Drei Tage Estland: Tallinn Tipps zum Verlieben (1)

Tallinn ist echt der Hammer. An unserem ersten Tag machen wir uns gleich auf den Weg in die Altstadt. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, während wir durch die mittelalterlichen Gassen schlendern. Alte Gebäude erinnern an die Zeit der Gilden und der Hanse. Da gibt es die Olde Hansa oder den Peppersack. Fast wie in Hamburg! Tallinn hat im Mittelalter offenbar auch zur Hanse gehört. Wusste ich gar nicht. Bis ins neunzehnte Jahrhundert war Deutsch sogar eine Amtssprache. Die Händler und auch die deutschen Kaufleute hatten viel Einfluss in Tallinn und bildeten eine mächtige Oberschicht. Damals hatte die Stadt sogar einen deutschen Namen (Reval) und es wurde nach den Lübecker Gesetzen Recht gesprochen. Irgendwie spielten auch die Vitalienbrüder, eine Gruppe Freibeuter und Kaperfahrer aus der Ostsee, eine Rolle in der Geschichte Tallinns. Ich bin echt neugierig geworden und werde mich da noch mal tiefer einlesen, später, zu Hause.

(Achtung – jetzt kommt viel Text und richtig viele Fotos!)

Tallinn Tipps mittelalterliche Hanse Altstadt

Tallinn Tipps Altstadt Peppersack

Talinn Katharinengang

tallinn alte stadtmauer

Tallinn Tipps Giebel Altstadt

Es dauert nicht lange, da stehen wir vor dem Haus der Bruderschaft der Schwarzhäupter. Eine deutsche Gilde junger Kaufmannsgesellen – alle unverheiratet! – hatte hier als Schutzheiligen den schwarzen Mauritius an ihrer Türe verewigt. Sehr ungewöhnlich. Diese Stadt wird immer interessanter.

Tallinn Sehenswürdigkeiten Tür Bruderschaft der Schwarzhäupter

Tallinn Tipps Bruderschaft der Schwarzhäupter

Direkt gegenüber der Bruderschaft machen wir in einem kleinen Restaurant Halt. Der Kellner im Intermezzo Restoran ist tierisch nett. Als er mitkriegt, dass wir aus Barcelona kommen, gibt er sofort zu, dass er selbst Madrid-Fan ist,  erklärt aber gleich, dass sein kleiner Bruder ein echter Barça-Fan sei. Auf seine Empfehlung hin probiere ich die estnische Version eines Irish Coffee. Im Prinzip geht die genauso, wie das irische Gebräu, aber mit einem sehr leckeren estnischen Likör namens Vana Tallinn. Michi testet das Bier aus dem Heimatdorf unseres liebenswerten Kellners und bestellt ein Saku. Schmeckt!

Tallinn Restaurant

Tallinn Restaurant in der Altstadt

Toomppea – der Domberg

Es gibt so viel zu sehen! Jede Ecke ist schön. Entsprechend geht es nur langsam vorwärts. Andauernd müssen wir einfach stehen bleiben und gucken. Irgendwo unterwegs entdeckt Michi dann eine Kirche, in die er unbedingt rein will. Das Betreten der Kirche soll aber Eintritt kosten. Vielleicht später.

Tallinn gassen Altstadt Domberg

Tallinn Sehenswürdigkeiten Weg zum Domberg

Tallinn Tipps Weg zum Domberg

Stück für Stück arbeiten wir uns den Domberg hinauf. Ganz oben protzt eine mächtige orthodoxe Kirche. Eigentlich ist sie sehr schön, aber sonderlich beliebt ist sie bei den Esten wohl nicht, wie ich hinterher nachlese. Die Alexander-Newski-Kathedrale wurde nämlich zu Zeiten der russischen Okkupation genau dort gebaut, wo die Esten eigentlich ein Lutherdenkmal errichten wollten. Da die Kathedrale außerdem noch dem russischen Nationalheiligen gewidmet ist, ist sie sozusagen ein Symbol der Russifizierung, die hier Ende des neunzehnten Jahrhunderts stattgefunden hat. Auf dieses erzwungene Einbringen russischer Traditionen, der russischen Sprache usw. haben die Esten verständlicherweise nicht besonders begeistert reagiert. Vor allem weil gleichzeitig ihre eigene Sprache und Kultur unterdrückt und verdrängt werden sollte. Aber hübsch ist sie irgendwie trotzdem. Ist ja auch ein Teil der Geschichte der Stadt.

Tallinn Sehenswürdigkeiten Alexander Newski Kathedrale

Oben auf dem Burgberg haben wir eine prima Aussicht. Eine Möwe stellt sich fotogen in Pose. Die Kameras, Handys und Tablets klicken um die Wette. Diese Möwe ist sicherlich auf mindestens tausend Instagram Bildern zu sehen! Hier oben kann man auch Reste der Stadtmauer und erstaunlich viele, gut erhaltene Wachtürme erkennen. Die Burg auf dem Domberg (Estnisch: Toompea loss) war so etwas wie der Geburtsort Tallinns. Hier fing einmal alles an.

