Berlin – Clärchens Ballhaus : Ich schwinge das Tanzbein

Wie, du kennst Clärchens Ballhaus nicht? – haben mich Kalle und Doris gefragt – Na dann gehen wir da heute Abend hin!

Tanzstunde Clärchens Ballhaus Berlin

Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was mich erwartet. Clärchens Ballhaus ist wie ein Besuch in einer anderen Welt. In dem auf eine charmante Art angestaubtem Interieur, stehen Holztische in langen Reihen und auch an den Rändern des ehemaligen Ballsaals. Der freie Platz in der Mitte ist die Tanzfläche. Mitten zwischen den speisenden und biertrinkenden Gästen findet hier tatsächlich Tanzunterricht statt: Chachacha, Walzer und Co. In mir kommen Erinnerungen an die Konfirmationszeit, Tanzschule und Schützenfest auf. Nach einer Stunde dürfen die Eleven das Gelernte dann umsetzen, sprich tanzen. Die Musik reicht von Frank Sinitra über Elvis bis hin zu anderen typischen Tanzschulsongs, die schon gespielt wurden, als ich 15 war. Ich komm ja vom Land, da machte man sowas. Ich glaube sogar, das gibt es heute noch genauso. Aber mitten in Berlin? Das hat mich voll überrascht.

Diese Stadt ist einfach genial, weil sie soviel Platz für alle hat. Jeder kann sein wie er will und niemand wird schräg angeguckt. In Clärchens Ballhaus tanzen alle, von 18 bis 80. Egal ob im Holzfäller- Look mit Turnschuhen oder aufgebrezelt mit schwarzem Minikleid und hochgesteckten Haaren. Alt und jung, Ost und West, Anfänger und Profis, Tänzer und Nicht-Tänzer, alle haben hier ihren Spaß. Ich bin total begeistert. Eigentlich wollten wir nur ein Bierchen trinken und was Einfaches essen, so rustikal, gut-bürgerlich halt. Doris‘ Schnitzel war so riesig, dass es weit über den Tellerrand reichte! Nach einer Weile fingen dann aber meine Beine an im Takt der Musik mitzuwippen, bei Liedern, die ich im Radio sofort weggedreht hätte! Keine Ahnung ob vielleicht das Bier Schuld war (?), aber ich hatte plötzlich auch Lust zu tanzen und leicht wie eine Feder über die Tanzfläche zu schweben. Damals, mit 15 oder so, hab ich all diese Dinger ja auch mal gelernt. Zu Heimorgel – Musik eines Alleinunterhalters stakste man in den ersten paar Wochen tolpatschig wie ein frischgeborenes Kälbchen durch die Gegend, bis man dann irgendwann die Schritte gelernt hatte, und nicht mehr im Kopf mitzählen musste ;-).

Clärchens Ballhaus Berlin Garderobe

Irgendwann steht plötzlich ein rüstiger Mittfünfziger vor mir und fordert mich zum Tanzen auf. Huch! Trotz meiner Versicherung, dass ich ihm sicherlich auf die Füße treten werde, läßt er sich nicht abschrecken und reicht mir freudestrahlend die Hand. Ein letzter Blick auf meine grinsenden Freunde, und ich geh mit…. auf die Tanzfläche! Fast wie von selbst erinnern sich die Füße noch, wo sie hin sollen. Die Betonung liegt auf „fast“. Da der Mann ja sowieso führen muss, brauch ich auch gar nicht viel zu machen. Einfach loslassen. Nicht immer alles kontrollieren. Mal wieder. Den Rest macht die Musik. Drehung rechts, Drehung links, hin und her und schon ist das Lied – viel zu schnell – zu Ende. Ich bedanke mich artig bei meinem Tanzpartner und werde wieder zu meinen Freunden zurückgeleitet. Leicht verschwitzt aber strahlend setz ich mich wieder. Never ever hätt ich gedacht, dass ich nochmal Chachacha tanze und so einen Spaß dabei haben würde.

Berlin - Clärchens Ballhaus

Den Besuch in Clärchens Ballhaus fand ich sehr „berlinerisch“. Die Leute sind zwar irgendwie kautzig, aber dabei so „echt“. Obwohl bestimmt auch viele Touristen herkommen, bestimmen eindeutig die Tänzer das Ambiente. Sie nehmen das alles sehr ernst und tanzen mit Liebe und Leidenschaft, ob sie es nun gut können oder nicht. Seit über 100 Jahren schwingen die Berliner hier mal gekonnt mal weniger gekonnt, das Tanzbein. Unglaublich, dass sich dieses Etablissement über die Jahrzehnte gehalten hat. Gegen Mitternacht gibt es übrigens einen Veränderung, wie bei Schneewittchen. 🙂 Im Ballhaus wechselt das Publikum. Die tanzenden Pärchen gehen, Frank Sinatra wandert in die Schublade. Stattdessen legt der DJ dann Cooleres auf und die Gäste werden schlagartig jünger. Aber das erlebe ich schon nicht mehr. Trotz wohliger Aufgedrehtheit begebe ich mich nämlich in mein kuscheliges Gästebett. Ein letzter Tag auf der ITB wartet auf mich. Dafür brauch ich meine Füße noch!

Infos: www.ballhaus.de 

Auch irgendwie kitschig- schön, passend zum Ballhaus, finde ich:

Berlin Ampelmännchen

 

berlin gartenzwerge

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