Tarragona – Rom in Miniaturformat

Tarragona Modell Tarraco

Der Legende nach verließ Jupiter seine Frau Tiria, weil er sich unsterblich in die Stadt Tarragona verliebte. Das behauptet das Fremdenverkehrsamt Tarragonas jedenfalls. Dabei hieß Jupiters Frau doch Juno – und wieso verliebt sich so ein wichtiger Gott in eine kleine Stadt? Dieser Behauptung musste ich unbedingt auf den Grund gehen. Da Tarragona nicht weit von Barcelona entfernt liegt, mache ich mich einfach an einem schönen Samstag auf den Weg.

Tarragona

Bei den Römern hieß das heutige Tarragona „Tarraco“ und war im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus so eine Art New York des römischen Reichs, ein wichtiges Wirtschafts- und Handelszentrum und eben sehr angesagt bei den wichtigen Leuten. Die Scipionen waren hier, Augustus, Cäsar hat hier Truppen versammelt und noch jede Menge andere Leute, die man noch aus dem Lateinunterricht kennt, sollen sich hier getummelt haben.

Ich fahre mit dem Auto, über die Via Augusta, die heutige N-340 nach Tarragona. Die Via Augusta war die Hauptstraße des römischen Hispania: Sie verlief von Narbonne über Girona und Valencia bis Cadiz, einmal ganz über die iberische Halbinsel, und eben mitten durch Tarragona. Schon vor der Stadt lauern die römischen Mauern auf die Besucher. Da ich aber mit dem Auto fahre, kann ich natürlich nicht fotografieren.

Tarragona Altstadt Platz vor Museum

In Tarragona angekommen, bin ich nach nur zehn Minuten Fußweg schon mitten in der Altstadt. Überall stoße ich auf Reste römischer Bauten. Hier ist unglaublich viel erhalten geblieben: Das Amphitheater, Teile des Circus Maximus, Teile der Forums, ein Aquädukt, und noch viel mehr. Ich bin echt begeistert. So viel altes Rom habe ich bisher nur in, naja, in Rom selbst gesehen. Die gesamte Altstadt Tarragonas ist praktisch auf römischen Gebäuden errichtet. In vielen Bars an der Plaza del Font, vor dem Rathaus, kann man noch alte Mauerreste des Circus Maximus sehen! Natürlich kann man nicht die ganze Altstadt abreißen, um die römischen Bauten freizulegen, aber neu gebaut werden darf hier nicht mehr. Für Immobilien-Spekulanten ist das ein echtes Problem: Sobald irgendwo ein altes Haus abgerissen wird und ein neues gebaut werden soll, findet man neue Ruinen! Der ganze Untergrund  ist einfach voll davon.

roemische woelfin tarragona

Direkt neben dem Archäologischen Museum Tarragonas kann man einen der Ecktürme des römischen Circus besteigen und vor dort auf die Stadt hinunterblicken. Mir ist zwar beim Erklimmen der Stufen leicht schwindelig geworden (Hunger! ich hatte noch nicht zu Mittag gegessen 😉 ), aber die Aussicht entschädigt für alle Mühen! Wenn man sich oben satt gesehen hat, kann man sich an den Abstieg in die Tiefe machen: Ein paar sehr gut erhaltene, unterirdische Gewölbe und Tunnel, die unter dem Circus hindurchführten, sind freigelegt und für Besucher zugänglich. Sehr beeindruckend!

Tarragona Tunnel

Tarragona Tunnel

Das römische Amphitheater liegt total malerisch direkt am Meer. Schöner geht kaum. Im dritten Jahrhundert nach Christus sollen hier ein paar Märtyrer verbrannt worden sein.

Amphitheater Roemisch Tarragona

Amphitheater Tarragona

Und dann gibt es natürlich noch die Kathedrale, die hoch oben, auf dem höchsten Punkt der Altstadt thront. Wenn man die Stufen zu dem kleinen Platz vor der Kirche erklimmt, kann man sich vorstellen, wie mächtig das Gotteshaus im Mittelalter auf die Bewohner gewirkt hat. Der Eintritt ist relativ teuer (5 € im Gegensatz zu den römischen Ruinen die nur 3,25 € für alles ksoten). Der Kreuzgang ist zwar echt schön, aber ansonsten lohnt sich die Ausgabe eher nicht so, es sei denn, Ihr seid besonders kunsthistorisch interessiert. Bei einer Entweder-oder-Entscheidung würde ich absolut die Römer empfehlen. Die Kathedrale ist am beeindruckendsten, wenn man direkt davor steht, und das kostet nichts.

Kathedrale Tarragona Frontseite

Entfernt man sich etwas vom historischen Zentrum und bummelt quer über die alte und die neue Rambla, dann kommt man zu einem zweiten Forum aus römischer Zeit, dem Forum local. Super lieb erklärt uns der nette, ältere Mann am Eingang, was wir alles sehen und was wir mit der Eintrittskarte noch besichtigen können. Total niedlich und freundlich. Schon oben in der Altstadt, an dem Modell des alten Tarracos, gab es so einen netten „Rentner“ oder bediensteten Geist, der uns total freundlich Auskunft auf all unsere Fragen zu dem Stadtmodell gegeben hat. Es lohnt sich übrigens, dort den Stadtbummel zu beginnen! Sehr nette Menschen hier in Tarragona, ehrlich. Aber zurück zum Forum. Man fühlt sich wie in Rom, nur alles viel kleiner. Mitten in der Stadt, zwischen zwei Häuserblocks, ragen auf einmal korinthische Säulen in den Himmel. Man kann zwischen den ausgegrabenen Resten des Forums umherwandern, in die Tiefen der Cisternen herabblicken und zwischen den Mauern hindurch spazieren. Sogar ein Stück einer alten römischen Straße wurde hier freigelegt.

Forum local tarragona

Forum local tarragona

Etwas nördlich von Tarragona liegt die Brücke des Teufels, „Pont del Diable“ wird das Aquädukt genannt.  Wenn man mit dem Auto über die Autopista del Mediterraneo anreist, kann man diese uralte Wasserleitung prima sehen. Nachdem das römische Reich längst Geschichte war, haben die Kalifen von Córdoba diese Wasserleitung nach Tarragona mehrmals Instand gesetzt. Noch bis ins Mittelalter wurde die Stadt über dieses Aquädukt  mit Wasser versorgt!

Tarragona Aquaedukt Pont de Diable

Und es gibt noch sooo viel mehr zu sehen, aber das passt jetzt nicht mehr alles in einen Artikel. 🙂

Tarragona

Dislcaimer : Die Recherche zu diesem Artikel wurde netterweise von GoEuro unterstützt. 

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