Wo die Hunde vor den Roller und die Katzen auf den Schoss kommen

Ein wenig Schiss habe ich schon, als Baikal und Dawson lospreschen, mit mir im Schlepptau. Die beiden Huskys rennen glücklich, ich rolle auf einer Trottinette hinterher. Die Trottinette ist so eine Art Roller, auf der ich stehend von den beiden Hunden gezogen werde. Teilweise fliege ich allerdings mehr als ich rolle, denn die beiden haben so viel Kraft, dass ich einfach abhebe, wenn es über Stock und Stein geht.

Baikal und Dawson gehören zu Mathieu, der vorneweg fährt. Meine Huskys folgen ihm bedingungslos – egal in welche Richtung Mathieu sich bewegt. Und das heißt auch, dass ich mir alle Lenkversuche direkt schenken kann, denn den Hunden ist es total egal, was ich will. Wobei das, was ich will, sich zunächst darauf beschränkt, nicht über einen herumliegenden Stein zu stolpern.

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Roller-Hunde im Lozère

Meine Hunde sind beide schon fünf Jahre alt und gehören damit zu den Älteren in der Meute. Sie haben diese für Huskys typischen Augen, ein braunes und ein knallblaues. Voll schöne und liebe Tiere! Die anderen zweiundzwanzig Hunde sind meist jünger. Dodge, der mit Mathieu vorne wegfährt, ist richtig verliebt in sein Herrchen. Er weicht ihm wirklich keinen Schritt von der Seite.

Mathieu kennt sich auch wirklich gut mit Hunden aus. Er ist schon in jungen Jahren, mit gerade mal siebzehn durch die Welt gereist. Nach Guyana, nach Burkina Faso, nach Ungarn und Finnland. Nachdem er sich eine Zeit lang mit Anakondas versucht hatte, entdeckte er aber bald seine Liebe zu den Huskys und ließ sich zum Hundeschlittenführer ausbilden. Mit Anfang zwanzig kam er hierher, ins Lozère, kaufte sich ein Holzhaus mitten im Wald und begann, mit seinen eigenen Hunden zu arbeiten. Das ist mittlerweile zehn Jahre her. Seither fährt er im Winter Schlitten und im Sommer Roller, die Trottinettes.

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Die Hunde haben sichtlich ihren Spaß an dem Waldlauf. Nachdem ich mich an das Tempo gewöhnt habe, fange ich an, die Fahrt zu genießen. Ich fliege durch die Landschaft, vorbei an Feldern und Wiesen. Es macht mir immer mehr Spaß. Ich fühle mich leicht wie eine Feder. Bald gucke ich auch gar nicht mehr auf die Steinchen vor mir auf dem Weg, sondern ich sehe nach vorne, wo Mathieu und Dodge auf uns warten.

Eine besondere Art von Pusteblume wächst am Straßenrand. Mathieu hat eine davon gepflückt und pustet. Céline, die mit mir unterwegs ist, versinkt wie eine Märchenprinzessin in einem Meer aus kleinen, weißen Schirmchen. Angeblich, so behauptet Mathieu jedenfalls, könne man den unteren Teil, die Wurzel der Blume, sogar essen. Derweil nutzen die Hunde die kleine Pause und trinken aus einer Pfütze.

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Sobald der Weg ein Stückchen bergauf führt, helfe ich Baikal und Dordogne ein bisschen. Damit die beiden nicht die ganze Aarbeit allein machen müssen, hole ich mit einem Bein Schwung und rollere den Hügel hoch. Nach einer Weile geht das ganz schön in die Beine! Aber kaum sind wir oben, geht es gleich wieder schneller. Die beiden rennen und rennen und sind total happy. Mein Gewicht scheint die Huskys kein bisschen zu stören. Immer mal wieder hält Mathieu an und zeigt uns Pflanzen, die am Wegesrand wachsen, Bärlauch, Arnika und wilde Beeren. Er weiß eine Menge über die Natur. Man merkt total, dass er in und mit dieser Landschaft lebt.

Nach unserer Tour, als die Hunde versorgt sind, und ich mich ganz herzlich bei meinen beiden Helden bedankt habe, zeigt uns Mathieu noch seinen Nachwuchs. Ein kleines Huskybaby, nur wenige Monate alt, tobt bei ihm zu Hause über die Wiese. Die kleine Dame ist überraschenderweise hellbraun und sieht gar nicht wie ein Husky aus. Aber Mathieu meint, bei Huskybabys sei das normal. Die Kleine tollt aufgeregt um uns herum. Sie ist so süß!

Kurz bevor wir uns schweren Herzens verabschieden, frage ich Mathieu noch, ob er denn nicht auch mal Urlaub macht. Mit 25 Hunden ist das sicher nicht so einfach. Seit zehn Jahren war er nicht mehr auf Reisen, erzählt er mir. Denn seine Hunde-Roller und Schlittentouren macht er ja das ganze Jahr über. “Aber demnächst geht es hoffentlich mal wieder los”, verrät er mir. “Für die Hunde ist gesorgt.” Das hat er sich auch mehr als verdient! Wo es denn hingehen soll? Wahrscheinlich wieder in den Amazonas. Oder nach Ostafrika … da wünsche ich ihm aber eine gute Reise!

