Das Italien-Prinzip: So geht Glück

Eigentlich ist es ganz einfach. Zum Glücklichsein braucht es nicht viel. Das behauptet der Autor des Buches Das Italien-Prinzip: So geht Glück! Die Großfamilie, gemeinsames Kochen, sich nicht zu viele Sorgen machen und eine anständige Siesta tragen – zumindest in Italien – ganz offensichtlich dazu bei, dass die Menschen dort glücklicher leben, als in vielen nordischen Ländern. Könnten wir uns da nicht vielleicht den einen oder anderen Tipp abgucken?

das Italien-Prinzip

Das Italien-Prinzip

Sind es einfach Meer und Sonne, die es den Menschen im Süden leichter machen, glücklich zu sein? Nein, es steckt wohl mehr dahinter, obwohl der Sonnenschein sicher zum Glück beiträgt. Stefan Maiwald lebt seit zwanzig Jahren mit seiner Familie in Italien. In dieser Zeit hat er seine Mitmenschen aufmerksam beobachtet. Was ihm dabei aufgefallen ist, fasst er in seinem “Italien-Prinzip” zusammen.

Schon in den 50er Jahren träumten die Deutschen vom Dolce Vita in Bella Italia. Viele Schlager besangen damals das süße mediterrane Leben und vermitteln bis heute ein Bild von purer Lebensfreude. Auf der Suche nach dem Glück Italiens greift der Journalist und Reisebuchautor einige dieser Bilder auf und erklärt sie aus der Perspektive eines fast schon Einheimischen.

Eine wichtige Rolle beim Glücklichsein all‘italiana spielt natürlich gutes Essen. So unterschiedlich die Essgewohnheiten, die traditionellen Gerichte und die lokalen Produkte der verschiedenen Regionen auch sein mögen, etwas hat ganz Italien gemeinsam, nämlich das Essen an sich als ein gemeinschaftliches Ereignis zu zelebrieren. Darin ähneln die Italiener übrigens den Spaniern und Griechen. Familienmahlzeiten sind im Mittelmeerraum viel mehr als gemeinsame Nahrungsaufnahme. Sie sind sowohl ein kulturelles Gut als auch ein medizinisches Allheilmittel, udn auf jedenFall tragen sie zum Wohlbefinden der Menschen bei.

Stefan Maiwald beruft sich da nicht nur auf eigene Erfahrungen. Es gibt wohl durchaus Studien, die belegen, dass Menschen länger leben, weniger suchtanfällig sind und dass Kinder einen höheren Wortschatz haben, wenn sie regelmäßig ihre Mahlzeiten als Familie einnehmen. Ein Loblied also auf die italienische Familie!  

Ein Kapitel, das mir besonders gut gefallen hat, widmet sich dem Freundlichsein. Es stimmt, dass die Menschen, die ich bisher in Italien kennengelernt habe, fast immer und überall ausnehmend freundlich waren. Hier bei uns in Spanien begegnet man zwar auch sehr vielen, sehr herzlichen Menschen, aber manchmal trifft man leider auch auf ein gewisses Misstrauen Fremden gegenüber (Das hat vermutlich historische Gründe, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte). Fest steht, dass man mit einem freundlichen Lächeln oft weiter kommt, als mit einer miesepetrigen Laune und dem Pochen auf irgendein Recht. Das kann ich nur unterschreiben. Wer schon mal in der Gastronomie oder im Kundenservice gearbeitet hat, kennt das bestimmt auch, dass man einem Gast, der freundlich um etwas bittet, viel schneller und lieber hilft, als einem der unfreundlich ist. Das ist definitiv ein Tipp zum Glücklichsein, den man sich überall auf der Welt abschauen kann.  

In vielen Punkten ähneln sich Italien und Spanien sehr. Es gibt definitiv eine mediterrane Kultur, die fast alle Länder des Mittelmeerraums teilen. Doch es gibt ein paar Punkte, in denen sich Italien sehr von seinen Nachbarn unterscheidet, wie zum Beispiel beim Thema Kleidung. Ich habe sehr geschmunzelt bei diesem Kapitel, aber es trifft den Nagel auf den Kopf: Sobald ein Italiener oder eine Italienerin das Haus verläßt, kleiden sie sich entsprechend sauber und gepflegt, mit gebügeltem Hemd und Krawatte, mit geputzten Schuhen und gemachten Haaren – selbst wenn es nur für den Weg zum Müllcontainer ist. Egal ob Bänker oder Busfahrer, in Italien strahlt Kleidung immer auch eine gewisse Würde aus, auch bei der Arbeit. Die bella figura ist wirklich etwas sehr, sehr italienisches.

Außer dem gemeinsamen Kochen, dem gutem Essen und der Großfamilie spielt natürlich auch das Draußensein eine große Rolle. Das haben wieder alle mediterranen Länder gemein. Die Menschen treffen sich auf der Piazza, reden hier und dort mit Bekannten, grüßen die Nachbarn und trinken einen Aperitif mit Freunden. Das Dorfleben, die Gemeinschaft wird zelebriert, auch in den Städten. Das ist natürlich auch möglich, weil das Wetter es erlaubt. Bei Sonnenschein fällt es leicht, gut gelaunt zu sein, die frische Luft zu genießen und seine Mitmenschen zu feiern. Viel Licht und häufige Spaziergänge helfen übrigens auch gegen Depressionen.

Statt auf unzählige teure Versicherungen zu bauen, verläßt man sich im Süden heute wie früher auf Familie und Freunde. Man hilft sich, man pflegt eine gute Nachbarschaft und man versucht, sich nicht allzu viele Sorgen zu machen. Obwohl es bestimmt viele Gründe gäbe, sich die Haare zu raufen, macht man sich im Süden meistens weniger Sorgen, als im Norden Europas.

Der Autor erklärt noch viele andere Dinge, wie die große Bedeutung kleiner Rituale, die italienische Selbstverständlichkeit Tomaten und Eingemachtes aus dem eigenen Garten im Küchenschrank zu haben, oder die Tatsache, dass zwar viel Wein getrunken wird, aber sich trotzdem niemals jemand wirklich betrinkt. Im Süden trinkt man eben mit Stil, und nie so viel, bis man umfällt.

Das Buch liest sich leicht und macht Lust auf gute Laune. Eigentlich ist es wirklich gar nicht so kompliziert. Spaß am Kochen haben, freundlich sein, und versuchen den Fokus einmal auf die schönen Dinge des Lebens zu legen. Durch freundliches Achtgeben auf die Mitmenschen und das Kochen mit Freunden lösen wir zwar nicht die großen Probleme unserer Zeit, aber vielleicht finden wir ein kleines Stückchen Glück im Alltag. Egal wo wir wohnen. In Italien scheint das zu funktionieren, sagt Stefan Maiwald.

Autor: Stefan Maiwald
Titel: Das Italien-Prinzip: So geht Glück!
Verlag: Topicus
Erscheint im Abril 2021
245 Seiten
ISBN-10 : 249670304X
ISBN-13 : 978-2496703047

Ein Exemplar des Buches wurde mir vom Verlag zur Rezension überlassen. 

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