Radtour über die Pyrenäen – Pirinexus II

Weiter geht es mit der Radtour durch die Pyrenäen. Den zweiten Teil starten Lina und Andreu in Frankreich und fahren Richtung Katalonien:

Sonnenblumen Radtour Katalonien

TAG 4: VON CERET BIS SANT PERE PESCADOR

Früh am Morgen verabschieden wir uns von unseren Weggefährten. Um 6:30 Uhr während Andreu und ich noch gemütlich frühstücken, sind alle anderen schon startklar. Für Marie Claude und François endet die Pirinexus hier, Juanito und Paco fahren wie wir Richtung Girona, aber ob wir sie noch einmal treffen, ist nicht sicher. Kurz danach brechen auch wir auf. Der Tagesrhythmus auf so einer Radreise ist sehr an die Sonne gebunden. Die Routen werden so geplant, dass man möglichst nicht die mittägliche Hitze erwischt. Das bedeutet, man steht sehr früh auf und geht abends, nach einem ganzen Tag an der frischen Luft, auch wieder früh zu Bett. Wenn die Sonne untergegangen ist, gibt es eh nicht mehr viel zu tun und man ist K.O., weil man ja so früh aufgestanden ist.

strasse morgensonne pirinexus

Auf dem Weg nach Spanien erwartet uns heute die “mauvaise” Strecke, vor der uns Marie Claude und François schon gewarnt hatten. Vom Campingplatz aus sparen wir uns also den Weg nach Le Boulou und fahren direkt über Maureillas-las-Illas in Richtung La Jonquera. Wieder geht es einen Coll hinauf (Col de Panissars), doch zum Glück ist dieser nicht ganz so anstrengend wie der Coll d’Ares.

Vermutlich sind wir unterwegs versehentlich von der offiziellen Pirinexus Route abgewichen oder haben die Ausschilderung übersehen, aber irgendwie haben wir es hingekriegt, die angekündigte “mauvaise” Strecke zu verpassen. Statt des schlechten Weges, bei dem François absteigen und das Rad tragen musste, sind wir zum Fort de Bellegarde geradelt und von dort bergab bis Le Perthus. Bis zur Grenze müssen wir allerdings ein Stück an der dicht befahrenen Hauptstraße fahren. Wir haben nur zwei Optionen: entweder den Coll wieder hochradeln, und die “mauvaise” Strecke suchen, oder 10 Minuten mit den Autos und LKWs auf der N-II bis La Jonquera weiterzufahren. Obwohl ich diesen dichten Verkehr hasse, entscheiden wir uns für die Nationalstraße.

Als wir wohlbehalten in La Jonquera ankommen, finden wir auch sofort die Ausschilderungen der Pirinexus wieder. An einer Steigung stehend, spricht uns kurz hinter der Grenze wieder jemand an. Manel ist ohne Satteltaschen auf einem einfachen Fahrrad unterwegs und schlägt vor, uns die steile Strecke bis Capmany hinauf zu begleiten. Er macht uns den Weg ein wenig leichter, weil er von seinen spannenden Radreisen durch Südamerika erzählt. Da war er nämlich mit seinen Gleitschirm unterwegs und ist zwischen den Vögeln geflogen. Plötzlich hält er an und zeigt uns einen Menhir. Auf dieser Strecke gibt es erstaunlich viele dieser frühzeitlichen Steinmonumente. In Capmany angekommen, lädt er uns auf ein Erfrischungsgetränk ein und gibt uns noch ein paar Tipps für unsere große geplante Radreise mit auf den Weg. Wie schön, dass es so viele, nette Menschen gibt, die einfach auf einen zukommen und hilfsbereit sind 🙂

Agrobodega Capmany

Menhir Radtour Katalonien

Weiter geht es durch trockenes Land. Wir fahren durch das Hinterland der Küste im Alt Empordà. Gegen Mittag wird es heiß. An einigen Stellen ist die Landschaft schwarz verkohlt, die Reste eines Feuers. Leider kommt es immer wieder zu Waldbränden. Dann geht es durch Maisfelder an einem Bewässerungskanal entlang bis nach Peralada. Hier ist der Weg plötzlich komplett nass und wir müssen durch eine riesige Schlammpfütze radeln.

In Peralada treffen wir Juanito und Paco wieder, die sich wundern, dass wir sie so schnell eingeholt haben. Wir berichten von unserer Strecke über die N-II und geben zu, ein wenig geschummelt zu haben. Zur Feier unserer Wiedersehens essen wir zusammen Tapas in der Bar El Carme und fahren dann zu viert weiter. Jetzt geht es endlich Richtung Strand! In Castelló d’Empúries kann man Roses schon erkennen.

