Das Picasso Museum Barcelona – sicher auch in Corona Zeiten

Gefühlt ist es Hundert Jahre her, dass ich zum letzten Mal im Picasso Museum war. Es war bei meinem allerersten Besuch in der Stadt. Damals bereitete sich Barcelona gerade auf die Olympischen Spiele vor. Auf den Ramblas kreuchten und fleuchten noch Vögel und Kleintiere und die Anzahl der Besucher hielt sich in Grenzen. Als ich ein paar Jahre später mit der ganzen Familie hierherzog, boomte Barcelona bereits. Immer mehr Touristen kamen in die Stadt und alle wollten ins Museu Picasso. Nur mit rechtzeitiger Planung konnte man eine Eintrittskarte ergattern. Und dann kam Corona.

Als ich heute Morgen also durch die enge Gasse zum Museum gehe, ist es ungewöhnlich leer und still. Nur wenige Geschäfte sind geöffnet. Die Souvenirshops vermisse ich zwar nicht, aber leider hat Corona auch den einen oder anderen kleinen Laden in die Knie gezwungen. Vor dem Museum wartet keine Menschenschlange, wie sonst üblich. Weit und breit ist niemand zu sehen. Schon nach wenigen Sekunden habe ich mein Ticket in der Hand und steige die Stufen zu den Ausstellungsräumen hinauf.

Aus dem ursprünglichen Gebäude hat sich das Museum im Laufe der Jahrzehnte auf insgesamt vier benachbarte Paläste vergrößert. Allein diese mittelalterlichen Gebäude mit ihren Innenhöfen sind schon bezaubernd!

Palau Berenguer d'Aguilar 18/05/2009 Fotògraf: desconegut Museu Picasso, Barcelona
(Mit freundlicher Genehmigung des Museu Picasso Barcelona: Palau Berenguer d’Aguilar – 18/05/2009 – Fotograf: unbekannt)

Picasso wurde in Malaga geboren, hatte später jedoch kaum Erinnerungen an die ersten Jahre seiner Kindheit. Als sein Vater eine Stelle an der Kunstakademie antrat, zog die Familie nach Barcelona. Der junge Pablo zeigte bald schon sein ungewöhnliches Können. Bereits mit 14 Jahren beherrschte er die feinen malerischen Fertigkeiten, die an der Akademie erwartet wurden. Manche sagten, er habe schon als Kind wie ein Erwachsener gemalt. Von Barcelona ging er eine Weile nach Madrid, wo er jedoch bald schon seine akademische Ausbildung abbrach und stattdessen die alten Meister im Prado kopierte.

Als er an Scharlach erkrankte, kehrte er nach Barcelona zurück und verbrachte in einem kleinen Dorf mehrere glückliche Monate. Diese Zeit half ihm, sich darüber klar zu werden, welche Richtung er für sein Leben einschlagen wollte. Er wandte sich von der akademischen Malerei ab, die seine Eltern von ihm erwarteten, und suchte stattdessen die Nähe der Vertreter modernen Strömungen der Malerei. Im Lokal „Els 4 gats“ traf er sich mit anderen Künstlern der Jahrhundertwende.

Doch bald schon zog es ihn weiter fort. Paris war damals the place to be, wenn man in der Kunstwelt etwas werden wollte. Dort entdeckte Picasso nicht nur Toulouse Lautrec, Degas oder Césanne, sondern erlebte auch eine ganz neue Freizügigkeit und Unbekümmertheit, die im provinziellen Spanien noch undenkbar war.

picasso BarcelonaPicasso als Capgros- Altstadt Barcelona

Als überzeugter Gegner des faschistischen Regimes hatte Picasso geschworen, Spanien nicht mehr zu betreten, solange Franco herrschte. Doch Picasso starb 1973, zwei Jahre vor dem Tod des spanischen Diktators.

Die Errichtung eines Museums in Barcelona hatte Picasso befürwortet. Er schenkte der Stadt, in der er viele Jahre seiner Jugend verbracht hatte, sogar zahlreiche Werke. Das Museum, in dem seine Gemälde ausgestellt wurden, hieß jedoch nicht immer Museu Picasso. Da es unter Franco 1963 undenkbar war, ein Museum mit dem Namen eines erklärten Republikaners (die im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco und für die gewählten Vertreter der Republik gekämpft hatten) zu eröffnen, nannte man das Museum Colleción Sabartés. Jaume Sabartés war ein enger, langjähriger Freund Picassos, der auf vielen seiner Bilder auftaucht und die Einrichtung des Museums in Barcelona mitorganisiert hat.

