Tauchen auf Malta: Die Madonna von Cirkewwa

Grünes Gras wiegt sich lautlos unter mir im endlos scheinenden Blau des Wassers. Die stille Unterwasserwelt Maltas begrüßt mich wie eine frische Frühlingswiese. Die kleinen Fischlein sind wie fliegende bunte Blümchen zwischendrin. Auch wenn an der Wasseroberfläche heute ein ziemlicher Wind pfeift, ist es hier unten angenehm ruhig. Die Sicht ist unglaublich gut. Bestimmt zwanzig Meter weit kann ich in das tiefe Blau in hineinsehen!

Malta Tauchen auf Malta (Foto by Arkadiusz www.facebook.com/photo4malta)

Unser Dive geht direkt am Ufer los. Ein paar Meter tapse ich tolpatschig mit der schweren Ausrüstung über die rutschigen Felsen, dann habe ich das rettende Wasser erreicht. Mein erster Shore Dive – kein Boot, kein Sprung, keine Rolle, man muss einfach nur ins Wasser gehen.

tauchen auf malta madonna divespot

Immer wenn ich längere Zeit nicht tauchen war, bin ich bei aller Freude und Aufregung kurz vor dem Abtauchen dann doch etwas nervös. Meistens macht sich das in übermäßigem Gequassel bemerkbar, das sich nur abstellen lässt, indem man mir den Atemregler in den Mund schiebt. Ich freue mich total auf den Tauchgang, aber bin bei all den Handgriffen, die einem nach zwei, drei Tauchgängen wieder wie von selbst von der Hand gehen, noch etwas unsicher. Doch das legt sich zum Glück immer schnell. Außerdem bin ich heute mit einem älteren Belgier, meinem Buddy Eric, der nicht nur Tauchlehrer sondern auch Fotograf ist, und natürlich Paul der Diveguide mit den coolen Tattoos, unterwegs. Drei sehr erfahrene Taucher – eine bessere Gruppe könnte ich mir gar nicht wünschen.

Anfangs war ich etwas überrascht, auf dem Parkplatz so viele Kleinbusse der verschiedenen Divecenter zu sehen, die heute alle zu diesem ruhigen Tauchplatz nahe dem Fährableger Richtung Gozo gekommen sind. Aber erstaunlicherweise verläuft sich das Unterwasser sehr schnell, denn wir begegnen nur sehr wenigen anderen Tauchern, und das trotz der mega guten Sichtweite! Paul kennt sich halt prima aus und führt unsere kleine Gruppe auf stillen Wegen durchs Wasser. Das verspricht ein superschöner Tauchgang zu werden.

Zuerst zeigt er uns die Madonna, nach der dieser Divespot benannt wurde. Eine unnahbare, verträumt in die Ferne blickende Madonna thront betend in einer Nische der Felsen. Wie in der Kirche scheint sie würdevoll darauf zu warten, dass die Gläubigen vor ihr niederknien. Ein paar Muscheln und Algen haben hier bereits ein zu Hause gefunden und verleihen der Statue das charmante Aussehen eines lange versunkenen Schatzes. Doch die Wirklichkeit ist viel weniger romantisch, denn die Madonna ist vor einigen Jahren absichtlich hier aufgestellt worden, damit wir Taucher auch was zu gucken haben.

Malta Tauchen auf Malta (Foto by Arkadiusz www.facebook.com/photo4malta)

Weiter geht es an den Felsen entlang, bis wir an eine Stelle des Meeresbodens kommen, an der eine Handvoll Gartenzwerge im Sand stehen! Nan’s Garden, so nennt Eric dieses Plätzchen hier. Was die Taucher alles so anstellen. Versunkene Schiffswracks kenne ich ja, aber Gartenzwerge sind mir bisher unter Wasser noch nicht begegnet. Eine lustige Überraschung.

