Einsame Burgen und ein Kloster im Felsen

Nach dem leider viel zu kurzen Halt in Alquézar endet der erste Tag unseres Mini-Roadtrips durch die Provinz Huesca. In dem kleinen Dorf Siétamo mit seinen 663 Einwohnern haben Carmen und ich eine Posada gefunden, in der wir übernachten können. Das Gebäude war früher mal ein Pfarrhaus, daher auch der Name Abadía de Siétamo. Da es noch früh am Abend ist und Siétamo echt klein ist, fahren wir auf der Suche nach einer Bar ins zwölf Kilometer entfernte Huesca. In einer gemütlich-rustikalen Kneipe bestellen wir uns zwei bocadillos. Mein Gott – sind die riesig! In Huesca ist ansonsten aber gerade nicht viel los. Die halbe Innenstadt ist zur Zeit wegen Bauarbeiten aufgebuddelt.

Zurück in unserer Posada trinken wir noch ein letztes Gute-Nacht-Bier und unterhalten uns mit Belén, der Besitzerin. Sie erzählt uns die Geschichte des Hauses, und dass viele Einwohner im Dorf hier früher zum Kommunionsunterricht gegangen seien. Eine Zeit lang wurden sogar Messen in der Abadia gehalten. Für den nächsten Tag gibt Belén uns so viele gute Tipps, dass wir die gar nicht alle in unserer Tagesroute unterbringen können. Das Beste an der Gegend sind die Wanderwege. Ich werde auf jeden Fall noch mal hierherkommen, um zu wandern. Denn obwohl wir so nahe an den hohen Bergen sind, kann man hier prima „flachwandern“. Es gibt viele Wege ohne Mördersteigung – genau mein Ding! Die Felsen und Gipfel sind nämlich so steil, dass man sie beklettert muss. Alles andere ist relativ eben. Gerade jetzt im Herbst sind noch echt viele Kletterer unterwegs.

Abadia de Sietamo

Castillo Loarre

Nach einer erholsamen Nacht in unseren kuschelig warmen Betten und einem ausgiebigen Frühstück, steigen wir also am zweiten Tag wieder in unser Auto. On the road again. Huesca lassen wir links liegen. Als erstes wollen wir dem Castillo de Loarre einen Besuch abstatten. Carmen meint, in der alten Burg wäre vor ein paar Jahren ein Film gedreht worden, „Königreich der Himmel“. Nie gehört.

Loarre Castillo Aragon-Huesca

Wie auf einem amerikanischen Highway geht es zunächst durch karge Landstriche einfach geradeaus. Von Weitem sieht das Castillo schon mal beeindruckend aus. Ich mäandere mich auf einer engen Straße den Berg hoch. Plötzlich macht der Weg eine Biegung, von der Burg weg. Wohin geht es denn nun? Ich fahre auf einen großen Parkplatz. Der ist heute ziemlich leer. Das wundert mich aber nicht wirklich, denn es ist ordentlich frisch hier. Der Wind pfeift uns bitterkalt um die Ohren. Nicht erstaunlich also, dass die Besucher wohl eher im Sommer hierherkommen. Auf der Weide gegenüber des Parkplatzes grasen ein paar Pferde. Eines kommt auf mich zu, dreht dann aber doch wieder ab, als es merkt, dass ich nichts Leckeres zu Essen dabei habe.

Pferd am Loarre Castillo  Huesca

Wir ziehen unsere dicken Mäntel an und machen uns auf den kurzen Weg zur Burg. Die sollte auch im November auf sein, behauptet Carmen. Sie war ja schon mal hier. Nun ist sie aber zu. Ein Blick auf das Schild am Eingang erklärt die Ruhe: die Burg ist erst ab elf Uhr geöffnet. Jetzt ist es kurz vor zehn. Die Aussicht von hier oben ist zwar fantastisch, aber eine Stunde werden wir nicht warten. Von wegen früher Vogel. Die Entscheidung ist schnell getroffen. Das Castillo de Loarre wird nur von außen fotografiert.