Masarac Radtour Katalonien

Sandwege führen nun mitten durch die Aiguamolls. In dem sumpfigen Naturpark kann man an manchen Stellen Flamingos, Störche und andere Zugvögel sehen. Für mich ist das hier eine der schönsten Landschaften an der Costa Brava. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier alles so vertraut ist, schließlich kennen Andreu und ich uns hier bestens aus. Das ist jetzt unser Revier. Wir kommen in Sant Pere Pescador an. Unsere neuen Freunde fahren ein paar Kilometer weiter bis La Escala, wo die Etappe offiziell endet, doch Andreu und ich bleiben natürlich auf dem Campingplatz Ballena Alegre, denn da haben wir uns kennengelernt. Jetzt geht es an den Strand! Von hier aus hat man übrigens im Osten einen wunderschönen Blick auf den Sonnenaufgang und im Westen auf den Sonnenuntergang.

Radtour Katalonien Emporda
L'EScala Radtour Katalonien

Kanal Emporda

 

TAG 5: VON SANT PERE PESCADOR BIS SANT ANTONI DE CALONGE

Am nächsten Morgen freuen Andreu und ich uns schon sehr auf den ersten Teil der Strecke. Der Weg, der vom Campingplatz zu den Ruinen von Empúries und weiter bis L’ Escala führt, ist eine unserer Lieblingsstrecken, die wir schon unzählige Male auf- und ab- gelaufen sind. Wir kennen jede Kiefer und jeden Oleander am Wegesrand. Es riecht nach trockenen Piniennadeln und warmer feuchter Meeresluft. Für uns ist das der Duft des Sommers. Wie wunderbar, dass die Pirinexus genau hier entlang verläuft!

Cami de Ronda Radtour Katalonien

Radtour Empuries Radtour Katalonien

Mündung Riuet Radtour Katalonien
Riuet Emporda Radtour Katalonien

Doch kurz bevor wir L’Escala erreichen, weicht die Pirinexus von unserer Laufstrecke ab. Hinter einem Lidl, wo ein kleiner Bach kurz davor ist, ins Meer zu münden, füttert ein Mann herum planschende Enten mit trockenem Brot. Wir müssen weiter bis Bellcaire de l’Empordà. Auf einem Sandweg geht es über Ullà bis Torroella de Montgrí. Es wird immer heißer.

Die Burgruine oben auf dem Montgrí, auf dem wir auch schon mal waren, erkennt man von Weitem. Wenn man Zeit hat, lohnt es sich das Fahrrad abzustellen und zum Castell hochzuklettern. Der Ausblick ist wunderschön. Aber nicht bei dieser Mittagshitze.

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In Torroella entdecken wir eine zusätzliche Pirinexus-Ausschilderung, die an den Strand von L’Estartit führt. Da wir gerade letzte woche genau dort waren, entschließen wir uns direkt nach Fontanillas weiter zu fahren. Und rate mal, was in der Nähe von Fontanillas liegt: das Mooma! Natürlich können wir da nicht einfach vorbeifahren! Also radeln wir durch die endlos scheinenden Reihen der Apfelbäume und gönnen uns im Garten ein Glas Sidra.

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Mit ziemlich leerem Bauch und in der knallender Sonne, hätten wir im Nachhinein vielleicht doch besser einen der Apfelsäfte getrunken. Denn als wir vom Mooma wegfahren, radeln wir prompt in die falsche Richtung. Einmal im Kreis fahren wir nach Fontclara, dann bis Palau-Sator und schon stehen wir wieder in Fontanillas.

An Palau-Sator vorbei führt die Pirinexus weiter Richtung Pals. In Torrent sind wir wegen der Hitze fast am Verdursten, aber in dem Brunnen ist kein Wasser, um unsere Trinkflaschen aufzufüllen. Als wir einen vorbeikommenden jungen Mann fragen, ob es in der Nähe einen anderen Brunnen gäbe, bietet er uns an, die Flaschen bei sich zu Hause aufzufüllen. Wie nett! Von hier geht es dann nach Palafrugell. Eigentlich ein schöner, netter Ort, jedenfalls mag ich das Zentrum und auch die Buchten. Leider führt die Pirinexus aber nur durch den Speckgürtel der Industriegebiete, nicht direkt in den Ort hinein.

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Hinter Palafrugell geht es wieder auf einer Via Verda weiter. Die Ruta del Tren Petit führt bis Palamós und verläuft die ganze Zeit über flach. Wir fahren noch bis Sant Antoni de Calonge, doch das würde ich nicht unbedingt weiterempfehlen. Der Ort besteht vorwiegend aus großen Hotelkomplexen und die Strandpromenade ist überlaufen. Schlauer und schöner wäre es gewesen in Calella de Palafrugell oder am Cap Roig zu übernachten. Aber um bis Sant Feliu de Guíxols weiterzufahren und dort einen Schlafplatz zu suchen waren wir einfach zu K.O.

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Lustigerweise treffen wir an der Promenade von Sant Antoni de Calonge Juanito und Paco. Wir haben sie doch wieder eingeholt! Natürlich gehen wir zusammen eine Pizza essen um uns von dieser Route zu verabschieden, denn heute ist unsere letzte Nacht auf der Pirinexus. Paco erzählt uns, er sei Schweißer und habe in Caldea in Andorra fast die ganze Anlage der Therme selbst gebaut. Auch die riesige Eisenskulptur “La Dama de Gel”, an der im Winter Stalaktiten wachsen, habe er alleine gebaut und seinen Namen heimlich an der Rückseite der Plakette eingraviert.

