Falles d’Isil – Mittsommernacht in den Pyrenäen

Zur Sommersonnenwende leben in ganz Europa viele alte Bräuche wieder auf. Schon lange vor der Entstehung des Christentums feierten die Menschen den längsten Tag des Jahres mit großen Feuern. Vielleicht kennst Du die Mittsommernacht aus Norwegen oder Schweden, aber auch in Deutschland und Österreich und sogar in Spanien feiert man in vielen Dörfer ein Johannisfeuer. In Katalonien begeht man den Sommeranfang zum Beispiel mit der Verbena de Sant Joan. Der 24. Juni ist ein offizieller Feiertag, aber das traditionelle Spektakel beginnt am Abend davor. Dann läuten große Feuer, laute Böller und beeindruckende Feuerwerke den Sommer ein. In den Pyrenäen gibt es sogar noch eine ganz besondere Art, diese eine Nacht des Jahres zu feiern, nämlich mit einem speziellen Fackellauf, den Falles d’Isil.

gegants falles d'isil

Falles d’Isil

Nur rund 60 Einwohner leben heute noch in Isil, kurz vor der französischen Grenze. Früher waren es mal 600. Diese Zahl erreicht das Dörfchen allerdings im Sommer noch immer, denn dann kommen auch diejenigen hierher zurück, die einst fortgezogenen sind, um in den großen Städten Arbeit zu finden. Die Heimkehrer, ihre Kinder und Kindeskinder verbringen die Sommerferien in den Bergen. Und der Höhepunkt des ganzen Jahres, mit dem der Sommer erst so richtig beginnt, sind die Falles.

Isil ist aber nicht das einzige Dorf, in dem Fackelläufe zur Sommersonnenwende stattfinden. Auch andere Dörfer haben ihre Falles über die Jahrhunderte hinweg erhalten. Manche haben die alten Bräuche auch wieder aufleben lassen, nachdem sie schon fast ausgestorben waren. Doch die Falles d’Isil sind die ältesten und die bekanntesten Fackelläufe der Pyrenäen Hier hat es diesen Brauch ununterbrochen gegeben, also irgendwie schon immer. Selbst die ältesten Dorfbewohner können sich hier nicht mehr erinnern, dass es irgendwann mal keine Falles in Isil gegeben hätte.

falles d'isil Dorf Isil

rosen falles d'isil

Gegants

Die Vorbereitungen beginnen am ersten Wochenende im Mai. Dann werden die falles zugeschnitten und die Falla Major, ein dicker, hoher Stamm auf dem Dorfplatz aufgestellt. Damit die falles schneller trocknen und besser brennen, wird an einer Seite ein Keil in die Holzstümpfe getrieben. Das passiert gleich dort, wo die Bäume geschlagen werden, oben auf dem Berg. So präpariert, stellt man die falles zum Trocknen auf.

Während man in den anderen Dörfern ganz unterschiedliche Arten von Fackeln trägt, die jeweils aus ganz verschiedenen Hölzern sein können, tragen die Einwohner von Isil dicke Baumstämme vom Berg zu Tal. So ein „tronco“ kann schon an die vierzig Kilogramm wiegen.

falla eine fackel im museum falles d'isil

museum ausstellung falles d'isil

aufstieg falles d'isil

Am Nachmittag des 23. Juni ist es dann endlich soweit. Während die Menschen auf dem Dorfplatz fröhlich tanzen und feiern, machen sich die Fallaires bereits auf den Weg zu ihren Fackeln. Mit Wanderstöcken und festen Stiefeln geht es wieder auf den Berg hinauf. Sobald die Dunkelheit hereinbricht, wird die Falla Mayor auf dem Dorfplatz entzündet. Das große Feuer ist weithin gut zu sehen. Es ist das Zeichen für die Fallaires, nun ihre Fackeln anzuzünden. Mit den brennenden Falles auf der Schulter beginnen die Männer und Frauen den Abstieg. Den Anfang muss ein erfahrener Fallaire machen, der das Gelände ganz genau kennt, denn der Lauf ins Tal geht querfeldein. Es ist schon eine echte Herausforderung dieses schwere, brennende Stück Holz im Dunkeln durch das unwegsame Gelände zu tragen.

Schon nach wenigen Minuten entsteht eine Art Lichterschlange. Insgesamt sechzig Männer und Frauen bilden mit ihren Fackeln eine leuchtende Kette, die bis ins Tal hinein reicht. Langsam wächst diese brennende Schlange immer näher dem Dorf entgegen.

Fackellauf falles d'isil   kirche sant joan d isil falles d'isil
sant joan d isil falles d'isil

Nach ungefähr einer Stunde empfängt man die völlig verrauchten fallaires unten im Dorf feierlich. Jeder kriegt einen Schluck Wein, ein Stück Coca (eine Art süßes Brot) und ein Blümchen. Vor der kleinen romanischen Kapelle Sant Joan d’Isil malen die Fackelläufer noch ein Kohlekreuz ans Portal. So gedenken sie den verstorbenen Fallaires, bitten um Glück und Schutz vor Unglück im nächsten Jahr. Die letzten Meter führen durch die dunklen Gassen von Isil. Dann endlich dürfen die Fallaires ihre brennende Last von den Schultern nehmen und in das große Feuer der Falla Mayor werfen.

