Es weihnachtet sehr – Fira de Nadal

In den letzten Jahren haben Weihnachtsmärkte unglaublich an Popularität gewonnen. So kommt es mir jedenfalls vor. Nichts gegen Weihnachtsmärkte. Seit ich denken kann, gab es diese Märkte in der Adventszeit, auf denen Weihnachtsdekorationen, Lebkuchen und vor allem Glühwein angeboten wurden. Doch während das früher kaum jemanden interessiert hat, sind die Advents- und Christkindlmärkte derzeit scheinbar mega angesagt. Sogar hier in Südeuropa sind alle völlig verrückt nach „Weihnachtsmärkten“. Ich kenne Leute, die extra in den kalten, nassgrauen Winter nach Deutschland reisen, um so einen echten Weihnachtsmarkt zu erleben.

Dabei haben genau dieselben Leute früher verständnislos dreinblickend die Nase gerümpft, wenn ich auch nur erzählt habe, was Glühwein ist. Allein die Idee, jede Menge Zucker in Rotwein zu schütten und das dann auch noch warm zu machen, hat absolutes Kopfschütteln verursacht. Doch mittlerweile habe ich auch hier schon einen Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt, der hier Fira de Nadal heißt, gefunden! Sogar echte Weihnachtsbäume finden offenbar reißenden Absatz.

fira de nadal

Der Hauptbestandteil jedes katalanischen Weihnachtsmarkts ist jedoch nach wie vor das Krippenzubehör. Bevor die Idee des Weihnachtsbaums von Deutschland aus bis hierher vordrang, kannte man als adventliche Dekoration eigentlich nur die Krippe. Die wurde dafür aber so detailreich wie die Landschaft einer Modelleisenbahn aufgebaut. Richtige kleine Dörfer mit Häusern, Märkten, Menschen und Tieren. Sogar kleine Brunnen und sich drehende Mühlräder hab ich schon gesehen.

Und was natürlich in keiner Krippe fehlen darf, ist der Hirte mit dem dringenden Bedürfnis, sich in einer ruhigen Ecke zu erleichtern, der Caganer. Die kleinen Kerle sind mittlerweile so beliebt, dass sie in Barcelona auch im Sommer zu finden sind. Nicht nur Touristen kaufen die Caganers als Andenken, wenn statt des traditionellen Hirten berühmte Persönlichkeiten dargestellt werden. Wir haben zum Beispiel einen kleinen Messi zu Hause, den ich selbst angemalt habe.

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Aber mit dem Fäkalhumor ist es noch nicht genug.  Bevor die Heiligen Drei Könige am 6. Januar die Geschenke bringen, gibt es auch am 24. Dezember eine kleine Überraschung für die Kinder. Ein dickes Stück Holz, das mit einem Gesicht bemalt wird und meist eine barretina, die traditionelle katalanische Kopfbedeckung trägt, wird zunächst gefüttert und mit einer warmen Decke kuschelig eingepackt, bevor die lieben Kleinen dann mit einem Stock drauf loshauen und Geschenke fordern. Der arme caga tió kann dann gar nicht anders und erleichtert sich hinten, indem er Süßigkeiten und kleine Geschenke „macht“.

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Die lustigen Holzscheite gibt es in kleiner Ausgabe, fertig bemalt für zu Hause zu kaufen, auch als gehäkelte oder genähte Version, aber es gibt auch große Holzstämme auf den Plätzen zum Draufherumklettern.

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Auf unserem Weihnachtsmarkt erklingt immer irgendwo fröhliche, laute Musik. Weihnachtsgeschichten werden am großen Lagerfeuer erzählt, das drei Tage lang brennt und jeder kann an einem Wunschbaum seine Wünsche für das Weihnachtsfest aufhängen. An den vielen Ständen kann man neben Käse, Wurst und Süßigkeiten vor allem hübsche Geschenkideen finden. Natürlich werden die Seife in Filzmantel, Girlanden aus Flaschenkorken oder Holzsterne alle von Hand gefertigt. Dazwischen hackt ein dicker Hahn Körner vom Boden seines Käfigs. Auf einem Schild steht, man solle sein Gewicht erraten. Wer am Ende am dichtesten dran ist, kann den Vogel dann mit nach Hause nehmen. Da ziert man sich hier nicht. Wer Weihnachten Geflügel essen will, muss da durch.

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Im Gegensatz zu den deutschen Weihnachtsmärkten ist die Musik hier immer laut und fröhlich. Während „Stille Nacht“ und „Oh du Fröhliche“ eher besinnliche, feierliche Stimmung heraufbeschwören, erklingen hier die traditionellen Villancicos  wie „Los peces en el río“ (ein spanisches Weihnachtslied) oder „Fum Fum Fum“ (katalanisches Weihnachtslied).

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Besonders gut gefällt mir ein Stand, an dem die traditionellen Riesen, die Gegants, als handgeschnitzte und bemalte Holzfiguren verkauft werden. Die nette Dame erklärt mir genau, welcher Riese aus welchem Dorf kommt – und es sind tatsächlich alle Dörfer der Umgebung vertreten. Denn die Riesen sehen in jedem Ort anders aus. Die meisten Orte haben ein Königs- oder Bauernpaar, aber manche auch neue kreative Figuren, die immer eine ganz besondere Geschichte erzählen. Auch die Heiligen Drei Könige sind natürlich mit dabei.

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Der Stand, an dem ich mein zukünftiges Weihnachtsgeschenk finde, ist eigentlich gar nicht so weihnachtlich: meine heiß geliebten Espardenyes! Über die traditionellen Stoffschuhe, die mich seit vielen Jahren durch die Sommer tragen, muss ich auch mal einen Artikel schreiben. Leider hat der nette Herr meine Größe nicht dabei, aber bis zum Sommer ist ja auch noch Zeit. Vielleicht schaffe ich es ja dann nach Cadaqués zu fahren, und dem Herrn dabei zuzusehen, wenn er neue Espardenyes macht. Der Laden in Cadaqués heißt übrigens sespardenyadecadaques.com und das hier ist keine Werbung, ich will da einfach wirklich unbedingt hin, weil ich diese alten Handwerksberufe total spannend finde. Und ich hoffe, dass es auch die Korbmacher, Töpfer, Glasbläser, Schmiede etc. noch lange geben wird.

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