Freilichtmuseum und Kadriorg – Tallinn im Grünen (3)

Nachdem uns die Altstadt und das Industrieviertel in Tallinn schon so gut gefallen haben, machen wir uns auf die Suche nach etwas Grünem. Wir finden einen Park aus der Zeit der Zaren im Osten und ein „Open-Air“ Museum im Westen.

Das estnische Freilichtmuseum:

blick auf Tallinn vom Freilichtmuseum aus
blumen wiese freilichtmuseum tallinn

Im Stadtteil Rocca al Mare gibt es ein Freilichtmuseum. Mit dem Bus fahren wir vom Zentrum aus ungefähr zwanzig Minuten. Dann steigen wir mitten im Grünen aus. Von hier aus fährt ein anderer Bus noch zwei Stationen weiter, bis vor die Tür des Museums. Aber der ist gerade proppenvoll. Wir laufen lieber.

Bereits auf dem Weg zum Museum treffen wir vereinzelte Omis in estnischen Trachten. Die wollen sicher auch dahin. Im Park des Museums angekommen, wimmelt es nur so vor weiten langen Röcken, bunten Mützen und weißen Blusen. Irgendwo in den Tiefen der großen Anlage findet gerade ein Umzug statt. Jedenfalls hören wir die Musik schon am Eingang. Zu sehen ist aber nichts. Die Anlage ist wirklich ganz schön groß. Wir nehmen also eine der zahlreichen Abzweigungen und bummeln los. Es geht durch einen kleinen Wald, der auf eine Lichtung mit drei kleinen Holzhäusern führt. Vorsichtig nähern wir uns dem ersten Häuschen. Die Tür steht offen. Wir gehen rein. Ein leichter Schreck durchfährt mich, als drinnen eine Omi in landestypischer Tracht an einem Tisch sitzt und mich ansieht. Huch! Sie grüßt aber nur freundlich und macht dann ihr Kreuzworträtsel weiter. Aha, jetzt verstehe ich das. Das Konzept ist ganz ähnlich, wie beim Skansen Museum in Stockholm: die alten Häuser sind nicht nur originalgetreu mit alten Möbeln und Kochutensilien etc. eingerichtet, sondern in jeder Hütte wartet ein hilfsbereiter Angestellter des Museums, um den Besuchern nähere Erklärungen zu dem jeweiligen Gebäude, der Zeit und der Gegend aus der es stammt, zu geben.

Tallinn estnisches Freilichtmuseum

Wohnung Estnisches Freilichtmuseum tallinn

Michi ist begeistert. So etwas hat er noch nie gesehen. In Stockholm war ich ja alleine. Er strahlt mich an und ich weiß, es war ein guter Plan, hierher zu kommen. Und dann gucken wir uns neugierig um. Im nächsten Häuschen sind gerade zwei junge Schmiede dabei, etwas zu werkeln und zu hämmern. Feuer gibt es aber leider nicht. Wie Schade.

Wir spazieren fröhlich und entspannt durch den grünen Park. In einem Schulgebäude sind Sitzbänke, Tafeln und alte Landkarten von Estland aufgebaut. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie ein Haufen Kinder hier auf den Bänken geschwitzt hat. Mädchen mit braven Zöpfen, Jungs, die sich hinter dem Rücken des Lehrers mit Papierkugeln und selbstgebastelten Zwille beschießen.

Im Schulgebäude befindet sich auch eine Wohnung. Wie in Schweden, haben die Lehrer offenbar früher direkt in der Schule gewohnt.

Besonders nett ist ein kleiner Kolonialwarenladen. Die Verkäuferin hinter dem Tresen erklärt uns, was die Leute früher so gekauft haben. Es gibt neben Eimern, Töpfen, Pfannen, Stoffen und anderen nützlichen Dingen auch Leckereien wie Schokolade, Bier und exotische Gewürze.

Tallinn Freilichtmuseum Laden Fenster

Antiker Laden Freilichtmuseum Tallinn

Laden Freilichtmuseum tallinn

Irgendwo im Zentrum des Parks befindet sich eine “Gastwirtschaft”, ein Restaurant mit Tanzdiele. Während wir es uns auf einer der Holzbänken draußen gemütlich machen, erklingt Musik. Eine Gruppe junger Leute tanzt, dass die Dielen knarren. Natürlich tragen sie estnische Trachten und haben richtig Spaß am Wirbeln, Hüpfen und Drehen. Die Stimmung ist ausgelassen, denn die Zuschauer sind sofort begeistert von der ansteckend guten Laune der Tanzenden.