Natürlich ist das hier nicht die Karibik oder das Rote Meer und es sind relativ wenig Fische zu sehen. Ich weiß nicht, ob es am Wetter, am Tauchspot so nah an den Fahrrinnen der Schiffe oder generell am Mittelmeer liegt. Aber dafür besticht die Unterwasserwelt in Malta durch die Felsformationen, schöne Tunnel, Höhlen, Wracks und die gute Sicht. Und außerdem finden Taucher ja immer irgendetwas Spannendes. Ein paar Fische begegnen uns aber doch. Und die sind auch gar nicht scheu oder ängstlich. Obwohl ich doch viel größer bin, schwimmt ein silbern glitzerndes Etwas von links kommend direkt vor meine Nase. Beinahe wären wir zusammengestoßen! Dabei komme ich doch von rechts und habe Vorfahrt! Doch der kleine Silberling ist so schnell wieder weg, wie er gekommen ist. Ich konnte gar nicht erkennen, was für ein Fisch das nun eigentlich war.

Dann kommen wir zu einer Höhle. Ich folge Paul und dem Belgier ins Dunkle hinein. Den Ausgang sehe ich nicht, und ohne Licht kann ich leider auch nicht erkennen, ob es an den Wänden etwas zu sehen gibt – doch dann kommt der Ausgang in Sicht und ich erkenne kleine bunte Schwämmchen. Nach ein paar Metern sind wir schon wieder draußen. Und mir fällt ein, dass Eric mir ja sein Licht gegeben hat, dass ich am Gürtel trage … hoops

Malta Tauchen auf Malta (Foto by Arkadiusz www.facebook.com/photo4malta)

Malta Tauchen auf Malta (Foto by Arkadiusz www.facebook.com/photo4malta )

Plötzlich deutet Eric auf das Gras unter uns. Er hat einen Skorpionfisch entdeckt und macht mir Zeichen, mich hinter dem drachenartigen Fisch mit den vielen Stacheln zu positionieren. Für ein Foto schwimme ich also ins Gras hinter den Fisch – aber der guckt mich ziemlich grimmig an. Ich will ihn ja nicht verärgern, also komme ich ihm lieber nicht zu nahe. Denn sein Stich soll echt sehr schmerzhaft sein – das will ich lieber nicht ausprobieren. Eric möchte eigentlich, dass ich noch näher rangehe, doch das lasse ich lieber bleiben. Der Skorpionfisch sieht so aus, als fände er dieses Fotoshooting gar nicht lustig und wir wollen ja gute Freunde bleiben. Ihn hat schließlich niemand gefragt, und dabei hatte er sich doch so gut versteckt, um  hier auf der Lauer liegend fette Beute zu machen!

Malta Tauchen auf Malta (Foto by Arkadiusz www.facebook.com/photo4malta )

In zwölf Metern Tiefe kommen wir zu einem L-förmigen Durchgang. Hier fällt das Licht auf rote Korallen am Ausgang dieses kleinen Tunnels. Wunderschön!  Immer wieder treffe ich winzig kleine Fischchen, die mich auf meiner kurzen Reise durch das unendlich Blau begleiten und dann wieder verschwinden. Die Sicht ist wirklich unglaublich hier unten. Selbst in den tieferen Stellen, wenn wir auf zwanzig bis fünfundzwanzig Meter runtergehen. Ich spüre auch keine Strömung, das Meer ist sehr ruhig in dieser geschützten Bucht. Ein wunderschöner Tauchgang, überhaupt nicht anstrengend und mit traumhafter Sicht.

Malta tauchen auf malta blau (Foto by Arkadiusz www.facebook.com/photo4malta)

Doch nach einer Dreiviertelstunde wird mir langsam kalt. Trotz des langen Wetsuites und des Shirts wird es allmählich frisch hier unten. Der Druckmesser meiner Konsole nähert sich den 50 bar. Nun sind wir schon wieder am Ende unseres Ausflugs angelangt. Während Paul und der Belgier noch einen zweiten Tauchgang planen, fahre ich mit Eric zurück ins Divecenter, wo jede Menge Katzen auf uns warten. Nachdem das Material gewaschen und verstaut ist, bleibt noch Zeit, ein wenig mit Ian und Lee zu quatschen, den Besitzern des Divecenters.

