Apartment liegt total zentral, ganz in der Nähe des Wenzelsplatzes. Bis zum Staroměstské náměstí, dem Marktplatz in der Altstadt, sind es auch nur rund zehn Gehminuten.

Adresse: Štěpánská 51, Prag
(keine eigene Website, aber über diverse Plattformen buchbar. Robert, von Mivos-Apartments, erwartet uns in der Wohnung, weist uns in alles ein, spricht prima Englisch und gibt gute Tipps für den Aufenthalt in Prag!)
günstiges apartment Prag Zentrum

Sonst so: In Prag ist alles etwas dreimal teurer als im Rest des Landes: Eintritt, Essen, Getränke, einfach alles. Bzw anderes herum betrachtet sind die Preise in der Hauptstadt nicht viel anders als im Rest Europas. Verlässt man aber Prag und begibt sich auf die Dörfer, fallen die Preise erstaunlich. Ein großes Bier gibt es kostet meistens nicht einmal einen Euro.

osterei Tschechien Ostern in prag

ostern in Prag

ostern Tschechien goldenes gässchen

Ostereier in Prag Ostern Tschechien

kurz vor der Karlsbrücke Prag

blick von der Karlsbrücke auf Altstadt Prag

4 Comments

  • Tolle Eindrücke. Prag wollten wir auch jetzt am Ende April machen, haben aber keinen billigen Flug mehr bekommen. so wird es Dresden mit dem Auto. Prag wäre auch nicht weiter, aber in fremden Land mag ich nicht so gerne mit dem eigenem Auto (tagelang auf der Straße parken lassen).
    Hier hat es vor 3 Tagen auch geschneit, heute ist endlich schön!
    Liebe Grüße

    • Prag ist echt klasse, zu jeder Jahreszeit! Jetzt habe ich noch Budapest auf meiner Liste an Städten, die ich unbedingt noch sehen will 🙂

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