Nachts über dem Atlantik

Heute schlafe ich über den Wolken. Ich überquere in der Nacht den Äquator. Unterwegs auf dem Flug der Condor von Frankfurt nach Rio de Janeiro, darf ich eine Flugbegleiterin interviewen und ihr Löcher in den Bauch fragen. Lustigerweise haben wir denselben Vornamen, Nicole. Ich muss sie nur noch finden.

Condor in Rio AirportCondor Maschine am Flughafen in Rio de Janeiro

Während ich am Flughafen in Frankfurt etwas aufgeregt aufs Einsteigen warte, treffe ich ein sehr nettes, älteres Pärchen. Catarina und Nello kommen aus Italien und sind schon oft in Brasilien gewesen. Eine ihrer Töchter lebt dort irgendwo. Wir unterhalten uns in einem lustigen Sprachmix. Nachdem ich die Fotos aller Kinder und Enkel bewundert habe, geht das Boarding auch schon los. Wir tauschen noch schnell unsere Telefonnummern aus und verabreden, uns später in Rio zu treffen.

Ich sitze in der ersten Reihe hinter der Business Class, ganz vorn in der „Premium Economy“, sodass ich meine Füße ausstrecken kann. Super! Das italienische Ehepaar sitzt drei Reihen hinter mir.

condor premium economy

Bevor ich Nicole, die Purserette, interviewen kann, hat sie zunächst aber noch alle Hände voll zu tun. Sie muss sich um die Koordination von Catering, Security, Rampe, Cockpit, also eigentlich um alles kümmern, was mit der Kabine zusammenhängt, denn bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Um als Purser auf einem Flug zu arbeiten, reicht eine langjährige Erfahrung als Flugbegleiter allein nicht aus. Man muss schon eine gesonderte Ausbildung machen. Nicole hat diese Ausbildung vor über zwanzig Jahren gemacht und managt seither bei Condor alles, was auf ihrem jeweiligen Flug eben so zu managen ist.

Nicole, Purser bei Condor:

Während Nicole also noch richtig viel zu tun hat, sehe ich mir den Film mit den zwei blauen Ara Papageien an, „Rio 2“. Wie passend. Als alle Fluggäste gegessen haben und viele längst schon süß träumen, kehrt etwas Ruhe ein und Nicole hat einen Moment Zeit für mich. Sie lädt mich ein, hinter den geheimnisvollen Vorhang zu kommen.

Flug-Condor-Fra-Rio-Purser

„Sehr gemütlich ist es bei uns nicht“, entschuldigt sie sich und bietet mir den einzigen Klappsitz an. Sie selbst macht es sich auf einer Kiste gemütlich. Nicole strahlt fröhlich, auch zu dieser späten Stunde noch. Unglaublich. Sie ist ein offener Mensch und mir auf Anhieb sympathisch.

„Habt ihr eigentlich auf so einem langen Flug nicht auch irgendwann eine Pause?“, platze ich gleich mit meiner ersten Frage raus.

„Doch natürlich.“ Nicole lächelt. „Wir sind sieben Leute in der Kabine und es ist viel zu tun, aber für die Ruhepausen ist gesorgt. Jeder hat zu einer bestimmten Zeit einen Moment, in dem er sich zurückziehen und ausruhen kann. Abwechselnd natürlich. Das ist ganz gerecht geregelt.“

Dann frage ich sie nach Rio de Janeiro, ob sie die Stadt schon kennt. Denn Condor bietet die Strecke nach Rio ja erst seit Kurzem an.

„Ja, ich war vor zwanzig Jahren schon einmal da. Als Rio dann bei uns in den Flugplan aufgenommen wurde, habe ich das gleich als Wunschziel angegeben.“

„Man kann sich als Flugbegleiter die Strecken wünschen, auf denen man arbeitet?“ hake ich nach.

„Naja, ganz so einfach ist das nicht. Man kann einmal in Monat einen Wunsch aussprechen, Request nennt sich das. Und der wird nach Möglichkeit bei der Planung auch berücksichtigt. Dabei spielen dann aber auch Faktoren wie die Menge der Leute, die eine Strecke requesten und die Seniorität, also wie lange ein Flugbegleiter schon dabei ist, eine Rolle. Da ich schon seit fünfundzwanzig Jahren mit Condor fliege, hatte ich also gute Chancen einen Flug nach Rio de Janeiro zu kriegen. Aber nach mir sind jetzt sind erst einmal alle anderen dran, die sich die Strecke auch gewünscht haben und ich muss warten.“

„Dann gibt es also keine feste Crew für eine bestimmte Strecke?“ „Nein, die Crews werden für jeden Flug neu zusammengestellt. Aber auch da gibt es die Möglichkeit, Wünsche anzugeben. Wenn man mit einem bestimmten Kollegen fliegen möchte, klappt das meistens auch.“

„Was hat dir denn an Rio damals am besten gefallen? Hast du einen Tipp für mich?“

„Den Cristo Redentor muss man schon gesehen haben. Der ist wirklich beeindruckend. Ich erinnere mich noch an zwei Nonnen, die neben mir auf der Mauer saßen, als ich dort ein Erinnerungsfoto gemacht habe.“ Nicole lächelt wieder fröhlich bei dem Gedanken. „Und das Cinelandia Viertel hat mir auch total gut gefallen!“

Eine Kollegin schraubt und dreht währenddessen an den Kisten und Kästen hinter Nicole herum. Irgendetwas ist immer zu erledigen. Da wir vorne im Flugzeug sitzen, ist es aber relativ ruhig.

