Chez Carole in Fort-de-France

Carole hat in Toulouse Geologie und Kommunikation studiert. Als ihre Mutter krank wurde, kehrte sie also zurück nach Martinique, um sie zu pflegen. Der Zusammenhalt in den Familien ist sehr wichtig, hier auf der Insel. Man verbringt viel Zeit mit der Familie und hilft sich gegenseitig. Einen Job als Geologin fand Carole auch nach langer Suche in Fort-de-France aber nicht. Ganz pragmatisch und engagiert überlegte sie sich also etwas anderes und eröffnete ein kleines Restaurant auf dem Markt. Das ist nun auch schon viele Jahre her.

Es ist kein sehr ertragreiches Geschäft, aber genug, um davon leben zu können. Carole steht jeden Morgen früh auf, kauft ein, kocht und serviert dann ihren Gästen kreolische Hausmannskost. Das Essen ist einfach, aber lecker. Und Carole ist immer gut gelaunt. Obwohl sie den ganzen Laden allein schmeißt, begrüßt sie uns fröhlich und mit einem strahlenden Lächeln. Sie will etwas Gutes für ihre Gäste tun und hat Freude daran, anderen eine kleine Freude zu bereiten. Carole möchte einfach, dass sich die Leute bei ihr wohlfühlen.

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Manchmal ist das alles gar nicht so leicht. Hilfe zu finden ist nicht einfach. Die meisten jungen Leute sind nicht unbedingt begeistert von der harten Arbeit und suchen ihr Glück lieber anderswo. Und auch die Konkurrenz auf dem Markt ist hart, denn alle anderen kleinen Läden und Restaurants wollen schließlich auch leben. Da Carole sehr gut Englisch spricht, mischen sich immer wieder ein paar Touristen unter ihre einheimischen Gäste. Sie schätzen es, wenn Carole auch bei Hochbetrieb, die Zeit für ein paar nette Worte findet.

Als ich mich kurz mit ihr unterhalte, meint sie, sie wisse nicht, wie lange sie das hier noch machen könne. „Solange ich gesund bin und noch die Kraft habe, mache ich weiter.“ sagt sie, während sie Teller abwäscht und mit einem Auge stets die Gäste im Blick hat. Eine echt beeindruckende Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, ohne zu jammern.

Bummel durch Fort-de-France

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Auf dem kleinen Markt werden hauptsächlich Obst und Gemüse verkauft. Und Gewürze. Gewürzmischungen gibt es in Tüten oder als fertige Soßen. Dazwischen bunte Flaschen mit Säften und Likören und jede Menge nützliches Allerlei für die Küche. Ich entdecke diese dünnen Quirle aus Holz, mit denen die Martinikaner ihren Rum-Punsch zubereiten, und finde einen Stand mit Kalebassen. Diese ausgehöhlten Kürbishälften werden nach wie vor gern als traditionelle Trinkgefäße benutzt. Manche sind sogar richtig aufwendig verziert. Ich kaufe eine Kleine, ganz schlichte, für den Mann zu Hause als Andenken. Mein alter Pfadfinder liebt solche Sachen.

bibliothek-fort-de-france-martinique-freibeuter-reisenBibliothèque Schoelcher 

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Außer dem Markt gibt es in Fort-de-France nicht all zu viele Sehenswürdigkeiten. Das Zentrum ist relativ klein und überschaubar. Ich bummle am alten Rathaus vorbei, das jetzt ein Theater ist, und sehe mir die wunderschöne Bibliothek an, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts von einem Schüler Gustav Eiffels errichtet wurde. Auch die Kathedrale ist in diesem Stil und zu etwa derselben Zeit errichtet worden. Die helle und leicht wirkende Struktur erinnert mich irgendwie an eine Markthalle, nur hübscher natürlich. Die bunten Fensterbilder erzählen neben den Darstellungen biblischer Szenen auch die Geschichte der Insel. In einer Ecke leuchten unzählige Opferkerzen lautlos flackernd. Eine junge Martinikanerin entzündet eine neue Kerze und stellt sie vor die Statue der Madonna. Leise steht sie dort und betet still ein paar Minuten. Ich mag diese Kathedrale.

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Auf den Plätzen sitzen junge und ältere Leute beieinander und halten ein Schwätzchen. Der Name Schoelcher fällt mir immer wieder auf. Als ich Kareen, die mit mir unterwegs ist, danach frage, erklärt sie mir, warum so viele Straßen und Plätze nach diesem Mann benannt sind. Der aus dem Elsass stammende Politiker hatte Anfang des neunzehnten Jahrhunderts bei einer Reise durch Mittelamerika und die Südstaaten der USA mit eigenen Augen gesehen, unter welchen Bedingungen die Sklaven dort leben und arbeiten mussten. Er war entsetzt und stellte von da an den Kampf gegen die Sklaverei in den Mittelpunkt seiner politischen Arbeit. 1848 konnte er ein Dekret verabschieden, dass diese unmenschlichen Zustände für immer abschaffte. In Martinique zeigten die Einwohner ihren Dank und Respekt für diesen unermüdlichen Einsatz, indem sie nicht nur Straßen, sondern auch die Bibliothek und sogar eine ganze Ortschaft nach dem mutigen Mann benannten.

schoelcher-fort-de-france-martinique-freibeuter-reisenSchoelcher-Denkmal

Ich bewege mich durch die wenigen Straßen der Altstadt in Richtung Hafen. Ein Mann in hohen Gummistiefeln, mit einer Kette aus Seepferdchen um den Hals, spritzt die Uferpromenade sauber, die wie die berühmte Esplanade in Havanna, Malecón heißt. Zwei junge Männer in leuchtend roten T-Shirts sitzen am Hafenbecken und beobachten das Kreuzfahrtschiff, das heute Morgen jede Menge Tagesbesuch ausgespuckt hat, die sich schnell über die ganze Insel verteilt haben. Ein buntes Karusell steht still und wartet auf Gäste. Bevor die Touristen am Abend zurückkehren werden, geht es hier eher beschaulich zu.