Am nächsten Tag wollen unsere Freunde direkt bis Caldes de Malavella weiterfahren, während Andreu und ich auf dem offiziellen Weg bis Sant Feliu und von dort nach Girona fahren wollen. Dieses Mal sind sie es, die “schummeln”, nicht wir.

TAG 5: SANT ANTONI DE CALONGE BIS GIRONA

Wir stehen früh auf um den letzten Rest der Strecke ohne zu schummeln bis nach Girona (und von dort mit der Bahn nach Hause) zu fahren. Über Platja d’Aro und S’Agaró geht es nach Sant Feliu de Guíxols. So früh ist kaum jemand unterwegs. Ab Sant Feliu de Guixols wird die Strecke wieder schöner. Die Via Verde – Ruta del Carrilet I von hier bis nach Girona bin ich schon einmal gefahren, allerdings andersherum. Jetzt geht es auf dem grünen Weg über Castell d’Aro und Santa Cristina d’Aro wieder ins Landesinnere. Während ich letztes Mal durch eine grüne Landschaft voller Blumen gefahren bin, ist jetzt alles trocken.

via verda el carrilet II quart radtour

Unterwegs halten uns drei Fahrradfahrer mit Satteltaschen an und fragen, ob wir die Pirinexus gefahren seien, denn sie hätten uns an uns an bunten Satteltaschen wieder erkannt. Wir unterhalten uns über die Strecke gestern, die Hitze und den Gegenwind und beschließen gemeinsam nach Llagostera zu fahren und dort zu frühstücken. Mit Txus, Manu und Natalia gehen wir ins “El Carril”, ein Klassiker an der Strecke, denn vor der kleinen Bar stehen gefühlte 60 Fahrräder.

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Die drei kommen aus Barcelona und erzählen, dass sie sich vor der Fahrt eigentlich kaum kannten. Über gemeinsame Freunde haben sie sich eher zufällig gefunden und ganz spontan entschieden die Pirinexus zu fahren. So gehts also auch. Zusammen mit Txus, Manu und Natalia fahren wir weiter nach Cassà de la Selva und Llambilles. An der Fahrradskulptur, die wir dort entdecken, machen wir ein Gruppenfoto auf dem wir aussehen wie die Powerranger. Dann geht es über Quart bis Girona, und wir haben es geschafft! Wir haben die Pirinexus vollbracht! Natürlich stoßen wir mit unseren neuen Freunden darauf an, bevor sich unsere Wege wieder trennen!

freunde Radtour Katalonien

Radtour Katalonien Prost Ende

FAZIT

Andreu und ich haben diese Pirinexus problemlos in 6 Tagen geschafft. François und Marie Claude sind ganz gemütlich in 7 Tagen gefahren und Txus, Manu und Natalia haben die Strecke in 5 Tagen zurückgelegt. Jeder kann also in seinem eigenen Rhythmus fahren. Campingplätze gibt es fast überall und selbst im Hochsommer findet man Platz für ein Zelt. Allerdings können die Plätze an der Costa Brava im Sommer teuer sein.

Die Etappe durch die Berge war vom Klima her angenehmer, aber dafür ein wenig anstrengender zu fahren. An der Küste war es genau andersherum. Im Alt Empordà und im Baix Empordà verläuft die Strecke vor allem im Landesinneren. Es geht also nicht die ganze Zeit am Strand entlang.

Pirinexus Ende Radtour Katalonien

Was ich teilweise schade fand, ist, dass die Route oft nicht durch die schönen Dörfer, sondern meistens daran vorbei verläuft. Das liegt natürlich daran, dass die Vias verdes stillgelegte Bahnstrassen sind, und die verliefen eben nicht mitten durch die kleinen Orte. Aber so ist es jedem selbst überlassen was man sich anschauen möchte und was nicht.

Zu den schönsten Erlebnissen auf der Pirinexus gehört für mich die Gemeinschaftlichkeit des Radreisens. Wir haben so viele verschiedene Menschen kennengelernt und uns mit ihnen unterhalten, einfach nur weil wir auf dem Fahrrad unterwegs waren. Egal welchen Hintergrund man hat, wir sind mit dem Rad unterwegs, das haben wir alle gemeinsam. Es ist schön zu erleben, wie Menschen sich nicht abspalten, sondern auf den Gemeinsamkeiten aufbauen und zusammenfinden. Egal ob man dieselbe Strecke fährt, ob man sich wieder trifft oder nicht. Juanito hat mir zum Abschied geschrieben: Das Reisen mit Satteltaschen ist wie eine Sucht, von der man nie wieder loskommt!

INFOS ZUR PIRINEXUS

Viele nützliche Infos zur Pirinexus und den Vies Verdes gibt es hier www.viesverdes.cat/es/rutas/pirinexus/

Auf dem Blog Con Alforjas gibt es eine Landkarte mit möglichen Unterkünften auf der Strecke.

Eine Landkarte mit Höhenprofil als PDF Datei zum herunterladen.

Radtour Katalonien

APPS FÜR DIE TRACKS:
Google Maps
Wikilocs
Maps Me

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