Einen Nachmittag lang war ich mit Katha, einer Freundin und Kollegin, in Lavapiés, Madrids buntestem Stadtteil, unterwegs. Mittlerweile ist es schon über zehn Jahre her, dass ich zum ersten und einzigen Mal durch die Straßen der spanischen Hauptstadt gebummelt bin. Dabei gibt es so unendlich viel zu sehen! Auch heute ist die Zeit wie immer viel zu knapp. Sogar das Reina Sofia, das direkt auf meinem Weg lag, habe ich nur von außen gesehen. Aber ich will trotzdem kurz berichten, was Katha mir in ihrem Lieblingsviertel gezeigt hat, denn sie ist ähnlich wie ich, vor Jahren der Liebe wegen nach Spanien gekommen. Nur dass meine spanische Familie mich damals nach Barcelona gezogen hat, und Katharina eben in Madrid landete.

streetart lavapiés

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Wir verabreden uns in einer Bar in Lavapiés, um von dort aus gemeinsam das Viertel zu erkunden. Vom Bahnhof Atocha aus spaziere ich 20 Minuten lang zu Fuß bis zu dem kleinen Platz, an dem das Café Pavón liegt. Aus den Lautsprechern erklingen Elvis-Songs. Ich bin überrascht, denn auf den ersten Blick hat das Café so gar kein 50er Jahre Ambiente. Bei näherem Hinsehen denke ich, dass die halbrunde, hellblau-türkis gehaltene Theke vielleicht schon zu dieser Art von Musik passen könnte.

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Das Café gehört zum altehrwürdigen Teatro Pavón, das gleich nebenan liegt. Das Gebäude des Theaters wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts im damals angesagten Jugendstil errichtet. Im Laufe der Zeit hat es viele Umbauten erfahren, wurde aber zum Glück in den 2000ern  restauriert und wieder fein herausgeputzt. Dabei kam auch die lange verborgene Holzdecke in den Räumen der Caféteria wieder zum Vorschein. Irgendwie ist das Pavón eine witzige Mischung aus altbackenem Charme und etwas neuem, modernem.

Wir bestellen Tortilla de Patatas, die soll hier sehr lecker sein. Auch wenn der Kellner ein bisschen verpeilt zu sein scheint, schmeckt das Essen lecker. Die Tortilla ist innen extrem weich, so wie die meisten Spanier es lieben. Ich mag es eigentlich, wenn sie weniger roh ist, aber ich bin ja nur Besuch. 😉 Weil der Kuchen auch echt lecker aussieht, ordern wir zum Nachtisch noch ein Stück Pastel de zanahoria, einen Karottenkuchen. Der wird mit einer Kugel Eis serviert und schmeckt fantastisch. Als auch die letzte Ecke meines Magens gefüllt ist und ich pappsatt bin, setzen wir uns schließlich in Bewegung und machen einen Spaziergang.

bunte-laeden-madrid-lavapies

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Katha zeigt mir einen kleinen Laden, der Bilder, Bücher und andere Dinge, die hier im Barrio gefertigt wurden, verkauft. Lavapiés ist bunt und multikulturell. Hier leben Menschen aus vielen verschiedenen Kulturkreisen zusammen. Ein bisschen erinnert mich die Atmosphäre an Berlin, obwohl natürlich alles ganz anders ist. Aber es ist das Zusammentreffen von Monumentalität einer Hauptstadt mit dem Alltag der einfach lebenden Menschen, zwei Welten, die sich hier nicht widersprechen, sondern zu ergänzen scheinen.

Die kleinen Straßen in Lavapiés sind schrill und bunt, wahre Explosionen an Farben und Mustern locken meine Blicke immer wieder in kleine Geschäfte mit afrikanischen Stoffen, die sich zwischen indischen Imbissen und pakistanischen Gemüseläden zeigen. Ich muss an den Senegal denken, wo ich vor ein paar Jahren einmal genau solche bunten Stoffe auf einem Markt in Dakar für eine Freundin besorgt habe. Was mich am meisten begeistert, sind die viele kleinen Läden, die tolle Second-Hand Klamotten anbieten. Auch wieder schrill und bunt, aber echt schön.