Die permanente Sammlung besteht zum großen Teil aus Skizzen und Bildern die Picasso während seiner Zeit in Barcelona angefertigt hat. Es sind frühe Werke, akademische Gemälde wie „La primera comunión“ und „Cienca i caritat“, die der klassischen Ausbildung und den Erwartungen seines Vaters entsprachen. Proportionen und Perspektiven scheinen meisterhaft, aber eben wie aus dem Lehrbuch umgesetzt. Seinen ganz eigenen Stil hatte er da noch nicht gefunden. Ein Beispiel für die unglaublichen Kopien, die Picasso in jungen Jahren, auf der Suche nach sich selbst, anfertigte, ist die Kopie von Velázquez Portrait Felipe IV, das im Museum direkt neben der Version Picassos hängt.

“Ich sage nicht alles, aber ich male alles.”

(Pablo Picasso)

Eines der Bilder bei dem ich länger verweile, ist die Frau mit der Haube. Entstanden ist das Gemälde 1901, dem Jahr des Selbstmordes seines Jugendfreundes, mit dessen Tod Picassos blaue Phase begann. Die unbelebten, neutralen Hintergründe und die Farben, die der Maler in dieser Zeit auf die Leinwand bringt, verleihen seinen Figuren oft etwas Zerbrechliches. Picasso malte arme, kranke oder vom Leben schlecht behandelte Menschen so, dass beim Betrachten der Bilder ein ganz bestimmtes Gefühl von Verlorenheit entsteht.

Doch selbst in der Blauen und der Rosa Periode ist Picassos klassische Ausbildung noch deutlich zu erkennen. Erst ein Aufenthalt 1905/06 in dem abgelegenen Pyrenäendorf Gósol beeinflusste seinen Malstil nachhaltig. In der Abgeschiedenheit der Bergwelt scheint die Entdeckung einer romanischen Madonna einen besonderen Eindruck in ihm hinterlassen zu haben.

Porteuse de pain picasso GòsolFrau mit Brot in Gósol – ein Motiv vieler Skizzen Picassos

Wie fast alle Künstler hatte auch Picasso stets ein kleines Heft dabei, in dem er spontane Einfälle und Skizzen festhielt. Für ihn waren diese Heftchen wie ein Tagebuch. Zur Zeit sind einige dieser überraschend kleinen „quaderns“ im Museum ausgestellt. Der Besuch der einzelnen Säle, durch die ich von den Museumswächtern so geleitet werde, dass ich fast immer einen Saal ganz für mich allein habe, ist eine spannende Reise durch die Welt Picassos. Dieser ungewöhnliche Künstler, dem man einen schwierigen Charakter nachsagt, malte einfach was er lebte. Er drückte seine Gedanken und Empfindungen in seinen Bildern aus.

Im letzten Saal des Museums befinden sich schließlich Picassos Studien zu den Meninas von Velázquez. Für mich war dieser letzte Saal auch so etwas wie ein Höhepunkt der Ausstellung. 1656 war Velázquez Gemälde des kleinen blonden Mädchens geradezu revolutionär. Die Habsburger Prinzessin Margarita im Zentrum des Bildes, galt als Nachfolgerin auf dem spanischen Thron. Zwar wurde sie nach der Geburt ihres Bruders Carlos am Ende doch nicht Königin, aber sie war schon im zarten Alter von zwei Jahren ihrem Onkel Leopold als Ehefrau versprochen worden. Hochzeiten waren damals eine rein politische Angelegenheit und das arme Kind war trotz aller Pracht und Prunk eine Gefangene, eine Marionette im Spiel der Macht.