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Weiter rechts angeln zwei andere Männer und ein kleiner Junge direkt im Hafenbecken. Sie lachen, als ich frage, was sie denn fangen wollen und ob man die Fische auch essen könne. Offenbar ist das Wasser in der Bucht sehr sauber, denn sie beteuern mir, dass sie alles, was sie fischen, auch essen werden.

Die scheinbar gute Qualität des Wassers bestätigt mir auch Thomas, ein junger Martinikaner, mit dem ich gleich das Fort am Ende des Hafens besichtigen werde. Als wir an einem kleinen Stückchen Strand ganz am Ende des Hafens vorbeikommen, erzählt er, dass hier regelmäßig Schwimmkurse angeboten werden. Tatsächlich sehe ich trotz des aufziehenden Regenschauers wirklich mehrere Leute baden.

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Fort Royal

Das Fort Royal wurde bereits im siebzehnten Jahrhundert errichtet und ist bis heute eine aktive Militärbasis. Darum können wir auch nicht die gesamte Anlage, sondern nur den historischen Teil ansehen, erklärt Thomas. Voller Enthusiasmus und gut gelaunt führt er mich entlang der alten Mauern über fast zugewachsene vaubansche Bastionen in die Kasematten. (An dieser Stelle werde ich hellhörig. Kurz vor meiner Reise nach Martinique hatte ich nämlich gerade ein sehr spannendes Buch von Angel Sanchez Piñol gelesen. In „Victus“ geht es um einen Schüler Vaubans, der später in die tragischen Ereignisse der Belagerung Barcelonas 1714 verwickelt wurde. Lesetipp!) 

Dicke Mauer und schmale Fensterschlitze sollten die wenigen Soldaten, die hier auf der Festung stationiert waren, vor Angreifern schützen. Als wir ein kleines Plateau erreichen, liegt nur wenige Meter vor uns einen Leguan im Gras. Weiter vorn, auf einem Felsvorsprung sitzt ein besonders dickes Exemplar und auf einer Mauer entdecke ich gleich noch einen, der sich in auffälligem Froschgrün leuchtend von den grauen Steinen abhebt.

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Thomas erklärt, dass sich hier auf der Festung früher einmal ein Zoo befunden habe. Besonders erfolgreich scheint er nicht gewesen zu sein, denn der kleine Tierpark wurde ziemlich bald wieder geschlossen und die Tiere an anderen Orten untergebracht. Bis auf die flinken Leguane. Die entwischten ganz offenbar und versteckten sich auf dem felsigen Gelände. Darum wimmelt es auf der Zitadelle also noch heute von diesen Tieren.

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Vom obersten Punkt der alten Anlage werfe ich dann einen Blick auf den Hafen. Ich kann die ganze Bucht einsehen und über die Dächer von Fort-de-France bis in die nahe gelegenen Hügel und Berge gucken. Dicke schwarze Wolken ziehen auf. Gleich wird es regnen. Aber dieser 360-Grad-Blick muss für die Verteidiger der Insel ein strategischer Glücksfall gewesen sein. Diese Aussicht war sicherlich auch der Grund, genau an dieser Stelle so ein imposantes Bollwerk zu errichten. Fort-de-France ist nämlich nicht, wie ich vorher gedacht hatte, schon immer die Hauptstadt Martinques gewesen. Es gab hier zwar bereits im siebzehnten Jahrhundert eine Festung, aber die Menschen ließen sich erst später, nach einem Vulkanausbruch, der im achtzehnten Jahrhundert die bisherige Hauptstadt Saint Pierre verschüttet hatte, im Schutz dieser mächtigen Mauern nieder.

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Als die Wolken dann tatsächlich anfangen, jede Menge warmes Wasser über uns auszuschütten, machen wir uns auf den Rückweg. Aber zum Glück dauern diese kleinen Schauer auf Martinique ja nie lange.

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Nützliche Infos zu Fort-de-France

Öffentliche Transportmittel gibt es auf Martinique fast gar nicht. Nur im Hafen von Fort-de-France gibt es einen großen Parkplatz, so etwas wie einen ZOB für Sammeltaxis. Mit einem Taxi Collectif  „T.C.“ kann man praktisch jede Ecke der Insel erreichen – wenn man genug Zeit hat. Leider fahren diese TCs nur sternförmig von Fort-de-France die einzelnen Orte auf Martinique an und verkehren auch nicht mehr am frühen Abend oder gar des Nachts. Eine bequemere und praktischere Option ist es, einen Mietwagen zu nehmen.

Um zu den dem Hafen gegenüberliegenden Stränden der Trois Îlets zu gelangen, gibt es kleine Fähren, die bateaux navettes, die ungefähr halbstündig die Bucht überqueren. Fahrpläne sind am Anleger ausgehängt, die Fahrkarten kauft man direkt an Bord.

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Kathedrale Saint Louis
Rue Victor Schoelcher
Fort-de-France, Martinique

Bibliothèque Schœlcher
Rue Victor Sévère
Fort-de-France, Martinique

Chez Carole / Grand Marché
Rue Antoine Siger / Rue Isambert
Fort-de-France, Martinique
Der Markt öffnet von ca. 6 bis 15 Uhr

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Dieser Artikel entstand dank einer Pressereise, zu der ich von Atout France, CMT Martinque und Condor Airlines eingeladen wurde. Vielen Dank!   

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