Natürlich müssen wir auch das traditionelle estnische Essen probieren. Michi bestellt eine Suppe, eine Art Eintopf mit unaussprechlichem Namen, ich eine Brotsuppe. Beim Löffeln stelle ich fest, dass der Brei in meinem Napf kalt und süß ist, statt heiß und salzig, wie erwartet. Es sieht zwar ein wenig aus wie matschige, braungraue Pampe, aber es schmeckt wie Apfelmus mit etwas Nussigem. Überraschenderweise ist es sogar richtig lecker! Michi sagt, sein Eintopf schmeckt nach … Eintopf eben.

süsse brotsuppe Freilichtmuseum Tallinn

Estnischer Eintopf Freilichtmuseum tallinn Tipps

Wir bummeln noch eine ganze Weile durch das Museum und genießen den warmen Sonnenschein im Grünen. Auf einem Spielplatz für Kinder gibt es sogar ein hölzernes Rentier und ein Schaukeltier. Niedlich!

historisches Schaukeltier freilichtmuseum tallinn

Wir kommen noch an vielen schönen alten Bauernhäusern, Windmühlen und Fischerhütten vorbei und genießen den lauschigen Sommertag.

Freilichtmuseum Tallinn Park

Tallinn im Grünen

Infos Estnisches Freilichtmuseum:

Eintritt: 7 Euro für Erwachsene – im Sommer

Adresse:
Vabaõhumuuseumi tee 12
13521 Tallinn

Anfahrt: mit dem Bus Nr. 6 bis zum Zoo oder bis Haabersti
von dort geht es mit einem der 21er Busse weiter bis “Rocca al mare“

Websites: www.tourism.tallinn.ee und evm.ee

Kadriorg

Garten Kadriorg Park Museum Tallinn

Ein anderer kleinerer Park, ist der Kadriorg im Osten Tallinns. Michi will unbedingt den Sommersitz Peters des Großen sehen. Der Park liegt nur eine fünf- bis zehnminütige Fahrt mit der Tram vom Zentrum entfernt und ist richtig weitläufig. Wir gehen einfach los. Rechts neben uns ist ein kleiner Teich mit einem kleinen Pavillon in der Mitte. Dann sehen wir auch schon ein prächtiges Gebäude, das wie ein kleines Schloss aussieht. Ob das der Sommerpalast ist? Drinnen befindet sich ein Kunstmuseum. Die Ausstellung ist zwar ganz nett, aber den Eintritt hätten wir uns auch sparen können. Von der ursprünglichen Einrichtung oder Peter dem Großen ist hier nichts zu sehen. Draußen sitzt eine Schulkasse am Wegesrand und zeichnet. Scheinbar haben sie gerade Kunstunterricht im Freien. Etwas weiter hinten machen drei Damen konzentrierte Yogaübungen. Das ist die Sonnenanbetung, nur langsamer als ich das kenne. Sieht sehr entspannt aus.

Irgendwann landen wir dann in einem kleinen Café. Den Sommersitz des Zaren haben wir zwar nicht gefunden, aber der Park ist auch so wunderbar.

kadriorg Park brunnen
Kadriorg Park Haus Tallinn
kadriorg park tallinn

Rückseite Kunst Museum Kadriorg Tallinn
detail ofen Museum Kadriorg Park Tallinn

Kunst museum Kadriorg Park Tallinn
Kunstmuseum Kadriorg Tallinn

cafe im Kadriorg Park Tallinn
Infos Kadriorg:

Kunstmuseum Kadriorg
A. Weizenbergi 37
Tallinn

Website:  www.tourism.tallinn.ee

Eintritt: 5 Euro, Eintritt ist frei mit der Tallinn-Card

 

Fotos aus dem Freilichtmuseum:
estnisches bauernhaus Freilichtmuseum Tallinn
Fischerhütte Freilichtmuseum tallinn
Freilichtmuseum Tallinn estnische Hütte

Freilichtmuseum Wege im Grünen Tallinn
gelbes holzhaus freilichtmuseum
in der Schule Freilichtmuseum Tallinn
Mühle Estland Freilichtmuseum
Musik Konzert Freilichtmuseum Tallinn
speisekammer Haus Freilichtmuseum Tallinn
Tallinn Freilichtmuseum Bank
Tallinn freilichtmuseum teich
Trachten im Freilichtmuseum Tallinn
traditionelle estnische Lieder Konzert im Freilichtmuseum
wohnung Freilichtmuseum Tallinn

2 Comments

    • ich war auch ganz glücklich, dass ich wenigstens drei Tage Zeit hatte! Beim näcshten Mal will ich unbedingt auch mehr vom Land selbst sehen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.