Die Schlacht bei Austerlitz – oder Verwandtenbesuch in Tschechien

Als ich meinen Flug nach Brno buchte, hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass Austerlitz in der Tschechischen Republik liegt. Austerlitz ist nämlich der deutsche Name für das Dorf Slavkov, das nur wenige Kilometer von Brno (auf Deutsch: Brünn) entfernt liegt. Als wir mit dem Auto an einem kleinen Hügel vorbeikommen, auf dessen höchster Erhebung zwei Bäume zwischen den grünen Feldern stehen, denke ich zunächst nur, wie nett das aussieht. Aber Michail, bei dem wir in Brno zu Besuch sind, fährt direkt zu der kleinen Anhöhe und erklärt uns, dass wir hier auf französischem Boden stehen. Von genau dieser Stelle hatte Napoleon die beste Sicht auf seine Truppen. Michail erläutert uns die taktischen Bewegungen der Heere und zeigt uns wie Napoleon damals den Sieg errang. Scheinbar weiß das hier jedes Kind. Es gibt heute noch viele Restaurants, die sich „Napoleon“ nennen und Hotels, die „Bonaparte“ heißen. Wir entdecken unterwegs sogar eine Betonfabrik, die ihre Türme und Maschinen so bunt bemalt hat, dass sie von Weitem wie Lego-Soldaten in französischer Uniform aussehen.

schlacht bei Austerlitz Tschechien

Genau hier, wo ich jetzt stehe, lenkte Napoleon vor über zweihundert Jahren seine Truppen in der Schlacht bei Austerlitz. Der französische Emporkömmling wagte es, gegen die Europa beherrschenden Imperien des Russischen und des Österreichischen Kaiserreichs zu kämpfen. Gegen die Engländer hatte Napoleon zuvor schon bei Trafalgar gekämpft, war allerdings ihrer mächtigen Flotte unterlegen. Die Briten beherrschten die Weltmeere. 1805 kam es dann bei Austerlitz zu einer Schlacht, die in die Geschichte als strategische Meisterleistung Napoleons einging, und ihm die Herrschaft über große Teile Europas einbrachte.

Schlacht bei Austerlitz Gedenkstein

Schlacht bei Austerlitz Napoleon Hügel

Betonfabrik in der Nähe von Austerlitz

Rousinov Tschechien

Ganz genau genommen sind wir in dem kleinen Dorf Rousinov zu Besuch. Wir, das ist ein Teil der spanischen Hälfte der Familie, sind nämlich bei meinem tschechischen Schwager Stanislav und seinen Verwandten zu Gast. Der Großteil seiner Familie lebt in der Nähe von Brno, im südlichen Mähren (Moravia). Zusammen mit Stanis statten wir am ersten Tag allen Cousins, Tanten, Onkeln und Freunden einen kleinen Besuch ab. Es ist echt lustig mit einem Tschechen in Tschechien unterwegs zu sein. Und es ist garantiert nichts für die schlanke Linie. Denn wo wir auch hinkommen, werden wir nicht nur herzlich empfangen, sondern auch fürstlich bewirtet. Zuerst wird meistens Wasser oder Saft angeboten. Das nehmen wir dankend an.

reich gedeckter Tisch Gastfreundschaft Tschechien

Gastfreundschaft Sliwowitz Tschechien

Während wir am Familientisch Platz nehmen, kommt noch eine Cousine, der Sohn der Cousine, die 80-jährige Tante und noch viele andere Familienmitglieder. Ein Onkel ist Taubenzüchter und hat schon viele Preise mit seinen schlauen Vögeln gewonnen. Stolz präsentiert er die Pokale. In der Küche ist es schnell voll geworden. Und auch der Tisch füllt sich zusehends. Zu Wasser und Saft gesellen sich Kaffee, selbst gebackene Plätzchen und Kuchen. Dann gibt es Bier, Brot, Käse und Wurst, selbst geschlachtet natürlich. Das Schwein wog über 300 kg erzählt der Mann der Cousine stolz. Alle reden fröhlich durcheinander. Die jüngere Generation der Tschechen lernt Englisch in der Schule, aber die Älteren sprechen nur Tschechisch oder Russisch. Manche können auch ein wenig Deutsch. Wir verständigen uns irgendwie mit Händen und  Füßen. Es ist ein lustiges Tschechisch-Spanisch-Englisch-Deutsch-Wirrwarr. Ich liebe es. Irgendwann steht dann auch der selbst gebrannte Pflaumenschnaps auf dem Tisch. Ein kleines Schlückchen Sliwowitz, nur zum Probieren. Es schmeckt sehr lecker und brennt gar nicht. Vielleicht habe ich einfach eine gute Grundlage im Magen, bei den ganzen Leckereien, die ich schon gegessen habe, sodass mein Magen nichts dagegen hat, noch ein zweites Schlückchen Sliwowitz zu kosten.

Tschechien Mähren Auf dem Land

Plattenbau neu angemalt Tschechien

Mit dem Besuch der diversen Verwandten vergeht der erste Tag in Mähren ziemlich schnell. Wir sehen alte Bauernhäuser, schicke neue Eigenheime und ein paar alte Plattenbausiedlungen, die nicht mehr grau sind, sondern in bunten Farben in der Sonne strahlen. Am Abend gehen wir dann alle noch in ein Restaurant, das natürlich nach dem berühmten Feldherrn benannt ist: Napoleon Bonaparte.

rustikales essen tschechien

Das Essen ist sehr rustikal, wir sind ja auch auf dem Land. Es gibt jede Menge Fleisch: Schnitzel, Medaillons und Spieße. Für mich gebratenen Käse. Und dann falle ich nur noch todmüde ins Bett.

Restaurant Napoleon Bonaparte - Schlacht bei Austerlitz

restaurant bonaparte Austerlitz

 

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