Mataró – Heimat des Puig i Cadafalch

Es ist kurz nach sechs am Morgen, als die Sonne über dem Meer aufgeht. Im Hafen von Mataró knurren und knattern schon die Motoren. Ein kleines Boot macht sich auf den Weg nach draußen, auf die See. Fischerboote gibt es hier keine mehr, dafür aber jede Menge Jachten, Segelboote, Kajaks und alles, womit man auf und unter dem Wasser Spaß haben kann.

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Während es ansonsten noch recht beschaulich im Hafen zugeht, geht es auf der anderen Seite der Bahnschienen geschäftig zu. Die Bahnlinie von Barcelona nach Mataró war die Erste in ganz Spanien. Als Reisender ist es ganz schön, während der Fahrt das Meer zu sehen. Aber damals hat man die Verbindung entlang der Küste gebaut, weil das Meer noch eine ganz andere Rolle spielte als heute. Industriebetriebe wurden dort gebaut und Müll abgeladen. Damals dachte niemand daran, seine Zeit mit Baden im Wasser oder stundenlang im Sand liegend zu verbringen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute ist der Strand ein Naherholungsgebiet und von der Altstadt durch die Schienen getrennt. Das ist in vielen Dörfern entlang der Küste so.

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Um zu den Läden und in die Märkte von Mataró zu gelangen, muss ich also erst unter dem Bahnhof hindurchgehen. Vor dem Bahnhofsgebäude erinnert ein Denkmal an Miquel Biada, den Erbauer der Eisenbahnlinie. Nachdem er es in Übersee zu Reichtum gebracht hatte, kam er als „Indiano“ in die Heimat zurück und finanzierte den Bau der Linie in seine Geburtsstadt Mataró.

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Mataró ist kein niedliches, kleines Fischerdorf, sondern eine große Stadt vor den Toren Barcelonas, in der sich Anfang des letzten Jahrhunderts viele Industriebetriebe ansiedelten. Pittoresk ist hier eigentlich nichts.  Obwohl der industrielle Boom längst vorübergegangen ist, merkt man Mataró diesen speziellen Arbeiter-Industrie-Charme immer noch an. Ein Ort, der nicht hübsch verschlafen, sondern sehr lebendig und irgendwie spannend daherkommt.

mataró

Und modernistische Sehenswürdigkeiten gibt es natürlich nicht nur in Barcelona! Auch in Mataró haben sich ein paar Bauten aus der Zeit der Jahrhundertwende erhalten. Neben dem Erbauer der ersten Eisenbahnlinie ist nämlich auch der berühmte Architekt Josep Puig i Cadafalch ein Sohn der Stadt. Sogar sein Geburtshaus steht noch. Ein schönes, aber schlichtes Haus. Leider hängt aber ein Schild an dem Gebäude: „zu verkaufen“. Da hoffe ich einfach mal, dass die Stadt die Möglichkeit haben wird, dort ein Museum einzurichten. Es wäre jedenfalls zu Schade, wenn das Gebäude Immobilienspekulanten zum Opfer fiele.

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Nur wenige Straßenecken weiter kommen wir auf einen Platz, auf dem ein offener Markt stattfindet. Rund um ein längliches Gebäude verteilen sich die mobilen Marktstände. Das Marktgebäude selbst ist das sicherlich Kleinste, das ich je gesehen habe: El Rengle oder die Tram nennen die Einwohner es liebevoll spöttisch. Das längliche Bauwerk mit nur acht Verkaufsständen ist das Herzstück des ganzen Marktes. Der modernistische Entwurf mit den bunten Kacheln stammt natürlich von Puig i Cadafalch.

Markt Mataró

Ein anderes Gebäude des Architekten, das heute noch genauso aussieht, wie zu Beginn des letzten Jahrhunderts ist das Delikatessengeschäft La Confianza. Ein kleiner, altmodisch-charmanter Süßigkeitenladen, in dem die Regale noch heute mit Gläsern voller Bonbons und Keksen gefüllt sind.