katze

Ian ist eigentlich Brite, lebt aber schon seit den neunziger Jahren hier auf Malta. Angefangen hat er als Tauchlehrer, mittlerweile ist er Mitinhaber des Aquaventure Divecenters. „Im Moment ist es noch ruhig“, sagt er „aber in der Hochsaison arbeiten wir hier mit sieben Tauchlehrern, um den Gästen jeden Tag die Unterwasserwelt Maltas zu zeigen.“ Miauend rekelt sich einer der kuscheligen Vierbeiner in der Ecke. „Und die Katzen“, will ich natürlich noch wissen. Was machen so viele Katzen im Dive Center? Offenbar sind sie Lee, der Mitinhaberin, irgendwann einmal zugelaufen. Weil Lee sich so lieb um sie gekümmert hat, sind sie hier geblieben. Mittlerweile sind die flauschigen kleinen Räuber so etwas wie die heimlichen Stars geworden. „Manche Gäste, besonders ein paar ältere Damen aus Russland, kommen zu uns ins Tauchcenter, nur um die Katzen zu füttern!“ berichtet Ian und er klingt schon ein bisschen stolz dabei.

Tauchen auf Malta Katze Aquaventure

Nachdem er mir noch mehr über das Tauchen auf Malta erzählt, ärgere ich mich dann doch ein wenig, dass ich nicht gleich einen doppelten Tauchgang gebucht habe. Dann hätte ich heute noch einen weiteren Spot erkunden können. Ganz in der Nähe soll auch ein Wrack liegen, das ich gern gesehen hätte. Aber Malta ist ja nicht aus der Welt. Ich werde sicher wiederkommen und dann ganz viel tauchen. Aber erst mal geht es zurück ins Hotel, endlich einen heißen Kaffee trinken und ordentlich Frühstücken!

Infos zum Tauchen auf Malta

Tauchplatz: Madonna – Paradise Bay – Cirkewwa
Tiefe: 18 bis 26 Meter
Sicht: 20 Meter

Rund um die Madonna sind nämlich vier verschiedene Dives möglich, je nach Erfahrung der Taucher. Der Tauchspot scheint einer der meist besuchten der Insel zu sein, denn hier gibt es sowohl leichte Ecken für Anfänger als auch anspruchsvolle Dives für erfahrene Taucher. Nicht weit von hier entfernt liegen die Wracks Patrol Boat P29 und Tugboat Rozi auf einer Tiefe von ca. 35 Meter.

by Pinterest Aquaventure Malta

Tauch Center
Aquaventure Ltd
Marfa Road, The Waters
Edge, Mellieha Bay
Ghadira MLH 9065 (Malta)
Auf der Website des Divecenters findest Du Presie und jede Menge Infos zum Tauchen auf Malta:  www.aquaventuremalta.com

Das Team:

tauchen auf malta Paul team aquaventure Paul: Der nette Diveguide mit den coolen Tattoos auf den Muskeln

Tauchen auf Malta aquaventure team ericEric = Arkadiusz

Eric: Heißt eigentlich Arkadiusz, wie ich aber erst später herausgefunden habe. Er kommt ursprünglich aus Polen, wo er schon vor vielen Jahren seine Tauchausbildung gemacht hat. Eric ist also definitiv kälteres Wasser gewöhnt als das hier. Seit ein paar Monaten lebt er nun auf Malta. Überwasser ist Eric übrigens Fotograf! Die UW-Fotos im Artikel stammen von ihm (denn Michi war dieses Mal ja nicht dabei, um Fotos zu machen).

Ian und Lee: Beide sind ausgebildete Tauchlehrer, kümmern sich aber vorwiegend um die Organisation und das Management

tauchen auf malta Lee team aquaventure Lee

tauchen auf malta aquaventure team ianIan

Noch mehr Geschichten über das Tauchen auf Malta findest auf Naninka’s travel spotsMalta-und-Gozo-unter-Wasser Und hoffentlich bald auch hier im Blog, denn ich werde sicher noch einmal nach Malta fliegen, um mir ein paar der Wracks anzusehen.

Hinweis: Zum Tauchen wurde ich von Ian eingeladen. Die hier dargestelltte Meinung ist davon unberührt und beruht wie immer ausschließlich auf meinen persönlichen Eindrücken. Auf Malta war ich mit Laura (herzanhirn) im Rahmen ihres lturblogger-Projekts unterwegs.  

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