Durch die Souks zum Djemaa el Fna

Laut klingen die Trommeln und die Flöten der Schlangenbeschwörer über den großen Platz. Der Djemaa el Fna ist der bekannteste Platz in Marrakesch und eine Sehenswürdigkeit an sich. Um dorthin zu gelangen, orientiere ich mich an der großen Koutoubia Moschee, die ganz in der Nähe steht, und dann lasse ich mich einfach treiben.

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Koutoubia Moschee

Die große Koutoubia Moschee gilt als Wahrzeichen von Marrakesch. Wir nähern uns von der Seite des Lalla Hasna Parks. Während Mustapha, mein Guide, etwas über einen großen Olivengarten erzählt, der in den fünfziger Jahren von den jungen Marokkanern angelegt worden sei, sind wir auch schon am Turm der Moschee angekommen. Gleich auf den ersten Blick muss ich an die wunderschönen maurischen Bauten denken, die mich in Sevilla so beeindruckt hatten. Prompt bestätigt Mustapha meine Vermutung. Der Giralda-Turm der Kathedrale in Sevilla und das Minarett der Koutoubia Moschee sehen sich verdammt ähnlich.

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Der Name Koutoubia leite sich übrigens vom arabischen Wort für Buch ab und bedeutet so etwas wie Moschee der Buchhändler. Zu der Zeit, als die Moschee im zwölften Jahrhundert gebaut wurde, war sie nämlich noch ringsum von Buchhändlern umgeben. Die sind heute allerdings längst weitergezogen.

Wie die christlichen Kirchen im Mittelalter hatten die Moscheen in der islamischen Welt eine zentrale Bedeutung in fast allen Lebensbereichen. Hier trafen sich die Menschen, beteten und tauschten Neuigkeiten aus. Als Zeichen der Erneuerung und Symbol ihrer Herrschaft war es daher für die Kalifen wichtig, die alten Moscheen ihrer Vorgänger einzureißen und neue, größere an ihre Stelle zu setzen.

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Zu den goldenen Kugeln an der Spitze des Minaretts fällt Mustapha eine Geschichte ein. Der Legende nach hatte eine der Ehefrauen des Kalifen während des Ramadans ein paar süße Trauben genascht. Da der Kalif gerade erst an die Macht gelangt war und die Moschee sich noch im Bau befand, spendete sie als Buße für ihre Sünde all ihren Schmuck. Und aus dem Gold seien die Kugeln des Minaretts gegossen worden, sagt Mustapha. Daher hat die Koutoubia Moschee auch nicht drei, wie die meisten Minarette, sondern vier davon.

Die Souks

Die berühmten Souks von Marrakesch grenzen fast direkt an den Djemaa el Fna. Tausende enge Gassen mit unzähligen kleinen Läden, in denen einfach alles verkauft wird, was man sich nur denken kann, erstrecken sich im Herzen der Medina.

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Während ein alter Mann einen hölzernen Karren, voll beladenen mit frischen grünen Kräutern an mir vorbeischiebt, knattern zwei klapprig aussehende Mopeds laut und überraschend schnell durch die Menge. Ein Esel wartet, angebunden und mit gesenktem Kopf, auf seinen Besitzer. Direkt auf dem Weg vor mir stehen Rinderfüße, paarweise zusammengebunden, zum Verkauf bereit. Angeblich könne man daraus einen wunderbaren Kichererbseneintopf kochen behauptet Mustapha. Rohes Fleisch, flatternde Hühner und duftende Gewürze ziehen meine Blicke immer wieder von einem Stand zum nächsten. Auf engsten Raum gibt es so unglaublich viel zu sehen.

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An einer Kräuterapotheke halten wir an. Mustapha überlässt mich dem Apotheker, einem freundlichen kleinen Mann, der sofort mit einer kleinen Verkaufsshow loslegt. In fließendem Deutsch preist der Händler die Vorteile seiner Kräuter und Tinkturen an. Obwohl mir klar ist, dass ich hier einen teuren Touristenaufschlag zahlen werde, lasse ich mich von den charmanten, lustigen Sprüchen des kleinen Mannes einwickeln. Der althergebrachten Kräuterkunde der Berber kann ich nicht widerstehen. Ich kaufe ein kleines Fläschchen von dem berühmten Arganöl und ein Päckchen Nigelle, schwarzen Cumin, den die Marokkaner als traditionelles Heilmittel gegen Migräne, Sinusitis und noch ein paar andere Wehwehchen benutzen. Hoffentlich ist das Arganöl nicht gepanscht. Es riecht jedenfalls sehr lecker.

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Eigentlich könnte ich den ganzen Tag in den Souks verbringen. Doch Mustapha eilt mit uns zum nächsten Viertel. Vorbei an wunderschönen Stoffen und seidenen Tüchern der Färber geht es zu den Silberschmieden. Ohrringe, Ketten, Ringe, Teekannen und märchenhafte Lampen in allen Größen und Formen hängen vor den kleinen Läden. Die Geschäfte selbst bestehen meist nur aus einem winzigen Raum, der so mit Waren vollgestopft ist, dass man ihn kaum betreten kann.

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Feilschen gehört in Marokko zum guten Ton. Das Handeln ist hier Teil des Spiels und besonders in den Souks muss man schon ein wenig Geschick zeigen, wenn man hier etwas kaufen will. Ich bin leider überhaupt nicht gut in solchen Dingen. Eigentlich würde ich hier alles kaufen, die bunten Teegläser, die silbernen Kannen, die schönen Lampen und die ledernen Sitzkissen. Ausnahmsweise ist es mal gut, dass wir wenig Zeit haben, denn die braucht man hier zum Verhandeln. Sonst würde ich sicher mit zwei Koffern mehr Gepäck nach Hause fahren müssen. Den Verkäufern ist schnell klar, dass ich kein potenzieller Kunde bin. Mit einem freundlichen „Non, merci“ gehe ich weiter.

