Zweimal Blick aufs Meer

Zweimal Meerblick, zweimal Leuchttürme an einer stürmischen Küste, zweimal geht es um Frauen in einer Kleinstadt. Auch wenn Titel und Cover dieser beiden Bücher auf den ersten Blick vieles gemeinsam haben, verstecken sich dahinter ganz unterschiedliche Erzählwelten.

bretonisch mit meerblick

Bretonisch mit Meerblick

Das Buch „Bretonisch mit Meerblick“ hat mich zum Schmunzeln gebracht. Die Autorin Gabriela Kasperski lässt eine Mittvierzigerin einfach so in die Bretagne plumpsen. Der sturmumtoste Leuchtturm auf der Umschlagseite erweckt im Kopf sofort Bilder von der rauen Küste. Schon der Name der Region “Bretagne” klingt doch irgendwie wildromantisch, abenteuerlich und natürlich auch irgendwie französisch, aber auf die bretonische Art eben.

Die schweizer Buchhändlerin hat dort überraschenderweise ein Haus geerbt. Also hat sie sich auf den Weg an diesen westlichen Zipfel der Atlantikküste gemacht, um ebendieses Haus zu verkaufen. Dabei gerät sie allerdings, wie kann es anders sein, mitten in die Intrigen und Verwicklungen, die es in kleinen Dörfern auf dem Lande eben so gibt. Das ist in der Bretagne offenbar nicht anders als in Untertupfingen. Grob gesagt, gibt es im Dorf zwei Fronten. Die einen wollen den Ort gern moderner gestalten, die anderen wollen, dass alles so bleibt wie es gestern war. Tereza Berger bahnt sich durchaus selbstbewusst ihren Weg durch diese Dorfbeziehungen und verliebt sich schließlich doch in den kleinen Flecken und (Achtung Spoileralarm!) verkauft am Ende das Haus dann doch nicht.

In „Bretonisch mit Meerblick“ geht es um starke Frauen, um Bücher, um Männer und um Schokolade. Das Buch ist locker zu lesen, keine tiefgründige Literatur, sondern ein leichtes Buch für den Sommerurlaub, perfekt für die Hängematte.

Bretonisch mit Meerblick
Autorin: Gabriela Kasperski
Emons Verlag
ISBN-13: 978-3740807962

lesetipp blick aufs meer

Mit Blick aufs Meer

“Mit Blick aufs Meer” spielt auf der anderen Seite des Atlantiks, an der Nordostküste der Vereinigten Staaten in einer Kleinstadt in Maine. Eigentlich ist das Buch von Elizabeth Strout eine behutsam erzählte Ansammlung unterschiedlicher, individueller Lebensgeschichten. Die Autorin hat ganz genau beobachtet und mitgefühlt. Ihre Geschichte ist kein Abenteuerroman und auch kein Krimi. Sie handelt von Menschen, die auf den ersten Blick ein einfaches, ruhiges Leben führen und doch bei näherem Hinsehen all die kleinen und großen Dramen mit all den Höhen und Tiefen des Menschseins durchleben.

Zusammengehalten werden diese einzeln Schicksale von Olive, einer recht burschikos, robust veranlagten und praktisch funktionierenden Mittfünfzigerin, die mit dem Erreichen der Wechseljahre immer spröder wird. Erst mit zunehmendem Alter und dem Verlust ihres Mannes lernt Olive die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Ein Buch das ganz genau hinguckt, das den Blick hinter die Fassade zu werfen wagt und zeigt, was uns Menschen so menschlich macht. Das Leben ist nicht gerecht. Es ist unfair und wer etwas anderes hofft, ist naiv. Aber irgendwie ist es auf eine unerklärliche Weise auch wunderschön.

Obwohl weite Strecken des Buches den Leser eigentlich traurig stimmen müssten, so wird man doch eher weich, versöhnt sich mit dem schroffen Leben und lernt sogar die anfangs wenig sympathische Olive am Ende richtig zu mögen. Schön!

Mit Blick aufs Meer
Autorin: Elizabeth Strout
(Originaltitel: Olive Kitteridge, übersetzt von Sabine Roth)
btb Verlag
ISBN-13: 978-3442742035

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