Die eiserne Höhle des Santiago Rusiñol: El Cau Ferrat

Einer der vielen Künstler, die es Ende des neunzehnten Jahrhunderts auf den Montmartre nach Paris zog, war der Katalane Santiago Rusiñol i Prats. Ein spannender Mensch, dieser Rusiñol, Freund von Ramon Casas und Picasso, Absinthtrinker und einer der engagiertesten Künstler des Modernisme. In Sitges gibt es ein Museum, das Museu del Cau ferrat, das ihm gewidmet ist und das ich mit Gemma zusammen besuchen will. Mariana empfängt uns an der Kasse. Sie wird uns durch das Museum und das Leben des modernistischen Künstlers führen.

Santiago Rusiñol war Sohn eines reichen Unternehmers aus Barcelona. Eigentlich sollte er in die Fußstapfen des Vaters treten und die Textilfirma übernehmen. Nach dem Tod des Großvaters, der seine Bilder als Kritzelei bezeichnet hatte, verließ Rusiñol jedoch das Unternehmen und widmete sich ausschließlich der Malerei und dem Schreiben.

Der erste Raum, den wir betreten, leuchtet geradezu in diesem unglaublichen Blau, das so typisch für Sitges ist. Und er hängt voller Bilder. Ich bin ehrlich gesagt überrascht. So viel Farbe, so viel Buntes hatte ich nicht erwartet. Überall sind Gemälde, Zeichnungen oder bunte Keramikteller. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinsehen soll. Aber kein Problem. Mariana lenkt meine Aufmerksamkeit geschickt auf die wichtigsten Bilder, deren Geschichte sie mir erzählt. Anhand dreier Gemälde, eines aus Paris, eines aus Andalusien, und eines aus Sitges, sieht man zum Beispiel die Entwicklung und die Bedeutung, die das Licht für Rusiñol hatte.

Die besondere Stimmung, die kleinen Hinterhöfe, die patis blaus und eben das besondere Licht in Sitges hatten es Rusiñol so sehr angetan, dass er zwei kleine Fischerhäuser in der Nähe des Strandes kaufte. Er ließ sie umbauen und richtete sich dort eine Wohnung und sein Atelier ein: das Cau Ferrat, in dem sich heute das Museum befindet. Cau ferrat bedeutet so viel wie eiserne Höhle. Diese „Hütte“ in Sitges war scheinbar ein Rückzugsort, den Rusiñol sehr geliebt hat. Hier sammelte er nicht nur Gemälde, Zeichnungen, kleine Glasamphoren, sondern vor allem auch Eisen. Unmengen an Türklopfern und andere eiserne Dinge schmücken die Wände im oberen Stockwerk. Eisen war ein wichtiges Element des modernistischen Architekturstils. Rusiñol war zwar kein Architekt, aber er war dem Modernismus, dem aufkommenden Stil seiner Epoche, voll und ganz verschrieben.

museum cau ferrat rusiñol sitges blau

Rusiñol war mit vielen anderen Künstlern seiner Zeit, wie Picasso oder Ramon Casas i Carbo, gut befreundet. Die Künstler trafen sich regelmäßig im Cau Ferrat, im berühmten 4 gats in Barcelona oder sie organisierten in Sitges die Festes del Modernisme. Das 4 gats war, ähnlich dem Chat Noir in Paris, ein Treffpunkt der Boheme des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts. Die gesamte Künstlerszene Barcelonas traf sich hier: Musiker, Schriftsteller, Maler und Architekten. Neben Santiago Rusiñol und Ramon Casas zählten auch Rubén Darío, Antoni Gaudi, Pablo Picasso, Miquel Utrillo, Enric Granados, Lluís Mille und Isidre Nonell zu den Gästen.

santaigo rusiñol maler dichter sitges links: Rusiñol mit Freunden, Mitte: Rusiñol – Krankheit, rechts: Casas auf dem Kronleuchter

Mit Ramon Casas verband Rusiñol eine besonders lange und enge Freundschaft. Auf vielen Gemälden sind sie zusammen zu sehen. Im Museum gibt es ein Bild von Ramon Casas, auf dem er auf einem Kronleuchter sitzt. Mariana erzählt, dass die beiden Freunde sich gern Streiche spielten. Während Casas den Kronleuchter putzen wollte, zog Rusiñol die Leiter weg und begann den oben unter der Decke, auf dem Leuchter sitzenden Casas zu zeichnen …

Auch ein paar frühe Picassos hat Rusiñol in einem kleinen Salon gesammelt. Sie sind in Barcelona entstanden, bevor der aus Andalusien stammende Maler zu Weltruhm kam. Sie sind noch mit Ruiz y Picasso, also mit seinem vollen Namen gezeichnet. Später überwarf sich Picasso mit seinem Vater, ließ „Ruiz“ weg und nannte sich nur noch Pablo Picasso. Eines dieser Bilder ist auf dem Holz einer Obstkiste gemalt. Da war das Geld für eine Leinwand wohl gerade aus. 🙂

früher picasso Museum Sitges rusiñol

Rusiñol malte nicht nur, er schrieb mindestens genauso viel: Gedichte, Prosa und Theaterstücke. Wie die meisten Künstler seiner Zeit, war Rusiñol ein echter Bohemien. Er war ein unruhiger Geist und reiste viel. Ob in Barcelona, Paris oder Sitges, mit seinen Freunden Absinth zu trinken und durch die Straßen zu ziehen, gehörte zu seinem Leben dazu. Von seiner Frau Lluïsa Denís und seinem Kind weiß man dagegen eher wenig. Erst als er wegen einer Krankheit mehrere Monate in Sitges bleibt, nähert er sich seiner Familie wieder etwas an. Um sich von seiner Morphiumabhängigkeit zu entwöhnen, tritt er einen Entzug an und nimmt Frau und Kind mit nach Frankreich. Ein Wendepunkt im Leben des Künstlers. Sein Leben wird ruhiger und statt ausdrucksstarker Portraits oder Straßenszenen sucht er sich als Motiv seiner Gemälde jetzt Gärten und grüne Landschaften, ohne Menschen.

Rusiñol Bild Kloster Entzug Bild, das in seiner Zeit im Kloster entstand

Eine sehr spannende Geschichte ist das, was Mariana mir da im Museum alles über Rusiñol erzählt. Mein Kopf schwirrt voller Bilder von absinthtrinkenden Genies und dem Leben dieses beeindruckenden Künstlers.

 

Museum Cau Ferrat
Calle Fonollar
08870 Sitges/ Barcelona
Website museusdesitges.cat

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Im angrenzenden Gebäude, dem Museu Maricel, gibt es noch mehr Ausstellungen, sogar mit Blick aufs Meer. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Museum Sitges

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