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Auf dem Dach des Maison de Photographie befindet sich ein kleines Café. Dachterrassen sind für mich der ultimative Tipp in Marrakesch. Während die Muezzin gerade lauthals zum Gebet rufen und unten auf der Straße ein Musiker auf seinem Instrument klimpert, bestelle ich mir wieder ein Glas Pfefferminztee und erhole mich hier oben von dem bunten Treiben.

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Karawanserei

Ganz in der Nähe des Djemaa el Fna führt uns Mustapha in eine alte Karawanserei. Früher waren die Karawansereien Raststätten für die Reisenden, erklärt er uns, als wir den kleinen Innenhof betreten. Karawanen, die mit ihren Kamelen durch die Wüste ziehen, gibt es heute längst nicht mehr und viele der alten Berufe seien schon fast ausgestorben gewesen. Erst durch das touristische Interesse an den exotischen alten Traditionen seien die ehemaligen Karawansereien wieder zu neuem Leben erweckt worden. Mittlerweile ergreifen die Einheimischen wieder die alten Berufe, wenn auch manchmal nur, um sie den Besuchern vorzuführen, und verdienen sich als Kunsthandwerker in den alten Karawansereien ihren Lebensunterhalt.  

Auf dem Boden sitzt ein Mann, der gerade dabei ist, mit den Füßen eine Schachfigur zu drechseln. Geschickt dreht und wendet er das kleine Stückchen Holz in seiner Hand. Neben ihm liegen ein paar ausgekochte Tierknochen auf dem Boden. Die traditionellen Handwerker scheinen wirklich alles verwerten zu können.

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Djemaa el Fna 

Es ist schon fast Abend, als ich endlich auf dem großen Platz Djemaa el-Fna ankomme. Um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, gehe ich zunächst in eines der Cafés am Rande des ganzen Trubels. Von der Dachterrasse aus schaue ich bei einem Glas Pfefferminztee fasziniert dem bunten Treiben unter mir zu.

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Tatsächlich versucht einer der Schlangenbeschwörer gerade einem Touristen eine Schlange umzuhängen. Er will den jungen Mann wohl dazu bewegen, ein Foto zu machen, denn damit verdienen die Gaukler hier schließlich ihr Geld. Etwas weiter hinten recken zwei Schlangen gelangweilt ihre Köpfe in die Luft. Obwohl ihr Besitzer so laut trötet, dass ich es bis hier oben höre, sind die beiden wahrscheinlich einfach nur froh, ihre Ruhe zu haben. Schlangen haben ja keine Ohren und immerhin werden sie nicht durch die Gegend geschleift, um vorbeikommenden Passanten umgehängt zu werden.

Die umtriebigen Äffchen hüpfen hingegen ziemlich aufgeweckt durch die Gegend. Weit können sie natürlich nicht kommen, denn die armen Tierchen sind angekettet. Zur Belustigung der Zuschauer sitzen sie auf den Schultern ihres Besitzers, den sie nebenbei zu entlausen scheinen. Mir tun die Tiere leid, doch die Gaukler und Schlangenbeschwörer des Djemaa el Fna sind als immaterielles Welterbe geschützt und gelten als Teil der Kultur.

Ich trinke meinen süßen Tee und warte darauf, dass die Sonne untergeht. Wenn es dunkel wird, sollen auch noch Geschichtenerzähler auf dem Platz erscheinen. Auch wenn ich gar kein Arabisch verstehe, bin ich gespannt.

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Infos zu den Souks und dem Djemaa el Fna:

Djemaa el Fna bedeutet eigentlich so etwas wie Platz der Toten, weil in früheren Jahrhunderten hier auf dem Marktplatz auch die Hinrichtungen stattfanden. Souks oder suqs nennt man im arabischen Sprachraum die Viertel der Händler. Wie in den europäischen Städten im Mittelalter sind auch in den Souks oder suqs die Läden und Werkstätten der Handwerker nach Berufsgruppen sortiert: Es gibt eine Straße der Schmiede, eine der Weber oder eine der Färber, usw.

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Den besten Blick auf Marrakesch hat man wirklich von den Dachterrassen. Egal ob in den Souks oder am großen Platz Djemaa el Fna, überall gibt es Cafés und kleine Riads, in denen man für 10 bis 20 Diram auf der Terrasse sitzen und einen Tee oder eine Limonade trinken kann.

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Maison de la Photographie
Rue Ahl Fes, Medina,
46 Rue Bin Lafnadek
400030 Marrakesh 

Der Eintritt kostet 40 Diram, das Café befindet sich im obersten Stockwerk. Die Fotoausstellung in der Maison de la Photographie lohnt sich anzusehen. Super schöne Bilder in einem alten Gebäude mitten in den Souks.

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Le Gran Balcon du Café Glacier:
direkt am Djemaa el Fna

Die Dachterrasse an sich kostet zwar keinen Eintritt, aber man muss, sobald man die Treppe erklimmt, am Eingang zur Terrasse sein Getränk bestellen und bezahlen. Erst dann darf man sich einen Tisch mit Aussicht auf den großen Platz suchen.

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Zu der Reise nach Marrakesch wurde ich vom Marokkanischen Fremdenverkehrsamt eingeladen. Die hier dargestellten Ansichten geben ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

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