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Wir kommen an einer zerbombten Kirche vorbei, in der heute ein Kulturzentrum untergebracht ist, an einem gerade angesagten Shop, der Kaffeesorten aus aller Welt verkauft und an der angeblich ältesten Bar ganz Spaniens. In die Jahre gekommene Mietshäuser mit langen Balkonen, auf denen die Wäsche im Wind flattert, erinnern mich an Sozialbausiedlungen in Deutschland. Diese Gebäude heißen in Madrid Corrales und einige von ihnen sind sogar denkmalgeschützt.

corrales lavapiés

angesagter kaffeeladen

kirche-kulturzentrum

älteste Bar in Madrid

Dann erreichen wir die Tabacalera, eine alte Tabakfabrik, in der vor vielen Jahrzehnten zum ersten Mal auch Frauen unter harten Bedingungen ihr Geld verdienten. Für die spanische Frauenbewegung waren diese Arbeiterinnen, die für bessere und gerechtere Arbeitsbedingungen kämpften, Pionierinnen auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung. Eine spannende Geschichte. Katha sagt, heute sei dort eigentlich ein Kulturzentrum untergebracht, das zum Teil von den Anwohnern selbst organisiert und genutzt wird. Doch gerade sieht es nur nach einer Baustelle aus, denn das alte Gebäude wird seit Monaten umgebaut und komplett restauriert.

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la tabacalera Madrid

Nur wenige Schritte weiter stehen wir vor der Casa encendida, ein weiteres Kulturzentrum mit einer tollen Dachterrasse. Der Pförtner am Eingang winkt uns freundlich herein. So einen netten Empfang hätte ich gar nicht erwartet. In den verschiedenen Etagen sind neben einer Bibliothek auch Säle mit Ausstellungen untergebracht, die wir uns ansehen können. Auf der grünen Dachterrasse wachsen die verschiedensten Blumen, Sträuche und Kräuter. Sogar Salat entdecke ich in den Beeten. Ein paar Menschen lesen oder unterhalten sich leise zu zweit auf den Bänken. In einer Ecke entdecken wir eine kleine Bar.

casa-encendida-madrid

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Ein besonders schönes Projekt ist ein von den Anwohnern begrünter Platz “Esta es una plaza”. In Eigenarbeit haben die Menschen hier eine kleine Gartenoase geschaffen. Sie haben Beete angelegt, kleine Spielhäuser gebaut, Bänke und kleine Nischen eingerichtet, in denen man sitzen und eine Weile die Natur um sich herum genießen kann. Die Menschen treffen sich hier um die Pflanzen zu genießen, um zu diskutieren, ganz romantisch zu zweit die Köpfe zusammenzustecken oder um hier mit ihren Kindern zu spielen.

esto es una plaza madrid
urban garden lavapiés
urban garden lavapiés

Informationen und Adressen Lavapiés

Katharina schreibt auf ihrer Website über das Leben in Spanien Ruta Ñ 

Café und Theater Pavón, Calle Embajadores, 9, Centro (Lavapiés), 28012 Madrid Website cafepavon.es

La Tabacalera, Calle de Embajadores, 53, Centro (Lavapiés), 28012 Madrid (derzeit geschlossen)

La Casa Encendida, Ronda de Valencia, 2, Centro (Lavapiés), 28012 Madrid Website www.lacasaencendida.es

Projekt Stadtgarten „Esta es una plaza“ Calle del Dr. Fourquet, 27, Centro, 28012 Madrid  estaesunaplaza.blogspot.com

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Calle Santa Isabel, 52, Centro, 28012 Madrid. www.museoreinasofia.es
(der Eintritt ist Mo und Mi-Sa ab 19 Uhr Uhr kostenlos)

Reina Sofia Madrid

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Als ich am „Brillante“ vorbeikomme, erinnere ich mich, dass Michi und ich hier das berühmte Bocadillo de Calamares bestellt haben und ich mich damals geärgte hatte, weil es war zwar lecker, aber unglaublich teuer war.