“Die Kollegen im hinteren Teil haben meist wesentlich mehr zu tun. Denn alle Fluggäste, die sich auf dem Langstreckenflug mal eben die Beine vertreten wollen, drehen da ihre Runden, holen sich noch ein Getränk oder stehen einfach zur Abwechslung dort, statt zu sitzen.“

„Habt ihr denn in Rio auch etwas Zeit für Sightseeing oder müsst ihr gleich wieder zurückfliegen?“ will ich wissen. „Nach so einem langen Flug haben wir schon ein paar Tage Pause, sodass auch Zeit bleibt, die eine oder andere Sehenswürdigkeit anzusehen.“

Ich wundere mich, dass Nicole immer noch so frisch ist. „Wie machst du das bloß? Hast du noch einen Tipp, wie man lange Flüge gut übersteht?“

„Thrombosestrümpfe, ein Tipp sind Thrombosestrümpfe. Die gibt es überall. Und möglichst viel die Füße und Beine bewegen. Schultergymnastik hilft auch, egal ob das blöd aussieht.“ Sie macht mir eine Übung kurz vor. Nicole macht privat viel Yoga. Das hilft sicher auch. Ich sollte mehr Sport machen. Beziehungsweise, ich sollte Sport machen, denke ich so im Stillen.

„Du machst deinen Beruf ja ganz offensichtlich immer noch gern, auch nach so langer Zeit. Was gefällt dir eigentlich am meisten?“

„Dass es so abwechslungsreich ist!“, kommt wie aus der Pistole geschossen. „Kein Flug ist wie der andere. Man lernt so viele neue Leute kennen. Besonders dadurch, dass Condor sowohl Strecke als auch Charter fliegt, sind die Fluggäste sehr unterschiedlich. Wir haben ja fast alles dabei, vom Kreuzfahrer, über Backpacker bis hin zu Familien. Je nach Reiseziel sind die Passagiere ganz unterschiedlich. Und das macht es immer wieder spannend.“

Zum Abschluss muss ich ihr die für mich wichtigste Frage stellen. Als ich mich mit Anfang zwanzig auch mal bei einer deutschen Airline als Flugbegleiterin beworben hatte, wurde ich damals abgelehnt, weil ich zu dick sei. Das haben die natürlich etwas formeller ausgedrückt, aber unterm Strich waren meine Fremdsprachen und die kaufmännische Ausbildung offenbar nicht ausreichend. Ich hatte das falsche Gewicht und sollte mich doch gern wieder bewerben, wenn ich drei Kilo abgenommen hätte. So ungefähr. „Gibt es heute noch so eine Gewichtsbeschränkung für Flugbegleiter?“ Nicole muss laut lachen. „Nein, um Himmels willen! Das wäre ja diskriminierend! So etwas gibt es bei Condor nicht.“ Dann bin ich ja beruhigt.

flug condor frühstück

Ich verabschiede mich ganz herzlich von Nicole und kehre zu meinem Platz zurück. Während ich mich in meinen Sessel kuschele und jetzt seelig über den Wolken schlafen werde, ist Nicole immer noch wach und bereitet bestimmt auch bald das Frühstück vor.

Hinweis: Der Flug nach Rio de Janeiro wurde von Condor Airlines unterstützt. Die hier dargestellte Meinung ist davon unbeeinflusst und stellt einzig und allein meine eigenen Ansichten dar.

4 Comments

  • Antworten Januar 27, 2016

    Nord-Peru Reisen

    Ich bin überzeugt, dass für die Stewardessen ständig viel zu tun ist. Mir ist ja schnell langweilig beim Fliegen, aber die Armen müssen immer für die Gäste da sein. Da braucht’s wirklich viel Motivation und gute Laune.

    • Januar 27, 2016

      ninotsch

      Das ist sicher ein Job, den man nur aus „Berufung“ und mit echter Freude machen kann, sonst bleibt man bestimmt nicht so lange dabei :-)

  • Antworten Januar 24, 2016

    Christine

    Heute würdest Du abgelehnt werden, weil sie Angst hätten, Du Federgewicht fliegst weg…..

    • Januar 24, 2016

      ninotsch

      Haha! Nee der Witz ist, dass ich damals original genauso viel gewogen habe wie heute! :-)

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