Tallinn Tipps Aussicht mit Möwe

In der Unterstadt

Als wir wieder in der Unterstadt ankommen, wird es Zeit für eine Tasse Kaffee im Café Josefine. Zuerst habe ich bei Josefine an die Frau von Napoleon gedacht, aber das hier sieht mehr nach Josefine Baker aus. Plüschige Sitzkissen, samtrote Vorhänge und Lampen mit Troddeln sorgen für ein kitschig, fast burleskes Ambiente. Dazu passend ertönen abwechselnd Carla Bruni und ZAZ aus den Lautsprechern. Sehr französisch charmant. Der Espresso ist lecker – der Kuchen auch!

Tallinn Tipp Cafe

Überall vor den Läden stehen merkwürdige Puppen. Manchmal sehen sie mit ihren knallroten Lippen schon leicht aufgedonnert aus, manchmal sind es eher hutzelige, alte Weiblein. Und immer steht da irgendwas mit Lina – so heißt unsere kleine Maus zu Hause. Nach einer Weile kommt Michi dann auf die Idee, dass das wohl das estnische Wort für Leinen (oder Wollsachen) sein muss. Das hätten wir dann ja geklärt.

Irgendwann stehen wir dann vor der Heiligen-Geist-Kirche. Die wollen auch Eintritt haben. Dieses Mal zahlt Michi einen Euro, ich warte draußen und erkundige mich unterdessen nach den Preisen der Fahrradrikschas. Davon fahren nämlich ziemliche viele durch die Gegend. Zwanzig Euro scheint mir dann doch etwas viel für eine Viertelstunde. Aber ich bin auch ziemlich schlecht im Verhandeln. Als Michi aus der Kirche herauskommt, guckt er eher nicht so begeistert. Kann man machen, muss man aber nicht.

Tallinn Sehenswürdigkeiten Heilige Geist Kirche

Tallinn Souvenirs neben der kirche

Direkt gegenüber der Kirche liegt das wohl älteste Café der Stadt. Hier werden Marzipanfiguren noch von Hand bemalt. Ein wahrer Touristenmagnet.

Tallinn Marzipan

Von der Dicken Margarethe aus, dem Festungsturm ganz am Ende der Altstadt, soll man einen fantastischen Ausblick auf den Hafen haben. Also gehen wir dahin. Wir spazieren bis zu einem kleinen Grünstreifen. Dort stehen auch ein Kreuz und ein Denkmal für die Opfer der untergegangen Fähre Estonia. Ist noch gar nicht so lange her. Schrecklich. Plötzlich fährt in der Ferne irgendwo ein großes Etwas an einem Kran in die Höhe. Was ist das denn? Ich zoome mich mit der Kamera heran und kann es gar nicht fassen: ein Restaurant in luftiger Höhe! Himmel, wer macht denn so was?

Tallinn Altstadt Mauer

Tallinn dicke Margarete Estonia Denkmal

Tallinn Restaurant im Himmel

In dem ehemaligen Schutz- und Wachturm befindet sich ein niedliches Maritimes Museum, das wir uns natürlich angucken: alte Rettungsringe, Schiffsmodelle und antike Taucheranzüge. Sogar eine Schiffskabine kann man besichtigen. Im ersten Stock wird ein kleiner Film gezeigt, der die ganze Entwicklung der Stadtmauer und des Schutzturms erklärt. Total gut gemacht. Ganz oben auf dem Dach klappt mir mal wieder die Kinnlade runter. Was für eine Aussicht! Zwei junge Kellner in coolen Unterhemden und mit Hipstermützen verkaufen uns etwas gelangweilt ein Eis. Die beiden sind bisher die ersten und einzigen Esten, die nicht total offen, lieb und nett auf uns zukommen, sondern eher träge ihre Kunden bedienen. Eigentlich sind die Esten nämlich genauso zum Verlieben wie ihr Land. (Naja bisher kenne ich ja nur die Hauptstadt, aber ich werde auf alle Fälle wiederkommen!)

Alle sprechen hier wirklich tierisch gut Englisch, sind herrlich freundlich und das auf eine sehr angenehme, natürliche Art. Im Gegensatz zu vielen Kellnern in Barcelona zum Beispiel, die oft eher genervt von den Gästen wirken, haben sie hier einfach echt noch Spaß daran, anderen Leuten ihr Land zu zeigen.

Tallinn dicke Margarethe turm

Außer uns ist nur ein japanisches Punkerpärchen auf dem Dach. Während sie ihn mit einen Stück Cheese Cake füttert, kann ich mich an dem Blick von hier oben gar nicht sattsehen. Ganz weit hinten auf dem Meer sehe ich sogar eine fette Fähre kommen.

