Die Wasserfälle von Iguaçú – Hello from the other side

Iguaçú oder Iguazú? Wie lange habe ich mich gefragt, wie man das richtig schreibt. Erst in Curitiba wird mir klar, dass beides stimmt: Die erste Schreibweise ist Portugiesisch und die zweite Spanisch, denn die Wasserfälle befinden sich genau an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien. Paraguay ist übrigens auch ganz in der Nähe, hat aber keinen eigenen Zugang, ein paraguayisches Iguazú gibt es also nicht. Bevor jedoch Spanier und Portugiesen diese Landschaften entdeckten, lebten hier bereits die Guaraní und die Tupi, indigene Bevölkerungsgruppen, die den Wasserfällen ihren Namen gaben: Yguazu, was auf Guarani passenderweise „großes Wasser“ bedeutet.

Bei den Iguazú Wasserfällen wird immer von den „beiden Seiten“ geredet, der brasilianischen und der argentinischen. Die meisten Leute, die ich getroffen habe meinten, die argentinische Seite sei besser. Ich bin gespannt und will mir das selbst ansehen.

iguazu wasserfälle argentinien

Iguaçú – die brasilianische Seite:

Als ich von Curitiba aus nach Foz d’Iguaçu komme, bin ich also zunächst noch in Brasilien. Noch am Flughafen hole ich mir gleich ein paar Pesos, denn ich habe gelesen, dass man auf der argentinischen Seite keine brasilianischen Reais annimmt, und der einzige Geldautomat sei erst hinter den Eingangsschaltern. Ich tausche genau den Betrag, den der Eintritt kostet, in Pesos um, und fahre dann gleich mit dem Taxi direkt zum Park. Die Fahrt zu den Wasserfällen dauert nur ungefähr sieben Minuten. Dort treffe ich zwei Studentinnen aus dem Allgäu, eine zukünftige Architektin und eine zukünftige Sozialpädagogin. Ich hake mich bei den beiden ein und wir machen uns zusammen auf den Weg. Die beiden haben gerade Semesterferien und sind ähnlich wie ich auf einer Rundreise durch Brasilien. Auf der argentinischen Seite waren sie gestern schon und schwärmen davon. Aber nun sind wir erst einmal hier auf der brasilianischen Seite, von der aus man angeblich einen schöneren Blick auf die Iguazú Wasserfälle haben soll.

iguazu wasserfälle 4
Und in der Tat sieht man von hier aus alle Wasserfälle nebeneinander. Als wir der Garganta del Diablo, also des Teufels Rachen, immer näherkommen, fängt es an zu nieseln. Aber es ist gar kein Regen, sondern das Wasser der Wasserfälle, das mit so viel Wucht in die Tiefe fällt, dass es bis zu uns spritzt!

iguazu wasserfälle 3

Und dann stehen wir genau vor dem Rachen des Teufels, der Garganta. Ein Steg läuft vor dem Wasserfall über den Fluss. Ein paar chinesische Touristen entscheiden sich, einen dieser Ganzkörperkondome-Regenmäntel zu kaufen, um nicht nass zu werden. Als wir sehen, wie klitschnass die anderen, die es ohne Regenzeug gewagt haben, zurückkommen, überlegen wir auch kurz, so etwas zu kaufen. Aber dann gehen wir doch ohne. Wenn schon denn schon. Und dann stehen wir da, mitten im Rachen des Teufels.

iguazu wasserfälle 2

iguazu wasserfälle 5

iguazu wasserfälle 6
Im Bus zurück in die Stadt sehe ich die beiden Allgäuerinnen dann zum letzten Mal. Wir verabschieden uns und ich muss mein Hotel suchen. Das ist zum Glück relativ einfach, denn das Gebäude ist riesig und nicht zu verfehlen. Von meinem Zimmer aus kann ich Paraguay aus dem Fenster sehen. Direkt hinter dem Fluss, – ist das der Iguazú oder der Paraná? – am anderen Ufer, das ist schon Paraguay!

Iguazú – von der argentinischen Seite:

Am nächsten Tag futtere ich mich gemütlich durch das Frühstücksbuffet, checke aus und frage an der Rezeption nach dem Bus auf die argentinische Seite der Wasserfälle. An der Bushaltestelle angekommen, geht die Straße auf der einen Seite nach Paraguay, in der anderen Richtung geht es nach Argentinien. So weit, so gut. Aber als ich an dem Busfahrplan den richtigen Bus suche, verzweifele ich fast. An der Rezeption hatte man mir gesagt, ich solle den grünen Bus nehmen, aber die Busse sind hier alle grün! Ein alter Mann, der mir meine Verzweiflung wohl angesehen hat, hilft mir schließlich weiter. Danke!

