In der Camargue

Im Rhône Delta liegt das berühmte wilde Schwemmland, die Camargue, wo Wasser und Land noch einfach so ineinander übergehen, ohne menschliche Planung und Begradigung. Ganz so idyllisch, wie ich es mir ausgemalt hatte, ist es aber wohl nur noch in dem Naturschutzgebiet um den Étang de Vaccarès herum. Auf der Straße, auf der wir Richtung Saintes-Maries-de-la-Mer fahren, sieht es jedenfalls schon sehr „landwirtschaftlich“ aus.

Camargue weiße Pferde Provence

Zwischen den Wiesen und Kanälen gibt es jede Menge Reisfelder. Ich wusste gar nicht, dass hier so viel Reis angebaut wird – und so viele verschiedene Sorten! Roter, schwarzer, weißer Reis, Vollkornreis, Duftreis, Langkorn, Rundkorn, … Es gibt sogar ein alljährliches Reisfest! Obwohl man schon im 16. Jahrhundert versuchte, die kleinen, aus China stammenden Körner hier anzupflanzen, boomte der Reis erst ungefähr in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Versorgungslage während des Zweiten Weltkriegs war kompliziert, 1940 hatte das Vichy Regime auch noch vier Jahre lang die Herstellung von Alkohol verboten. So kam der berühmte Pastis Hersteller – der Herr Paul Ricard – auf die Idee, den Reisanbau, der hier bislang mehr oder weniger nur zum Schutz vor Versalzung der Böden betrieben wurde, in größerem Maßstab zu betreiben.

Rhone Delta Camargue

Links und rechts des Wegs erstrecken sich also vor allem Reisfelder. Zwischendurch sieht man schwarze Stiere und viele weiße Pferde, irgendwo im Grünen grasen. Nur rosa Flamingos lassen sich entlang der Straße nirgendwo blicken. Die sind sicher im Naturreservat gut beschützt. Dafür haben sich viele Pferdehöfe mit Supersonderangeboten zum Ausreiten hier breit gemacht: Touristen-Cowboys können alle paar hundert Meter eines der weißen Pferde besteigen und eine Runde im Kreis drehen, wenn sie wollen.

Wir halten kurz am Straßenrand an, um diese scheinbar wilden Pferde zu bestaunen, die da einfach so in der Botanik grasen. Ich glaube allerdings nicht, dass sie wirklich wild sind, dafür sind sie viel zu zahm. Eines kommt sogar glatt auf mich zugetrabt. Hat wohl Hunger, die weiße Schönheit ;-).

Camargue Pferde Provence

Camargue Pferde Provence

Obwohl die Pferde echt nett sind, fände ich es jedoch viel spannender, eine Tour im Kajak auf der Petit Rhone zu machen. Ich würde zu gern auf dem Kanal durch die Landschaft paddeln und einen ganzen Tag im Naturpark der Camargue verbringen!

Camargue Rhone Delta

Gegen Mittag kommen wir in Saintes-Maries-de-la-Mer an. Ich erinnere mich noch an eine Kinderfernsehsendung in den 70er Jahren, die immer damit anfing, dass die Gitanes, also Sinti & Roma, zu einem besonderen Wallfahrtsfest der Heiligen Sara hierher, in den Süden Frankreichs zogen. Den Namen der Sendung habe ich vergessen, aber die Bilder sind in meiner Erinnerung eingebrannt. Mein Reiseführer verrät mir jetzt auch, dass diese Sara die schwarze Dienerin zweier Frauen war, nämlich Maria, die Tante von Jesus sozusagen, und Maria, die Mutter von Jakobus und Johannes. Noch heute verehren jedes Jahr am 24. Mai Sinti und Roma aus ganz Europa hier ihre Heilige.

Kirche Saintes Maries de la Mer Camargue Provence

Ein verschlafenes, kleines Fischerdorf hatte ich mir damals immer vorgestellt. Das war wohl bis in die sechziger Jahre auch noch so. Mittlerweile ist Saintes-Maries-de-la-Mer eine kleine Küstenstadt, die wie so viele andere auch, im Sommer von Touristen überrannt wird. Irgendwie hat der kleine Ort ein südspanisches Flair. Das liegt sicher an den vielen Stieren und den Gitanes-Flamenco Restaurants. Während wir so Eis schleckend durch die Gassen bummeln, vorbei an Souvenirläden und unzähligen Stroh-Hüten, wie mein Opa sie in den 50er Jahren trug, bietet mir eine ältere Frau im langen Kleid an, aus meiner Hand zu lesen. Jedenfalls deute ich ihre Gesten so. Das ist mir jetzt doch zu touristisch. Ich lehne dankend ab.

Saintes Maries de la Mer Camargue Provence

Das Eis ist übrigens echt gut, ein glace à la manière de Pierre, wer auch immer dieser Pierre ist, seine Idee Reis und Eis zu mischen ist nicht schlecht! Mein Eis hat nämlich eine Art aufgepuffte Reiskörner mit drin und heißt irgendwas mit „riz“ und „Camargue“. Lecker! ( Preis pro Kugel 2,50 Euro)

Vom höchsten Punkt der Kirche Notre Dame de la Mer soll man eine superschöne Sicht auf die Landschaft haben. Das behauptet jedenfalls das Schild am Eingang des Kirchturms. Leider ist die Tür in der Mittagszeit geschlossen. Zwei Stunden warten will ich jetzt aber auch nicht. Dann muss ich auf den angepriesenen, einmaligen Ausblick auf die Camargue wohl erst mal verzichten.

Saintes Maries de la Mer

Saintes Maries de la Mer

Camargue Saintes Maries de la Mer

Strand Saintes Maries de la Mer Camargue

Camargue Landschaft

Camargue Pferde Provence

Nützliche Infos :

Website: Saintes Maries de la Mer

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