Tallinn Dicke Margarethe Aussicht

Tallinn tipps Blick vom Dach dicke margarethe

Auf dem Rückweg ins Zentrum der Altstadt kommen wir an einem ganz kleinen, unscheinbaren Marzipanladen vorbei. Die Verkäuferin ist total nett und meint, im Keller hätten sie noch ein Museum. Ich gehe runter. Riesige Marzipanfiguren, eine ganze Ausstellung an Torten, Figuren, Köpfen und sonstigen Bauten aus zuckerbäckersüßer Mandelmasse! Ich kann nicht widerstehen und lasse mir oben an der Kasse zwei Stücke einpacken – aber natürlich von den Kleinen.

Am Abend will ich unbedingt ins Manna la Roosa. Das Restaurant sieht von außen schon so unwiderstehlich bunt und verzaubert aus, dass ich mehr als neugierig darauf bin, was es hier zu Essen gibt. Wir setzen uns auf die schöne Terrasse und trinken ein Gläschen Wein. Kirstin, unsere Kellnerin, hat heute ihren ersten Tag und ist ein echter Schatz. Als es etwas kühler wird, bringt sie mir gleich eine Decke und sorgt dafür, dass wir im immer voller werdenden Restaurant – drinnen – noch einen Tisch kriegen.

Auf der Speisekarte steht etwas über die Geschichte des Hauses. Der Name Manna la Roosa geht wohl auf eine geheimnisvolle Kräuterfrau zurück, die hier früher ihre Heilmittelchen unter die Leute gebracht hat.

Tallinn tipps Manna la Roosa

Als wir schließlich reingehen, mixen die zwei Jungs an der Bar gerade schicke Cocktails. Ich werfe einen Blick auf die Flaschen hinter den Bartendern: Die haben hier die allerbesten Whiskys! Das ist ein sicher ein gutes Zeichen!

Wir nehmen an einem der Tische Platz. Kein Tisch ist wie der andere. Und auch keine zwei Stühle sind gleich. Alles ist bunt gemischt: die Möbel, die Lampen und die Wände. Mit hölzernen und schmiedeeisernen Toren werden die Räume ein wenig voneinander abgetrennt. Unser Raum ist mit Alufolie an den Wänden verleidet. Ein roter Samtvorhang, leere Kleiderbügel, ein paar Engelsflügel und ein Rentiergeweih dienen als Deko. Aus einem alten Bilderrahmen guckt mich ein rotnasiger, alter Fischer an. Wir bestellen Borschtsch, Tempura Gemüse und ein vegetarisches Risotto. Moni und Petar, die wir schon beim Frühstück im Hotel getroffen haben, gesellen sich zu uns. Das Essen kommt. Es sieht lecker aus und schmeckt auch so.  Ein sehr netter Abend.

Als wir uns wohlig genährt wieder unserem Hotel nähern, ist die Sonne noch immer nicht untergegangen. Diese Stadt fasziniert mich einfach. Tallinn ist bei uns wirklich Liebe auf den ersten Blick! Allein mit den Bildern aus der Altstadt könnte ich noch zwei Seiten füllen. Dabei waren wir ja auch noch im Rotermann-Viertel, im Katriorg Park und im Freilichtmuseum …

Falls Du mir noch immer nicht glauben solltest, wie schön das hier ist, dann lies doch einfach noch, was andere über Estland schreiben, zum Beispiel hier:

www.reisemeisterei.de

www.travelworldonline.de

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Nützliche Infos zum Nachreisen:

TAllinn Museum dicke Margarethe
Maritimes Museum 

Dicke Margarethe und Seefahrtsmuseum
70 Pikk Street
Tallinn
Website: meremuuseum.ee
Eintritt: 5 Euro

Intermezzo Restoran
Pikk 33
Tallinn
Website: intermezzorestoran.ee

Tallinn Marzipan Werkstatt

Marzipanladen – Sweets House OÜ
Pikk 40
Tallinn 10133
Website  martsipan.ee
Eintritt frei

Café Josephine – Chocolats de Pierre
Vene tn 16
Tallinn
Website www.pierre.ee/josephine

Tallinn Tipps Manna la Roosa
Das kunterbunte Restaurant Manna La Roosa am Rande der Altstadt

Manna la Roosa
Vana-Viru 15,
Tallinn
Website: mannalaroosa.com

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Tallinn Altstadt Haus Fenster

Hinweis: Unser Besuch in Estland war Teil der Citycruise von Helsinki nach Tallinn mit der Tallink Silja Line, zu der wir eingeladen wurden. Vielen Dank für die Fahrt in den hohen Norden und die Übernachtung im Tallink City Hotel! Die hier dargestellte Meinung ist davon unbeeinflusst und selbstverständlich komplett meine eigene.

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