An der Grenze angekommen, kriege ich gleich einen Stempel in meinen Pass. Wäre ich länger als einen Tag in Argentinien geblieben, hätte ich mich aus Brasilien aus- und später wieder einstempeln müssen. Aber ich will ja nur heute, nur einmal auf die andere Seite. In Argentinien habe ich endlich keine Verständigungsprobleme mehr. Mittlerweile komme ich zwar auch auf Portugiesisch klar, aber hier sprechen ja alle Spanisch!

Statt mit dem Bus geht es hier mit einer kleinen Eisenbahn weiter. Ich fahre direkt zur Garganta. Tucka-tucka, tucka-tucka rattert die kleine Lok gemütlich. Neben mir sitzt ein älteres, meiner Vermutung nach, neuseeländisches Paar, das sich von einem Guide beguiden lässt. Die Reiseführerin erzählt gerade, wie wichtig es sei, sich alle zwei Stunden mit einem Antimückenspray einzusprühen. Allein in ihrer Familie hätte es schon zwei Fälle von Zika Fieber gegeben. Natürlich habe ich überhaupt nichts dabei, nur lange Ärmel, durch die die Mücken mich hoffentlich nicht stechen werden. Und das bei der mega Hitze.

Argentinien iguazu wasserfälle

Nach der Bahnfahrt geht es einen gefühlten Kilometer zu Fuß über einen Steg weiter, der über den Fluss führt. Dann stehe ich wieder an der Garganta, aber dieses Mal oben drauf! Ich stehe wirklich auf dem Wasserfall drauf. Unter meinen Füßen fließt tonnenweise Wasser mit einer unglaublichen Wucht nach unten. Ein echtes Wunder der Natur! Vor lauter spritzendem und sprudelndem Wasser kann ich den Grund gar nicht mehr sehen! Stattdessen entdecke ich einen Regenbogen. Und das dahinten, das muss der Steg auf der brasilianischen Seite sein, wo ich gestern war!

iguazu wasserfälle Argentinien seite

iguazu am abgrund

Der argentinische Park der Wasserfälle von Iguazú hat im Gegensatz zur brasilianischen Seite, die nur eine Bootssafari anbietet, gleich drei mögliche Wege zu bieten: La Garganta del Diablo, von wo man einen Blick von oben auf die Wasserfälle hat, den Recorrido Superior und einen Recorrido Inferior. Sowohl vom oberen als auch vom unteren Weg hat man eine richtig gute Sicht auf die Cataratas mit vielen Regenbögen. Ich hab sie alle drei abgeklappert, ohne nass zu werden.

Mein Fazit: Ich fand die argentinische Seite von Iguazú besser, weil sie einfach viel größer ist und man dort viel mehr Möglichkeiten hat. Nachdem ich echt alle Wege abgelaufen hatte, taten mir auch langsam die Füße weh, und ich musste auch schon wieder zum Flughafen, zurück nach Curitiba.

argentinische seite iguazu wasserfälle

iguazu Argentinien
wasserfaelle iguazu argentinen unten

Infos zu den Wasserfällen von Iguazú:

Als ich im Februar 2016 dort war, kostete der Eintritt in Argentinien 260 Pesos, in Brasilien 47 Reais. Auf den Webseiten www.cataratasdoiguacu.com.br und  www.iguazuargentina.com findest Du aktuelle Preise, Öffnungzeiten und andere nützliche Infos.

Lina auf der argentinischen Seite der iguazu wasserfälleAuf der argentinischen Seite von Iguazú

iguazu wasserfälle lina brasilienBrasilianische Seite der Wasserfälle Iguaçú

schmetterling

 

6 Comments

  • Hallo,
    Ich bin gerade auf deinen Artikel gestoßen, als ich versucht habe herauszubekommen ob sich an der Geldautomaten Situation etwas geändert hat…
    Ich meine irgendwo mal einen Artikel gelesen zu haben, dass es mittlerweile auf der argentischen Seite doch einen Geldautomaten vor den Kassen geben soll. Hast du das zufällig gesehen?

    • Hallo Zora!
      Das stimmt, ich habe auch gelesen dass es erst nach den Kassen einen Automaten gibt und habe deswegen vorsichtshalber genug Geld für den Eintritt mitgehabt. Als ich dann rausgegangen bin und mir ein Taxi geholt habe, konnte ich den Fahrer nur mit Pesos bezahlen, also musste ich doch an einen Geldautomaten, allerdings bin ich dafür nicht wieder reingegangen. Da war so eine kleine Kabine mit einem Automaten die auch vor der Kasse zugänglich ist. Ich weiss nur nicht, ob der alle Karten annimmt.
      Lina

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