Picasso hatte schon immer Kopien seiner Lieblingsmeisterwerke angefertigt. Doch von den Meninas schuf er eine ganze Reihe höchst eigener Interpretationen. Die Komposition und Farbgebung des Bildes der von Hofdamen umgebenen Infantin erinnert ein wenig an Guernica, das Gemälde, das oft als zeitloses Symbol für das Leid der Menschen im Krieg steht. Auch in Picassos Version steht die zerbrechliche kleine Prinzessin im Zentrum der Meninas. Er verwandelt die Figuren in geometrische Formen, verändert die Farben und das Licht, doch immer sind Hofdamen, der Hund, das Selbstbildnis Velázquez und die dunkle Silhouette eines Hofmarschalls im Hintergrund auch bei Picasso deutlich zu erkennen. Trotz aller heftigen Veränderungen der Figuren schafft Picasso es jedoch, die unschuldige Essenz der Infantin beizubehalten.

Velázquez – Las Meninas – aus Wikipedia 

Sowohl Velázquez’ als auch Picassos Meninas sind ein Verwirrspiel aus gemalten Personen und Spiegelbildern, in das sowohl der Maler als auch der Betrachter mit einbezogen werden. Im Gegensatz zu dem Gemälde aus dem 17. Jahrhundert dominiert der Maler bei Picasso jedoch den gesamten linken Bildrand und rückt dadurch viel stärker in den Vordergrund.

Informationen Picasso Museum in Barcelona

Überall im Museum gilt Maskenpflicht. In jedem Saal leiten nette Menschen die Besucher so durch das Museum, dass es nicht zu Menschenansammlungen kommt.

Museu Picasso de Barcelona
Carrer Montcada, 15-23
08003 Barcelona
Metrostation: Jaume I (Linie L4)
Von dort geht es zu Fuß durch den Carrer de la Princesa bis Carrer Moncada.
Website: http://www.museupicasso.bcn.cat/en
Einige der Highlights des Museums kann man sich auf der Website vorab ansehen.
Audioguides sind auf Deutsch als App für das Handy vorhanden. Bitte Kopfhörer benutzen.
Fotografieren ist nicht gestattet, weder von den Werken, noch vom Gebäude.

Öffnungszeiten Museu Picasso:

Dienstag – Sonntag von 10 bis 19 Uhr
Montag Ruhetag
Feiertage an denen das Museum geschlossen bleibt, sind:
1. Januar
1. Mai
24. Juni
25. Dezember
Am 5. Januar, sowie dem 24 und dem 31. Dezember gelten spezielle Öffnungszeiten.

Eintritt:

Erwachsene zahlen 12 Euro für die permanente Ausstellung. Wer nur die temporäre Ausstellung besuchen will zahlt 6,50 Euro.
Der ermäßigte Eintrittspreis von 7 Euro bzw. 4,50 Euro gilt für junge Menschen unter 25 Jahre, ältere Menschen über 65 Jahre und Studenten (Nachweis bitte vorlegen).
Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.

Donnerstags ab 16 Uhr sowie jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei.
Außerdem veranstaltet das Picasso Museum mehrmals im Jahr Tage der offenen Tür.

Tags from the story
, , , ,

2 Comments

  • Da ich immer wieder Barcelona besuche, ist es schon fast eine Pflicht, einmal im Picasso-Museum gewesen zu sein. Der erste Versuch war am ersten Sonntag eines Monats (Eintritt frei, was ich damals noch nicht wusste). Nachdem ich die Menschenmassen sah, habe ich das Vorhaben abgebrochen. Ein bis zwei Jahre später wurden von mir noch 2 weitere Versuche unternommen das Museum zu besuchen. Nach jeweils 1 – 1 1/2 Stunden Wartezeit konnte ich dann auch 2 Mal das Museum besuchen. Natürlich war ich dort von dem Schaffen Picasso´s überwältigt. Gut vorstellen kann ich mir, dass dann, wenn man die Ruhe hat, die Eindrücke um so mehr auf einen wirken können. Dein Bericht ist einmal mehr davon geprägt, dein Wissen, gepaart mit der großen Fähigkeit es unkompliziert zu vermitteln und einem nahezubringen. Vieles ist einem bekannt, aber noch mehr ist einem unbekannt. Danke für diesen Bericht, welcher für mich eine Punktlandung ist, ohne von zu viel Informationen erschlagen zu werden.

    • Daaaanke! Für die Zukunft wäre es echt schön, wenn die Besuche in den Museen für alle immer so ruhig sein könnten 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.