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Mataró
Das wohl schönste modernistische Gebäude in Mataró ist aber die Casa Coll i Regàs, bei der mozarabische mit eher nordeuropäischen Einflüssen verschmelzen. Das Gebäude war eines der ersten Werke Puig i Cadafalchs, bei dem er mittelalterliche und barocke Formen miteinander verband. Leider wird die Casa Coll i Regàs gerade renoviert. Aber wenn sie bald frisch restauriert wieder eröffnet sein wird, dann werde ich Euch davon berichten.

mataroCasa Coll i Regàs

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Dafür kann ich mir aber die Nau Gaudí ansehen. Der Auftrag zum allerersten Gebäude überhaupt, das Gaudí jemals entworfen hat, stammte nicht vom reichen Bürgertum Barcelonas, sondern von der Gewerkschaft der Textilarbeiter in Mataró. Die brauchten ein Gebäude zum Bleichen der Textilen, möglichst in der Nähe der anderen Textilfabriken. Rings um die alte Lagerhalle herum, befanden sich einst das Industrieviertel Matarós. Diese Gegend liegt fast direkt am Meer. Damals war das sehr praktisch, weil ja die Bahnlinie dort entlang führt und das Meer zu der Zeit niemanden interessierte. Die Küste war eher so etwas wie eine natürliche Müllhalde. Mittlerweile ist die Industrie längst in andere Stadtteile abgewandert, aber die Nau Gaudí hat man frisch restauriert, als ein Monument das an die Zeit zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts erinnert.

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Zum Essen gehe ich in eine Pizzeria, aber nicht in irgendeine. Il Caminetto ist ein modernistisches Gebäude aus dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Schon beim Betreten des Restaurants habe ich das Gefühl zu jemandem nach Hause, in ein privates Heim, zu kommen. Das große helle Treppenhaus erweckt den Eindruck als befinde ich mich jetzt gerade nicht in 2017, sondern in 1907. Doch da, wo sich früher die privaten Wohnräume einer bürgerlichen Familie befanden, verteilen sich nun die Tische und Stühle des Restaurants, zwischen den bunt gekachelten Wänden.

Mario Francesco Randazzo, der Besitzer, erzählt mit später, dass er alles selbst restauriert und umgebaut habe. Da das Haus, das er in den achtziger Jahren einer älteren Dame abgekauft hat, nicht denkmalgeschützt ist, hätte er theoretisch alles abreißen können. Doch zum Glück liebt der Italiener die Kunst und hat sehr respektvoll die alten Strukturen bewahrt. Darauf ist er auch stolz. In den achtziger Jahren, so erzählt Mario, war sein Lokal eine Zeit lang der Treffpunkt der Intellektuellen- und Künstlerszene der Stadt. „Die haben auf die Papiertischdecken gemalt. Das hab ich alles noch aufgehoben.“

Zurück im Hafen ist am Nachmittag nun auch hier mehr los. Stefanie, von der Segelschule Mataró, bereitet schon ein kleines Boot vor. Sie will mir das Segeln beibringen. Na ein bisschen wenigstens. Ich bin zuerst recht aufgeregt und habe ein wenig Respekt vor der Aktion. Leider, oder vielleicht auch zum Glück, ist heute aber absolut kein Wind. Das Meer ist spiegelglatt, sodass ich ganz entspannt einfach eine Stunde auf dem Wasser genieße. Ab und zu ziehe ich ein wenig rechts oder links an der Leine. Easy! Schließlich erbarmt sich Ferran von der Segelschule und schleppt uns mit dem Schlauchboot wieder in den Hafen. Das war echt relaxt. Aber nächstes Mal darf dann auch gern der Wind ein bisschen wehen.

segeln Mataró
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Strand Mataró

Infos und Adressen in Mataró :

Ristorante Il Caminetto
Camí Ral la Mercè, 407,
08301 Mataró, Barcelona
Website: http://www.rte-caminetto.com/

il caminetto

Markt „El Rengle“
Plaça Gran
08301 Mataró, Barcelona

La Confianza
Botiga Can Pinós
Carrer Sant Cristòfor, 10
08301 Mataró, Barcelona
Website: http://www.pinos.cat/

Casa Coll i Regàs
Carrer d’Argentona, 55
08301 Mataró, Barcelona

Nau Gaudí
Cooperativa Obrera Mataronense
Carrer de la Cooperativa, 47
08301 Mataró, Barcelona

Segelschule Mataró
Escola Vela Mataró
Website: www.escolavelamataro.com

Bahnprospekt mit Infos zur Strecke Barcelona – Mataró : Maresmex_Tiquet_turxstic

Rathaus: Saló de Sessions de l’Ajuntament
La Riera, 48
08301 Mataró, Barcelona

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La Beneficència
Carrer de Sant Josep, 9
08301 Mataró, Barcelona

Oficina de Turisme
La Riera, 48
08301 Mataró

Übernachtet habe ich im Hotel Atenea, direkt mit Blick auf den Hafen.
Hotel Atenea Port
Passeig Marítim, 324
08302 Mataró/ Barcelona
Website: www.hotelateneaport.com

 

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Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Blogtrips an die Costa Barcelona. Die hier dargestellte Meinung ist wie immer einzig und allein meine eigene.

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