Die Erleichterung aber auch die Freude und der Stolz sind den Männern und Frauen ins Gesicht geschrieben. Ehrfürchtig und glücklich strahlend begleiten selbst die Kleinsten Papa oder Mama auf dem letzten Abschnitt durch das Dorf. Und dann wird gefeiert. Mit den traditionellen Tänzen um das große Feuer herum, beginnt nun endlich der Sommer.

ankunft der fallaires falles d'isil
fallaires falles d isil   falles d'isil fackeltraeger ende

Super schöne Fotos und einen tollen Artikel zu den Falles findest Du bei Nadine auf ihrem Blog www.kulturnatur.de. Unbedingt reinschauen!

In der Nähe:

Wandern_in den Pyrenaeen_Naturpark_Aiguestortes_FREIBEUTER REISEN FOTO BY ©hugo ormoNadine und ich gucken in die Landschaft 🙂 FOTO BY ©hugo ormo

Espot: Aigüestortes und Estany Sant Maurici

Ganz in der Nähe liegt der Naturpark Aigüestortes. Von einem anderen Tal, dem Vall de Boí aus, war ich schon mal dort, doch am Estany de Sant Maurici bin ich zum ersten Mal unterwegs. Hier gibt es viele nette und leichte Wanderungen für Anfänger. Der Park ist aber richtig groß und umschließt ein Gebiet mit hohen Bergen, sodass auch erfahrene Wanderer wie Nadine und Hugo von @kulturnatur hier auf ihre Kosten kommen. Die anspruchsvolleren Wandertouren dauern mehrere Tage und führen zu verschiedenen Berghütten, den Carros de foc. Unglaublich hübsch ist auf jeden Fall der Blick auf den Estany Sant Maurici. Den erreichst Du von Espot aus zu Fuß oder mit einem der zahlreichen Sammeltaxis, die den ganzen Tag über Wanderer von dem kleinen Ort aus zum See bringen oder wieder abholen.

Kleiner Tipp für leckere hausgemachte Burger (auch vegan):
Café Bistro E Bo
Plaça Dr. Benavent 3
25597 Espot

Infos zu den Carros de foc: www.carrosdefoc.com

estany sant maurici parc natural aigüestortes
estany sant maurici parc natural aigüestortes
estany sant maurici parc natural aigüestortes
estany sant maurici parc natural aigüestortes

estany sant maurici parc natural aigüestortes

ESPOT Estany sant maurici parc natural

Esterri d’Àneu:

Übernachtet haben wir übrigens in der Fonda Agustí in Esterri d’Àneu, einer sehr schlichten und einfachen, aber sauberen Herberge. Roser, die nette Besitzerin, kümmert sich liebevoll um alles. Sie ist eine unglaublich hilfsbereite und freundliche Gastgeberin.

Fonda Agusti
Plaça de l’esglesia 6
25580 Esterri d’Àneu

esterri d aneu

esterri d aneu
esterri d aneu
Gerri de la Sal:

Das kleine Dorf Gerri de la Sal lebte früher, wie der Name bereits vermuten lässt, vom Salzabbau. Die Casa de la Sal war das Lager, in dem die Einwohner ihre Salzvorräte aufbewahrten. Heute ist es ein tolles Museum, in dem Du erfahren kannst, wie das hier früher mit dem Salz funktionerte und wieso es hier überhaupt so viel Salz gibt.

wand salz casa de la sal gerri de la salSalz an den Wänden der Casa de la Sal,  dem ehemaligen Lager

museum casa de la sal gerri de la sal casa de la sal gerri de la sal Erzählte Erinnungen, eine Hommage an die ehemaligen Salzarbeiter

salz casa de la sal gerri de la sal

Da weite Teile der Iberischen Halbinsel früher von salzigem Meerwasser bedeckt waren, konnten sich hier beim Rückzug des Wassers Salzbeutel im Untergrund bilden. Durch das Süßwasser aus dem Boden wird das Salz auf ganz natürliche Weise aus dem Boden gespült und tritt als Salzwasserquelle an die Oberfläche. Entlang des Flusses kannst Du sogar noch ein paar der alten Salinen sehen. Noch bis in die achtizger Jahre war das Ufer im ganzen Dorf übersät mit diesen Salzwasserbecken und den Anlagen der Salzgewinnung. Doch zwei heftige Überschwemmungen, 1937 und 1987, zerstörten die meisten Salinen.

salzwasserquelle casa de la sal gerri de la salSalzwasserquelle

 gerri de la sal

 gerri de la sal
saline casa de la sal gerri de la sal

Nützliche Infos zu den Falles d’Isil :

Am Nachmittag des 23.6. wird in der kleinen Kirche, der Parròquia de la Immaculada, der Film des Historikers Oriol Riart gezeigt. In bunten Bildern und leicht verständlich erklärt der Dokumentarfilm das ganze Fest und die Bräuche rund um die Falles d’Isil.

In der Casa de l’os bru gibt es eine niedliche, interaktive Ausstellung über die Bären in den Pyrenäen. Besonders für Kinder ist das winzige Museum toll gemacht, denn hier dürfen sie alles anfassen. Ein kleiner Teil beschäftigt sich auch mit der Geschichte der Falles d’Isil.

„El Faro“ heißt der Startpunkt der Fallaires oben auf dem Berg, hinter dem Dorf.

Website der Falles d’Isil  www.fallesisil.cat

Und auf youtube habe ich noch einen schwarzweiß Film von 1965 über die Falles gefunden:

Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Blogtrips durch die Provinz Lleida, zu dem uns die Diputació de Lleida eingeladen hat. Vielen Dank! 

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