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Katzen auf dem Bauernhof

Nachdem sich unser Adrenalinpegel von der sportlich-aufregenden Tour mit dem Hunde-Roller wieder einigermaßen normalisiert hat, machen Céline und ich uns auf den Weg zu unserem heutigen Schlafplatz. Dieses Mal übernachten wir in einem Chambre d’hôtes in Arzenc de Randon.

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Ich mag diese kleinen, privaten Gästezimmer. Schon als wir bei Marie ankommen, bin ich von der familiären Atmosphäre begeistert. Zwei kleine Katzen laufen auf dem Hof herum und suchen sich prompt meinen Schoss als Kuschelplatz aus. Erst kommt die kleine Graue, dann die Schwarze, die sich einfach auf ihre Schwester draufsetzt. Dann erscheint Lucille, Maries Nichte, die mir erklärt, wie die Katzen heißen, dass die Katzenmama vor Kurzem gestorben ist, und was es sonst im Dorf alles so Neues gibt. Sie ist ein aufgeweckter kleiner Schatz. Besser kann ich ja wohl kaum noch empfangen werden!

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Während Marie in der Küche werkelt und die Kinder fröhlich spielend mit ihren Rädern durch die Gegend toben (hier laufen außer Lucille noch Maries Sohn und ein Nachbarjunge herum), lerne ich derweil die anderen Gäste kennen. Vier Belgier, zwei Franzosen, Céline und ich werden nämlich heute Abend zusammen mit Marie an der großen Familientafel Abendbrot essen. Der Tisch in dem alten Bauernhaus ist schon gedeckt.

Marie ist ein wunderbarer Mensch. Sie ist offen, herzlich, großzügig, liebenswert und hat ein riesengroßes Herz. Ich fühle mich bei ihr sofort wie zu Hause. Sie interessiert sich für ihre Gäste und will sie kennenlernen. “Die ganze Welt kommt zu mir nach Hause. Ist das nicht wundervoll?”, fragt sie mich lachend. Sie freut sich über die Reisenden, die für eine oder mehrere Nächte an ihrer Tafel Platz nehmen, mit ihr essen und von anderen Ländern und Gegenden erzählen. Es macht sie einfach glücklich, wenn diese Menschen ihre Heimat kennenlernen und die Natur so lieben und erleben, wie sie selbst.

Den Hof hat Marie von ihren Eltern übernommen, die schon vor ein paar Jahrzehnten damit angefangen hatten, Gästezimmer zu vermieten. Die Kühe, die zu dem kleinen Bauernhof gehören, sind gerade auf einer Weide am anderen Ende des Dorfes. Also die lerne ich heute wohl leider nicht mehr kennen. Dafür kann ich aus dem Fenster meines zwar kleinen, aber gemütlichen Zimmers die Auerochsen auf einer Weide gegenüber grasen sehen.

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Mittlerweile sind alle eingetrudelt und haben an der langen Tafel vor dem offenen Kamin Platz genommen. Während das Feuer leise knistert, serviert Marie das Essen. Zuerst gibt es eine Erbsensuppe, dann Fleisch und Zucchinigemüse. Die Katzen rekeln sich mittlerweile in einem Sessel vor der Feuerstelle. Die Belgier erzählen von ihrem Ausflug heute und die Franzosen berichten von einem Schwätzchen mit einem Bauern, den sie im Nachbardorf getroffen haben.

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Schließlich tischt Marie noch Käse und einen selbst gebackenen Pflaumenkuchen auf, während sie uns erläutert, was sie am Wochenende alles vorhat. Eine Kartoffelernte, extra für die Restos du Coeur* steht auf dem Plan. Das ist doch die Initiative, die Coluche damals in den achtziger Jahren, ins Leben gerufen hat, erinnere ich mich. Der französische Clown und Schauspieler kämpfte in verschiedenen Projekten gegen Armut und Rassismus. Unter anderem sammelte er eben auch Lebensmittelspenden für Bedürftige. “Also wenn Ihr Lust habt, könnt ihr gerne alle miternten”, ruft Marie fröhlich in die Runde und verteilt den Kuchen.

Am nächsten Morgen setze ich mich mit einer Tasse heißen Kaffee, den Marie mir frisch aufgebrüht hat, vor die Tür auf die kleinen Terasse. Irgendwo muht schon eine Kuh. Vögel zwitschern in der Ferne und die Sonne taucht die Wälder in ein herbstlich strahlendes Licht.

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Infos zu den Hunde Touren mit Schlitten oder Roller:

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Evasion Grand du Nord
Mathieu Lamblin
La Montagne
48600 St Paul le Froid
Website: www.chiens-traineaux-massifcentral.com

hunde-baikal-roller-und-schlitten-lozere-freibeuter-reisenBaikal, einer „meiner“ Hunde, ist der Star auf dem Plakat der Evasion Grand Nord !

Vacances a la ferme
Marie Amarger
Le Giraldès
48170 Arzenc de Randon
Website: www.vacancesalaferme-lozere.com

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Hinweis: Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Blogtrips durch das Lozère.

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