Loarre Castillo Aragon-Huesca

Auf dem Weg zum Kloster San Juan de la Peña kommen wir an Los Mallos bei Riglos vorbei. Das sind richtig steile Felswände zum Klettern. Ein paar Franzosen steigen gerade in ihre Klettermontur. Sie rüsten sich mit Gurten, Schnallen, Seilen und Helmen, um diese Bergwand zu erklimmen, die sich fast senkrecht vor uns in den Himmel erhebt. Ist sicher sehr spannend. Auf jeden Fall sieht es atemberaubend aus. Mir wär’s aber zu kalt. Brrrr.

los mallos riglos Huesca

San Juan de la Peña

Ich weiß nicht, ob ich je in meinen Leben so viele Kurven an einem Tag gefahren bin. Alle Straßen in der Gegend um Huesca scheinen ausschließlich aus Kurven zu bestehen. Langsam gewöhne ich mich daran, nie weiter als zehn Meter geradeaus gucken zu können. Der Tacho zeigt höchstens 50 km/h, wenn es denn mal zwanzig Meter geradeaus geht. Irgendwann stehen wir aber doch vor dem Kloster San Juan de la Peña.

Carmen macht große Augen. Das hier soll das Kloster sein? So steht es jedenfalls dran. Ich habe keine Ahnung, was da nicht stimmt soll und warum sie sich wundert. Ein großes Kloster. Ziemlich riesig, allerdings nicht weltbewegend schön. No, no. No puede ser, murmelt Carmen immer wieder. Das Kloster hätte sie aber ganz anders in Erinnerung. Sie wirkt schon fast verzweifelt. Hat ihre Erinnerung ihr etwa einen Streich gespielt?

Da wir nun schon mal da sind, gehen wir auch rein. Die nette Frau an der Kasse klärt ruckzuck den Irrtum auf. Das hier ist zwar das Monasterio de San Juan de la Peña, aber es ist das neue Kloster. Es gibt noch ein altes, das liegt 1,5 km weiter den Weg runter. Aha! Wir verzichten auf den Eintritt und machen uns auf den direkten Weg zum alten Monasterio.

Und wirklich, nur ein paar hundert Meter weiter ragt ein in den Felsen gehauenes Gebäude aus den Steinen hervor. Wir parken irgendwo am Straßenrand. Das Kloster ist ziemlich klein. Es sieht sehr einsam und karg aus. Die Mönche die hier gelebt haben, hatten sicher kein luxuriöses Leben. Sehr gläubige Eremiten müssen das gewesen sein. Irgendwo steht, dass der Heilige Gral eine Weile hier versteckt wurde, und dass das Kloster früher ein Teil des Camino des Santiago gewesen sei. Heute ist es nur noch ein Abstecher vom Pilgerweg. Da hat wohl jemand eine Abkürzung gefunden.

Monasterio San jJuan de la Peña

Monasterio San jJuan de la Peña

Mittlerweile knurrt mein Magen schon wieder. Wenn wir bis zum Abend in Aínsa sein wollen, müssen wir uns wieder auf den Weg machen. Vorher wollen wir noch bis kurz vor die französische Grenze fahren. Da gibt es einen halb verlassenen Bahnhof, laut Carmen, der schönste, den sie je gesehen hat. Wir machen eine kurze Mittagspause in Jaca. Viel zu sehen gibt es da nicht. Nur eine ziemlich gut erhaltene Festung aus dem 16. Jahrhundert, ein mittelalterliches Pentagon. Aber jetzt muss ich erst mal was Essen!

Jaca



Monasterio San Juan de la Peña

im Kloster San juan de la peña

Roadtrip Huesca

Adresse der Abadia:
Posada Abadía de Siétamo
C/ Alta, 10
22120 Siétamo (Huesca)
www.abadiasietamo.es

sietamo

Hinweis: Vielen Dank an Avis, die uns einen Seat Altea für diesen Roadtrip durch Huesca und den Parque Natural zur Verfügung gestellt haben und an die Abadía in Siétamo für die Übernachtung! 

Roadtrip durch Huesca Map

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